Forum: Netzwelt
Porno-Abmahnung: Kölner Landgericht rückt von Redtube-Entscheidungen ab

62-mal haben Kölner Richter entschieden, dass die Deutsche Telekom Porno-Abmahnern Hunderte von Kundennamen verraten muss. Nun deutet das Gericht an, man werde in der Sache wohl kaum noch einmal so urteilen.

Seite 4 von 15
jallajalla 20.12.2013, 17:33
30. Urheberrecht reformieren!

Es geht ja bei den ganzen Abmahnungen nicht um Urheber- sondern um Verwertungsrechte. Die Urheber werden mit dem Verfahren letztendlich genauso belastet wie die Allgemeinheit.
Von dem Reibach bekommen die Pornoakrobaten keinen Cent. (Von dem hier vorliegenden Sonderfall der Jutta S. aka Julia Reaves als Inhaberin der Serrato Consultatores mal abgesehen).

Beitrag melden Antworten / Zitieren
diezweitemeinung 20.12.2013, 17:56
31. Prognosen sind bekanntlich eine schwierige Angelegenheit

- insbesondere dann, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen. Doch seis drum. Wagen wir trotzdem einmal eine Vorhersage: wahrscheinlich wird schon bald im Stern eine gewagt illustrierte Titelgeschichte mit der Überschrift erscheinen "Ich habe onaniert! 1000 Prominente geben zu, dass sie sich mit Hilfe einer urheberrechtlich geschützten Wichsvorlage selbstbefriedigt haben." Dieser Artikel wird mit den Unterschriften Prominenter aller derzeit bekannten Geschlechter und Sex-Geschmäcker aus Politik, Kirchengremien, Gewerkschaften, der Frauenbewegung und natürlich auch von Ärzten, Rechts- und Staatsanwälten sowie Richtern und Richterinnen unterfüttert. Nur Extremisten aus den Reihen der die Päderasten und Koprophilen werden sich zurückhalten, da sie sich zur Zeit keiner großen Beliebtheit erfreuen.
Es gibt sicher viele Menschen die keine Pizza essen oder keinen Alkohol trinken - es dürfte aber deutlich weniger Mitbürger geben, die mit Blick auf Pornografie von sich behaupten können, dass sie ihre Hände -wie von Mutti immer gefordert -immer brav auf der Bettdecke abzulegen. Schließlich wissen wir heute, dass die Onanie nicht zu Rückenmarksschwindsucht und Erblindung führt.

Obgleich die Besucher von Red Tube und Co. also zur überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung gehören, werden sich viele Ertappte - so vermute ich zumindest - so sehr ihres sozialverträglichen Handelns schämen, dass sie die von den Erpressern in den schwarzen Roben geforderten 250,- € zähneknirschend an das Syndikat überweisen. Bis diese irgendwann den Falschen abmahnen, der aufgrund seiner südländischen Wesensart vielleicht zu drastischeren Formen der Gegenwehr greift.
Den verängstigten Onanisten möchte man zurufen "Fürchtet und schämt Euch nicht! Ihr befindet Euch in bester Gesellschaft. Auch die in der GroKo engagierten Politiker und Politikerinnen greifen auf die gleichen Pornoportale zu wie ihr. Und auch die Kirchenführer in Rom werden vermutlich schon längst ihre Anregungen nicht mehr von Decken- und Wandgemälde der diversen Gotteshäuser beziehen, sondern von Video-Portalen wie Red Tube.
Man kann nicht oft genug darauf hinweisen: der Konsum von online verfügbarer Pornografie ist nicht unethischer als das Streaming von Kochrezepten. Bei beiden Tätigkeiten geht es um die Befriedigung menschlicher Grundbedürfnisse , die seit einigen tausend Jahren die Achse darstellen, um die sich das Leben dreht

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Udo Buschmann 20.12.2013, 18:01
32.

ausgesprochen interessant. vielleicht sollten die geprellten einmal in Betracht ziehen - nach rechtlicher Beratung - dienstaufsichtsbeschwerde beim lg koeln einzulegen. vielleicht ergeben sich sodann die rechtlichen Gründen fuer die folgenschwere Beschlüsse.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mitchomitch 20.12.2013, 18:15
33.

Zitat von manschu
Können Geschädigte auf Schadensersatz klagen, falls sich herausstellt, dass der Beschluss rechtswidrig war? Falls ja, wen?
Der Schaden besteht ja im Zweifel nur aus den Anwaltskosten, die man aufwenden muss, um die Forderungen adäquat zurückweisen zu lassen. Das Problem ist, dass man als Anspruchsteller seinerseits nachweisen muss, dass man zu Unrecht abgemahnt worden ist. Wenn dies feststellbar wäre, dann könnte man wegen der Kosten sicherlich weiter vorgehen, aber auch eine negative Feststellungsklage wäre denkbar. Der Anspruch geht gegen den Schädiger, das wäre in erster Linie The Archive AG aus der Schweiz. Falls sich herausstellen sollte, dass die verantwortlichen Personen dahinter und vielleicht sogar die Anwälte selbst sich strafbar gemacht haben, dann würden diese daneben allesamt als Mittäter haften.

Da sehr Vieles im Moment noch reine Spekulation ist, muss man erst einmal abwarten, wie sich der Fall in den nächsten Wochen und Monaten weiter entwickeln wird.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
prozesskostenhilfe 20.12.2013, 18:20
34. Komisch,

was auffällt, ist, dass gerade in solchen Prozessen die Kölner Gerichte, also LG und OLG, die Rechtslage weit zugunsten der Abmahner auslegen. Angefangen bei den Ermittlungsanträgen, über das konkrete Auskunftsverlangen, der Frage, wann in Tauschbörsen gewerblich vorgegangen wird oder nicht, bis hin zu den Streitwertfestsetzungen, an denen die Gebühren der Anwälte hängen. Insbesondere bei den Streitwertfestsetzungen mussten erst Gerichte aus anderen Regionen der Republik nach unten korrigierende Maßstäbe setzen. Ich bin aber sicher, dass kein Zusammenhang damit besteht, dass sich in Köln die Medienindustrie knubbelt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
nordharri 20.12.2013, 18:23
35. krasses Fehlverhalten

Von moral- und skrupelfreien RA-Kanzleien erwartet niemand etwas Gutes, obwohl auch Rechtsanwälte eine Berufsordnung haben und nicht mit Lüge und Betrug arbeiten dürfen. Dass aber ein Gericht 62 x einem schon lange bekannten Abzock-Abmahnanwalt so mir nichts, dir nichts Auskunftsbeschlüsse erteilt, ist mehr als befremdlich und erhöht nicht gerade das Ansehen der Justiz. Gut das da Bewegung in die Sache kommt. Sehr fragwürdig ist auch das Verhalten der Telekom. Haben die denn keine Juristen? Ist ihnen der Datenschutz ihrer Kunden nichts wert. Gegen diese fragwürdigen Auskunftsbeschlüsse hätte die Telekom doch juristisch vorgehen können. Bin auf eine Stellungnahme des Vorstands gespannt. Lange werden die sich nicht mehr wegducken können.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Kaworu 20.12.2013, 18:24
36.

Dieses Gericht hat den sogenannten "Richtervorbehalt" ad absurdum geführt. Warum noch einen Richter prüfen lassen, wenn doch eh nicht geprüft wird?
Immerhin gab es wenige löbliche Ausnahmen wo noch einmal kritisch nachgefragt wurde.
Soll also in der aktuell auch stattfindenden Diskussion um die Vorratsmindestdatenvollspeicherung keiner das Wort "Richtervorbehalt" in den Mund nehmen - den gibt es nicht mehr. Eher ein "Richterabnicken".

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ch.weichberger 20.12.2013, 18:29
37. auffällig wie leicht sich

Gerichte hierzulande mit professionellen abmahnern einlassen...die an kriminelle Vereinigungen denken lassen..versteht eh nicht. Wie man zigtausende Abmahnungen. durchwinken kann...ohne sich fragen zu stellen der. Rechtmäßigkeit...ausser dem scheinen mir diese Richter sich selbst straffällig gemacht zu haben ...wegen Beihilfe zum bandenmaessigen. Betrug mittels Abmahnungen...wie leicht werden solche Richter wohl Geheimdienst anfragen nachgeben. Ohne nachfrage

Beitrag melden Antworten / Zitieren
nick999 20.12.2013, 18:31
38.

Zitat von MetalunaIV
Ich habe immer noch nicht kapiert, warum der Rechteinhaber lediglich gegen die Besucher von Redtube vorgeht, nicht aber gegen Redtube selbst. Wenn das Material urheberrechtlich geschützt ist, dann müsste es vom Server verschwinden - statt die unwissenden Besucher abzumahnen. Das müsste doch auch den Richtern in Köln einleuchten, dass hier eine Falle gestellt wurde, um mit den Filmchen Geld zu verdienen.
So wurde früher geurteilt, heute haben die Gerichte wenigstens da Schluß gemacht. Macht sich der Briefträger strafbar, wenn er illegales Material in den Briefkasten wirft?

Auf der anderen Seite scheint es sich zu verdichten, daß der Dunstkreis um den Abmahner sich zunächst die Rechte an dem betreffenden Video gesichert hat, es dann selbst bei Redtube hochgeladen hat, um anschließend die Nutzer abzumahnen. Wenn das stimmt, ist der Redtubepart sogar bei kritischster Betrachtung legal.
One Click Hoster (Internetfileserver) konnten nur überleben, weil sie die von ihnen genannte Löschfunktion unbürokratisch installierten. Zusätzlich mußten sie ein Checksummensystem installieren, damit die gleiche Datei nicht nachgeladen werden kann. Das wirkt bei Filmchen aller Coleur, Audio, Bildern ...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
blowup 20.12.2013, 18:36
39. Unglaublich

Schön, dass das LG nun einsieht, dass da ggf. bei der IP-Ermittlung Rechte verletzt worden sind.

Aber selbst, wenn da alles OK gewesen sein sollte...so bleibt doch die Frage, wie man die Herausgabe anordnen konnte, wo es doch um Streaming geht, das bisher nicht geahndet wurde, bzw. ggf. gar kein Verstoß ist?

Und selbst falls doch, kann man grundsätzliche Rechte wegen eines "Schadens" von 15,50 mit Füßen treten?

Ich hoffe doch sehr, dass das erst der Anfang war in Sachen Selbstkritik beim LG Köln!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 4 von 15