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Problem der Piraten: Die Trennung von Amt und Meinung

Den Piraten laufen die Vorstände weg, und das hat seinen Grund. Ein Amt in der Piratenpartei erfordert die Aufgabe der eigenen politischen Meinung. Diesen Zwiespalt und den Druck hält nicht jeder aus - Schwarmlobbying und Schwarmmobbing liegen dicht beieinander.

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miss_moffett 30.10.2012, 19:27
80.

Zitat von waterman2
... Dass gegen die Piraten von allen Seiten gehetzt wird, ist ja verständlich. Noch kommen die Altparteien schließlich auf ca. 90%. TROTZ Abbau des demokratischen Systems. Schizophren ist doch das. Man hetzt gegen Ponader, der sich trotz 1,0-Abis dazu entschlossen hat, lieber nichts ins kaputte Solidarsystem einzuzahlen. ...
Es wird nicht von allen Seiten gehetzt.
In meinem Bekanntenkreis wird vor allem gekichert über Hrn. Ponader.
Nicht weil er "nicht ins kaputte Solidarsystem einzahlt" (als Ausdruck seiner politischen Gesinnung?) sondern weil er sich aus diesem angeblich "kaputten Solidarsystem" bedient hat.
Bei einem etablierten Politiker würde das übrigens grossere Schlagzeilen geben.

Und bitte, bitte hört endlich auf bei jeder Erwähnung von Hrn. Ponader sein 1,0-Abi zu erwähnen. Das ist ebenso peinlich, wie jedes Mal, wenn Bayern München zur Sprache kommt "der deutsche Rekordmeister" zu sagen.

So hoffe ich, er tritt nicht zurück.
Mit dem wird es auch in Zukunft noch viel zu lachen geben.

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silverhair 30.10.2012, 19:37
81.

Zitat von eine-Meinung-unter-Vielen
... Zwischen Schwarm und Führungspositionen kann es durchaus eine Win-Win Strategie geben. Es wäre u.A. eine Balace zu finden zwischen: 1) Der Schwarm weiss es besser und 2) Der Experte / Politiker weis es besser Das könnte über die Medien (auch Internet) besser funktionieren als bislang - Stichworte: Bürgermeinung, Transparenz politischer Entscheidungen usw. Ein bisschen nach den Prinzipien eines Teams aufgestellt. Es gibt zwar eine flache Hierarche, aber man hört aufeineinder, arbeitet zusammen und jeder tut das, was er am besten kann.
Das Rennen wird immer zu gunsten des Schwarm ausgehen , nicht umsonst sind in der gesamten "lebenden Natur" ausschließlich Schwarmprinzien noch vorhanden , alles andere ist wohl ausgestorben!

Dahinter werkel ein einfacher aber tödlicher Mechanismus. Ein "Zentraler in der Spitze an der Hierarchie" benötigt immer ein komprimierung aller Daten - sprich, auf dem Weg von "unten" nach oben werden immer mehr Datenzusammengefaßt , und dabei wird die Detailinformation immer mehr vernichtet - derjenige an der Spitze bekommt zwar einen wie auch immer gearteten Mittelwert, aber dieser ist am "maximalweitesten" von allen lokalen realen Informationen entfernt. Entscheidet er nun irgendwas aufgrund dieser Daten , dann wird seine Entscheidung ebenso nach unten einfach verbreitert - und unten kommt dann etwas an , was maximal weit von "jeder realen Grundlage" ist!

Die Folge sind eben Gesetze, die "Seilbahnen in den Hamburg genauso regeln sollen wie in Bayern, die Hochseerettungsboote auf dem Rhein zwingend vorschreiben oder Streusalz was überall dort liegt wo es eigentlich nicht gebraucht wird!

Diese "Informationsvernichtung" ist in der Wissenschaft und Wirtschaft längst bekannt , und genau deshalb baut man möglichst keine Zentralen steuersysteme mehr , sondern mio von einzelnen , lokal auf die Bedingungen reagierenden Systeme!

Dieser Schritt von der "Zentralen Steuerung" zu dezentraler Lokaler Aufgabenlösung wurde von den grossen Unternehmen und Konzernen um 1990 schon weltweit umgesetzt, dort gibt es nirgendwo mehr einen der "von oben nach unten entscheidet" - man verbreitet eine Richtung , aber wie die umgesetzt wird obliegt ausschließlich den Lokalen Untereinheiten!
Das selbe übrigens in der Technik - nicht das hochrüsten "einer CPU" schafft Supercomputer, sondern das zusammen wirken von tausenden die immer nur kleine lokale Problemstellungen bearbeiten!

Die Illusion das ein menschliches Gehirn solche Komplexen Zusammenhänge irgendwie noch bewerten könnte hat man ausser in der Politik und Juristerei längst aufgeben!

Kurz, der oberste in einer Hierarchie ist der Unwissenste im gesamten System, weil er alles über immer weniger weiss, und mit immer weniger über alles entscheiden will!

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amerlogk 30.10.2012, 19:38
82.

Zitat von Newspeak
Wenn man die etablierten Parteien nur einmal so kritisch unter die Lupe nehmen würde, wie das bei den Piraten geschieht.
Die Heulsusen Mentalität nervt. Piraten sollten sich Kritik stellen.
Jede Partei kriegt ihr Fett ab von der Presse, Piraten blenden das nur gern aus. Wenn dann noch Piratenwähler die angebliche Unterwanderung ins Spiel bringen wird es esoterisch.

Flügelstreit und Personalquerelen der Linken, Kanzlertroika bei der SPD, Transparenz-Gehaltsdebatte bei Steinbrück, Versicherungsvorzüge bei FDP und CDU, Realo-Fundi Auseinandersetzung der Grünen....

Das die Presse nicht fähig ist kompliziertere politische Prozesse zu beschreiben und zuspitzt ist doch wohl hinlänglich bekannt, besonders jenen die Politik machen.

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fadenscheinig 30.10.2012, 20:31
83. Ein positiver Aspekt...

an den Piraten ist ja immerhin, dass die Protestwähler nicht zu den Nazis laufen. So eine Protestwählerauffangpartei sollte uns eigentlich erhalten bleiben solange sie schön bei 3-4 % bleibt und nichts zu sagen hat...

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lehrlauf 30.10.2012, 21:06
84. Nicht alles, was trifft, ist ein Vergleich...

Zitat von silverhair
Das Rennen wird immer zu gunsten des Schwarm ausgehen , nicht umsonst sind in der gesamten "lebenden Natur" ausschließlich Schwarmprinzien noch vorhanden , alles andere ist wohl ausgestorben!
Es braucht in der Natur schon etwas mehr als nur hierarchische oder heterarchische Informationsprinzipien. Bei der wissenschaftlichen Betrachtung von Schwarmprinzipien geht es zuvorderst um verteilte Kognition nebst Informationsaustausch.

In der Natur geht's um Essen, Vermehrung, Überleben. Da gibt es einige Einzelgänger, deren Spezies es locker auf ein paar hundert Millionen Jahre Dasein auf der Erde bringt. Es gibt Herden oder Rudel, letztere oft mit Leittier. Ganz ohne zentrale Instanz will die Natur anscheinend nicht auskommen.

Natürlich können die Bienchen verteilt ganz toll Honig sammeln und die Ameisen den Routen folgen, aber selbst dort gibt es Volksentitäten, die in der Hierarchie höher stehen.

Schwarmprinzipien liefern ohne Frage ganz tolle Lösungsansätze, einfachste Algorithmen, die im Verbund faszinierende Dinge vollbringen. Aber sie ersetzen nicht in jedem Fall zentrale Entscheider.

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lehrlauf 30.10.2012, 21:16
85. Nicht ganz richtig...

Zitat von silverhair
Dieser Schritt von der "Zentralen Steuerung" zu dezentraler Lokaler Aufgabenlösung wurde von den grossen Unternehmen und Konzernen um 1990 schon weltweit umgesetzt, dort gibt es nirgendwo mehr einen der "von oben nach unten entscheidet" - man verbreitet eine Richtung , aber wie die umgesetzt wird obliegt ausschließlich den Lokalen Untereinheiten!
Ganz richtig erfasst steigt die Abstraktion von oben nach unten, die Detailschärfe nimmt ab. Der gemeinsame Nenner, die Lingua Franka über alle Ebenen hinweg, sind wirtschaftliche Kennzahlen. Um 1990 sprach man vermehrt von Profit-Centern, heute wird sich jede Unternehmenseinheit an Erlösen messen müssen. Das versteht auch jeder. Schwarmverhalten heisst in der Konsequenz dann nichts anderes als interne Leistungsverrechnung.

"Richtungen verbreiten" klingt wenig wirtschaftlich, eher nebulös. Um genau zu sein, werden von der Unternehmensführung Ziele ausgegeben. Und tatsächlich nennt man Vorstände heute mitunter noch Unternehmenslenker. Steuermänner quasi. Vielleicht ist ja die Kybernetik die richtige Wissenschaft, um die Wirtschaft zu modellieren? Vielleicht auch OR?

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stefan-göbelsmann 30.10.2012, 22:17
86. Huch, der Herr Lobo

verfüge erst seit kurzem über Internet und bin daher auch noch neu bei S. P. O. N.. Sascha Lobo kannte ich bislang nur aus dem Fernsehen. Aus der Zeit, als ich mir noch öffentlich-rechtlichen Establishment-Schwafelquatsch wie „Hart aber fair“ angesehen hab´. Als bekennender SPD-Wähler (2009) und Mitglied im SPD-„Online-Beirat“ (hähä) war er mir nicht übermäßig sympathisch. Aber dieser Kommentar, ganz unabhängig von einzelnen Bewertungen Herrn Lobos: Substanz! Mehr davon! Nicht nur vor dem Schreiben, sondern auch währenddessen nachgedacht. Sollte Jakob Augstein ebenfalls öfter tun.

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stefan-göbelsmann 30.10.2012, 22:22
87. geheime Zeichen

P. S.: Weiß jemand, was die gefetteten Kürzel „tl;dr“ unter dem Kommentar zu bedeuten haben?

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federkiel 30.10.2012, 23:03
88. n4ungd :-)

Zitat von stefan-göbelsmann
P. S.: Weiß jemand, was die gefetteten Kürzel „tl;dr“ unter dem Kommentar zu bedeuten haben?
Es bedeutet "Tülü! Diedlrumm!" Nein, Scherz. Sascha Lobo hat sich die Kürzel aus dem Internet geklaubt, er übersetzt sie mit "Trotzlöffel, Doofroffel!", was natürlich auch nicht stimmt. Lobo ist ein hochgradig narrativer Kolumnist mit Hang zur Länge, weshalb er selbsterzieherisch sich die im Internet gängigen Kürzel "to long" und "didn't read" (tl und dr) in seine Marke eingebaut hat, also sich selbst verpflichtend, einen überlangen Text (mit Lesers sicherer Reaktion "tl;dr!") ausgangs auf Twittergröße abzubilden. Man könnte es auch das "malss"-Prinzip nennen, "make a long story short". Ach so, noch über die Fettschrift habe ich jetzt lange recherchiert und nachgedacht, ich glaube, sie hat nichts zu bedeuten. n4ungd, nichts für ungut :-)

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user_01 31.10.2012, 00:01
89. nett gemeint, aber trotzdem falsch!

Der Beitrag ist sicher nett gmeint, aber er ist trotzdem unzutreffend.
Denn ein Großteil der aktuellen Piraten-Problemchen ist nicht 'dem Schwarm' zu verdnken, sondern einigen strategisch um Macht ringenden Clicken und deren Protagonisten. Dies wird zum Beipiel deutlich, wenn man sich anschaut, mit welcher Vehemenz Vorstandsmitglied Schrade gegen Ponader schießt: Wenn letzerer nicht von seinem Amt zurücktrete, so verkündet er, werde er das seine niederlegen. Ein Erpressungsversuch mit dem politischem Kalkül, den konservativen Flügel zu stärken. Denn diesem ist der BGE Beführworter Ponader schon lange ein Dorn im Auge. Usw. - Dererlei Beipiele ließen sich mehrere anbringen, der vermeindliche Streit zwischen Schwarm und Funktionsträgern spielt dabei keine Rolle. Denn die Flügelbildung verläuft quer durch alle Hierarchien.

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