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Provokation statt Diskussion: Die Vertrollung der Konservativen
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Viel zu leicht verfällt man im sozialen Netz der Versuchung, Likes als Bestätigung des eigenen Handelns zu werten. Wer diesen Irrtum nicht begreift, droht, zum gemeinen Internettroll zu werden.

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Anton Gutwein 19.09.2018, 14:52
20. Ungerecht

Eine Treibjagd auf Maasen ist korrekt, weil bei einer Treibjagd auch ein einzelnes Wild zum Jäger, damit zum Abschuss, getrieben werden soll. Der Abschuss ist die Entlassung Maasens. Im Fall Chemnitz wurde von Hetzjagden auf Ausländer gesprochen. Es mag eine Hetzjagd, im Nachklang, sogar eine zweite gegeben haben, aber niemals sind alle Ausländer auf den Straßen gejagt worden, noch haben alle rechten Demonstranten, nicht mal viele der echten Nazis, Ausländer gejagt. Das war eine propagandistische Übertreibung, wie die 200000 Bombenopfer auf Dresden, oder das Abschlachten des Opfers des Messerangriffs, eine Übertreibung waren. In dem einen, wie den anderen Fall, will man durch die Übertreibung eine starke Reaktion erreichen. Eine mehr als angemessene Reaktion. Jeder Journalist, jeder gute Journalist, sollte sich gegen die Übertreibung wehren. Tut er das nicht, wird er zur Partei und sollte sich nicht mehr Journalist, sondern Pressesprecher oder Propagandist einer Partei, oder auch einer Idee, nennen.

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tobitibot 19.09.2018, 14:57
21. Klasse Kolumne

Sehr geehrter Herr Lobo,
den Zusammenhang zwischen Likes und Vertrollung haben Sie gut herausgearbeitet.
Ich meine, dass auf der anderen Seite auch der gemeine User dem Konzept des Like-Buttons verfällt. Soziale Medien laden dazu ein, in einen Like-Aktionismus zu verfallen. Beispiele: Maaßen wird zum Staatssekretär befördert - Dislike! Wieder konnten Flüchtlingsboote gerettet werden - Ich spende einen Like!
Der User bekommt dadurch das Gefühl, etwas getan zu haben; auch, wenn nichts Konkretes erreicht erreicht wurde.

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Anton Gutwein 19.09.2018, 15:01
22. Nicht gleich beleidigend werden mostly_harmless

Zitat von mostly_harmless
Ist schon spannend, auf welchem Niveau sich das Textverständnis bei manchem Zeitgenossen befindet..
Lobo erwähnt am Anfang zwar auch, dass die Linken, genauso wie die Rechten, trollig sind, aber schlieslich krtisiert er vor allem rechte trollige Positionen. Die Konklusion, nur noch links zu liken um nicht rechtstrollig zu werden, ist darum ironisch gemeint richtig, entspricht dem Inhalt von Lobos Beitrag. Passt perfekt.

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nilux 19.09.2018, 15:19
23. Gefällt mir

Online-Medien sind doch selbst nur klick-generierende "Like-Button"-Portale. Und die Trolle nennen sich Kolumnisten. Also eigene Nase anfassen.

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xand0r 19.09.2018, 15:19
24. Und schon beginnt die "Hetzjagd"-Trollerei...

Um diesem peinlichsten aller Derailing-Versuche mal entgegenzuwirken: Hetzjagd ist juristisch nicht definiert. Der Duden hingegen bezeichnet als Hetzjagd jegliche Jagd auf Menschen. Es war also, rein sprachlich gesehen, sehr wohl eine Hetzjagd und kein hier imaginierter Richter-Troll würde anders entscheiden. Er würde gar nicht entscheiden. Denn Hetzjagd ist kein juristischer Begriff. Also können wir bitte aufhören, darüber zu streiten, ob ein nach normalen Sprachgebrauch so verwendbares Wort so verwendet werden kann, wie es wurde, und darüber reden, dass wir einen BfV-Präsidenten hatten (der jetzt im BMI Staatssekretär ist -.-), der eben mit möglichst unpräziser Sprache versucht hat, präzisen Sprachgebrauch einzufordern, dabei aber so "ungeschickt" vorging, dass man leider nahezu dazu gezwungen war, seine Äußerung als Zweifel an der Echtheit des Videos zu verstehen, mehr noch: als Streuung von unfassbaren Verschwörungstheorien.

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Mindbender 19.09.2018, 15:24
25. ...

Die "Kunst des Trollens", wie z.B. im Usenet gerne verübt, hat Lobo anscheinend nicht erlebt. Verlierer der Diskussionen waren auch meist nicht die Trolle, sondern die Leute, die sich provozieren ließen (wie Herr Lobo mit seinem Artikel hier schön beweist).
Dann auch noch soziale Medien auf Facebook beschränken zu wollen zeigt umso mehr, dass hier noch ein wenig Nachholbedarf bzgl. des "Neulands Internet" besteht ;)

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tulius-rex 19.09.2018, 15:27
26. ein vierter Begriff für die Vertrollung fehlt noch-der Rechthandler

Sofern nicht unter Bigotterie subsummiert fehlt nach meiner Meinung im Trollverhalten:
-wir die gesetzestreuen Bürger, dort grenzüberschreitende, rechtsverletzende Schmarotzer (ich nenne sie einmal: Rechthandler).

Hierunter fallen alle, die bei Personen oder Personengruppen, die sie ausgrenzen wollen, sich selbst als vorbildhaft und gesetzestreu definieren und verschweigen, dass auch sie laufend die Höchstgeschwindigkeit überschreiten, die Steuern/Sozialabgaben für die häusliche Reinigungskraft hinterziehen und gerne Versicherungsbetrug begehen, jedoch im Netz ihren Haken bei den sog. Gesetzestreuen machen. Der Mantel des ausgewiesenen Rassisten ist ihnen immer noch zu hässlich. Der Rechthandler versteckt seinen Rassismus hinter scheinbarer Gesetzestreue.

Im übrigen freue ich mich immer wenn meine Beiträge bei focus-online viele rote Abwärtsdaumen einfahren; das ist bei diesem Magazin ein Zeichen für Güte.

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Nania 19.09.2018, 15:39
27.

Zitat von Anton Gutwein
Eine Treibjagd auf Maasen ist korrekt, weil bei einer Treibjagd auch ein einzelnes Wild zum Jäger, damit zum Abschuss, getrieben werden soll. Der Abschuss ist die Entlassung Maasens. Im Fall Chemnitz wurde von Hetzjagden auf Ausländer gesprochen. Es mag eine Hetzjagd, im Nachklang, sogar eine zweite gegeben haben, aber niemals sind alle Ausländer auf den Straßen gejagt worden, noch haben alle rechten Demonstranten, nicht mal viele der echten Nazis, Ausländer gejagt. Das war eine propagandistische Übertreibung, wie die 200000 Bombenopfer auf Dresden, oder das Abschlachten des Opfers des Messerangriffs, eine Übertreibung waren. In dem einen, wie den anderen Fall, will man durch die Übertreibung eine starke Reaktion erreichen. Eine mehr als angemessene Reaktion. Jeder Journalist, jeder gute Journalist, sollte sich gegen die Übertreibung wehren. Tut er das nicht, wird er zur Partei und sollte sich nicht mehr Journalist, sondern Pressesprecher oder Propagandist einer Partei, oder auch einer Idee, nennen.
Weil also in den Videos von Chemnitz immer nur ein paar Menschen mit Migrationshintergrund (ob das Ausländer sind oder nicht kann man nämlich nur am Pass, nicht an der Nase sehen) gejagt worden sind, kann man nicht von einer Hetzjagd sprechen? Oder gar Maaßens Behauptung für richtig halten, es habe nie jagten gegeben?
Nein, nicht alle Demonstranten haben in Chemnitz jagt auf Menschen mit Migrationshintergrund (oder Menschen, die danach aussahen) gemacht. Aber genügend, dass es die Bilder in die New-York-Times schafften. Das spricht eigentlich Bände.

Maaßen musste gehen (obwohl... er ist ja eigentlich "rausbefördert" worden), weil er die Geschehnisse in Chemnitz, die wirklich erschreckend waren, egal, wie viele Nazis da jetzt genau Menschen gejagdt haben, fast geleugnet, aber mindestens verharmlost hat. Weil er dubiose Kontakte zur AfD hatte. Weil er im Fall Amri versagt hat. Weil er auch in Bezug auf den NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen versagt hat. Alles in Allem: weil er gegenüber den Rechten und den Rechtsextremen in Deutschland blind wie ein Maulwurf gewesen ist. Und das DARF sich ein Verfassungsschutzchef NICHT leisten!

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mickt 19.09.2018, 15:51
28. Super!

Wieder mal treffend auf den Punkt. Danke dafür und bitte weiter so!

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Corona17 19.09.2018, 15:53
29. Zwei Themen gemixt

Herr Lobo, Sie mischen in Ihrem Artikel zwei Themen, die jede für sich Gegenstand einer eigenen Kolumne sein könnten oder sogar müssten: 1. Die Krise des Konservatismus. Es gibt zwar konservative Themen, aber außer dem Standpunkt, dass es besser sei nationale Grenzen zu bewahren als Regeln für Ihre Durchlässigkeit zu definieren, gibt es kein konservatives Projekt, das derzeit als identitätsstiftendes Thema für Konservative taugt. Abtreibung? Nicht wirklich. Homo-Ehe? Der Drops ist gelutscht. Steuern? Zu kompliziert. War sonst noch was? 2. Trolle. Ein Troll hat es ins Weiße Haus geschafft. Dort betreibt er jetzt Troll-Politik. So weit ich weiß, schafft er das ohne Facebook, nur mit seinem Twitter-Account. Nachdem er neulich Mal nach Feedback zu seinen Tweets gegoogelt hat, wollte er Google regulieren, weil ihm das Ergebnis nicht passte. In dem Punkt mit den Trollen haben Sie den Nagel auf den Kopf getroffen. Nur, das muss nicht immer konservativ sein, das hat in meinen Augen eher mit Populismus zu tun, der den sogenannten besorgten Bürger ansprechen möchte. Diese Karte kann dann auch mal eine Sahra Wahenknecht spielen.

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