Forum: Netzwelt
Radikalisierung im Netz: Weltsicht durch die Filterbrille
DPA

Im Netz sehen manche die Welt anders als andere - durch eine Filterbrille. Setzt man diese Brille auf, ist plötzlich alles klar: Die Juden sind schuld. Oder die Frauen. Oder die Flüchtlinge. Und das Gehirn fällt auf diesen Unfug rein.

Seite 5 von 18
tobitibot 17.10.2018, 17:35
40. Ein weiterer Aspekt

Das Netz bietet meiner Meinung nach nicht nur einen durch die jeweilige
Community beeinflussten Blick auf die Welt, sondern auch eine Möglichkeit
zur ständigen Bestätigung: Wo man früher noch auf die nächste Ausgabe eines
Meinungsmediums oder Stammtisches warten musste, bekommt man im Netz sofort
eine ideologische Einordnung eines Geschehnisses. Eine individuelle Reflexion
von Erlebnissen oder Nachrichten findet so kaum noch statt.
Diese unmittelbare Rückkopplung erschwert es zusätzlich, Personen mit anderen
politischen Positionen zu erreichen - und, auf diese einzugehen, denn natürlich
ist man selbst davon nicht ausgenommen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
dasfred 17.10.2018, 17:36
41. Zu Nr.25 fletsherfahrer

Das mit dem Nationalstolz der Franzosen war echt gut. Genau das richtige Beispiel für eine nationale Filterblase. Da wurde alles draus verdrängt, was nicht ins Bild der Grande Nation passt. Die Kolonialgeschichte, die Revolution mit ihren späteren Folgen, die Kriege, die Kollaboration mit den Nazis und so weiter und so fort. Auf den Rest ist man dann so stolz, dass man jede neu gewählte Regierung schon nach wenigen Tagen am liebsten wieder aus dem Amt jagen würde. Das ideale Beispiel, wie Filterblasen über Verdrängung funktionieren.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
majidovnuri 17.10.2018, 17:37
42. Informationsmonopol

Lange Zeit besitzen die Medien der Presse ein Informationsmonopol. Mit dem Aufkommen des Internets ist das Monopol der Presse und der Medien verschwunden. Jetzt kann jeder Informationen drucken und verteilen. Leider haben die Presse und die Medien, und selbst jetzt versuchen, das Informationsmonopol in Händen zu behalten. Zum Beispiel wird das Pressemedium für die versteckte Kontrolle von Moderatoren verwendet und verwendet diese nicht legal. Die Arbeit der Moderatoren ist legal, aber die Tatsache, dass Moderatoren anonym sind, das ist es, was das Motiv der Straftat schafft, die Anonymität der Moderatoren ist nicht legal und sie sehen es alle, aber sie sind still. Sie können daraus schließen, dass in den Medien die Gesetze nicht gelten und viele Menschen einfach nicht verstehen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
GoranBaranac 17.10.2018, 17:45
43. Ihre Ironie war schon mal lustiger...

...Herr Lobo. Und Ihre Filterbrillenträger-Beispiele arg einseitig. Links gibt's keine Filterbrillenträger? Keine Aluhüte? Keine roten Pillen? Lesen Sie mal zur Abwechslung bento.de. Kostprobe: den Brexit haben die "alten" Wähler verbockt, junge Briten stimmten mehrheitlich für den Verbleib in der EU. Welche Folgen soll man denn daraus ableiten? Das Wahlalter nach unten ausweiten und ab 50+ das Wahlrecht abschaffen? Oder die ein paar Jahre beliebte Mode islamistische Terroropfer in Relation zu setzen zu Toten die Brezeln/Verkehrsunfällen/Blitzschlägen zum Opfer fielen - und absichtlich zu ignorieren, dass die Opfer von IS und co. ja auf diese Sterbefälle noch obendrauf kommen und oft genug nicht passiert wären wenn man Islamismus genau streng angehen würde wie Rechte. Sie haben (oder war es Kollege Stöcker?) doch selbst die Unfug-Arbeiten von Wissenschaftlern thematisiert deren Gender-Artikel mit hahnebüchenen Behauptungen und Folgerungen (die Methoden wissenschaftlichen Arbeitens seien von westeuropäischen weißen Männern entwickelt worden und müssen daher in Frage gestellt werden, bei Vorlesungen haben heterosexuelle Männer angekettet zu sein und zu schweigen) veröffentlicht wurden weil Thesen, Wortwahl und Absicht eindeutig das Weltbild der Herausgeber bestätigten. Ihre Beschreibung des Problems ist gut, Ihre Beispiele leider weniger denn nur auf "rechts" als Gefahr der Filterbrille zu schielen wird dem Problem nicht gerecht. Beispiel? Vor knapp 100 Jahren reiste ein erfolgloser Anwalt und Schriftsteller nach Verfolgung und Exil in seine Heimat zurück um das politische System so umzukrempeln, dass der Reichtum des Landes allen zu Gute kommen und eine gerechte Gesellschaft entstehen sollte. Tolle Idee, nicht wahr? Leider lief's nicht so wie in dessen Filterbrille vorgesehen: der Mann hieß Lenin, den Rest der Geschichte können Sie auf Wikipedia nachlesen...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Bondurant 17.10.2018, 17:52
44. Köstlich

Selten hat sich eine komplette Spezies so bedingungslos einem einzelnen Organ unterworfen wie der Mensch seinem Gehirn.

In der "Titanic" gab es mal eine Kategorie "der absolute Blödsinn". Da hätte man diese Sentenz gern untergebracht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
tmuehrer 17.10.2018, 17:54
45.

Zu denken man hätte Erleuchtung oder so etwas gefunden ist ein zentrales Element rechter Ideologien. Hieraus ergibt sich auch ihre authoritäre Tendenz. Für wen "Wahrheit" ein persönliches Eigentum darstellt, für den können Aushandlungsprozesse nur hinderlich sein, weil das "Falsche" keine Daseinsberechtigung hat.

Jedoch stört mich etwas an ihrer Kolumne gewaltig. Sie behaupten Aufklärung wäre nur eine Filterbrille, die in ihrer Mechanik anderen Filterbrillen entsprechen würde. Das ist nicht der Fall. Aufklärung setzt nicht auf einzelne "Aha-Erlebnise", sondern stellt einen langen und komplizierten Prozess dar in dem Widerlegen wichtiger ist, als Bestätigung. Karl Popper hat das als kritischen Rationalismus bezeichnet.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
dixi 17.10.2018, 17:56
46. Ach Sascha,

Du warst mal gut, deine Analysen scharf und deine Feder spitz.
Jetzt bist du leider in deiner eigenen Filterblase gefangen. „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“
Schade schade

Beitrag melden Antworten / Zitieren
FinnSimmons 17.10.2018, 17:57
47. Filter und so ...

Bei Spon sehe ich schon seit Jahren eine stark linke "Filterbrille". Anders als manche sich hier äußern glaube ich schon das man auch ohne "Filterbrille" auskommt. Man kann zum Beispiel Verhalten das einfach grundlegend falsch ist, wie Gewalt und Ausschreitungen bei Demonstrationen (egal von welcher Seite des politischen Spektrums sie ausgeht), entweder verdammen oder man trägt eben weiterhin seine "Filterbrille". Und bei manchen Dingen kann man auch durchaus einfach eine wissenschaftlich fundierte Meinung haben die anderen dann vielleicht wie ein Filter vorkommt aber hier bin ich der Meinung das belegte Fakten kein schlechter "Rahmen" für ein Weltbild sind (um bei der Brillen-Metapher zu bleiben). Ideologien, gerade extreme wie die politische Rechte und Linke sie vertreten sind hingegen eben oft nicht wissenschaftlich. Etwas mehr Realismuss und eine echte politische Mitte ohne extreme Auswüchse nach links und rechts wäre da als Gegenpol schön. Gerade auch weil manche Themen in ihrem Grundgedanken Links und Rechts einen. Umweltschutz zum Beispiel. Linkes Lieblingsthema und für rechtr, "stolze Deutsche" eigentlich Pflichtthema. Genauso wie zum Beispiel der Kampf gegen erbgutschädigende Stoffe. Da sollten sich Links und Rechts eigentlich einig sein. Aber das sieht man durch die entsprechenden Filterbrillen halt alles nicht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Bondurant 17.10.2018, 18:00
48. Genau

In gewisser Weise ist auch die Aufklärung selbst eine Art riesige Filterbrille: ein Erkenntnis- und Ideengebäude, das die komplette Weltsicht verändert.

Aber es gibt auch schlechte, missbrauchbare Filterbrillen, und durch soziale Medien verstärkt sich ihr Potenzial zur Radikalisierung.


Es gibt gute und böse Sichtweisen und über den Unterschied entscheidet die Netzkirche mit Papst Lobo. - Die eigentliche Pointe ist doch etwas ganz anderes: die Aufklärung sollte aus sich selbst heraus dermaßen überzeugend sein, dass andere weniger aufgeklärte Weltsichten zum Verschwinden gebracht werden. Dies insbesondere dann, wenn alle internet people ganz leicht und von zu Hause aus sämtlicher Informationen teilhaftig werden können, einfach so per Klick. Anstatt jetzt die verschiedenen Brillen zu bejammern, sollte man sich lieber mal überlegen, warum es nicht so gekommen ist. War das dann doch nicht so doll, mit der Kraft der Vernunft? Und wenn, was nun? Am Ende läuft alles wieder darauf hinaus, die Leute zu ihrem Glück zu zwingen. Das ist implizit auch in einen solchen Artikel wie den hiesigen eingeschrieben. Ich hoffe, die Zielgruppe merkt rechtzeitig was vorgeht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Forums-Geschwurbel 17.10.2018, 18:02
49.

Zitat von bammbamm
Was wäre wenn sich kapitalistische Medienunternehmen zusammen tun würden um zb Probleme kleinzureden ...
Medienunternehmen konkurrieren miteinander ...
Geklickt und gekauft werden fette Schlagzeilen.
Und nicht "Probleme kleinreden".
Eher bläst man dort Probleme künstlich auf.
Und wenn die Konkurrenz mies berichtet, ist das auch 'ne Schlagzeile.
Ihr Konstrukt hat mit der Realität nicht viel zu tun.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 5 von 18