Forum: Netzwelt
Radiozukunft: Das Ende des Dudelfunks?

Erfolgreich sind in Deutschlands Radiolandschaft vor allem auf definierte Zielgruppen zugeschnittene Formatsender oder aber der Dudelfunk mit Charts und Oldies nonstop. Das aber, glaubt Tim Renner, ist bald vorbei: Digitaltechnik werde diese Angebote erledigen - Programm on demand statt vorgegebener Playlist. Nur eine Utopie - oder genau das, was wir uns wirklich wünschen?

Seite 1 von 8
Markus Pettering 26.10.2006, 09:30
1.

Zitat von sysop
Erfolgreich sind in Deutschlands Radiolandschaft vor allem auf definierte Zielgruppen zugeschnittene Formatsender oder aber der Dudelfunk mit Charts und Oldies nonstop. Das aber, glaubt Tim Renner, ist bald vorbei: Digitaltechnik werde diese Angebote erledigen - Programm on demand statt vorgegebener Playlist. Nur eine Utopie - oder genau das, was wir uns wirklich wünschen?
Wer das Radio hauptsächlich wegen der aktuellen politischen und sonstigen Informationen und Kommentare anschaltet, dem ist das Gedudel sowieso egal. Informationsreiche Programme haben keine Abnahme der Hörerzahl zu befürchten.

Beitrag melden
Axelino 26.10.2006, 11:17
2. Dudelfunk wg. Mutlosigkeit

Leider versuchen viele Rundfunksender es allen recht zu machen, und daraus resultiert eben dieser mutlose Mainstream-Einheitsbrei. Dazu kommt die Lustlosigkeit vieler Musikredakteure, sich mit weniger bekannten Musikstücken zu beschäftigen oder einfach mal die Musik-Speisekarte zu ändern.
Der Reiz des Radios, selten gehörte Musik mit Hintergrundinfos zu geniessen verschwindet zunehmend.

Ob durch die Digitalisierung irgend etwas besser wird bezweifle ich. Mein schönes altes Röhrenradio hat einen hervorragenden Klang, den möchte ich behalten.

Beitrag melden
Emmi 26.10.2006, 11:39
3. Bessere Programme statt Totaloperation!

Die Antwort auf den Qualitätsverlust der Programme soll also der Wegfall des Programms sein!? Wenn Radio- und TV-Sender kein Programm mehr anbieten, sondern nur noch "Video-On-Demand" bzw. "Music-On-Demand" anbieten, können sie sich gleich komplett abschaffen.

Ich hätte gern statt Einheitssoße ein gut gemachtes Programm! Wenn niemand mehr sich die Mühe macht, ein Programm zu gestalten, woher soll Mensch dann über Neues erfahren? Dann verharre ich ewig in der privaten Einheitssoße meiner "Lieblingshits", die ich auf meinem MP3-Player habe und kopple mich von der "Außenwelt" ab.

Das prinzipielle Problem, das ich mit MP3-Playern, aber auch mit CDs habe, ist, dass ich da immer im vorhinein wissen muss, was ich in der nächsten Zeit hören wollen werde. Der Vorteil eines (guten) Radioprogrammes (!) ist, dass ich auch Sachen zu hören bekomme, die ich noch nicht kannte bzw. auf die ich von allein nicht gekommen wäre.

Also - die Abschaffung von Radioprogrammen zugunsten selbstgestrickter Pseudoprogramme (Playlisten) wäre m. E. ein großer Fehler!

Emmi

Beitrag melden
Berliner Löwe 26.10.2006, 11:47
4. Gefangen in der Zeitschleife !

Einen guten Start in den Tag stelle ich mir ungefähr so vor: Morgens beim Frühstück das Radio andrehen um voller Motivation in den Alltag zu starten mit angenehmer Musik die nicht überfordert und Informationen die meinen Wissensdurst befriedigen.
Die Realität sieht aber anders aus: Üblicherweise "überfällt" mich morgens ein überdrehtes beklopptes Moderationspärchen die den ahnungslosen Hörer mit einer künstlichen Fröhlichkeit okupiert, sodass man sich umgehend die öden Totensonntage im Radio von 1974 herbeisehnt. Abba, Smokie, Jeans on etc. Hilfe, hilfe.. sofort fühle mich in einem Zeitloch gefangen und befürchte vom kleinbürgerlichen Umfeld erschlagen zu werden.....Da hilft nur eins. AUS. CD rein oder MP3 an und spüren das es noch ein Leben nach dem Grauen gibt. Es gibt so viel spannende Musik zu entdecken, so viel, das drei Leben zu kurz sind um alles zu entdecken und zu genießen. Das erfordert aber offene Ohren und ein wenig Zeit sich unabhängig umzuhören. Diese "offenen Ohren" hat man uns aber ordentlich ausgetrieben und nicht erst durch die Einführung des Privatfunks. Auch die öffentlich-rechtlichen haben eine gehörige Mitschuld an der "musikalischen Verwahrlosung" im Rundfunk. Durch unfähige Moderatoren und einer Musikauswahl die den Hörer nicht zur Vielfalt einlädt sondern zum konformismus. Beim "Privatdudel" sagt man "das ist halt so", bei den öffentlich-rechtlichen ist das aber eine Missachtung ihres Auftrages. Wer sich dann doch noch freiwillig diesem Schwachsinn im Radio hingibt hat es eh nicht besser verdient und sollte sich nicht beschweren. Gegen Dummheit ist halt noch kein Kraut gewachsen.

Beitrag melden
effem25 26.10.2006, 12:11
5. Radio abschaffen?

Zitat von Markus Pettering
..... Informationsreiche Programme haben keine Abnahme der Hörerzahl zu befürchten....
...sie haben ja auch kaum Hörer.


Das ist die crux. Die Mehrheit will gute Musik - und heraus kommt der kleinste gemeinsame Nenner: Privatfunk früherer Zeiten. Der war dann auch erfolgreich - und schwupps (nach einer bemerkenswert fixen Reaktionszeit von 3-5 Jahren) haben sich die Flaggsschiffe der ÖR-Sender dem angepasst. Leider haben die Privatfunker ihre Konzepte weiter verändert, so dass die heutige Soße das Ergebnis ist.
Viele Sender sind in der Tat entbehrlich...ob die Abschaffung aber durch die digitale on-demand-Technik gelingt, bezweifle ich.

Beitrag melden
starskys 26.10.2006, 12:15
6.

Zitat von Emmi
Die Antwort auf den Qualitätsverlust der Programme soll also der Wegfall des Programms sein!? Wenn Radio- und TV-Sender kein Programm mehr anbieten, sondern nur noch "Video-On-Demand" bzw. "Music-On-Demand" anbieten, können sie sich gleich komplett abschaffen. Ich hätte gern statt Einheitssoße ein gut gemachtes Programm! Wenn niemand mehr sich die Mühe macht, ein Programm zu gestalten, woher soll Mensch dann über Neues erfahren? Dann verharre ich ewig in der privaten Einheitssoße ...
Emmi hat vollkommen recht, wer sich nur noch seinem MP3-Player hingibt (was mittels FM-Transmitter auch prima im Autoradio funktioniert), der hört im Prinzip nur Sachen, die er selbst raufgeladen hört, und quasi schon kennt. Ich würde auch gerne neue Musik im Radio kennenlernen wollen, diese Programme gibt es sogar, nur laufen diese bevorzugt zu mitternächtlicher Stunde (häufig auch am Wochenende). Leider sind zu dieser Zeit die meisten entweder schon im Bett, beim Ausgehen oder vorm Fernseher.
Apropos Fernseher, da läuft es ja auch nicht anders, schönen Gruß an die ARD: Um 20:15 Uhr Volksmusik bis der Arzt kommt und wer einen Film wie "Lost in Translation" sehen will, darf dann bis 23:40 Uhr wachbleiben, um wenigstens den Anfang noch mitzuerleben.

Beitrag melden
Joern Saß 26.10.2006, 12:28
7. Dudelfunk ade?

Herr Renner stellt die Situation für uns Hörer korrekt dar. Auch die Zukunftseinschätzung ist nach meiner Meinung zutreffend skizziert.
Derzeit teilt sich das Senderangebot aus meiner Sicht wie folgt auf: Zum einen gibt es die öffentlich-rechtlichen (vereinzelt auch einige private) Sendeanstalten mit teilweise sehr zielgruppenorientierten Programmangeboten (Klassik, Information, Schlager), zum anderen die überwiegend privaten Rundfunksender, die den beschriebenen Einheitsbrei dudeln und Ihre Hörer mit call-media Formaten nerven. Es gibt jedoch auch noch eine dritte Gruppe von Sendern - die reinen Internetradios. Gerade bei denen findet der Hörer häufig Angebote, die genau seinen Musik- und Informationsgeschmack abdecken. Die Nutzung des Internetradios ist zwar immer noch gering, allerdings sind die Wachstumsraten der Nutzung (fast 100% Steigerung ggü. dem Vorjahr/ lt. ARD/ZDF-Online-Studie 2006 - mindestens wöchentliche Nutzung) gut.
Wohin also geht die Reise? Bestimmt nicht zu Sendern mit maximal 300 Titel im Angebot und kostenpflichtigen Telefongewinnspielen wie Sie leider noch von Nord nach Süd und von Ost nach West flächendeckend ausgestrahlt werden.
Einheitsbrei macht auch bei der Refinanzierung der jeweiligen Sender wenig Sinn, da die Streuverluste der werbenden Unternehmen einfach zu groß sind. Digitales Radio mit "spitzen" Programmschema - also heute schon Internetradio - schafft klare Zielgruppen und somit definierte Hörerschaften und auch für die werbenden Unternehmen bessere Werbeerfolge.
Ein Vergleich zwischen der Musikindustrie, die den digitalen Trend definitiv seinerzeit verschlafen hat, und den privaten Einheitsbrei-Dudlern ist daher mehr als angebracht.
Ich für meinen Teil habe mich bereits vor Jahren entschieden und höre fast ausschließlich meine Lieblingsmusik bei Internetradiosendern. Günstige Hardwaresysteme und kostenlose Software, wie beispielsweise der phonostar-Player, ermöglichen mir den Zugriff auf digitale Radioangebote weltweit.

Beitrag melden
Heinstein 26.10.2006, 13:04
8.

Meine Forderung:

Motor FM für alle

Die geniale Musik nimmt kein Ende...die fähigen Moderatoren liefern jede Menge Hintergrund zu den Bands, Liedern, Konzerten etc. und labern mich nicht mit irgendwelchen bekackten Gewinnspielen voll, wo ich eh nie mitmache.
Es gibt keine Werbung *yeah*
...und was ich auch sehr schön finde "lieber keine Nachrichten als nur schlechte" =)

Beitrag melden
galaxy2000 26.10.2006, 13:25
9.

Vor einem Jahr hab ich das Internetradio für mich entdeckt. Seitdem merke ich ersteinmal, wie einfallslos und eintönig das Programm der öffentlich rechtlichen, sowie der privaten Sendeanstalten ist. Es ist bisher noch nie vorgekommen, dass ich morgens im Autoradio ein Lied gehört hab, das ich noch nicht kenne! Dabei ist es egal, welchen Sender ich eingeschaltet habe. Mit meinen 25 Jahren und einem nicht gerade riesigem Repertoire an bekannten Liedern sollte das eigentlich nicht passieren. Aber es liegt daran, dass einfach immer das gleiche läuft - Tag für Tag das gleiche Gedudel. Das Internetradio kommt mit einem riesigen Angebot daher - es gibt sehr viele, sehr gute Sender, die zum Teil sogar ganz auf Werbung verzichten. Denn lässt sich gutes Radioprogramm überhaupt mit Werbung vereinbaren? Ich bin davon überzeugt, dass die Zukunft des Radios im Internet liegt. Denn richtig gutes Radioprogramm gibt es bereits nur noch da!

Beitrag melden
Seite 1 von 8
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!