Forum: Netzwelt
Rezo und die Folgen: Konservative Katastrophenkaskaden
Getty Images

Konservativ zu sein, ohne sich öffentlich zur Knalltüte zu machen, ist heute schwerer als je zuvor. Danke, Internet.

Seite 1 von 17
GoaSkin 12.06.2019, 17:06
1. das betrifft nicht nur den Konservatismus

Man kann keine politische Richtung mehr vertreten, ohne sich dabei zur Knalltüte zu machen. Und das nicht nur heute. Die Geschichte zeigt viel mehr, dass es sich bei den fundamentalen Zielen der Parteien schlichtweg um Träumereien handelt, von denen in Regierungsverantwortung entweder Abstand genommen wird, oder regierende Partei ziemlich bald vorerst weg vom Fenster ist. Und auch die AfD wird merken müssen, dass sie im Falle einer Regierungsbeteiligung entweder die gleiche "Mainstream-Politik" umsetzen muss, gegen die sie kämpft oder grandios auf den Kopf fallen wird. Politik zu machen lässt sich damit vergleichen, ein Schiff manövrieren zu wollen, das am Anker hängt und sich zwar vorne bewegen lässt, aber hinten angekettet bleibt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
spon_4_me 12.06.2019, 17:15
2. Sie sind

Herr Lobo, in meinen Augen eigentlich zu klug für solche Kommentare. In fünf Worten zusammengefasst lautet Ihre Erkenntnis: Konservative können keine digitale Kommunikation. Was ungefähr so richtig ist wie zu schreiben: Ü50 können kein Internet (immer wieder ein Schenkelklopfer) oder Schwarze können kein Internet. Diese These hörte ich vor einiger Zeit in den USA und der Beweis des Sprechers war a) es gäbe keine farbigen Tech-Unternehmer und b) auch auf Facebook, Twitter, Instagramm und Snapchat wäre diese Gruppe ja wohl deutlich unterrepräsentiert. Das ist natürlich strunzblöd, aber in solche Gesellschaft gerät man manchmal mit steilen Thesen zur Verschubladung der Gesellschaft. Zudem bewegen Sie sich, verehrter Herr Lobo, offenbar vor allem in deutschsprachigen sozialen Medien. Das ist sozio-kulturell verständlich, bedeutet aber, dass Sie ganz wesentliche Unterhaltungen über konservative und in meinen Augen liberale Standpunkte nicht mitbekommen. In den USA, einem für das Nachdenken über digitale Welten in meiner bescheidenen Meinung nicht ganz unerheblichen Land, gibt es diverse Intellektuelle, die von Leuten, die gerne Etiketten verteilen, als dark internet bezeichnet wurden. Schauen Sie sich das mal an, bevor Sie sich an den Spahns und Rezis dieser Welt verzwergen. Abschließend noch die Definition eines Konservativen, die der Philosoph Michael Oakeshott mal vorgeschlagen hat: Konservativ sei, das Bekannte dem Unbekannten vorzuziehen, das Erprobte dem Unerprobten, das Tatsächliche dem Möglichen, das Begrenzte dem Grenzenlosen, das Genügende dem Übermäßigen, das Machbare dem Perfekten und das Lachen des Moments dem Glück der Utopie. Mit Leuten, die so denken, konnte ich bei allem Dissens immer reden, ohne sie zur Karikatur verzerren zu müssen. Sollten Sie vielleicht auch mal probieren.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
rosenbaum@gero-moers.de 12.06.2019, 17:17
3. Großartige Analyse

Lob für Lobo. Die ganze Krise unser aktuellen Politik in ein paar Zeilen prägnant und umfassend dargestellt. Ich bin zerrissen: soll ich mich freuen, wie klar er das darstellt, oder heulen, weil es wirklich so ist?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
tomrobert 12.06.2019, 17:18
4. Spahn erscheint fortschrittlich gegen AKK

Da scheint sich eine Diskrepanz innerhalb der CDU anzubahnen. Leute wie Günther oder Laschet scheinen sich ins einundzwanzigste Jahrhundert zu begeben und AKK eher in die andere Richtung.
Wenn die Kanzlerin für ihre Partei noch etwas tun will, ist sie gut beraten vor allem die rückwärts orientierten in den Reihen der CDU zur AfD zu vertreiben damit man Ross und Reiter auch erkennt.
Ich möchte nicht in einer Republik des neunzehnten Jahrhundert aufwachen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
syracusa 12.06.2019, 17:19
5.

Man darf den FAZ Großkolumnisten ruhig beim Namen nennen: Altenbockum. Und den als "konservativ" zu bezeichnen, ist Euphemismus pur. Der Mann ist stockreaktionär und antidemokratisch-autoritär bis uns Mark.

Ich habe früher, zu Zeiten von Schirrmacher, die FAZ gerne gelesen. Aber seit Schirrmachers Tod fehlt der FAZ das liberale Korrektiv, und das wurde durch den Abgang (so weit man hört: durch Herausmobben) weiterer wichtiger Redakteure und Autoren noch massiv verschlimmert.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Moejoe182 12.06.2019, 17:23
6. Konservatismus als Bremse

Und gerade das, was Jens Spahn sagt, ist doch das Kernproblem. "Die Geschwindigkeit von Veränderungen so zu reduzieren, dass sie erträglich sind". In der heutigen Zeit, die meiner Ansicht nach schneller und rasanter geworden ist, muss die Geschwindigkeit von Veränderungen nicht reduziert werden. Ganz im Gegenteil: in Zeiten von Klimawandel müssen Veränderungen schneller umgesetzt werden.
Was hilft uns und damit meine ich uns Menschen, langsame Politik, die salopp gesagt, halbe Sachen macht? Stichwort: Kohleausstieg.
Wieso denn erst in knapp 20(!!!) Jahren?

Meiner Meinung nach bewegt sich die CDU schleichend, vielleicht mit angezogener Handbremse ins politische Abseits. Auch dank des für Konservative zu schnellen Internets ;)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
claus7447 12.06.2019, 17:25
7. Flasche leer!

Unser ehemaligen Grossparteien Arbeiten mit Vehemenz daran sich klein zu reden. Die einen haben ihre DNA verloren und suchen, die anderen wissen gar nicht zu richtig was eine DNA ist, da man eigentlich alles sein will. Dazu kommt noch: Personal Probleme haben beide.

Der Satz von Spahn:

"Konservativ zu sein heißt, die Geschwindigkeit von Veränderungen so zu reduzieren, dass sie erträglich sind." Zeit überdeutlich: bei den C Parteien herrscht Stillstand bzw. Rückwärtsgewandtheit.

Ich weiß ja nicht warum Frau Merkel ihre Minister in die entweder Halbleiter oder Totalausfälle sind schützen. Aber vermutlich sind die Alternativen aus: Flasche leer!

Vermutlich fallen jetzt wieder 10.000 CDU Anhänger in Ohnmacht, Die Zeit für einen generellen Wechsel ist gekommen. Lasst die GroKo platzen, Neuwahlen im Herbst (leider kann man die nicht mit Österreich zusammenlegen) und dann eien grünen Kanzler, vielleicht besser Kanzlerin. Denn bei der Nullertruppe der Minister (Seehofer, Scheuer, Klöckner, uvdl, Altmeier) kann es nicht mehr schlechter werden, selbst im Rückwärtsgang!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
stuff 12.06.2019, 17:39
8. Brilliant...

...und wahr. Nachdem sich die Gesellschaft vielleicht darauf einigen kann, zuzugeben, dass alles im Fluss, also in Veränderung ist, bedeutet das Beharren auf irgendetwas im Grunde genommen nur Realitätsverweigerung. Um nicht missverstanden zu werden: Es gibt durchaus Werte, die Bestand haben. Menschlichkeit, Solidarität mit Minderheiten und Bedürftigen etc. gehören dazu. Aber genau da Schwächen die deutschen Konservativen eben manchmal.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Vulpecula 12.06.2019, 17:39
9. Realitätsverlust, Bockigkeit und maximale Herablassung!

Ich bin seit mehr als vier Jahrzehnten wahlberechtigt und habe noch nie so eine prägnante Begründung für die Tatsache, dass die Hölle zufrieren müsste, bevor ich CDU wähle, gefunden (Zitat: "Klassisch Konservative sträuben sich so lange gegen notwendige Veränderungen, bis sie vergessen haben, warum. Dann finden sie eine konservativ klingende Begründung für den Wandel (...), deuten rückwirkend das eigene Schaffen um und hatten schon immer recht."),
Danke, Sascha Lobo!
P.S. Geht es nur mir so, oder fällt den geneigten SPIEGEL-Lesenden auch auf, dass ungewöhnliche Frisuren und unnatürliche Haarfarben bei Männern offenbar gern mal ein brillantes Hirn zieren?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 17