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Rundfunkgebühren - Zu viel Geld für ARD und ZDF?

Seit Jahren sind sie ein Streitpunkt, besonders in geldknappen Zeiten: Die Rundfunkgebühren für die öffentlich-rechtlichen Sender sollen wieder erhöht werden. Dagegen regt sich Widerspruch von der privaten Konkurrenz, aber auch von Medienkonsumenten, die monatlich zur Kasse gebeten werden. Bekommen die Öffentlich-Rechtlichen zu viel für ein Programm, das inhaltlich oft zu nah den Privaten angesiedelt ist? Wäre es aus Konkurrenzgründen fair, wenn sie auf Werbung ganz verzichten würden? Wie viel ist Ihnen das Programm von ARD und ZDF wert?

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J Hegenberg 11.04.2005, 15:39
1.

Ich müßte lügen, wollte ich behaupten, dass die ÖR keine interessanten Inhalte zu bieten haben.
Aber ich möchte doch bitteschön die Freiheit haben, dafür in einer dem Konsum entsprechenden Höhe zu bezahlen und nicht nur deshalb, weil ich einen Fernseher oder einen Internetfähigen PC zu Hause stehen habe. Das ist eine mittelalterliche Wegelagerer-Finanzierung und nur noch peinlich.

Prinzipiell finde ich die Idee gut, mediale Inhalte von der privaten Finanzierung loszulösen, um ein gewisses Niveau garantieren zu können. Aber:
1. das oft erwähnte angeblich höhere Niveau als bei RTL kann ich bei vielen ör Samstagabend-Sendungen nirgends finden (siehe Mutantenstadl oder die letzte "Wetten, dass?"-Sendung). Diese Ausstrahlungen mögen ohne Frage vielen Leuten gefallen, aber das Niveau ist genauso entsetzlich tief wie bei der Burg und dem ganzen anderen Sch****.
2. Wo ist die staatliche Qualitätssicherung bei Inhalten anderer Medien? Die BILD-"Zeitung" wird täglich von Millionen gelesen und ich sehe nirgends ein ör seriöses Pendant, obwohl es wohl dringend nötig wäre.

In letzter Zeit mal Radio gehört? Außer dem Deutschlandfunk kann man wohl die meisten Sender in Bezug sowohl auf die Musik als auch auf Sendungen mit "redaktionellem Hintergrund" komplett in die Tonne treten, da zählt doch nur die Quote (Was an sich paradox ist, da dieses Vorgehen den Sendern die schlechtesten Quoten seit Jahrzehnten beschert hat).

Wo ist die ör Plattenfirma, die für kleine Künstler CDs vertreibt anstatt wie alle großen Privaten auf gecastete Retortenproduktionen und SoapOpera-Trällertussis zu setzen?

Warum ist diese angeblich höhere Qualität nur beim Fernsehen und Radio so wichtig, dass man alle Besitzer von passenden Empfangsgeräten zu einer Zwangsabgabe verdonnert, und bei allen anderen nicht?

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DJ Doena 11.04.2005, 15:52
2.

Zitat von J Hegenberg
Warum ist diese angeblich höhere Qualität nur beim Fernsehen und Radio so wichtig, dass man alle Besitzer von passenden Empfangsgeräten zu einer Zwangsabgabe verdonnert, und bei allen anderen nicht?
In den Rundfunkräten sitzen Politiker, dass erklärt eigentlich schon alles.

Deshalb gab es ja auch so einen Aufschrei, als sich die SPD in einen Zeitungsverlag eingekauft hat.

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Rainer Helmbrecht 11.04.2005, 16:04
3.

Wenn ich nur an den Papst und seine Medienpräsenz der letzten 8 Tage denke, dann weiß ich, daß dort viel zu viel Geld vorhanden ist.

Wenn man schon einen Staatssender will, dann wirklich nur einen. Ohne Werbung und nur so etwas wie die Deutsche Welle.

Dann muß man natürlich überlegen, ob dieser Sender für den Bürger nicht kostenfrei sein muß. Wenn man auch noch etwas Nationalbewußtsein hat, dann muß dieser Sender zumindest im EU-Raum für Deutschland werben, also muß er auch für alle anderen Europäer kostenlos sein. Man gönnt sich ja sonst nichts.

MfG. Rainer Helmbrecht

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DAW 11.04.2005, 16:38
4. Natürlich ist das zuviel....

Natürlich ist das zuviel, was dem ÖRR in den Hals geschmissen wird, denn sonst gäbe es nicht so viele Redundanzen und in (fast) jedem Bundesland eigene Sendeanstalten mit eigner Verwaltung etc. pp. Und was die GEZ mit ihren mafiaartigen Methoden angeht, so gibt es da schon genug Infos online wie offline, z.B. www.schon-abGEZockt.de

IMHO wäre es ausreichend, 1 Hauptkanal und je Himmelsrichtung einen Regionalkanal zu installieren, gleiches bei Radio und Rundfunkgebührne für PCs mit Internetzugang sind unseren lebensfernen Ministerpräsidenten wohl auch nur im gemeinsamen, vom Steuerzahler finanzierten Vollrausch im Adlon eingefallen....

MfG

Daniel

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jdurr 11.04.2005, 22:29
5.

Zitat von Rainer Helmbrecht
Dann muß man natürlich überlegen, ob dieser Sender für den Bürger nicht kostenfrei sein muß. Wenn man auch noch etwas Nationalbewußtsein hat, dann muß dieser Sender zumindest im EU-Raum für Deutschland werben, also muß er auch für alle anderen Europäer kostenlos sein. MfG. Rainer Helmbrecht
Zumindest in Belgien bekommt man ARD und ZDF über Kabel - und das ganz ohne GEZ-Gebühren. Ob das allerdings einen Reklamewert für Deutschland hat?

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Rainer Helmbrecht 12.04.2005, 08:31
6.

Zitat von jdurr
Zumindest in Belgien bekommt man ARD und ZDF über Kabel - und das ganz ohne GEZ-Gebühren. Ob das allerdings einen Reklamewert für Deutschland hat?
Wenn man es will, schon. Fette, satte, unverdient Reichgewordene lassen es meist am Leistungwillen mangeln.

Was mir vorschwebt ist ein Sender, der unabhängig, durch den Staat als Institution geschützt, Meinung macht und verkündet.

Ich weiß, daß das etwas viel verlangt ist, aber neue Wege sind nun mal nicht ausgelaufen, breit und bequem. Aber ein Staatssender, der Werbung für die Milchschnitte macht und sich gleichzeitig gegen fette Kinder engagiert, ist mir unverständlich.

MfG. Rainer Helmbrecht

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John Doe 12.04.2005, 17:53
7. Umsetzungen: Zielführend zu Ergebnissen kommen

Ein Problem gerade solcher Diskussionen, welche sehr konkret sind, ist der mangelhafte Einfluss des Bürgers.

Das Thema wird doch seit vielen Jahren "internetweit" massiv diskutiert, ohne dass dies jemals zu Ergebnissen geführt hätte.

Es ist mir nicht bekannt, dass auch nur jemals ein mm von der vorherrschenden Philosophie des "Staatsfernsehens" abgerückt worden wäre und auch, ob den Bürgern die gesendeten Inhalte zusagen oder Ärgernis erzeugen, interessiert doch von den Verantwortlichen niemand.

Da gerade dieses Thema sehr konkret durchsetzungsfähig wäre: Warum hat der Gebührenzahler keinerlei Einfluss auf das gesendete Programm, das er zwangsweise bezahlen muss?

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DJ Doena 12.04.2005, 18:16
8.

Zitat von John Doe
Da gerade dieses Thema sehr konkret durchsetzungsfähig wäre: Warum hat der Gebührenzahler keinerlei Einfluss auf das gesendete Programm, das er zwangsweise bezahlen muss?
Aus dem selben Grund, aus dem bei uns in Deutschland alles so abläuft. Wir sind nicht mündig. Inoffiziell zumindest. Man traut uns nichts zu, vernünftige Entscheidungen zu treffen. Wir dürfen alle 4 Jahre hier und alle 5 Jahre dort unser Kreuz machen und dann kümmern sich die Herren Landes- und Bundespolitiker um den Rest. Natürlich nur im Sinne des Volkes.

Und so ist unsere Politik genauso realtitätsfremd wie das TV-Programm.

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mick sie 12.04.2005, 22:18
9.

Mal eine Frage an unsere Forums-Juristen:

Der Gebühren-Erpresserei liegt ja wohl kein Gesetz wie zB bei der Besteuerung sondern der Rundfunkstaatsvertrag zugrunde. Fragen:

1) Zwischen welchen Parteien ist selbiger geschlossen?
2) Wie kann ein solcher Vertrag Dritte, die nicht Vertragspartner sind, legal zu Zahlungen verpflichten?
3) Haben diese Dritten denn im Umkehrschluß kein Recht, von den Medienanstalten Rechenschaft über die Verwendung des zwangsweise eingezogenen Tributs zu verlangen?
4 und absolut not least) Sind in selbigem Vertrag nicht auch gewisse "Sendepflichten" hinsichtlich Art und Qualität der Programme festgelegt, welche ggfs. einklagbar wären?

Sollten die Antworten auf 3)+4) "Nein" lauten, frage ich mich ernsthaft, welche Raubritter mit BigBrother-Ambitionen dieses Vertragswerk ausgekungelt haben...

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