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Schule der Zukunft: Weniger Bildung für die nächste Schüler-Generation!
Julian Stratenschulte / DPA

Das Internet ist, trotz allem, die mächtigste jemals erfundene Bildungsmaschine. Also könnten sich die Schulen doch verstärkt auf ihren anderen Auftrag konzentrieren: Erziehung. Nötig wäre das ganz offensichtlich.

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sven_lichterfeld 10.07.2019, 15:12
1. Schule

ich kann dem nur in vollem Umfang beipflichten, wenn wir wirklich ollen, daß unsere Demokratie und unser gesellschaftliches Zusammenleben auf elementaren Werten wie Toleranz, gegenseitigem Repekt und den allgemeinen Menschenrechten aufbaut, dann müssen Schulen weitaus mehr Bildungsstätten sein als je zuvor, mir schwebt dabei eine Ganztagsschule vor, in der zusätzlich zu den Lehrkräften Sozialtherapeuten und Psychologen als Vertraute den Schülern un Schülerinnen zur Seite stehen, um mobbing und aufkommenden Sexismus wirksam unterbinden zu können. Weiterhin sollten alle Möglichkeiten zur Förderung und Herausbildung verschiedenster Talente vorhanden sein, um musikalisch, künsterlisch, sportlich oder wie auch immer eine sinnvolle Freizeitgestaltung zu fördern. Aber das kostet natürlich alles viel zu viel Geld...das wird lieber in den Jugendstrafvollzug investiert...

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trainerpapa 10.07.2019, 15:17
2. Respekt Herr Lobo

... danke für Ihre Sichtweise. Um jedoch den Erziehungsauftrag "neben" der Wissensvermittlung zu erfüllen benötigen jedoch mE alle Lehranstalten, sei es KiTa - Schulen eine bessere Ausstattung mit entsprechenden Fachkräften in ausreichender Zahl. Hier herrscht ein erheblicher Mangel vor....wenn Lehrer vor Klassen mit mehr als 30 Schülern stehen müssen, kann es nur eine "mangelhafte" Erfüllung der jeweiligen Aufgaben geben...dies ist leider bekannt und Abhilfe wohl nicht in Sicht...Schade...das heißt aber nicht, dass die orginären Erzieher, nämlich die "Eltern" in all ihrer möglichen Ausgestaltung, d.h. alleine oder mindestens zu zweit, ihrer Aufgabe entbunden sind...im Gegenteil ....ein Abladen ihrer Aufgaben darf es nicht geben...wie heißt es so schön: für die Erziehung benötigt man ein ganzes Dorf...hier die Gemeinschaft.. wenn es die originär Verantwortlichen nicht schaffen...

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noalk 10.07.2019, 15:17
3. Erziehung in der Schule

Da versagt ein Elternpaar bei der Erziehung _eines_ Kindes, aber _ein_ Lehrer (eigentlich mehrere, die aber immer nacheinander) soll es bei _vielen_ Kindern richten? Herr Lobo, arbeiten Sie mal als Lehrer in einer Schule - nicht für einen Tag, sondern für zwei Jahre. Und dann überdenken Sie den Inhalt Ihrer Kolumne noch einmal. Die positiven Beispiele, die sie anführen, kommen zum allergrößten Teil aus bildungsnahen Bevölkerungsteilen, in denen die Erziehung und Sozialisierung noch in der Familie abläuft. Das Internet halte ich auch nicht für eine Bildungsmaschine, sondern für ein Instrument der Wissensbeschaffung - mit der Gefahr, gleichzeitig zu manipulieren, ohne dass sich der Manipulierte dieser Manipulation bewusst ist.

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fluxus08 10.07.2019, 15:18
4. "Ich fordere: Weniger Bildung für die Schule!"

Ich glaube, Herr Lobo, Sie gehen hier schon mit gutem Beispiel voran, für weniger Bildung zu sorgen!

Das eine breite Masse der Schüler verblödet, ist doch in erster Linie darauf zurückzuführen, dass sie nur noch hinter ihren Smartphones und PC hocken, sich kaum mehr bewegen und bevorzugt online unterwegs sind und weniger in der Realität. Nicht umsonst sind die Steve-Jobs-Schulen gefloppt, weil die Bildungsqualität via online immer mehr abnahm.
Auf der anderen Seite haben Wissenschaftler festgestellt, dass die gute alte Schreibschrift für die Ausbildung des Hirns eine wichtige Rolle spielt.

Was hatten Sie gleich nochmal gesagt, Herr Lobo? "Aber die Bildung! Rufen Leute, die glauben, dass Schreibschrift mit Füllfederhalter noch zweihundert Jahre lang Unterrichtsstoff sein sollte."

Jetzt kann ich erst Ihre immer gleichförmigen Artikel einordnen, weil Sie schon lange keinen Füller mehr zur Hand genommen haben?

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stagedoor 10.07.2019, 15:23
5. Erziehung ist Bildungssuftrag der Schulen

Das finden Sie in allen Lehrplänen. Häufig findet diese jedoch kaum statt, da es am Ende doch nicht gewünscht wird mit den Kindern also in Be-Ziehung zu treten. Nun habe ich das Glück an einer Schule zu unterrichten, in der wir den Raum und den bewussten Fokus dafür bekommen, starke Interaktion mit den Schülern zu begehen. Ihnen Freiraum geben, Wertschätzung und die eigenen persönlichen Grenzen aufzeigen, Empathiefähigkeit stärken. Sie nicht nur an Konflikten sondern vor allem an Lösungen teilhaben lassen. Liebevolle Führung würde Juul sagen. Ich denke das ist es was Lobo (auch) meint. Weniger " Wissen", welches vergessen wird sondern Greifbares durch selbst Erleben ermöglichen im Sinne von Hirn, Verstand und vor allem Herz. Danke Sascha Lobo.

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xand0r 10.07.2019, 15:24
6. Bildung ist nicht Wissensvermittlung.

Im Großen und Ganzen stimme ich Ihnen zum, aber Sie zeigen einen Widerspruch auf, der nicht existiert. Zur Bildung gehört nämlich nicht nur die bloße Vermittlung von Wissen. Die Erziehung gehört ebenso dazu, wie die - zum Selbstlernen per Youtube notwendige - Fähigkeit, sich Wissen anzueignen, einzuordnen und zu verknüpfen. Recht gebe ich Ihnen insofern, dass die reine Wissensvermittlung relativ obsolet geworden ist und die anderen beiden Punkte sehr viel mehr Raum eingeräumt werden sollte. Aber all das gehört eben zur Bildung und steht nicht in Konkurrenz oder gar Widerspruch zu ihr.

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n.werner 10.07.2019, 15:28
7. Die Möglichkeiten sind vielfältiger geworden

, sich abzulenken. Dies kann man auch bei Erwachsenen sehen.
Im Schulalltag wird dann das Handy, als ständiger Begleiter, eben genau dafür eingesetzt.
Während der Pausen wird nicht mehr getobt und soziales Miteinander geübt, sondern ge-chattet, im Unterricht auf dem eigenen Handy Filme geschaut und ge-whats-upped, anstatt dem Unterricht zu folgen.
Es gibt in vielen Schulen inzwischen sogar schon Smartphone-Abgabe-Pflichten vor dem Unterricht, damit man in der Klasse wenigstens eine halbwegs vernünftige Aufmerksamkeit hinbekommt.

Allerdings ist das wahrscheinlich gar nicht das eigentliche Problem.
Enge Lehrvorgaben und zum Teil lustlose oder am System stagnierte Lehrer bieten den Unterricht nicht so an, dass (moderne) Kinder und Jugendliche, die ja über das Internet sehr wohl anderes/besseres gewohnt sind, am sprichwörtlichen Ball bleiben.

Und die Tatsache, dass unsere Kinder und Jugendlichen sich für Dinge durchaus begeistern lassen, zeigt sich immer wieder und nicht zu letzt in den Demos zu "Fridays For Future".

In wie vielen Unterrichtsstunden werden interdisziplinäre Projektarbeiten gemacht?
Wieviele Thementage oder -wochen gibt es, bei denen fachübergreifend gesellschaftlich relevante Themen bearbeitet werden?
Wann können die Jugendlichen Diskutieren üben und lernen, wie weit man in Debatten gehen darf und wann etwas persönlich oder verletzend wird?
An wie vielen Tagen kommen Jugendliche in weiterführenden Schulen nach Hause und sind begeistert vom Unterricht? (in den Grundschulen gelingt das sogar noch relativ oft)

Wenn denn das Internet natürlicher Bestandteil der Schulbildung wäre, könnte man auch gleich von Klein auf lehren, wie man sich im Internet verhalten muss, was sinnvoll und was gefährlich ist, wo man Wissen herbekommt und welche Anzeichen darauf hindeuten, dass es sich um krude Theorien, Falschmeldungen oder bewußte Fakes handelt.

Das Vermitteln des Wissens könnte darin eingwoben werden und würde sich einfach so mit-ergeben.

Klar, je "bildungs-ferner" das soziale Umfeld ist, desto schwieriger wird das Ganze. Aber gerade dort zeigt sich,
das Schule mehr Erziehung übernehmen muss, gerade wenn es die Eltern und das Umfeld nicht hinbekommen.
Auch Integration könnte damit ein wenig leichter sein, denn hier steht allzu oft gerade der soziale Kontext im Weg.

Immer nur die heutigen Zustände leugnen und beim Status-Quo bleiben wollen, wird unserem Nachwuchs nicht weiterhelfen.

Pisa hin, IGLU her, viel wichtiger als auswendig Erlerntes ist die Kompetenz der Wissenserlangung.

Weniger Bildung wird es deswegen nicht geben, sie würde nur fortschrittlicher vermittelt werden.

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Netzlehrer 10.07.2019, 15:33
8. Lernen und die Kunst des Weglassens

Der erste Kommentar auf diese Kolumne wird nicht die letzte sein, die versucht, dem massiven, richtungsweisenden Gesellschaftswandel mit Schuldzuweisungen entgegenzutreten. Natürlich müssen die Eltern ins Boot. Diese Aussage ist trivial. Die Lehrer können nicht alles machen. Aber was genau ist dieses alles? Das ist die Frage, die hierbei entscheidend ist. In einer Gesellschaft, die mit Recht "Kultur der Digitalität" genannt wird, müssen Inhalte neu beurteilt werden. Die Frage ist nicht nur, wie man "weniger Bildung" bekommt, sondern wie der erforderte Erziehungsauftrag in den Kontext schulischer Bildung passt. Dafür gibt es keine einfachen Antworten. Vielleicht aber passende Fragen: Wie schaffen wir es, uns von Inhalten zu verabschieden, die den Platz für das nötige Verständnis der Gegenwart versperren? Wie schaffen wir es, die Jugendlichen mehr mit ins Boot zu nehmen? Wie überwinden wir die immer noch starken Vorurteile gegen das Netz und seine Kultur? Wie schaffen wir eine Lernkultur des Miteinanders? Diese vier Dimensionen: Gegenwartsverständnis in Form von Reflexionsfähigkeit, zeitgemäßes Lernen, Lernen auf Augenhöhe und eine zugewandte Haltung gegenüber Entwicklungen, die im Netz beginnen (und dort nicht verweilen) sind maßgeblich für eine Bildung, die im besten Fall demokratiefördernd ist. Denn wenn diese Entwicklungen weiterhin ignoriert werden, werden andere diesen Auftrag übernehmen. Und das sollte mit aller Kraft verhindert werden.

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AxelSchudak 10.07.2019, 15:43
9. Funktion und Möglichkeiten des Schulsystems

Ja, "Funktion und Möglichkeiten des Schulsystems" sind nicht hinreichend, um jugendliche Gangs an Vergewaltigungen zu hindern. Wer aber fordert, das Schulen das liefern, der muss sie im Verdachtsfall aus den Familien herausnehmen und im Sinne der "Leitkultur" erziehen, zu dem hoffentlich selbst die Linken die Ablehnung von Vergewaltigungen zählen.

Fraglich ist nur, ob wir den politischen Willen oder die logistische Kapazität haben, um das zu schaffen. Vermutlich weder noch. Leiden werden darunter die noch kommenden Opfer...

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