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Schule der Zukunft: Weniger Bildung für die nächste Schüler-Generation!
Julian Stratenschulte / DPA

Das Internet ist, trotz allem, die mächtigste jemals erfundene Bildungsmaschine. Also könnten sich die Schulen doch verstärkt auf ihren anderen Auftrag konzentrieren: Erziehung. Nötig wäre das ganz offensichtlich.

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tim_van_beek 11.07.2019, 10:37
120. Wer bewertet die Inhalte auf Youtube?

"Woher aber haben die Kinder und Jugendlichen ihr umfassendes Wissen? Nicht aus der Schule, sondern von YouTube, lautet die Antwort."
Der Klimawandel ist ein hervorragendes Beispiel für die Frage, wie man Informationen auswählt und bewertet, denn man bekommt da praktisch alles angeboten: von simplesten Missverständnissen über komplexe, aber falsche Wiederlegungen von Einzelaspekten, komplexe Wissensinhalte aus der Spitzenforschung, zweifelhafte, politisch motivierte Studien etc. Um das selber alles bewerten zu können, braucht man mehrere Universistätsabschlüsse in Physik, Chemie, Geologie etc. vom Zeitaufwand ganz zu schweigen, und das sind allein die naturwissenschaftlichen Aspekte, politische und gesellschaftliche kommen noch dazu. Wenn "normale Jugendliche" Youtube konsumieren und mit einem Wissensstand herauskommen, der dem aktuellen Forschungsstand entspricht, dann liegt die Vermutung nahe, dass sie dahin gelenkt worden sind, von einem verständigen Diskussionspartner, der ihnen geholfen hat, das alles auszusortieren. Ich behaupte einfach mal, dass z.B. auch Sie, Herr Lobo, nicht genug von Physik verstehen, um die üblichen Flat-Earthers auf Youtube auf naturwissenschaftlicher Basis zu widerlegen - nichts für ungut. Und das ist ein drastisch einfacheres Thema.
Das bedeutet, dass in der Schule deutlich mehr Wert gelegt werden muss auf Medienkompetenz, weil die Medienlandschaft durch das Internet deutlich komplizierter geworden ist. Der Aspekt fehlt mir in Ihrer Kolumne.

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dr.bernd_fabry@web.de 11.07.2019, 10:55
121. Thema verfehlt

Zunächst hat Schule einen Bildungs- und keinen Erziehungsauftrag. Sie ist nicht dafür da, Erziehungsdefizite auszugleichen, egal ob diese durch Bildungsferne oder Helikopterbetreuung verursacht worden sind. Es ist schwer genug, mehr oder minder aufnahmewilligen/aufnahmefähigen jungen Menschen Wissen zu vermitteln, das sie benötigen, um sich in unserer Gesellschaft zurechtzufinden. Dabei lässt sich zweifellos trefflich über Inhalte und Erfolgsaussichten streiten. Nun zur Methodik: Zugegeben, ich wurde in einer Zeit schulisch sozialisiert, in der die Krone der Technik ein programmierbarer Taschenrechner von HP war, dessen Funktionen bereits mein Verständnis überforderte. In der Schule wurde das Tafelbild (!) mehr oder weniger missmutig abgeschrieben und nicht mit dem Smartphone abfotografiert (um dieses Bild dann zwischen Twitter und Instagram Accounts gleich wieder zu vergessen). Und wenn es noch so nach „Old School“ mieft, das selbstständige Niederschreiben einer Information – sei es durch Einritzen in Tontäfelchen, Kaligraphie oder am Laptop – ist mit einer automatischen Reflexion des Inhalts verbunden. Selbst wenn man einräumt, dass bei der Vermittlung von großen Informationsmengen in kurzen Zeiten, die Reflexionsmöglichkeiten gering sind, ist der Lernerfolg immer noch größer, als den Informationsfluss einfach über sich ergehen zu lassen. Und mag es auch sein, dass für eine Gruppe von Schülern das ausschließliche Selbststudium die richtige Lernweise darstellt, so trifft das – da spreche ich aus eigener Erfahrung nebst Probandengruppe bestehend aus 4 Kindern – für die meisten eben nicht zu. Der negative Einfluss von permanenter Smartphone-Bearbeitung und Versand von Kurznachrichten dokumentiert sich im Übrigen sehr schön an der rapide nachlassenden Fähigkeit Heranwachsender, eigene Texte zu strukturieren und mit einer akzeptabel niedrigen Fehlerquote zu Papier (oder meinetwegen auch zu Display) zu bringen. Vielleicht halten Sie mal einen Podcast mit jemandem ab, der tag-täglich an der Schulfront kämpf.

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Wal-Ire 11.07.2019, 10:59
122. Youtube ??

Sorry, aber das halte ich fuer ausserordentlichen Schwachfug. Youtube ist die Quelle der groessten Wahnsinnigkeiten. Flache Erde, Religioten, Verschwoerungstheoretiker, Rechtsradikale (erstaunlicherweise weniger Linksradikale, komisch ...), Alternativ-Fakten, was immer es an Muell auf diesem Planeten gibt findet sich bei Youtube potenziert. Die paar Erklaerbaer-Videos kann man gern auf einer Plattform mit 1% des Volumens von Youtube kondensieren und dann kuratiert ueber einen kostenlosen Mobil-Breitbandzugang (3G reicht hier aus) mit einem abgesicherten Chromebook den Kindern zur Verfuegung stellen. Wird sich nur keiner ansehen, weil da das ganze krawallige Zeug fehlt.

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voll-der-held 11.07.2019, 11:03
123. Es lebe der Sport

Hier merkt man vor allem das Sterben der Vereine. Ich glaube nicht, dass die elterliche oder schulische Erziehung sich großartig verändert haben. In der Vergangenheit waren viel mehr Kinder und Jugendliche in Vereinen aktiv. Vor allem im Teamsport werden Persönlichkeiten geformt und Werte vermittelt. Hier geht der Teil Erziehung verloren, den her Lobo vermisst. Bringt eure Kinder in die Sportvereine, es bringt sie weiter!

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karlo1952 11.07.2019, 11:10
124. Es gibt noch so etwas wie

Allgemeinbildung, die Grundstock jeder Bildung und Erziehung sein sollten. Das könnte das Internat zwar bieten, aber nicht wenn die User sich willkürlich das raussuchen könne, was nur sie interessiert. Dann wird er maximal zum Fachidioten.

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Bondurant 11.07.2019, 11:59
125. Gut gebrüllt

Es löst schon Amüsement aus, dass auch der freie Geist Lobo erst einmal seine Wohlgesinntheit demonstrieren muss, indem er das Oktoberfest als Stätte vielfältiger sexueller Belästigungen erwähnt, bevor er sich erlauben darf, mal an das strukturelle Problem der islamisch geprägten Gesellschaftsordnung (und ggf. rechtsradikaler Familienidyllen) heranzugehen. Aber immerhin.

Das:

Die alltagskulturellen Prägungen, die solche Auswüchse und die mangelnde, gesellschaftliche Reaktion darauf ermöglichen, verschwinden nicht durch einen Ortswechsel oder Abwarten aus den Köpfen. Sie können im Gegenteil sogar an kommende Generationen weitergegeben werden. Kinder bilden nicht nur die positive Zukunft, sondern auch den Grad der Monstrosität ihrer Umgebung ab.

ist vollkommen richtig erkannt. Was Lobo sich in diesem Zusammenhang allerdings von der Schule verspricht, ist ein wenig rätselhaft: ein intelligenter Autor wie er weiß doch sicher, dass für die Tradierung und alltägliche Beibehaltung bestimmter Verhaltenscodices in allererster Linie die sogenannte Peer-Group und die sonstige enge (familiäre) Umgebung wichtig sind. Mit anderen Worten: wenn schon Erziehung, dann nicht die des (kleinen) Kindes extern, sondern die der (Groß-) Familie eben dieses Kindes. Es ist nicht so, dass die Verhaltensweisen, von denen hier die Rede ist gewissermaßen unfallartig ausbrechen. Es handelt sich doch um in den entsprechenden Kreisen weitgehend akzeptierte Wahrnehmungsmuster, mit denen die Welt eingeteilt wird. Was soll denn der sieben- oder achtjährige Schüler machen? Nach Hause gehen und seinen wie auch immer "traditionell" gepolten Eltern, Onkeln, Tanten, Brüdern, Cousins etc. feierlich erklären, die Lehrerin habe ihm gesagt, dass die Ansichten seiner Familie über die Welt falsch seien und ab sofort geändert werden müssten? Vermutlich bringt man das Kind auf diese Weise in Gefahr.

Im Prinzip hat Lobo natürlich recht, aber die von ihm angebotenen Rezepte offenbaren genau die Hilflosigkeit, die er weiter oben im Artikel beklagt.

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phg2 11.07.2019, 12:00
126.

Zitat von Wal-Ire
Sorry, aber das halte ich fuer ausserordentlichen Schwachfug. Youtube ist die Quelle der groessten Wahnsinnigkeiten. Flache Erde, Religioten, Verschwoerungstheoretiker, Rechtsradikale (erstaunlicherweise weniger Linksradikale, komisch ...), Alternativ-Fakten, was immer es an Muell auf diesem Planeten gibt findet sich bei Youtube potenziert. Die paar Erklaerbaer-Videos kann man gern auf einer Plattform mit 1% des Volumens von Youtube kondensieren und dann kuratiert ueber einen kostenlosen Mobil-Breitbandzugang (3G reicht hier aus) mit einem abgesicherten Chromebook den Kindern zur Verfuegung stellen. Wird sich nur keiner ansehen, weil da das ganze krawallige Zeug fehlt.
Wenn eine Verwandte was in oder an ihrem Haus machen will schaut sie sich entsprechende YouTube Videos an - das ist doch alles gaaaanz einfach, das mache ich selbst!
Die Ergebnisse sind dann mittlere bis grössere Katastrophen, die ich auch nicht mehr hinkriege. Dann kommt ne'n Fachmann, schüttelt mit dem Kopf und sagt "Ja, das wird jetzt teuer!"
Manche Videos sind zwar richtig gut, sind aber eher was für jemanden der's eh' schon ganz gut kann.

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Bondurant 11.07.2019, 12:08
127.

Zitat von tim_van_beek
"Woher aber haben die Kinder und Jugendlichen ihr umfassendes Wissen? Nicht aus der Schule, sondern von YouTube, lautet die Antwort." ... Um das selber alles [auf YouTube] bewerten zu können, braucht man mehrere Universistätsabschlüsse ... Wenn "normale Jugendliche" Youtube konsumieren und mit einem Wissensstand herauskommen, der dem aktuellen Forschungsstand entspricht, dann liegt die Vermutung nahe, dass sie dahin gelenkt worden sind, von einem verständigen Diskussionspartner, der ihnen geholfen hat, das alles auszusortieren.
So ist es. Bildungswillige Kinder auf die freie Recherche in YouTube zu verweisen streift die Grenze der Lächerlichkeit. Da wäre es in vordigitalen Zeiten noch sinnvoller gewesen, Kindern nach Erlernen des Lesens statt Schule die Komplettlektüre des Großen Brockhaus zu empfehlen. Die dortigen Artikel hatten immerhin den Vorteil, einigermaßen sicher richtig zu sein, was man von den YouTube Darbietungen nun überhaupt nicht sagen kann. Eine Schule, zumal eine sogenannte höhere, ist in erster Linie dazu da (und war es immer) den Schülern die Fähigkeit zu vermitteln, selbst Wissen zu erwerben. Gerade das kann durch den Konsum von mehrheitlich interessengeleiteten Videos nicht erreicht werden. Offenbar wird aber diese Technik massenhaft angewendet, anders ist die gefährliche Halbbildung, mit der sich immer mehr Diskussionsteilnehmer öffentlich geradezu schmücken, nicht zu erklären.

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Knife22 11.07.2019, 12:14
128. An der Grenze zum Rassismus / aber auf welcher Seite?

Hier wird bewusst provoziert. Hoffe ich jedenfalls. Wenn man sich die bisherigen Kolumnen ansieht, fällt es schwer, Herrn Lobo Rassismus zu unterstellen. Trotzdem spielt der Verfasser hier ganz bewusst mit den gängigen Klischees und Vorurteilen. "Türkischsprachige Bulgaren" vergewaltigen ein Mädchen. Die Eltern sprechen nur über die Gegensprechanlage. Also liegt die Vermutung nahe, dass es sich um ein kulturelles Problem handelt. So jedenfalls Herr Lobo. Dann wird es absurd: Von Bulgarien, geht es über Bayern (das verstehe ich noch) in "einige islamische Gesellschaften“ und am Ende des Satzes erleiden 96 % der Frauen sexuelle Belästigung. Dann die Zwischenüberschrift: „Kinder bilden Ihre Umgebung ab.“ Verstehe. Strukturell vergewaltigen Bulgaren. Das ist doch alles ganz großer Quatsch und brandgefährlich.

Im Übrigen stimme ich der Annahme zu, dass Erziehung Bestandteil des Bildungsauftrags des Staates ist. Das scheint mir aber auch nicht sonderlich umstritten.

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mantrid 11.07.2019, 12:23
129. L'état c'est nous

Die Schule ist und war nie nur reiner Wissensvermittler. Wo es damals nur das Lexikon gab, gibt es heute das Internet. Schule muss daher lehren, wie man an das Wissen herankommt und Fake Facts von seriösen Quellen unterscheiden kann. Erziehung war schon immer auch Auftrag der Schulen, denn Respekt, Toleranz, Selbstbewusstsein gehören auch dazu, eigentständige Menschen herauszubilden. Leider varbschieden sich imemr mehr Eltern aus ihrer Verantwortung, hier entsprechende Grundkenntnisse zu vermitteln. Das muss die Gesellschaft, als wir als Staat aber deutlich einfordern. Wir müssen klarstellen, dass wir der Staat sind und der Staat kein Feind ist. Wem das nicht passt, der muss gehen, egal ob Reichsbürger oder Islamist.

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