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Schule der Zukunft: Weniger Bildung für die nächste Schüler-Generation!
Julian Stratenschulte / DPA

Das Internet ist, trotz allem, die mächtigste jemals erfundene Bildungsmaschine. Also könnten sich die Schulen doch verstärkt auf ihren anderen Auftrag konzentrieren: Erziehung. Nötig wäre das ganz offensichtlich.

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dev/0 11.07.2019, 12:29
130. Schuldebatten - Willkommen im Absurdistan

Lieber Herr Lobo,
zumindest in der schulischen Praxis bzw. der Ausbildung ist der gemeinschaftliche Erziehungsauftrag von Eltern und Lehrkräften schon immer Teil der schulischen Arbeit. Woran es mangelt, ist der politische und gesellschaftliche Wille zur Umsetzung. Dazu müsste man den weit verbreiteten Wissens- und Autoritätsfetisch überdenken.
Ein weiteres Missverständnis besteht im Verständnis, die Aufgabe von Schule wäre es, Wissen zu vermitteln. So wird es oft gesehen und leider auch allzu of praktiziert. Im Gegensatz dazu versteht man Lernen als aktiven und selbstgesteuerten Prozess, was eigentlich bedeutet, dass die Rolle von Lehrkräften zu überdenken ist. In diesem Sinne ist auch der Wissensbegriff im Zusammenhang mit Lernen zu kurz gesprungen. Erweitert man diesen Begriff um die Dimensionen „Können“ und „Haltung“, sind bei bei dem angelangt, was man allgemein unter Kompetenz versteht. Wissen, betrachtet ohne diese Dimensionen, ist tot im Sinne eines ganzheitlichen Bildungsbegriffs. Da ist es auch kaum verwunderlich, dass SchülerInnen auf den FFF-Demos so kompetent scheinen. Um der Arroganz vieler Journalisten sowie einer Vielzahl alter weißer Männer in der Politik trotzen zu können, braucht es neben dem einfachen Faktenwissen die Fähigkeit zur Anwendung und Reflexion sowie der Bewertung neuer Fakten oder Argumente. Ich gehe einfach mal davon aus, das viele SchülerInnen auf den FFF-Veranstaltungen mehr gelernt haben, als an einem Vormittag in der Schule.
Dabei sollte nicht vergessen werden, dass Lernen auch immer ein sozialer Prozess ist, der eine Vielzahl von sozialen Kompetenzen anspricht, vorausgesetzt, man weicht vom puren Gedanken der Vermittlung von Wissen ab. Insofern böten sich in diesen Zusammenhang bereits einer Vielzahl von Gelegenheiten, am gesellschaftlichen Miteinander zu arbeiten.
An dieser Stelle wären wir dann auch wieder beim Thema „Digitalisierung“ angelangt. Dabei ist mir dieser Begriff etwas kurz gesprungen. Digitalisiert wird nämlich bereits seit vielen Jahrzehnten. Vielmehr befinden wir uns in eines Phase massiven gesellschaftlichen Wandels, der sich auch bzw. vor allem in der Schule niederschlagen muss. Das Wissens- und das Kommunikationsmonopol der Mächtigen ist gebrochen. Das schafft Verunsicherung auf der einen und Chancen wie Risiken auf der anderen Seite. Dennoch sind Plattformen wie „Youtube“ sicherlich keine Wissensmaschinen, sondern eher Wissensspeicher und Medien zur Kommunikation. Der Umgang damit will gelernt sein. Der Ort dafür ist auch die Schule. Das bedeutet aber auch die Notwendigkeit der Veränderung oder Erweiterung der Rolle von Lehrkräften, der Art und Weise, wie gelernt und auch vor allem was geprüft wird. Dabei ist das soziale Lernen immer als integraler Bestandteil der Lernens zu verstehen, ebenso wie der Umgang mit den „neuen“ Medien. Die Weiterentwicklung der Schule in Anlehnung an die Anforderungen der „4. Industriellen Revolution“ ist eine gesellschaftliche Notwendigkeit.

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Fritz Godesberg 11.07.2019, 12:48
131. Immer das selbe..

sowie etwas holzschnittartig dargestellt wird ruft es jede Menge - Pardon - Klugscheißer auf den Plan. Was an Lobos Position tatsächlich problematisch ist bleibt dabei außen vor. Wenn die Schule erziehen soll - wohin? In der Bildungsdiskussion der 70iger (Klafki) hieß es, die Schule solle zum mündigen Bürger erziehen. Was ist das, ein mündiger Bürger? Hier kommt immer noch und immer wieder viel Unverdautes aus der kantschen Aufklärungsecke zum Vorschein. Der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit? Erklären Sie das mal einem faschistoiden Bildungsbürger. Am Ende geht es immer um die mehr oder weniger verbrämte Sehnsucht nach einer heilen Welt. Und die gibt es nicht, die kann es nicht geben, weil sie von Menschen gestaltet werden müsste und die haben kein Interesse an heilen Welt für alle. Wir können froh sein dass nicht viel mehr passiert, wir also z.B. in Deutschland keine indischen oder ägyptischen oder mexikanischen Gegebenheiten haben, was den Umgang mit Frauen angeht. Oktoberfest ist schlimm, ja, ganz ohne Zweifel, aber schlimmer geht immer! Und wenn "Mann" dabei sein Ego stärkt wird es auch Vergewaltigungen geben, weil "is doch geil eh". Faschismus, faschistoides Denken und Handeln lässt sich durch Erziehung nicht verhindern, wärs anders, wäre Hitler nie an die Macht gekommen oder Trump oder Polpot oder Mao oder oder oder. Finden wir uns damit ab, dass Menschen so sind wie sie sind und freuen uns daran, wenn in unserem Mikrokosmos, in unserem Kiez die Welt weitestgehend so ist, wie wir sie gerne hätten. Mehr geht nicht, denn wie sagte Qualtinger der Mensch is a Sau ---- eben!

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Paul Caster 11.07.2019, 12:49
132. Erziehung Aufgabe der Schule???

Erziehung ist nicht die Kernaufgabe von Schulen, sonder die der Eltern! Schule ist für die Bildung verantwortlich. Kinder die von ihren Eltern keine Erziehung genießen konnten, können von einen Lehrer oder der Schule ganz sicher nicht erzogen werden.. dazu gehört mehr.

Sie liegen hier vollkommen falsch Hr. Lobo... dieses Missverständnis hat sich leider in der Gesellschaft so sehr verfestigt das selbst Eltern ihrer Verantwortung oft nicht mehr nachkommen und Lehrern die Schuld geben wenn aus ihren Kindern "nichts wird"... Unfassbar diese Einstellung, wirklich!!

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Fritz Godesberg 11.07.2019, 12:49
133.

Zitat von AxelSchudak
Ja, "Funktion und Möglichkeiten des Schulsystems" sind nicht hinreichend, um jugendliche Gangs an Vergewaltigungen zu hindern. Wer aber fordert, das Schulen das liefern, der muss sie im Verdachtsfall aus den Familien herausnehmen und im Sinne der "Leitkultur" erziehen, zu dem hoffentlich selbst die Linken die Ablehnung von Vergewaltigungen zählen. Fraglich ist nur, ob wir den politischen Willen oder die logistische Kapazität haben, um das zu schaffen. Vermutlich weder noch. Leiden werden darunter die noch kommenden Opfer...
...und wer beschreibt diese Leitkultur und legt sie fest, wie wird sanktoniert? vergessen Sie diese Idee ganz schnell, die Idee den Krieg zur Abschaffung des Krieges zu führen ist schon immer gescheitert

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specialsymbol 11.07.2019, 12:52
134. Das Problem bei Rezo

Rezo hätte ein Musterbeispiel für gelungene Bildung sein können. Aber, alas- er hat die falschen Sachen gelernt, nämlich selbständiges Denken und kritisches Hinterfragen.

In der Schule lernt man: es gibt keine Alternative zu grenzenlosem Wachstum, ein profitabler Konzern macht offensichtlich etwas richtig, also darf man ihn nicht einschränken, Politiker vertreten die Interessen des Volkes, weil in einem Buch steht alle Menschen seien gleich stimmt das auch (und wenn nicht, dann bitte nur in Ländern wo man anscheinend nicht lesen kann).

So aber ist Rezo ein Beleg dafür geworden warum das Internet dringend reguliert werden muß. Man stelle sich vor eine ganze Generation wachse heran, die sich nicht auf mediale Interpretationen von Studien bzw. die von Experten verlässt, sondern Studien selber sucht, möglicherweise sogar in illegalen Ecken ohne Paywall findet und liest. Das gefährdet den Machterhalt der herrschenden Klasse und ab da ist Schluß mit lustig. Deswegen meine Prognose für die (nahe!) Zukunft: das Internet wird sich bald radikal wandeln, eine Zensur findet unter der neuen Kommissionspräsidentin definitiv statt. Natürlich nur um die Bürger zu schützen.

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DummIstKult 11.07.2019, 12:59
135. Einspruch

Genau das Gegenteil ist der Fall: Der Staat, die Gesellschaft müssen Erziehung einfordern, damit die Schule Bildung vermitteln kann. wer sich u.a. mit den Irrungen der frühsexuellen Erziehung in Kitas und Grundschulen befasst, wird verstehen, was ich meine. Eine in die Schule über Gebühr verlagerte Erziehung redet einer möglichen staatlichen Manipulation der Kinder das Wort. Das gab es nicht nur einmal in Deutschland.

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ambulans 11.07.2019, 13:45
136. >dö-dudl-dö (#77, oben),

Zitat von dö-dudl-dö
Lieber Mit-Forist, an Ihrem Schreibverständnis könnten - ob Ihrer an den Tag belegten Schreibeise - auch durchaus Zweifel aufkommen. Zum eigentlichen Thema: Ohne elterliche Verantwortung für die Erziehung ihrer Kinder geht es nicht (das ist die vornehmliche Aufgabe von Eltern); und das Bildungssystem ist, um Herrn Lobos Ansprüchen auch nur im Ansatz nachzukommen, völlig unterfinanziert.
also, das kompliment gebe ich natürklich gerne (unfrei) zurück. trotzdem meine frage: haben sie verstanden, was ich geschrieben habe? wo steht da, dass ich z.b. ein freund von bildung aus der tube wäre, dass ich alles rausverlagern (hauptsache, jemand anders kümmert sich darum) möchte, u.ä.? die kohle im/fürs bildungssystem reicht schon seit ewigkeiten nicht, und eins haben sie immerhin erkannt: "bildung" (genau >das ist gemeint) ist eine gemeinschaftsaufgabe. sonst wird das nämlich nix ...

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phg2 11.07.2019, 13:54
137.

Zitat von specialsymbol
Rezo hätte ein Musterbeispiel für gelungene Bildung sein können. Aber, alas- er hat die falschen Sachen gelernt, nämlich selbständiges Denken und kritisches Hinterfragen. In der Schule lernt man: es gibt keine Alternative zu grenzenlosem Wachstum, ein profitabler Konzern macht offensichtlich etwas richtig, also darf man ihn nicht einschränken, Politiker vertreten die Interessen des Volkes, weil in einem Buch steht alle Menschen seien gleich stimmt das auch (und wenn nicht, dann bitte nur in Ländern wo man anscheinend nicht lesen kann). So aber ist Rezo ein Beleg dafür geworden warum das Internet dringend reguliert werden muß. Man stelle sich vor eine ganze Generation wachse heran, die sich nicht auf mediale Interpretationen von Studien bzw. die von Experten verlässt, sondern Studien selber sucht, möglicherweise sogar in illegalen Ecken ohne Paywall findet und liest. Das gefährdet den Machterhalt der herrschenden Klasse und ab da ist Schluß mit lustig. Deswegen meine Prognose für die (nahe!) Zukunft: das Internet wird sich bald radikal wandeln, eine Zensur findet unter der neuen Kommissionspräsidentin definitiv statt. Natürlich nur um die Bürger zu schützen.
Ich persönlich fänd's gut wenn z.B. Rezos Video in der Schule gezeigt werden würde und dann(!) eine Diskussion mit möglichst kompetenten Lehrer erfolgen würde.
Vermutlich sehen Sie bei Rezos Video keinen Diskussionsbedarf, aber es gibt ja auch sicherlich welche bei denen Sie das ganz anders sehen. Ich persönlich halte alles was im Internet ist für unbedingt zu hinterfragen.

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Fricklerzzz 11.07.2019, 14:17
138. Da liegen Sie komplett falsch

GG Art.6 : Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung. (2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.

Sie sollten sich mehr am Grundgesetz orientieren, als an der Ideologie, der dieses Gesetz schon immer ein Dorn im Auge war.
Nicht von ungefähr gab es die jungen Pioniere und den BDM.

Erziehung durch Staatsdiener war noch niemals in der Geschichte besonders förderlich.

Das Problem ist die Gesellschaft selbst, nicht die Kinder oder die Erziehung.

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frenchie3 11.07.2019, 14:46
139. Öhem, da frage ich mal

warum man mit der Erziehung so spät anfangen soll? Welche Handhabe hat der "Erzieher" denn wenn das Gewünschte den Eltern nicht gefällt? Wer entscheidet überhaupt was wie erzogen wird? Wenn man die Bildung zu youtube rüberschiebt, warum nicht auch gleich die Erziehung, ein paar Kniggespots und schon läuft es, oder so. Nee Leute, noch so ein paar geile Ideen und man kann den Nachwuchs gleich vor dem Fernseher parken. Alternativ hätten wir noch die Matrix.....

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