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Schule der Zukunft: Weniger Bildung für die nächste Schüler-Generation!
Julian Stratenschulte / DPA

Das Internet ist, trotz allem, die mächtigste jemals erfundene Bildungsmaschine. Also könnten sich die Schulen doch verstärkt auf ihren anderen Auftrag konzentrieren: Erziehung. Nötig wäre das ganz offensichtlich.

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meinegruenesocke 10.07.2019, 15:52
10. Da haben Sie

voll ins Schwarze getroffen, Herr Lobo. und wer jetzt schreit, man solle doch die Eltern in die Pflicht nehmen, vergisst schnell, wie wenig Zeit denen bei Schichtarbeiten und langen Arbeitszeiten oft für die Erziehung der eigenen Kinder bleibt. Man verbringt als junger Mensch die Hälfte des Tages in der Schule. Wo, wenn nicht dort, kann ein wirklicher Beitrag für die Erziehung geleistet werden, der sich zudem fast spielerisch mit Gruppenaktivitäten und digitaler Bildung verbinden lässt. Dabei sollten wir nur unbedingt bedenken, welche Erziehungsberechtigten wir auf die junge Generation loslassen - Stichwort Nikolai N. und Bernd Höcke...

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misterknowitall2 10.07.2019, 15:55
11. Stimmt...

Zitat von sven_lichterfeld
ich kann dem nur in vollem Umfang beipflichten, wenn wir wirklich ollen, daß unsere Demokratie und unser gesellschaftliches Zusammenleben auf elementaren Werten wie Toleranz, gegenseitigem Repekt und den allgemeinen Menschenrechten aufbaut, dann müssen Schulen weitaus mehr Bildungsstätten sein als je zuvor, mir schwebt dabei eine Ganztagsschule vor, in der zusätzlich zu den Lehrkräften Sozialtherapeuten und Psychologen als Vertraute den Schülern un Schülerinnen zur Seite stehen, um mobbing und aufkommenden Sexismus wirksam unterbinden zu können. Weiterhin sollten alle Möglichkeiten zur Förderung und Herausbildung verschiedenster Talente vorhanden sein, um musikalisch, künsterlisch, sportlich oder wie auch immer eine sinnvolle Freizeitgestaltung zu fördern. Aber das kostet natürlich alles viel zu viel Geld...das wird lieber in den Jugendstrafvollzug investiert...
ich hatte das Privileg genau so eine Einrichtung besuchen zu dürfen. Ganztagsbetreuung mit Mittagessen. Vormittags Schule mit Gymn. Niveau, nachmittags Zeit für AGs und da gab es ein vielfältiges Angebot, Sport, Musik, Naturwissenschaften, werken....

Natürlich gab es auch in diesem Umfeld Spannungen und Ärger, ich hatte aber nie das Gefühl das irgendwer Respektlos behandelt wird. Sogar die sogenannten Außenseiter fanden schnell Anschluss. Es gab für jede Altersschicht mehrere Pädagogen (keine Lehrer) und alles war ein wenig von der 68er Generation geprägt. Oft haben wir im Unterricht über aktuelle Ereignisse gesprochen und lernten dabei eine Meinung zu haben und diese zu vertreten zu können.

Ich kann so ein System nur befürworten, speziell wenn die Eltern immer weniger Zeit für den Nachwuchs haben, da ja meist beide arbeiten müssen.

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Bernd S 10.07.2019, 16:13
12. Weg mit der Schrift und schriftlichem Rechnen

Es ist nicht einzusehen, alle Schüler über Jahre mit viel Zeit und Aufwand nicht nur zum Schreiben, sondern zu einer schönen und flüssigen Schrift zu zwingen - das fördert außer der Feinmotorik gar nichts anderes mehr. Per Hand muss man heutzutage maximal noch einen Post-It Zettel beschriften oder (wenn man oldschool sein will) eine Glückwunschkarte. Bei allen anderen Texten ist es viel wichtiger, flüssig auf einer Tastatur zu schreiben. Genauso macht es wenig Sinn, bis zum Umfallen schriftliches Multiplizieren und Dividieren zu lernen. Es ist wichtig, das Zahlensystem zu verstehen und das Prinzip dieser Rechenarten - aber kein Mensch (außer Viertklässlern) muss irgendwo schnell und sicher schriftlich dividieren, jeder hat ein Handy in der Tasche.
Und wer jetzt schreit "aber man braucht das, das fördert das allgemeine Verständnis und überhaupt die Disziplin", der sei darauf verwiesen, dass wir inzwischen auch nicht mehr die Benutzung von Logarithmentafeln lernen (wie interpoliere ich da richtig?). Ich persönlich habe auch noch die Benutzung von Rechenschiebern gelernt. Fällt nun auch in die Kategorie "kurioses Wissen". Aber damals, als das abgeschafft wurde, gab es viele Stimmen, die genau das gesagt haben: Aber man braucht das, das fördert das allgemeine Verständnis und überhaupt, das Abendland geht unter, wenn wir den Rechenschieber nicht verstehen. Oder die Logarithmentafeln.
Die so entstandene Zeit kann man besser nutzen, der verantwortungsvolle Umgang mit digitalen Medien wäre ein Punkt - eine stärkere Betonung des Erziehungsauftrags ein anderer.

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Fosmosen 10.07.2019, 16:20
13. Ja, genau!

Weniger Bildung ist die Lösung. Sorry, nach wenigen Sekunden sollte einem klar sein, wie unsinnig diese Forderung ist. Als könne man auf institutioneller Ebene Bildung gegen Erziehung eintauschen. Entweder, oder? Also bitte. Es braucht hier auch keinen Weckruf oder Ähnliches. Das Problem liegt ganz klar und mehr als eindeutig im Elternhaus. HIER wird der Karren in den Dreck gefahren. Bevor Kinder Kontakt mit Institutionen haben, haben Eltern reichlich Zeit in der wichtigsten Prägephase im Leben eines Kindes die Basis für das spätere, menschliche und soziale Versagen zu legen. Die Schule kann das nicht mehr rückgängig machen. Es ist nicht möglich. Verwahrloste Kinder aus bildungsfernen, armen Haushalten, ohne jedwede, kohärente Form von Erziehung im frühkindlichen Alter sind das Eine. Eltern aus der Mittelschicht, die sich ratgebergebildet und körnerkauend vor ihrer Verantwortung als Eltern drücken und sich lieber als besten Freund ihres Kindes gerieren, der alles immer supi findet was der kleine Racker so anstellt und ihm jede Enttäuschung vorenthält, jeden Wunsch anstrengungslos erfüllt und sich eher als gutgelaunter Kellner im Kinderzimmer versteht. So kann sich erst gar nicht Respekt vor der ersten Menschen, die das Kind kennenlernt, den Eltern, aufbauen. Und so wird gleichzeitig der Respekt vor allen anderen im Keim erstickt. Das kann die Schule nicht wieder gutmachen. Denn wenn die Kinder mit ihr in Kontakt geraten, ist es bereits zu spät. Das teilweise soziopathische Verhalten von Kindern kann ich als Elternrat in einem Hamburger Gymnasium und mit einer Gattin, die als Erzieherin in einer Kita tätig ist, täglich bewundern. Und vor allen Dingen den Grund für dieses Verhalten: total gestörte Eltern.

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isar56 10.07.2019, 16:21
14. Tja, so isses

Herr Lobo. Wenn ich auf 36 Jahre als Sozialarbeiterin zurück schaue, sind die Verursacher in erster Linie die Eltern. Was die Vergewaltigung in Mühlheim betrifft ist eine freiwillige Mitwirkung der betreffenden Eltern beim Jugendamt verwirkt und ggf. ein Antrag auf Entzug der Elterlichen Sorge bei Gericht fällig. Wegen Kindeswohlgefährdung (Fremdgefährdung). §1666 BGB.
Die nächste Frage besteht darin, welches Heim solche Jungs aufnimmt. Vor ca 10 Jahren bin ich durch Süddeutschland getingelt um einen Platz in der stationären Jugendhilfe. Vergebens.

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Margaretefan 10.07.2019, 16:27
15. Da möchte ich gern...

...von Herrn Lobo erklärt bekommen, was genau er mit Erziehung meint? Erziehung ist ein sehr schwammiger Begriff. Bildung ist ein nicht unwesentlicher Teil der Erziehung. YouTube bietet sicher gute Möglichkeiten. Keine Frage. Wenn Zwölfjährige dann zum "Ausgleich" auf YouPorn switchen, wird das der Erziehung bzw der Bildung nicht wirklich gut tun. Wie die Schule Totalversagen der Eltern ausgleichen soll, darüber schreibt Herr Lobo auch nichts. Totalversagen der Eltern ist leider keine Seltenheit. Da hat meiner Meinung nach die Schule mit ihren nicht selten viel zu wenigen Pädagogen - Einer auf mehr als 30 Kinder, ist der Normalfall und das auch in bekannten Problemgegenden - nicht den Hauch einer Chance. Jeder kann sich gern davon überzeugen wie die Inklusionsmaßnahmen in der Praxis funktionieren. In der derben, genannten Fällen geht es im Grunde um nichts anderes als nötige Inklusionsmaßnahmen. Wie sieht die Realität bei den Mühlheimer Schülern denn aus? Genau, die werden erst einmal von der Schule ferngehalten. Super Idee, diese zwiachwnmwnachlich völlig verwahrlosten unfertigen, kleinen Menschen, werden nun den Eltern, die nachgewiesener Maßen total versagt haben überlassen. Irgendwo las ich, dass zuständige Behörden kein Problem erkennen, sodass die Kinder bei den Eltern bleiben sollen. Wann meinen Behörden, dass Eltern problematisch sind? Erst wenn 12-Jährige Jungs morden? Bisschen vergewaltigen, scheint ja offensichtlich als halb so wild angesehen zu werden.

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isar56 10.07.2019, 16:27
16.

Zitat von AxelSchudak
Ja, "Funktion und Möglichkeiten des Schulsystems" sind nicht hinreichend, um jugendliche Gangs an Vergewaltigungen zu hindern. Wer aber fordert, das Schulen das liefern, der muss sie im Verdachtsfall aus den Familien herausnehmen und im Sinne der "Leitkultur" erziehen, zu dem hoffentlich selbst die Linken die Ablehnung von Vergewaltigungen zählen. Fraglich ist nur, ob wir den politischen Willen oder die logistische Kapazität haben, um das zu schaffen. Vermutlich weder noch. Leiden werden darunter die noch kommenden Opfer...
Im Verdachtsfall geht rechtlich gar nix gegen sog. unverschuldetes Erziehungsversagen, wie es im Gesetz bezeichnet wird. Eine geschlossene Heimunterbringung ist im Durchschnitt für 250,— Tagessatz zu haben. Meine Erfahrungen damit sind sehr gemischt. Schulen und Heime können sich auf den Kopf stellen, wenn Eltern nicht mit ziehen oder als Konsequenz einfach drauf hauen.

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frazis 10.07.2019, 16:42
17. Es ist ein Armutszeugnis für eine Gesellschaft,

wenn sie nicht in der Lage ist, ihre schwächsten Mitglieder - in der Regel junge Frauen und Mädchen - hinreichend zu schützen. Die Diskussion über die Absenkung des Alters für die Strafmündigkeit sollte zumindest weiter fortgesetzt werden. Es darf auf jeden Fall nicht geschehen, dass die unter 14-jährigen nach der schweren Sexualstraftat in Mülheim sanktionsfrei davonkommen, da das negative Auswirkungen auf die Gesellschaft haben wird und dem allgemeinen Rechtsempfinden widerstrebt. Diesen Jugendlichen muss ganz klar gemacht werden, dass sie schweres Unrecht getan haben, da sonst eine mögliche Wiederholung derartiger Taten zumindest bedenkenswert sein könnte. Übrigens werden Fehlhandlungen sogar in Schulen mit pädagogischen Mittel aufgearbeitet oder auch, wenn nicht anders möglich, sanktioniert. Noch wichtiger aber ist ein Verfahren, in dem die betroffenen Familienmehr berücksichtigt werden. Häufig kommen die jugendlichen Täter aus Familien, in dene Regeln unbekannt sind, sie also keine Sozialisation kennengelernt haben. Wenn diese Familien dann auch nicht bereit sind, mit Jugendämtern und staatlichen Institutionen zusammenzuarbeiten oder diese Zusammenarbeit ganz ablehnen, bleibt als letzte Möglichkeit nur, die betroffenen Kinder aus diesen Familien herauszunehmen und sie über eine gewisse Zeit in speziellen staatlichen Jugendeinrichtungen - z.B. Kinderdörfern - unterzubringen. Hier besteht dann immerhin eine gewisse Chance, ihnen Regeln und Werte, die für eine Gesellschaft, wenn sie denn funktionieren soll, näher zu bringen und sie damit vertraut machen und sie zu sozialisieren.

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he-monsta 10.07.2019, 16:50
18. Bildungssystem für Lehrer

Dank dir Sascha, für einen weiteren guten Punkt auf der Kritikliste am Bildungssystem. Mit 3 Heranwachsenden bekomme ich immer mehr erschreckende Einblicke, was so alles schief laufen kann. Und nebenbei bemerkt, haben die von mir gemeinten Irrläufer nichts mit Klassengrössen und Lehrerauslastung zu tun. Meine Kinder besuchen Speckgürtelschulen mit eher kleinen Klassen. —-
Die Schwierigkeiten bei der Vermittlung von moralischen und ethischen Grundsätzen (meine Definition von Erziehung) sind mehrschichtig und können nicht an der Stelle gelöst werden, die wir alle gern hätten. Denn das Verhalten der heutigen Lehrer ist nur ein Symptom für ein Problem, das viel tiefer liegt. 1. Um Lehrern den Erziehungsauftrag erteilen zu können, müssten wir alle uns erstmal darüber einig werden, was Erziehung bedeutet. Ohne Konsenz auf diesem rudimentären Niveau wird kein Lehrer den Auftrag der Erziehung annehmen.
2. es existieren mehrere Modelle, menschliche Denkweisen zu klassifizieren. Leider wurde schon mehrfach belegt, dass die Mehrheit der Lehrer nicht demjenigen Charaktertyp entspricht, der für die erfolgreiche Entwicklung von Menschen notwendig ist. Kurz gesagt sind heutige Lehrer aufgrund der Bildung, die ihnen zuteil geworden ist, sehr Prozess— und Ordnungs-Liebende Menschen. Das ist ok, aber um Menschen zu entwickeln, braucht es Empathie. Genau diese wird durch das Bildungssystem, durch das unsere Lehrer laufen, aber konsequent ignoriert und nicht mitgebildet. 3. Um das Bildungssystem zu verändern, braucht es nicht einen weiteren nutzlosen Rollout-Plan für ein Schulungskonzept, in dem Lehrer theoretisch lernen, wie sie Klassenarbeiten leistungsgerecht erarbeiten und auch nur den kleinsten Sonderfall berücksichtigen. Sie brauchen Unterstützung darin, auf Kinder einzugehen und den Unterricht nicht nach irgendeinem Plan auszurichten, sondern an den Bedürfnissen der Kinder

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Freier.Buerger 10.07.2019, 16:52
19. Vorwärts immer, rückwärts nimmer

Wir sollten unsere freiheitlich demokratische Grundordnung verteidigen. Das gelingt mit Sicherheit nicht mit staatlich gelenkter Erziehung.
Unsere liberale Gesellschaft lebt vom Engagement und dem verantwortlichen Handeln der allermeisten. Wenn sich einige dieser Verantwortung entziehen, nicht nur aber vor allem bei der Erziehung ihrer Kinder, so müssen wir der Gesellschaft, den Lehrern, den Schulen, den Jugendämtern... die Möglichkeiten geben, diese Eltern daran zu erinnern. Wenn das nicht funktioniert drohen Konsequenzen bis hin zur Trennung der Eltern von ihren Kindern.
Es kann nicht sein, dass alle kollektiv erzogen werden sollen, bei dem Versuch vormittags das gerade zu biegen, was wenige am Abend danach wieder einreißen.
Alle liberalen Kräfte bitte ich darum, dem Wort Eigenverantwortung wieder den positiven Grundton zu geben. Eigenverantwortung ist kein neoliberales Teufelszeug, sondern die Basis unseres freien und sozialen Zusammenlebens. Wir machen etwas, weil es gut für uns und unsere Mitmenschen ist und nicht nur, weil es im Gesetzestext steht.

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