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Schule der Zukunft: Weniger Bildung für die nächste Schüler-Generation!
Julian Stratenschulte / DPA

Das Internet ist, trotz allem, die mächtigste jemals erfundene Bildungsmaschine. Also könnten sich die Schulen doch verstärkt auf ihren anderen Auftrag konzentrieren: Erziehung. Nötig wäre das ganz offensichtlich.

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he-monsta 10.07.2019, 18:18
50. @ambulans #34

Mit der Keule zu kommen, irgendwo sei es ja noch viel schlechter, ist in etwa so wie gegen Klimaschutz zu sein, weil 45 über Hiroshima eine Atombombe abgeworfen wurde, was ja jeden Klimawandel als kleines Problem darstellt. Und genau deswegen brauchen wir ein funktionierendes Bildungssystem, das sich nicht allein auf Wissensvermittlung beschränkt, sondern Kompetenzen entwickelt, soziale, kommunikative und methodische. Damit es eben nicht wieder zu etwas wie Hiroshima kommt. Das ist kein Gemecker, das ist Fakt

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Mindbender 10.07.2019, 18:21
51. ...

"Wenn ein Begriff derart breitgetreten wird, existiert selten ein zielführendes Verständnis seines Inhalts."
Ich musste schmunzeln... wie mit dem "digital" zum Beispiel... nicht wahr, Lobo?

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biesi61 10.07.2019, 18:40
52. Ein sehr guter Beitrag von Lobo und eine interessante Diskussion dazu.

Mein Schulbesuch ist 40 Jahre her. Aber schon damals haben gute Lehrer neben der Wissensvermittlung auch eine unschätzbar wichtige Erziehungsleistung vollbracht. Schule (auch Kita) war damals schon und ist auch heute immer noch eine soziale Institution, in der jeder seine Rolle in der Gemeinschaft in einem geschützten Umfeld üben und finden sollte. Und gute Lehrer choachen diesen Prozess. Eigentlich also nichts revolutionär Neues! Natürlich muss sich Schule heute weiterentwickeln, stehen andere Erziehungsaufgaben und veränderte Bildungsmethoden im Raum. Auch schlichtes Weglassen von altgedienten Lerninhalten könnte wichtige Freiräume für heute Wichtigeres schaffen. Aber die Grundaufgabe bleibt unverändert dieselbe!

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kakophoniephobie 10.07.2019, 18:41
53. Immer mehr Privatschulen

Zitat von kuschl
Ihr Beitrag bringt die Probleme exakt auf den Punkt. Es kann der Lehrer noch so motiviert sein, die Probleme mit den von Ihnen erwähnten Jugendlichen anzugehen. Es bleibt nur das frustrierte Scheitern, weil diese spätestens nach der Schule wieder in ihre archaisch geprägten Elternhäuser zurückkehren und selbst nach mehreren Generationen immer noch nicht integrationswillig sind. Diese Problematik wird aber von den Migrationsbefürwortern und auch der entsprechenden Presse nicht angefasst oder völlig verharmlosend heruntergespielt, um Ängste in der Bevölkerung zu vermeiden und den Rechten nicht in die Hände zu spielen. Ein fataler Fehler, der sich in der Zukunft noch rächen wird. Nicht umsonst überlegen sich junge Leute, ob sie sich das Lehramt bei den Zuständen, die heute an den Schulen herrschen, überhaupt ergreifen sollen. Die Politiker, die diese Umstände durch ihre blauäugige Sichtweise auch noch befeuert haben, ducken sich jetzt weg und negieren die Probleme, die sie selbst hervorgerufen haben.
So sehr Lehrer von staatlichen Schulen mit Gehaltsaufschlägen und Sonderprämien geködert werden: "Die Zahl der Privatschulen steigt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts gab es im vergangenen Schuljahr bundesweit fast eine Million Privatschüler. Jeder elfte Schüler ging demnach auf eine private Bildungseinrichtung, Tendenz weiter steigend. Den Zahlen zufolge sind 14 Prozent der Schulen in privater Trägerschaft." (www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/privatschulen-der-lehrermangel-trifft-freie-schulen-besonders-hart-a-1240510.html) - Auf Dauer wird einem Lehrer mehr an einem erträglichen bis tollen Arbeitsklima als an einer finanziellen Besserstellung (an einer staatlichen Schule mit unerträglichen Verhältnissen) gelegen sein, denke ich mal. Und die Privatschulen werden, wenn es denn nicht anders geht, das Schulgeld erhöhen, und Eltern, die um das Wohl ihrer Kinder besorgt sind, noch tiefer in die Tasche greifen.

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isar56 10.07.2019, 18:54
54.

Zitat von phg2
Ich erlebe immer wieder Schulklassen im Zug, manche brauchen gar keine Erziehung von den begleitenden Lehrern, die sind einfach "erzogen", was jetzt nicht still und brav heißen muss. Das andere Extrem sind Klassen da können die Lehrer sagen was sie wollen, das interessiert die Kids allenfalls am Rande. Muss wohl an den Eltern liegen.
Das geht mir ab und zu ebenso. Vor wenigen Wochen in einer Pizzeria kamen 17 Kinder an, alle ca 12, 13 Jahre. Sie waren nicht leise, aber angenehm in Verhalten und Lautstärke. Hin und wieder mahnte der ein oder andere der Jungs mit einem Sie waren höflich zum Kellner und freundlich im Umgang miteinander. Das haben mit Sicherheit deren Eltern vorgelebt. Nebenbei bemerkt. Es waren Kinder, die sich in perfektem Deutsch und Italienisch unterhielten. Und die Gruppe schien weder gelangweilt, noch langweilig zu sein, sondern hatte sicht- und hörbar Spaß.

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ambulans 10.07.2019, 19:04
55. >he-monsta (#50, oben),

Zitat von he-monsta
Mit der Keule zu kommen, irgendwo sei es ja noch viel schlechter, ist in etwa so wie gegen Klimaschutz zu sein, weil 45 über Hiroshima eine Atombombe abgeworfen wurde, was ja jeden Klimawandel als kleines Problem darstellt. Und genau deswegen brauchen wir ein funktionierendes Bildungssystem, das sich nicht allein auf Wissensvermittlung beschränkt, sondern Kompetenzen entwickelt, soziale, kommunikative und methodische. Damit es eben nicht wieder zu etwas wie Hiroshima kommt. Das ist kein Gemecker, das ist Fakt
ehrlich gesagt, verehrter mit-forist - ihren beitrag verstehe ich nicht, und an ihrem lese-/schreib-verständnis habe ich auch - gelinde gesagt - so meine zweifel. forist @37 hat zu diesem thema etwas sehr wichtiges vorgebracht: "es braucht ein ganzes dorf (gemeint ist hier: eine ganze community/dorf/etc.), um ein kind zu erziehen". besser kann mans nicht ausdrücken (danke an @37). und ihre bezüge zu "hiroshima"(?) finde ich - persönlich ausgedrückt - ziemlich abseitig; wenn sie diese thema interessiert, warten sie doch einfach noch vier wochen, bis anfang august - dann jähren sich die gedenktage von hiroshima und nagasaki ein weiteres mal ... dr. ambulans (alle kassen)

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dhrb 10.07.2019, 19:23
56. Da könnte der Autor richtig liegen.

Ergänzend möchte ich hinzufügen: wir brauchen qualifizierte Zuwanderung. Wenn überhaupt. Unqualifizierte, bildungsferne Zuwanderung gab es in den letzten Jahrzehnten nämlich viel zu viel. Das braucht D nicht. Seit verarmte, korrupte Länder ,v.a Bulgarien,die EU Freizügigkeit genießen, hat sich dieses Problem verschärft. Diese Leute sollten eigentlich massiv zurück kehren. Alle, die hier nur zur Last fallen, sollten das Recht auf Freizügigkeit verlieren können. V a. bei Kriminalität.

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SigismundRuestig 10.07.2019, 19:24
57. Wird Deutschland immer dümmer?

Digitalisierung hin oder her, Fakt ist, dass in den letzten 40 Jahren die Anforderungen an allen Schularten um über 30% zurückgedreht wurden - ablesbar an Lehrplaninhalten und Lernzielen - mit dem Ergebnis, dass sich z.B. die Abiturquote eines Jahrgangs mehr als verdreifacht hat (1972: 15%, 2015: 53%) und die Anzahl der Einzerabiturienten inflationär explodiert ist. Insofern muss man sich auch nicht wundern, dass die Gymnasien überfüllt sind und sich die Qualität aller Schulen und die Bedeutung der restlichen Schulen drastisch verschlechtert haben. Auch die Hochschulen beklagen das rückläufige Niveau der Studienanfänger.
Aktuelles Beispiel aus meiner Familie an einer Grundschule in Hessen: 5 Monate nach der Einschulung wurde damit begonnen, Lesen zu erlernen, alle Buchstaben wurden mit Hängen und Würgen bis zum Schuljahresende geschafft! Und 3 Jahre zuvor an einer Grundschule in Baden-Württemberg wurde als Ziel ausgegeben und auch umgesetzt, dass die Kinder bereits nach 3 Monaten lesen können!
Um den Qualitätsverlust wenigstens teilweise zu kaschieren, wurde mancherorts die Hauptschule „aufgewertet“ als neue Mittelschule (genau genommen nur eine Umbenennung), die Realschule zur Realschule plus „befördert“.
Man muss sich auch nicht wundern, dass ob dieser Entwicklung kein Aufschrei durch die Republik geht: Die Schüler werden mit guten Noten und die Eltern mit guten Schulabschlüssen zufrieden gestellt. Die Lehrer interpretieren die guten Schulabschlüsse als Nachweis ihres guten Unterrichts und die Politiker sonnen sich in einer erfolgreichen Bildungspolitik. Welch ein Irrtum!
Und oben drauf kommt noch der permanente Unterrichtsausfall aufgrund eines anhaltenden Lehrermangels, der - jedes Jahr aufs Neue - nach den Sommerferien „überraschend“ festgestellt wird.
Und noch gar nicht thematisiert habe ich die zahlreichen sogenannten Schulreformen, die in de letzten Jahren krachend gescheitert sind und damit zu einer weiteren Qualitätssenkung bei den Schülern geführt haben, wie z.B. G8/G9, Schreiben lernen durch Hören, etc.
Und jetzt glauben manche Politiker, mittels - von vielen falsch verstandener - Digitalisierung könnte man in den Schulen noch mehr erreichen! Was denn mehr? Qualität oder Quantität? Oder doch nur noch mehr Umsatz für die Digital-Industrie?
Fakt ist, dass die Digitalisierung der Schulen häufig über Produkt-Placement beteiligter IT-Konzerne zu einem Konjunkturprogramm und Spielfeld für die IT-Industrie, über Konzepte wie „bring your own device“ zu einer Aushöhlung der Lernmittelfreiheit verkommt. Ganz abgesehen davon, dass sinnvolle Lernprogramme noch in der Minderheit sind.
Gar völlig absurd ist vor diesem Hintergrund die Frage, ob es denn künftig noch erforderlich wäre, die Fertigkeiten des Lesens, des Schreibens, des Rechnens etc. zu erlernen!

Fragt sich nur, wer hat denn ein Interesse, dass Deutschland in diesem Sinne immer dümmer wird? Nur knapp 15 Prozent der Erwachsenen mit Eltern ohne Abitur erreichen in Deutschland ein Hochschulstudium – deutlich unter dem Durchschnitt der OECD-Länder. Liegt da der Hund begraben?
...

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spmc-12355639674612 10.07.2019, 19:34
58. Bildung und Erziehung

Für die Altersklasse, um die es geht, nämlich 12-14-jährige Jugendliche mit extremer krimineller Energie, sind wir in einem Alter, in der das, was wir als "klassische Bildung" begreifen könnten, noch in relativ weiter Ferne liegt. Wenn alles gut gelaufen ist, beherrscht man in diesem Alter die Grundrechenarten, Lesen und Schreiben und einigermaßen Englisch, liest aber noch keinen Goethe und beschäftigt sich noch nicht ernsthaft mit MINT-Fächern. Ob man ein Musikinstrument in die Hand bekommt, liegt sowieso in der Verantwortung der Eltern.

Eine Ganztagsschule oder sogar ein Internat mit starken Erziehungsauftrag und dem interessanten Nebeneffekt, dass die Kinder dann mehr Zeit in der Schule als zusammen mit den Eltern verbringen, könnte da Wunder wirken, aber nur, wenn dort gute(!) Lehrer unterrichten. Ich denke da an so etwas wie im "Fliegenden Klassenzimmer" beschrieben. Aber von diesen Schulen gibt es zu wenige.

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crimadiloca 10.07.2019, 19:40
59. So isses nicht ganz...

Es gibt Millionen von Schülern, die meisten davon sind tolle junge Menschen und ganz viele sind zumindest völlig akzeptabel. Aber das ist wie mit Flugzeugabstürzen: natürlich interessiert sich niemand für die Millionen erfolgreicher Flüge, sondern für die zwei Abstürze. Das ist auch verständlich, aber es ist völlig unsinnig, daraus etwas allgemein Gültiges ableiten zu wollen.
Natürlich ist die Erziehung Bestandteil der Bildung; ein Blick in die Bildungspläne würde genügen. Und kein Konzept der Welt könnte seltene „Abstürze“ vermeiden.
Im Übrigen ist das Internet überhaupt keine Bildungsinstanz! Es bedeutet lediglich einen fast unbegrenzten Datenzugang und ist damit (im besten Falle) ein Wissensreservoir. Das Internet vermittelt aber kaum Fähigkeiten (z.B. wahr und falsch zu unterscheiden).
Nervig, diese bildungspolitischen Beiträge von Menschen, die vom Bildungswesen überhaupt keine Ahnung haben (abgesehen davon, dass sie selber mal in der Schule waren).

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