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Schwarze Null: Hefte raus, Spardiktat!
Hannibal Hanschke / DPA

GroKo-Deutschland bildet sich ein, dass Sparen die Antwort auf alles ist. Der Rest der Welt investiert unterdessen in die Digitalisierung. Ruanda zum Beispiel ist weiter als Berlin.

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c.haesemeyer 16.05.2019, 04:46
80. In Deutschland ...

ist es halt immer 1923. Wie im Artikel gut erklärt, ist diese Spar-Bessenheit ein absoluter Wahnsinn. Und es wird ja auch nicht wirklich gespart. Wenn wir Jahr um Jahr zig Milliarden abschreiben müssten wegen Verfalls der Infrastruktur ist das ja “sparend” nur wegen der Regeln nach denen öffentliche Haushalte aufgestellt werden. Wenn die BRD ein Privatunternehmen wäre, müsste sie Verluste ausweisen.

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Adelheid Seltmann 16.05.2019, 06:37
81. Disruption: digitale Kultur

Sascha Lobo ist zuzustimmen, aber hinzuzufügen, dass der tiefere Grund für das Ersticken im Biedermeier im Deutschland 2019, eine fehlende digitale Kultur ist, die die Faehigkeit zu permanenter Disruption, zu taeglichen Updates mit Konsequenzen entwickelt und nicht auf Traditionen setzt, die hinderlich im Weg stehen. Der Prozess einer digitalen Erneuerung steht vor allem auch im kulturellen Bereich aus, wo Digitalisierung eher ein naechtliches Schreckgespenst ist und die sog. Kulturschaffenden ungern zugeben, dass der Literaturbetrieb z. B. nicht mehr wie im 20. Jhd beibehalten werden kann, dass Opernhäuser sich nur hoch subventioniert noch betreiben lassen und der Neubau des Berliner Schlosses ganz sicher eine Geschichte wieder belebt, auf die wir nun wirklich nicht stolz sein können. Typisch: er wird im Plan fertig, der BER nicht.

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AntiLuckerMD 16.05.2019, 06:41
82. Die Grenzen der Investition

Wir werden die großen Porbleme der nächsten Jahrzehnte nicht ohne die notwendige Infrastruktur erreichen können.
1. Klima: Es braucht ein belastbares und flexibles Stromnetz, um erneuerbare Energien überhaupt erst in der erforderlichen Verbreitung einsetzen zu können.
2. Verkehr: ohne Konkurrenzfähige öffentliche Verkehrsmittel wird die Luftqualität nicht in erforderlicherweise verbessert werden können (Bahn in Konkurrenz zum Fliegen; Bus, U-Bahn, S-Bahn in Konkurrenz zum städtischen PKW-Verkehr)
3. Gesundheit: das Gesundheitssystem ist massiv überlastet. Dieses Problem wird sich in den nächsten Jahren aufgrund des demographischen Wandels und der weiterhin hohen (Gesundheits-) Migration noch weiter aggravieren. Schon jetzt wartet man vielerorts nach seiner Darmkrebsdiagnose Wochen auf einen OP-Termin, das Krankenhaus in dem ich arbeite, hat seit 2016 durchschnittliche Belegungsraten von ca. 115%.
4. Verteidigung/europäische bzw internationale Verantwortung: Deutschland hat seinen Verbündeten Zusagen gemacht, die einzuhalten sind. EU und NATO haben Europa die längste Phase ununterbrochenen Friedens in der näheren Erdgeschichte beschert. Dies sind daher zwei Institutionen, die auch unter erheblichen Kosten zu erhalten sind, einfach weil sie es Wert sind.

Ich könnte noch weitere Teilbereiche nennen...
Deutschland darf nicht durch das Rausschmeißen von Geld die Stabilität der Währungsunion gefährden, aber innerhalb dieser Grenzen müssen die notwendigen Investitionen für Klima, sozialen Frieden und europäischen Frieden zeitnah und entschieden begonnen werden. Solange jedoch in Infrastrutur investiert wird, besteht aber ein Gegenwert für das ausgegebene Wert. Reine Verbrauchsausgaben, wie Steuererleichterungen, Rentenerhöhungen usw. müssen im Gegensatz dazu deutlich genauer gegenüber ihrer Notwendigkeit kalkuliert werden.

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zensurgegner2016 16.05.2019, 07:05
83.

Zitat von Schartin Mulz
einfach die Krise, wenn ständig irgendwelche Länder als leuchtendes Beispiel hingestellt werden, Länder, in denen von uns keiner freiwillig leben möchte. Hier ging es jetzt konkret um die Digitalisierung, in der uns Ruanda angeblich weit voraus ist.
Die Eigenschaft der Alten Herren, alten Wirtschaft, eben der Besitzstandswahrer:

1: Man hat es erst gar nicht nötig sich mit den Anderen zu vergleichen
2: Neuerungen werden abgetan mit: braucht man nicht, interessiert keinen....
3: Wenn sich dann bei den "Neuen" erste Erfolge zeigen wird das kleingeredet, als Strohfeuer abgetan, als "in Summe uninteressant",...und alleine die Größe scheint recht zu geben
4: Wieder etwas später , wieder etwas Anteile verloren, versucht man dann , die ehemals "Neuen" zu kopieren
Zaghaft
Zögerlich
5: Wieder etwas später, die Neuen sind nun größer, kommt ein Restrukturierungsprozess nach dem Anderen, kommt eine Durschhalteparole nach der anderen

Nur: Kopieren reicht nicht, denn die Basis, die Grunsessenz des Konkurrenten, ist etwas, was man nicht kopieren kann. Zumindest nicht in der Zeit die man noch hat um wirtschaftlich zu überleben

In dem Beispiel:
Die digitale Steuerung von Beleuchtung in Ruanda setzt voraus, dass es eine durchgehende Vernetzung, ein GF Netz gibt
Und die Einsicht von Behörden, es so zu gestalten
Und das WIssen, dass so etwas sinnig ist
Und den Anschluss aller Wohngebiete an dieses Netz

Wie oft steht man in D mitten in der Nacht an hell erleuchteten Kreuzungen vor roten Ampelanlagen, die so analog sind und nicht mal erkennen, dass man das einzige Fahrzeug weit und breit ist?
Stand 70er Jahre
Da will man vor Wut am liebsten die Ampel umfahren
Ändert sich da was?
Erkennt man bei Behörden da einen Aufbruch?

Damit Sie mal erkennen, wie Gestrig Sie sind:

Bundeskanzler Schröder im Jahre 2002: Bis 2004 kann jeder Bundesbürger online seine Fahrzeuge an und abmelden

Heute, 17 Jahre nach Bundeskanzler Schröders versprechen:
Was ist da Realität?

17 Jahre sind in digitaler Sprache 2 Menschenleben lang

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peho65 16.05.2019, 07:53
84. Ihr Gedanke geht leider nicht weit genug

Lieber Sascha Lobo,
auch wenn natürlich das Digitale Ihr Ressort ist, geht Ihr Gedanke hier nicht weit genug.
Es ist leider nicht nur die Digitalisierung, die in Deutschland auf allen Ebenen, von juristischen Vorgaben über technische Umsetzung bis hin zu Bildung und Ausbildung, be- und verhindert wird.
Vielmehr ist es auch die gesamte technische Infrastruktur in Deutschland, die unter dem Spardiktat leidet. Die "Datenautobahn" (immer noch ein blöder Begriff) nutzt Deutschland ohne funktionierende Straßen, Bahngleise, Telekommunikationsnetze nichts!
Leider ist allerdings in dieser Epoche der verschlafenen und selbstbezogenen Politik keine Änderung zu erwarten.

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tucson58 16.05.2019, 08:29
85. Ich bin mal gespannt ......

.......ob ich es nochmal erleben darf wo man einmal mit etwas zufrieden ist .


Nun hat man Jahrzehnte lang nur am Hohen Schuldenstand rumgemeckert und die Schulden Uhr war ja ein Symbol der bald eintretenden Pleite wenn nicht endlich gespart wird .

Nun schreibt man seit ein paar Jahren eine schwarze Null , nun ist das auch schon wieder ein großes Problem und man erkennt wieder einmal das dadurch nun auch keine Probleme gelöst werden.

Eines kann ich aber sagen , ob die Schuldenuhr täglich ein steigende Verschuldung im Sekundentakt anzeigte, oder wir nun seit ein paar Jahren eine schwarze Null haben , ich hatte nie mehr , aber auch nie weniger Geld und mir ging auch nicht besser oder schlechter .

Im Gesamtergebnis, bin ich froh an dem was ich habe und was ich aus meinem Leben gemacht habe, oder in unserem Land eben machen konnte .

Somit stehe ich heute unmittelbar vor der Rente und bin ganz einfach nur zufrieden das mir das in dem Land über einen solange Zeitraum alles so ermöglich wurde .

Ich denke das ist nicht überall auf dieser Welt möglich !

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mantrid 16.05.2019, 08:55
86. Wo bitte wird gespart?

Sparen heißt, Geld zur Seite zu legen. Die Schwarze Null heißt hingegen nur, keine weitere Zunahme der Schulden. Die sogenannten "Sparhaushalte" sind Schönsprech in orwellscher Tradition. Das Problem in Deutschland ist auch nicht die Schwarze Null, sondern wofür das Geld ausgegeben wird, z.B. Subventionen für Kohlebergbau, Tabakanbau usw. und nochmals Subventionen für Klimaschutz wegen Kohleverbrauch und für Anti-Raucher-Kampagnen. Wir müssen also gar nicht mehr Geld ausgeben, sondern nur für die richtigen Dinge.

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Aberlour A ' Bunadh 16.05.2019, 09:52
87. Demokratie in Ketten

Die "schwarze Null" ist nicht vom Himmel gefallen, sondern hat sich lange vorher in die Gehirne gefressen. Einer der wichtigsten ökonomischen Einflüsterer: James. M. Buchanan, späterer Ökonomie-Nobel-Gedenkpreisträger von 1986. Als aufmerksamen Leser seiner Schriften konnte einem nicht entgehen, dass er bereits seit den 1960er große Anstrengungen unternommen hatte, die Politik - oder besser den politischen Prozess in einer Demokratie - zu endogenisieren. Ganz nebenbei wurde dabei ein Forschungsgebiet innerhalb der Ökonomik entworfen, dass man "Neue Politische Ökonomie" nannte. Im wesentlichen das Brainchild von James M. Buchanan, wie auch die "Verfassungsökonomnik". Nun bleibt es aufmerksamen Leser und Beobachter der Szenerie natürlich nicht verborgen, dass diese damals neuen ökonomischen Gebiete unter der Federführung Buchanans eine starke ideologische Schlagseite haben, die man mit "ultra-konservativ" ganz gut auf den Punkt bringen kann. Leider ist hier nicht der Platz, um das etwas ausführlicher darzustellen, aber im Ergebnis jedenfalls ist klar, dass Buchanan und seine Mitstreiter demokratisch gewählten Politikern - ja dem ganzen demokratischen Prozess in repräsentativen Demokratien - misstrauisch bis ablehnend gegenüberstehen. Politiker haben keine Ahnung, wissen nicht wovon sie reden, tun nur durch Zufall das Richtige, sind in Wirklichkeit rationale Egoisten, egal was sie Wohlfeiles von sich geben und und und. Im Gegenzug verhält man sich allerdings gegenüber kapitalistischen Märkten auffallend naiv. Kein Wunder, könnte man doch Buchanan als Quasi-Mitglied der sogenannten "Österreichischen Schule (in den USA)" bezeichnen.
Um nun den demokratischen Prozess und mit ihm die Mitentscheidungsgewalt demokratisch gewählter Politiker "einzuhegen", um es mal vorsichtig auszudrücken, sollen staatliche Institutionen auf ein Minimum zurückgeführt werden. In diesem Prozess, die "Demokratie in Ketten zu legen", ist es natürlich ein wichtiges Fundament, EINE SCHULDENBREMSE IN DIE VERFASSUNG ZU SCHREIBEN. Man lese hier nur die Ausführungen von Buchanan in seinem Werk "Democracy in Deficit" (zusammen mit Richard E. Wagner), das nebenbei auch noch eine falsche Darstellung der Theorien von Lord Keynes enthält. Im Ergebnis haben wir heute genau die Probleme, die Sascha Lobo in seiner Kolumne beschreibt. Was mich dabei in der historischen Genese dieser Schuldenbremse (in der Verfassung) nur bis auf den heutigen Tag wundert: die SPD. War man so naiv? Wusste man nicht "woher das kommt"? Jedenfalls ist Olaf Scholz heute der Sachwalter der politischen Ideologie eines James M. Buchanan. Einer Ideologie, die ALLEM WIDERSPRICHT WAS JEMALS SOZIALDEMOKRATISCH WAR ODER SOZIALDEMOKRATISCH WERDEN KÖNNTE. Da kann man einfach nur noch sagen: Tragisch. Diese SPD.

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emil7685 16.05.2019, 09:54
88.

Zitat von curiosus_
Also, wenn ich mir die Statistik von www.testmy.net so anschaue, dann steht da für download: "the DE Avg 68.6 Mbps" und "World Avg 36 Mbps" und für upload: "the DE Avg 22.6 Mbps" "World Avg 10.8 Mbps" So gut wie überall außerhalb Deutschlands?
Meine persönlichen Erfahrungen decken sich nicht damit. Wenn ich aus Lateinamerika zurückreise gehe ich vor dem Abflug noch mal in die nächste Kneipe um dort im WLAN noch schnell meinen Laptop upzudaten und Dateien hochzuladen. Weil der Upload einer 2GB-Datei dort ungefähr fünfzig mal schneller geht als in Deutschland. Ich war in den letzten fünf Jahren dank meines Jobs quasi überall in der Weltgeschichte unterwegs. Und egal ob Indien, Kazakhstan, Ukraine, Libanon, ganz Afrika, komplett Südamerika, Rumänien, Bulgarien, Albanien. ÜBERALL gibt es in absolut jeder noch so abgelegenen Ecke schnelles Internet. Sowohl per Kabel als auch mobil.
Ihre Statistiken die mir weismachen sollen dass das nicht so ist (obwohl ich es persönlich ständig erlebe) halte ich deshalb einfach nur für lächerlich. Tut mir leid. Deckt sich einfach nicht, wiederhole, mit meinen persönlichen Erfahrungen.

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bluebill 16.05.2019, 10:39
89. Kultur des Hinterherlaufens

Es gibt in jeder Region gewisse ethische Grundsätze, die über Generationen vererbt werden. Im Schwäbischen ist es z.B. das Anhäufen von Geld durch Konsumverzicht, um jeden Preis. Es ist sozialer Konsens, dass ein anständiger Schwabe mit 30 im Eigenheim wohnt und lebenslang sein Bankkonto aufpolstert. Dafür wird am Essen gespart. Wenn jemand aus diesem Umfeld Finanzminister wird - was kann man dann erwarten? - In Gesamtdeutschland herrscht zudem die Kultur des Nicht-Auflehnens und Nicht-Mitdenkens. Man folgt nur vorgegebenen Meinungen. Da lag die Schwarze Null lange ganz vorne. Genauso wie die Besserwisserei gegenüber allen, die andere Konzepte hatten. Das wurde auch von sämtlichen Medien befeuert. Wer etwas dagegen sagte, wurde ausgezetert, als Anti-Europäer hingestellt und der gedankenkosen Verschwendung bezichtigt. Die Obrigkeit hatte nun mal vorgegebenen, dass Sparen gegen alles Übel helfen würde, also beteten es alle nach. Jetzt endlich fängt auch die breite Masse an, am Sparzwang als Allheilmittel zu zweifeln. Weiter so.

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