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Sharing Economy: Auf dem Weg in die Dumpinghölle

Der Konflikt um den Fahrdienst Uber illustriert einen globalen Trend. Was oft als Sharing Economy bezeichnet wird, ist in Wirklichkeit ein euphemistisch benannter Aspekt einer neuen digitalen Wirtschaftsordnung: des Plattform-Kapitalismus.

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malte 03.09.2014, 13:54
10. Bye,bye

Da bleibt zu hoffen, dass Ubers-Arschloch-Kapitalisten und der Rest der Sippe demnächst von kostenlosen "Sharing"-Communities (aka Mitfahrzentralen-App, Marktplatzportale etc.) überrollt werden. Erstmal wünsche ich dem Staat allerdings einen dicken Batzen Ordnungsgelder-Einnahmen...

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nachtmacher 03.09.2014, 13:55
11. es geht nicht nur um politische Maßnahmen!

Einen ganz wichtigen faktor blenden Sie aus, Herr Lobo. und dieser Faktor ist der Verbraucher! Der typische Verbraucher in Deutschland will möglichst viel verdienen, aber möglichst wenig für Dienstleistungen und Waren bezahlen. Und obendrein schätzt er Bequemlichkeit! Wenn der Verbraucher seine Bücher im Buchhandel kauft, dann kann Amazon versuchen die Verlage zu erpressen. Wenn der Kunde seinen Fernseher nicht bei Amazon bestellt, dann gibts weiterhin Jobs im Handel, nicht nur Dumpinglöhne für ungelernte Kommisionierer und arme Kurierfahrer, die als Subsub-Unternehmer rund um die Uhr auf eigenes Risiko schuften müssen. Diesen Plattformkapitalismus zu nutzen bedeutet ihn zu Fördern!
Des Weiteren liegt es auch ein Stück weit an den "etablierten" Dienstleistungs- und Handelssektoren, die auch nicht fähig sind auf Veränderungen oder auf Kundenanforderungen zu reagieren. Grade im Falle Uber gefällt halt vielen Kunden, dass die Fahrer ordentlich gekleidet sind, und eben nicht einfach mal kurz vor der Türe hupen und dann weg sind etc. Vor jahren schon gabs in New York einen Taxifahrer, der mit sauberem Auto, Musikauswahl, Freundlichkeit und Service nach kurzer Zeit nur noch für Stammkunden gearbeitet hat und sogar Aufträge an zuverlässige Kollegen vermitteln konnte. Das was Uber jetzt macht, wird durch TTIP zum Standard werden. Schuld dran, dass Kapitalismus-Plattformen (wie ja auch My-hammer, Amazon etc.) funktionieren sind die Politik (EU etc.) und der Verbraucher!

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klaus meucht 03.09.2014, 13:58
12. Taxi

Zitat von Harry Callahan
Weil Taxifahren schlichtweg zu teuer ist und die Fahrer auch keinen besseren Service bieten, als irgendein Privatfahrer.
Kann es sein dass nicht Taxifahrer zu teuer sind, sondern ihr eigener Verdienst zu gering?

Ich persönlich habe nicht das Gefühl dass Taxifahrer zu den Topverdienern gehören.

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Wunderläufer 03.09.2014, 14:00
13. Einspruch

Zitat von Harry Callahan
Die einzigen, denen Uber schadet, sind die Taxifahrer. Aber warum suchen die Benutzer überhaupt nach einer Alternative? Weil Taxifahren schlichtweg zu teuer ist und die Fahrer auch keinen besseren Service bieten, als irgendein Privatfahrer. Daher ist Uber nicht der Untergang des Abendlandes für unsere Gesellschaft - sondern nur für die Taxifahrer. Das ist bedauerlich, aber welches Interesse soll ich als User denn haben, ein System am Leben zu erhalten, dass eine schlechte Leistung bringt und zum Ausgleich dann so teuer ist, dass ich es mir nicht leisten kann?
Das kann man so nicht stehen lassen: Taxifahrer führen diesen Beruf hauptamtlich aus, sind also im Gegensatz zu den Uber-Anbietern keine Teilzeitkapitäne.
Taxifahrer müssen Personenbeförderungsnachweise etc. besitzen, bei Uber & Co. überprüft niemand die Eignung des Fahrers
Taxifahrer sind mitsamt ihrer Fahrgäste versichert, was bei Uber & Co. ebenfalls ein Riesenproblem sein kann.
Letztendlich beuten sich die Uber-Kapitäne selbst aus, in etwas genau so wie diejenigen, die nach ihrer bezahlten Arbeit noch kostenlos an Software mitarbeiten

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kdshp 03.09.2014, 14:00
14.

Zitat von Harry Callahan
Die einzigen, denen Uber schadet, sind die Taxifahrer. Aber warum suchen die Benutzer überhaupt nach einer Alternative? Weil Taxifahren schlichtweg zu teuer ist und die Fahrer auch keinen besseren Service bieten, als irgendein Privatfahrer. Daher ist Uber nicht der Untergang des Abendlandes für unsere Gesellschaft - sondern nur für die Taxifahrer. Das ist bedauerlich, aber welches Interesse soll ich als User denn haben, ein System am Leben zu erhalten, dass eine schlechte Leistung bringt und zum Ausgleich dann so teuer ist, dass ich es mir nicht leisten kann?
Und morgen ist es ihr job! Das ist auch eine spirale die in gang gesetzt wird. Der uber fahrer hat weniger geld wird also auch irgendwo weniger zahlen UND das könnte bei ihnen sein. Am ende steht ein system wo es ganz wenig reiche gibt aber ganz viele die nix haben. Jaja aber dann billig taxi fahren!

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uppsala 03.09.2014, 14:02
15. Winner takes all

Lobo weist hier in der Tat auf ein Riesenproblem der Internet-Ökonomie hin, welches die "old economy" bedroht. Er irrt aber in seiner Analyse, wenn er das Streben nach Macht oder ähnliche Nettigkeiten als treibenden Faktor hinter Firmen wie Uber sieht. Im Plattform-Business wirken Netzeffekte, d.h., Plattformen werden umso attraktiver, umso mehr User sich darauf tummeln. Dieser selbstverstärkende Effekt führt automatisch zu einem Winner-takes-all-Markt, in dem am Ende eine dominierende Plattform übrig bleibt. Regulieren kann man praktisch nur, was und wie auf solchen Plattformen gehandelt wird, aber nicht das Entstehen von Monopolen.

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schmusel 03.09.2014, 14:09
16.

Zitat von Harry Callahan
Die einzigen, denen Uber schadet, sind die Taxifahrer. Aber warum suchen die Benutzer überhaupt nach einer Alternative? Weil Taxifahren schlichtweg zu teuer ist und die Fahrer auch keinen besseren Service bieten, als irgendein Privatfahrer. Daher ist Uber nicht der Untergang des Abendlandes für unsere Gesellschaft - sondern nur für die Taxifahrer. Das ist bedauerlich, aber welches Interesse soll ich als User denn haben, ein System am Leben zu erhalten, dass eine schlechte Leistung bringt und zum Ausgleich dann so teuer ist, dass ich es mir nicht leisten kann?
Ja, bis du mal in einen Uber-Verkehrsunfall verwickelt bist, dann weisst du wem dieses Geschäftsmodell auch noch schadet: Dir und allen anderen.

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raoul75 03.09.2014, 14:09
17. Drei Gedanken dazu

Ich stimme der Analyse durchweg zu - anbei noch drei weitere Gedanken hierzu:

1. Die Unternehmen schaffen Strukturen bei denen die Zahlungen nahezu immer direkt vom Unternehmen eingezogen werden und der eigentlich handelnde Fahrer, Vermieter, Verkäufer erhält seinen Anteil später - abzüglich der Gebühren - ausgezahlt. Egal ob es sich dabei um Uber, Airbnb, Wimdu, Amazon oder sonstige Unternehmen dreht. Ich finde diesen Aspekt psychologisch sehr wichtig - nicht mehr der eigentlich Handelnde erhält die Zahlung sondern das Unternehmen hat sofort die Hand auf dem Geld. Gebühren werden automatisch abgezogen und nicht vom Handelnden selbst abgeführt. Daraus ergibt sich eine völlig andere psychologische Situation als wenn ich das Geld für meine Leistung vom Leistungsempfänger selbst erhalte und darauf Gebühren abführen muß. Das Heft des Handelns wird einem dabei aus der Hand genommen.

2. Durch die in einen voll elektronisch eingebetteten Rahmen durchgeführten Dienstleistungen ergeben sich bei diesem gigantischen Umfang Datensammlungs- und Kontrollmöglichkeiten die so bisher nicht möglich waren. Eine Verschränkung der Daten von nur drei oder vier Unternehmen (Google, Uber, Airbnb, Paypal) führt zu einer höheren Informationstransparenz über ein Individuum als jedwede staatliche Autorität es je hätte erreichen können.

3. Aufgrund Ihrer Marktmacht und Durchdringung der Gesellschaft steigen manche Unternehmen in semistaatliche Machtsphären auf - was sich in einer Substitutfunktion auszudrücken beginnt. Steuern und Sozialabgaben werden - illegal und mehr oder minder stillschweigend - durch Gebühren an Unternehmen ersetzt, die sich zum allergrößten Teil im entfernteren Ausland befinden. Es findet gewissermaßen ein Transfer statt. Aufgrund von Punkt 1 lässt sich definitiv sagen, dass die Unternehmen ihr Geld erhalten werden. Der Staat und die Sozialgemeinschaft ist dagegen auf die individuelle Solidarität und Rechtschaffenheit der Bürger angewiesen. Wenn aber Unternehmen diese stärkere Machtbasis als selbst staatliche Einrichtungen besitzen und sie in diesem enormen Maße die Gesellschaft durchdringen, muss man Ihnen per Definition eine Metaebene einrichten, die dieser Machtfülle gerecht wird und der Zunahme an Macht ein ebenso großes Maß an Verantwortungsbewußtsein auferlegt.

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RioTokio 03.09.2014, 14:10
18.

Uber und andere werden genutzt weil sie praktisch sind und den Einkauf einer billigeren Dienstleistung ermöglicht.

Über die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt z.B. kann man jammern - wie Lobo - aber es nutzt nichts.
Die Leute wollen das.

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h0wkeye 03.09.2014, 14:10
19. Selten...

ein so komplexes Thema so auf den Punkt gebracht gelesen.
Was mir ein wenig fehlt ist, dass in diesem Zusammenhang noch einmal das Wort der Kanzlerin (die wirklich nicht viele Sympathien bei mir hat) vom "Neuland" Internet ins rechte Licht gerückt wird und den damaligen Bashern in diesem Zusammenhang ein wenig der Kopf gewaschen wird.

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