Forum: Netzwelt
Social Media: Anatomie eines deutschen Shitstorms
Monika Skolimowska/DPA

Ein Politiker provoziert, Journalisten spitzen zu, Twitter explodiert: Was in dieser Woche wieder einmal zu beobachten war, folgt bestimmten Mustern. Hier der typische Ablauf einer Empörungswelle - nur wenig zugespitzt.

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tomlex27 07.08.2019, 21:43
30. Gut erklärt

Aber die Konsequenz ist dann das Abschalten der sozialem Medien. Dadurch würde die Welt von einem Tag auf den anderen eine bessere. Wer weiterhin die Freiheit des Internets hochhält sollte sich damit abfinden, dass sich so was nicht wird abschalten lassen. Wenn eine beknackte Twittermeldung eines US- Präsidenten mehr auslöst als echte ausgefeilte Statements, dann hat die Welt ein Problem. Man kann aber weiter um den Quark herumreden und so tun als bekäme man so was in den Griff.

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4711_please 07.08.2019, 22:01
31. Hab kein Twitter

vielleicht gibt es ja Leute, die 10 soziale Medien täglich konsumieren, mir ist das zuviel und deshalb hab ich mich für Begrenzung entschieden. Habe da auch nie den Eindruck gehabt, als würde ich was verpassen, vor allem, weil Twitter inzwischen eine Art Nachrichtenagentur geworden ist. Ich habe schon in analogen Zeiten keine Texte von Nachrichtenagenturen gelesen, sondern mich mit den Derivaten derselben in den Medien begnügt. Vielleicht eine gute Angwohnheit, denn diese Empörungsmaschinerie nervt doch nur noch. Und so blende ich auch viel aus, wenn die tägliche Schlagzeile lautet, Trump und ähnliche Leute haben wieder dies oder jenes getwittert, irgendein Metzger hat als Sportfunktionär eine oberpeinliche Rede gehalten, die Spon-Foren quillen mal wieder über vor Hurrapatriotismus und 19. Jahrhundert... analog zur Klimadebatte sollte man vielleicht dieses ganze hirnlose halbgebildete Geplapper, das als Meinungsfreiheit daherkommt, besteuern? Wieder eine Dialektik der Aufklärung.

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Sabbelsurium 07.08.2019, 22:07
32. Beton

Zitat von sunshinebob
Und wieder einmal eine Zusammenfassung von Mechanismen in sozialen Medien, die selbstverständlich nur Herr Lobo entdecken konnte. Natürlich verziert mit derart genialen Wortneuschöpfungen, dass es schwer fallen muss ob seiner eigenen Genialität nicht in semantische Selbstbefriedigung zu verfallen. Mit der schwer zu findenden inhaltlichen Aussage gehe ich ja d'accord, aber weder ist diese der regelmäßigen Leserin dieser Kolumne neu, noch hat das zugespitzte Äußere für eben jenen Leser einen Mehrwert.
Für mich schon, fands lustig. Und da mir selber bei besagtem Interview und folgenden Reaktionen gewisse Gedanken gekommen sind, natürlich deutlich weniger genial und ausgearbeitet, kann ich dem Inhalt der Kolumne zustimmen, immerhin.
Draufhauen ist manchmal nötig, aber Dauerempörung verwischt Alles. Ist vielleicht etwas off-topic, aber das, wie heissts, Wording (?) im Umgang mit Andersdenkenden wird eine Stunde später von denen übernommen und Alle "worden" sich gegenseitig mit den gleichen Begriffen. Es wird sofort völlig wert- und inhaltslos. Jeder ist Demokrat und jeder Demokratieverächter. Erst sagen wir "Fake" und dann sagts Donald. Darum halte ich von der Einführung bestimmter Kampfbegriffe gegen den poltischen Gegner nichts. Argumente sind besser.

Anhand von Verschwörungen und deren Theorien bin ich auch selbst auf die Möglichkeit totaler Vernageltheit gestossen.
Als in einer You-tube-Doku (es ging sich um die Vorfälle mit der Davidianer-Sekte in Waco) die von mir vermeintlich durchdrungene und als absolut glaubhaft eingeordnete Stossrichtung des Beitrags sich plötzlich als genau entgegengesetzt gerichtet erwies, wurde aus der von mir vermuteten Verschwörung sofort eine Verschwörungstheorie nach dem Motto "da kannste mal sehen, was die einem mit ihren Filmchen..." Dabei hatte sich an der augenscheinlichen Authentizität des Materials eigentlich nichts geändert, es passte jetzt nur nicht mehr in mein Weltbild. Später las ich zufällig, dass die jedenfalls nicht völlig falsch lagen.

Interessant, was? Naja, jedenfalls für mich.

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Jöel L. 07.08.2019, 22:10
33. tldr

So weit ich es gelesen habe, beschreibt Sacha Lobo leicht übertrieben aber sehr zutreffend die Zustände und Vorgänge bei und um Twitter und anderen social Media. Ja, *GENAU DARUM* erspare ich mir das. Wenn es hinreichend bedeutend ist, oder oft auch sonst, erfahre ich es über meine Fossilienmedien ebenso. Und spare erst noch viel wertvolle Lebenszeit. :-)

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hati39 07.08.2019, 22:16
34. Absolut korrekt und realistisch dargestellt

Das Problem: ihr mischt in der Maschine besonders eifrig mit. Aber vielleicht erkennt ihr das ja jetzt.

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hannibalanteportas 07.08.2019, 22:56
35. Wäre lustig, wenn es nicht stimmen würde

Man könnte eine Tragikomödie daraus machen.
Sie halten den deutschen Moralisten von links und rechts schön den Spiegel vor.
Chapeau Hr. Lobo.

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abc_bis_z 08.08.2019, 23:26
36. Filterblase Lobo

An Menschen wie Herrn Lobo kann man echt verzweifeln, weil keinerlei Erklärungsmuster mehr greifen bei diesem geradezu irrational anmutendem journalistischen Fehlverhalten. Ist es Manipulationssucht? Ist es Blindheit? Ist es ideologische Verblendung? Ist es Arroganz? Borniertheit? Empathielosigkeit? Oder ist es auf eine pervertierte Form tatsächlich gut gemeint von Herrn Lobo? Ich bin ratlos. So viele Todesopfer. So viele Gewaltopfer. Das geht mittlerweile in die Tausende. So viel Hass. So ungebremst. Und dann schreibt ein Herr Lobo sowas: "0. Die Ausgangslage. Lebensgefährliche Klimakrise, polare Rekordschmelze, neues Atomwaffenwettrüsten, Massensterbenlassen im Mittelmeer, rechtsextreme Todeslisten, ungeregelter Brexit, drohender Kaschmir-Konflikt.". Wie kann das sein? Ist das schon böswillig oder ist das schlicht & einfach kindliche Bockigkeit? Mir graut mittlerweile vor solchen Menschen wie Lobo. Weil sie an exponierter Stelle schreiben und die öffentliche Meinung beeinflussen.

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thefailurebydesign 08.08.2019, 23:46
37. Ich bin empört, ...

... wie kann ein Typ mit rotem Hahnenkamm einfach immer wieder recht haben? Frechheit, sowas!

Ich warte sehnsüchtig auf Zeiten, in denen “Recht haben” mehr wiegt als “Recht bekommen”, Meinungen ohne Fundament als solches erkannt und markiert werden, als was sie auch daherkommen: wertlos. In denen Urteile ohne Kenntnisse, mit einem Achselzucken begleitet, wirkungslos verhallen.

Ich konnte die Podcastfrage nicht entdecken, aber die Antwort ist ganz klar: Nein!

Gute Arbeit, wann werden Ihre Nacheiferer endlich lauter, Herr Lobo?

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h.wasserberg 08.08.2019, 03:53
38. Leider ebenfalls nicht frei von Gehässigkeit

Schade dass die Tatsachenbehauptungen nicht mit Links belegt wurden.
Ärgerlich, den Politker erst einmal als Profilneurotiker zu verunglimpfen.
Die schärfsten Kritiker der Elche sind selber welche.

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lalito 08.08.2019, 05:03
39. Korrektiv

Was passiert im Hintergrund, wer verfolgt welche Interessen?

Ist ein Verwehren ein Verbot? Ist es legal und wie lange darf ein Verwehren dauern, bis es de facto ein Verbot ist? Und ist es nicht nur das Gesetz, welches verbieten darf, vielleicht noch mit Erlaubnisvorbehalt?

Wie soll ein Politiker neue Stoßrichtungen, die ja letztlich in einer geänderten Gesetzgebung münden können, denn überhaupt korrekt vorbringen?

Alles ist so viel schneller geworden, fast schon just in time. Rezo war die Manifestation der Unfähigkeit der aktuell politisch agierenden Riege, auf ein Trommelfeuer von belegten Fakten und Zusammenhängen auch nur im Ansatz sowohl schnell, als auch adäquat reagieren zu können, nicht, dass die Riege dies nicht sogar gewollt hätte.

Banal gesagt, man war deutlich überfordert.

Diese Vorgänge erinnern mich an "Netfeed", das Stilmittel des Tad Williams in seinem vierbändigen Epos. Darin ging es seitens der Protagonisten eben um hintergründige Interessen und deren Auswirkungen. Während der ganzen Geschichte durch das Nachrichtenmedium unablässig und dauernd das Trommelfeuer mehr oder weniger wichtiger "news" ins Netz floss, systematisches Einlullen mit mehr oder minder empörungsfähigen Vorgängen.

Die eigentlichen "hintergründigen" Vorgänge, die auch Verschwörung genannt werden dürfen, wurden allerdings von einem Korrektiv, kleine gelbe runde pacmanartige Artefakte, innerhalb der digitalen Niederungen begleitet, ohne dass deren dahinterstehende Charakteren tatsächlich ausgearbeitet wurden.

Wie sieht eigentlich das in der heutigen digitalen Realität wirkende Korrektiv aus? Gibt es überhaupt eines? Zumindest empfinde ich, auch und insbesondere angesichts der in der Kolumne aufgezeichneten Kommunikationswirkmechanismen, eine ähnlich obskure Langeweile wie die, die damals die Netfeedschnipsel in mir auslösten. Allerdings beschäftigen Fragen nach Hintergründen und Zusammenhängen und dem Korrektiv weiterhin meine als vielseitiges Interesse getarnte Neugier.

Übrigens, nur am Rande zum Aktuellen, kommt der Vorsitzende der CDU Wirtschafts- und Mittelstandsvereinigung aus der gleichen regionalen Ecke wie der Kadaververwerter auf Schalke. Wer Linnemann in der zweiten und dritten Reihe verortet, der hat m. E. nicht so viel verstanden.

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