Forum: Netzwelt
Social Media und die Tat von Frankfurt: Empört euch nicht
Arne Dedert/dpa

Die grausige Tat am Frankfurter Hauptbahnhof hat in sozialen Netzwerken zur Bildung von zwei Lagern geführt, die sich schrill übereinander empörten. Sascha Lobo fragt im Podcast, wie Widerspruch besser funktionieren kann.

Seite 1 von 2
kelcht 04.08.2019, 13:53
1.

Trauer und Herz und sich etwas zurücknehmen oder sich nicht sofort angegriffen fühlen und trotzdem zu sinnvoll zu diskutieren geht im Internet vielleicht sogar besser als am Küchentisch, an der Arbeit oder im Sportverein. Bei psychischen Krankheiten würde aber in medizinischer und wissenschaftlicher Sicht schon Jahrzehnte intensiv geforscht. Eine neue Debatte wie psychische Krankheiten in der Öffentlichkeit diskutiert werden muss aus dem Aspekt der modernen Medizin und deren Hintergrund geschehen, alles andere wäre Verschwörungstheorien und finsteres Mittelalter.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
shrufu 04.08.2019, 14:07
2. Recht auf zweifelhaftes?

Sehe ich komplexer als Lobo.. er wirft, so wie ich es verstanden habe, am Anfang sein Hauptargument darauf das die meisten Reaktionen auf Bewältigung der Einzeltat beruhen und das es einen nicht zu begrüßenden Reflex im links liberalen Lager gibt direkt auf die gesellschaftliche Diskussion herzlos anzuspringen. Ich glaube es verhält sich zwar teilweise so aber aus verständlichen Grund. Diese Geschichten findet man jeden Tag in ähnlicher Form wenn man die Bild aufschlägt. Das bisschen Leid und Aufregung was man spürt kommt des Bewusstwerdens der realen Tat nicht ein Mal ansatzweise nahe, weshalb ich gut verstehen kann das man es ausblendet auch ignoriert (ich zb lese normalerweise solche Geschehnisse gar nicht weil sie mich sehr belasten können, es reicht mir zu wissen daß es sowas allgemein gibt). Das einzige was man wirklich tun kann und mir aufrichtig erscheint ist die gesellschaftliche Diskussion zu führen. Diese mischen Leute dann zuhauf mit den Gefühlen aus diesen Einzelfall um dann auf Millionen von Fällen zu schließen was für mich schon fast einer Entwertung des Einzelfalls gleichkommt. Wer sagt das die Herkunft des Täters in Vordergrund steht? Ist es nicht viel belastender für alle Hinterbliebenen das dieser Fall so öffentlich diskutiert wird und politische Bedeutung hat?Wer sich diese Fragen nicht stellt und seine eigene Verarbeitung in den Vordergrund stellt, den würde ich wahrscheinlich eher einen Egoisten nennen. Die gesellschaftliche Diskussion, und die Diskussion ob es Diskussionswürdig ist und zwar in abstrakt möglichster Form vom Einzelfall, stellt für mich das problemloseste herangehen dar. Schon das generieren von Aufmerksamkeit für bspw Misshandlungen über Individuen halte ich persönlich für zweifelhaft aber natürlich entscheidungsabhängig, denn es kommt mMn mit einen Preis für denjenigen. Also nein ich sehe es nicht gern wenn sich Leute maßenhaft über einen Einzelfall echauffieren und ihn debatieren. Warum dieser Fall soviel Aufmerksamkeit bekommt und die vllt 10 minderjährigen die heute im Verkehr umgekommen sind null finde ich ebenso zweifelhaft. Gestorben sind alle, zu verhindern waren vllt viele.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
tobitibot 04.08.2019, 15:53
3.

Vielen Dank für die interessante Diskussion, werde meine bisherige Meinung wohl noch einmal 'feinjustieren' ;-)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
hugotheKing 05.08.2019, 10:00
4. Verstehe die Aufregung nicht

Ich verstehe die künstlichen Aufregungen nicht. Warum regen sich manche Leute besonders auf, wenn so ein Tat von einem Migranten begangen wurde und nicht wenn von einem Einheimischen begangen wurde? Warum regen sich Leute jetzt so auf, wo doch fast tagtäglich Geisterfahrer gibt, die absichtlich sich umzubringen und andere Menschen mit in den Tod nehmen?
Sicher, es sind alles schreckliche Taten. Aber es sollte egal sein, wer es begangen hat und ob es an Bahngleisen begangen wurde oder woanders.
Es gab in Deutschland eine schreckliche Zeit, wo die Machthaber festlegen wollten, dass die Kriminellen eine genetische Ursache haben soll. Hoffen wir, dass wir aus der Geschichte gelernt haben und nicht in die dunkle Zeit zurückkehren.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mborevi 05.08.2019, 10:13
5. Es ist ganz klar: ...

... Seitdem wir die rechten Hassprediger in Deutschland haben nehmen hassgesteuerte Taten in Deutschland zu. Die Täter fühlen sich berechtigt zu den Taten. Vorgeblich sind die Rechten gegen solche Taten, fördern sie aber durch ihr Verhalten ohne diese Zusammenhänge zu kapieren.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
synflood 05.08.2019, 11:21
6. Instrumentalisieren / Politisieren ist wichtig!

Egal welchem politischem Lager eine Person angehört, jeder instrumentalisiert diesen Fall für seine eigene Politik. Ob links oder rechts, jeder stellt seine Theorie zu diesem Fall auf und untermauert diese mehr oder weniger erfolgreich mit Fakten. Genau das ist das was zählt. Wer die besseren Fakten hat, dessen Theorie wird von der Mehrheit angenommen. Von daher ist es wichtig solche Fälle für politische Zwecke zu "missbrauchen". Die Alternative wäre überhaupt nicht darüber zu diskutieren. Ich glaube manchmal das viele die Alternative besser finden würden...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
sogehtsind 05.08.2019, 15:29
7. „Zusätzlich“ ist das Problem

Wir haben genügend und schon viel zu viel Gewalt und Verbrechen im Land, durch die, die bereits hier sind und schon lange hier leben oder geboren sind.
Nun sollen wir zusätzlich Gewalt von Zugereisten ertragen. Warum sollten wir das tun? Haustür und Grenze zu geht auch.

2000 zusätzliche schwere Gewalttaten ertragen, als Preis, um mehreren hunderttausend Migranten ein schöneres, besseres Leben zu bieten. Diese zusätzlichen Verbrechen würden nicht begangen wenn wir die Leute aussperren würden.

Muss ich das akzeptieren? Es gibt Menschen die sagen ja, ich muss.
Aber ich muss mir das nicht bieten lassen!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
shrufu 05.08.2019, 20:57
8. @sogehtsind

Mit anderen Worten, Sie sagen nicht konkret die Verbrechen sind höher, plädieren aber dafür aus der genfer Konvention auszusteigen und Asylsuchende wieder ins Kriegsgebiet zu schicken weil sie erwarten das diese Personen besser sind als alle Inländer? Das Verbrechen zugenommen haben ist übrigens ganz einfach nachweisbar falsch. Das heißt ihre subjektive Wahrnehmung von Verbrechen hat zugenommen. Wer liegt wohl richtiger die Polizei die jede Kleinigkeit aufschreibt und Zusammenfassungen rausgibt oder ihre anscheinend begrenzte Beobachtungsgabe ihrer näheren Umgebung oder Auffassung gewisser Informationen?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
zeichenkette 05.08.2019, 22:35
9.

Zitat von synflood
Egal welchem politischem Lager eine Person angehört, jeder instrumentalisiert diesen Fall für seine eigene Politik. Ob links oder rechts, jeder stellt seine Theorie zu diesem Fall auf und untermauert diese mehr oder weniger erfolgreich mit Fakten. Genau das ist das was zählt. Wer die besseren Fakten hat, dessen Theorie wird von der Mehrheit angenommen. Von daher ist es wichtig solche Fälle für politische Zwecke zu "missbrauchen". Die Alternative wäre überhaupt nicht darüber zu diskutieren. Ich glaube manchmal das viele die Alternative besser finden würden...
Im Prinzip stimmt das erstmal, aber leider hat das in der schnelllebigen Praxis nicht so viel mit "Fakten" zu tun. Es geht da um das, was man so schön "storytelling" nennt und das hat viel mehr damit zu tun, dass man Vorurteile bedient und vorhandene Gefühle aufgreift und eine schlüssige Geschichte daraus strickt, auch wenn sie falsch ist. Die Story "wir (wobei es egal ist, wer "wir" ist, Hauptsache jeder fühlt sich nicht allein) werden angegriffen und müssen uns verteidigen (wobei es egal ist wie, auch Morde und Ersaufen lassen zählt da) und verteidigen unsere Kultur (wobei es egal ist, was das wohl konkret sein mag, da kann sich ja jeder irgendwas denken)" versteht jeder. Das ist wie Malen nach Zahlen mit einem dicken Buntstift. Es muss nicht korrekt sein, es muss nur die Gefühle von Wut und Angst und Bedrohung und Feindseligkeit bedienen, die eh da sind, dann schlägt das ein. Wie Trump auf den Vorwurf des Rassismus so schön sagte "Aber viele Leute stimmen mir zu". Stimmt. Mag doof und falsch sein, aber es verschafft Macht. Das gefällt denen, die Macht haben wollen und die schnüffeln das aus wie ein Hund eine Fährte. Denen geht es nicht um "Fakten". Denen geht es um Macht und Gefallen finden. Wenn man sich nur tief genug sinken lässt, ist das alles ein Kinderspiel.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 2