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Soziale Medien: Das Arschlochproblem der sozialen Medien
REUTERS

Belästigung, Hass, Fake News: Der Zustand der sozialen Medien ist katastrophal. Die Probleme sitzen tief - die Unternehmer haben sich mehr um ihre Geschäftsmodelle, die Politiker um Digitalesoterik gekümmert.

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Dion 27.12.2018, 12:58
120. Alles nur heiße Luft

Auch der Kolumnist Sascha Lobo hat keine Lösung, wie man die Arschlöcher im Netz in den Griff kriegen könnte. Es ist ohnehin fraglich, ob es sinnvoll wäre, in diese Richtung etwas zu unternehmen, schließlich gibt es im realen Leben genauso viele Arschlöcher, ohne dass deswegen die Welt untergeht.
Es gibt im Netz eigentlich nur ein Problem: Programme, die sich als Menschen ausgeben. Sie beeinflussen die öffentliche Meinung wesentlich stärker, weil sie organisiert zu tausenden auftreten und gezielt mit Lügen oder Halbwahrheiten für Desinformation sorgen, auf die dann wahre Menschen hereinfallen.

Wie man solche Bots erkennen und stilllegen könnte, das sollte die Wissenschaft erforschen und Vorschläge unterbreiten, auf dass die Politik handeln und nicht nur heiße Luft produzieren kann.

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njäh 27.12.2018, 13:34
121. Digitalisierung

Die Digitalisierung an sich ist das Thema, nicht bloß der Aspekt der sozialen Netzwerke. Man muss einfach bedenken, dass es dabei um einen mindestens ebenso großen Impact auf Welt und Gesellschaft geht wie beim Buchdruck, der seinerseits neue Methoden zur Veröffentlichung, zur Organisation und Verwaltung mitgebracht hat. Das war gewiss das Öffnen einer Pandorabüchse mit kulturellen Umbrüchen, religiösen Konflikten, Kriegen und Pogromen, die wir sehr ähnlich heute beobachten können.
Dabei wurde mit der gleichen Hemdsärmlichkeit versucht zu regulieren und einigermaßen ist es auch erst mit der Aufklärung und dem entwickelten Verständnis eines Urheberrechtes gelungen, eine publizistische Kultur zu finden und damit all das handhabbar zu machen. Ich fürchte also, dass wir bei der Digitalisierung wieder dasselbe Problem haben und einige Jahrzehnte brauchen werden, damit angemessen umzugehen. Solange wird wieder herumgedoktort mit Analogien aus der analogen Welt, die einfach nicht funktionieren.

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newbie99 27.12.2018, 14:07
122. Lösungen nennt Lobo leider auch nicht!

Es ist ein gern verwendetes Motiv aus der IT-Szene: Die dummen Politiker, die von der Materie keine Ahnung haben und deshalb nur dummes Zeug labern. Dabei muss klar sein, dass ein Politiker auch kein IT-Experte sein muss, um dazu eine Meinung haben zu dürfen. Und es gehört wohl auch zu diesem Ritual, dass er Experte stets weiß, dass ein Phänomen, das in der Breite der gesellschaftlichen Diskussion angekommen ist (Stichwort Filterblase), ja eigentlich überhaupt nicht stimmt und totaler Blödsinn ist.

Allein: Es bleibt beim altklugen Quatschen. Eigene Lösungen erwartet man leider vergeblich.
Ehrlich gesagt: Ich habe auch keine! Aber für mich liegt eine Wurzel dieses Übels in der völligen Fehleinschätzung der frühen Internetgemeinde, auf Regulative - und erst recht staatlicherseits - großzügig verzichten zu können, weil man das in der Community "unter sich" aus machen könne. Man propagierte daher eine möglichst breite Abstizenz staatlicher Instanzen und meinte, dass Freiheitsrechte durch nichts eingeschränkt werden dürften.

Heute sind es nicht selten die Extrimisten von links oder rechts, die uns ihre Hasstiraden als "politisch sinnvollen Diskurs" und als wichtiges Korrektiv zur pösen Lügenpresse verkaufen wollen. Aber auch von Netzaktivisten hört man immer wieder die Meinung, dass jede regulativer Eingriff stets totalitäre Zensur darstelle. Wahrscheinlich würden die meisten von denen einen so extremen Freiheitsbegriff im "realen" Leben rundweg ablehnen. Aber im Netz muss der Freiheit willen alles erlaubt bleiben: vom Waffenhandel über Kipo bis hin zu Hass- und Gewalthetze.
Daher: Wer hat denn Lösungsansätze?

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kelcht 27.12.2018, 14:10
123.

Zitat von Makrönchen
Ich stimme zwar grundsätzlich zu, frage mich aber auch ob wir nicht insgesamt weinerlicher und wehleidiger geworden sind. Die politische Korrektheit wird immer mehr hochgefahren. Was manche als Hassrede oder Beleidigung auffassen, sind vielleicht einfach ......
diejenigen die das politisch unkorrekte für sich gepachtet haben wie die AfD sind sehr dünnhäutig. Auch Dinge die politisch im Wesentlichen ohne Beleidigungen auskamen und dringend notwendig waren wie Hartz4 oder der Aufbau des Sozialstaates unter Rot Gelb waren wesentlich erfolgreicher als karnevaleske Komik unter der Gürtellinie die Schröder z.B. dem Raab überlassen hat.

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PULSE9 27.12.2018, 14:13
124. Nummernschild = 1889

Naja... Wie sehr würde man eine Person mögen, die folgendes macht (und würde jemand sowas überhaupt machen?):
In einem Restaurant springt auf einmal jemand auf, beschimpft die Kellner, erklärt die Preise für 100fach zu hoch, nennt den Koch einen unfähigen Idioten und die Gäste einen Haufen niveauloser Unwissender. Und das ganze besonders aggressiv rausgebrüllt.
Im echten Leben würde das eher wenige Leute machen. Weil man sich direkt und umgehend mit Konsequenzen auseinandersetzen muss.
Ein "Nummernschild" klingt zwar nach 1889, würde aber dem ein oder anderen Troll, Faker oder Politextremo ganz gut tun. Vor allem, wenn es wirklich Konsequenzen geben würde... Die wären dann aber tatsächlich "Anti-Anonym", was besonders im Hinblick auf chinesische Ideen zum Thema sozialer Staat nicht wünschenswert klingt. Ein Nummernschild wäre also erst dann ok, wenn man trotzdem noch die Hoheit über seine eigenen Daten hätte (und nicht ein Händler oder eine Versicherung mit meinen Nutzungsverhalten Bid Data spielen kann). Und schon sind wird beim Datenschutz. Auch wenn es die superfortschirttliche Smart Next World-Elite oft nicht gerne hört. Datenschutz ist die Basis für persönliche Rechte. Und in Sachen Datenschutz - bei all den (sarkasmusfrei) genialen Möglichkeiten, die soziale Medien und gernerell Online- und Mobile-Technologien bieten, sieht es bei den Nullen und Einsen echt traurig aus. Da hilft es dann auch nicht besonders, wenn alle zumindest mal die Ansätze (DSGVO) ätzend finden, weil sie dann 20 Mal "ok" drücken müssen Und nur weil sie jeden dämlichen Newsletter bestellt haben.
Fazit? Einfache Lösungen gibt es jetzt nicht mehr. Man muss sich schon entscheiden. Und da entscheide ich mich lieber für erste (meinetwegen vollkommen unkompetente) Schritte in Richtung Datenschutz und "Digital-Unternehmen in die Verantwortung ziehen", als immer nur gegen alles zu sein :-)...

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Aktinionär 27.12.2018, 14:17
125.

Allein die Kommentare hier sprechen Bände. Die meisten Nutzer scheinen Facebook wohl für eine Art Digitale UNO zu halten, die sich stets für Rechtschaffenheit und pluralistischen Debattenkultur einzusetzen hat. Facebook ist ein Unternehmen und hat jedes Recht seine eigenen Ideen von akzeptierten Beiträgen durchzusetzen. Wenn ihr von eurer Meinungsfreiheit Gebrauch machen wollt, dann solltet ihr das woanders tun. Hostet euren eigenen Blog. Von Facebook Zensur zu sprechen ist einfach nur lächerlich.

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kelcht 27.12.2018, 14:47
126.

Zitat von Aktinionär
Allein die Kommentare hier sprechen Bände. Die meisten Nutzer scheinen Facebook wohl für eine Art Digitale UNO zu halten, die sich stets für Rechtschaffenheit und pluralistischen Debattenkultur einzusetzen hat. Facebook ist ein Unternehmen und hat jedes Recht seine eigenen Ideen von.....
ab und an eine WhatsApp, zu mehr verwende ich das digitale Unternehmen eigentlich nicht. Einfacher Zugang weite Verbreitung, sind die Vorteile des sozialen Netzwerkes. Auch schreiben in Facebook viel mehr Leute unter ihrem Klarnamen. Die Hausfrau von nebenan die eigentlich gar nicht politisch "infiziert" ist. Da beginnt die Meinungsmache Hausfrau XY bekommt vom guten Freund eine kleine unscheinbaren Blogfetzen das Weihnachten durch Muslime in Gefahr ist oder eine Mauer um Mexico gut sei. Nur kommen dann Menschen wie Donald Trump an die Macht die erst einmal für eine dicke Deflation sorgen und Aktiengewinne und Steuergelder verbrennen also mein Steuergeld mein Facebook.

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tpro 27.12.2018, 14:54
127.

Zitat von Dion
Auch der Kolumnist Sascha Lobo hat keine Lösung, wie man die Arschlöcher im Netz in den Griff kriegen könnte. Es ist ohnehin fraglich, ob es sinnvoll wäre, in diese Richtung etwas zu unternehmen, schließlich gibt es im realen Leben genauso viele Arschlöcher, ohne dass deswegen die Welt......
"... wie man die Arschlöcher im Netz in den Griff kriegen könnte...."
Und wer definiert, wer ein Arschloch ist?

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Hirndummy 27.12.2018, 15:26
128. Schon zu spät oder noch zu früh?

Konfliktszenarien jeglicher Art, von der Ehe bis hin zu Krieg und Bürgerkrieg erreichen recht bald eine Dynamik, in der alle beteiligten Seiten zu Opfern und zu Tätern werden. Von außen betrachtet. Von innen betrachtet filtert sich jede Seite zum Opfer und eigene Handlungen werden als Vergeltung legitimiert. Geschichte, seit wir Geschichte haben. Aber offensichtlich ergibt sich mit der Zeitverdichtung und der Reichweite der Sozialen Medien eine zusätzliche Dynamik und auch Beschleunigung von Konflikten. Es ist mehr als der "Volksempfänger", der Menschen Propaganda zunächst passiv erfahren ließ. Soziale Medien machen Menschen aktiv zum Träger der Propaganda, zum Wegbegleiter, zum Komplizen, zum User und Follower. Die Wirkung scheint mir deshalb tiefer zu gehen und stärker zu polarisieren. Dieses Prinzip lässt sich wohl nicht mehr stoppen, es sei denn, wir entziehen den Sozialen Medien Elemente der bürgerlichen Rechte und adaptieren das chinesische Modell. Bin gespannt, wo wir in fünf Jahren stehen werden.

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Bondurant 27.12.2018, 15:55
129. Endlich

Dabei, wird mit bedrohlichem Unterton geraunt, "sieht man nur noch die eigene Meinung". Wer das sagt, ist entweder wahrnehmungsavers oder nicht in sozialen Medien unterwegs.

bin ich mal mit Lobo einer Meinung. Tatsächlich ist dieses Geschwurbel von den "Filterblasen" mittlerweile völlig unerträgliches Pseudowissen geworden. Viel wichtiger ist die Erkenntnis, dass Menschen nicht an sich gut sind, auch nicht als "Crowd", und deshalb aus einem offenen Diskussionsraum, in dem jeder - und auch noch unter dem Schutze der Anonymität - sagen kann was er will, nicht zwangsläufig die weltumspannende Demokratie mit Meinungsfreiheit herauskommt. Aber, das kann ich nun dem Autor leider nicht ersparen, er und seinesgleichen haben ursprünglich diese Fehlvorstellung propagiert. Ich habe mich immer gewundert, warum eigentlich. Ein Rezept habe ich übrigens auch nicht, aber wenigstens weiß ich, dass die Menschen früher nicht besser waren und schon gar nicht besser informiert. Wahrscheinlich ist alles letztlich schon gut, man sollte nicht zu aufgeregt herumeiern.

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