Forum: Netzwelt
Soziale Medien: Wenn Empörung zur Lust wird
Frank Rumpenhorst / DPA

Nach der Tat am Frankfurter Hauptbahnhof teilt sich das Publikum in den sozialen Medien in zwei Lager: die Hilflosen und die Radikalen. Beide profitieren von der Empörung der anderen Seite.

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der_durden 01.08.2019, 09:33
130.

Zitat von Maulverbot
wenn ich mich einmische, aber warum haben "wir selbstverständlich Verpflichtungen gerade auch gegenüber Flüchtlingen". Es ist mit Sicherheit vieles schlimm auf dieser Welt, es existiert viel Leid und Elend, aber warum mir jetzt daraus Verpflichtungen entstehen sollen verstehe ich jetzt nicht so ganz.
Sie verstehen das nicht? Da kann man ja gerne behilflich sein. Schauen Sie doch einfach mal im Grundgesetz nach. Auch die Genfer Flüchtlingskonvention ist da sehr hilfreich.
Ihnen persönlich ergehen daraus im Übrigen auch keine Verpflichtungen, dem Staat aber sehr wohl und das aus gutem, wie wichtigem Grund.

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spon_12 01.08.2019, 09:34
131.

Zitat von florafauna
Der Täter in Voerde war kosovarischer Herkunft. Die anhaltende Empörung liegt meiner Meinung nach am Opfer, dass noch ein Kind war. Was mich viel mehr aufregt, ist die Instrumentalisierung durch Politiker wie Herrn Seehofer, der gleich mal mehr Überwachung fordert. Medien, z.T. auch durch krampfhafte Nicht-Bennung von Tatsachen oder Versuche der Vertuschung (Köln/Silvester) und Politiker treiben viele Menschen eher zu der AfD und schlimmeren. Mein Eindruck ist mit Sicherheit subjektiv, aber ich empfinde eine zunehmende Verrohung der Gesellschaft ist vorhanden. Deren Ursachen sollte man mal auf den Grund gehen.
Die Verrohung der Gesellschaft fördert die Verrohung der Gesellschaft, aber diese Verrohung fängt doch beim Einzelnen an. Ein Satz wie "Versuche der Vertuschung treiben viele Menschen eher zur AfD" lässt sich auch wunderbar als Entschuldigung verwenden.
Als ob gerade die AfD Interesse daran hätte, etwas gegen die Verrohung der Gesellschaft zu tun. Ihr ganzes Handeln spricht genau die gegenteilige Sprache und letztlich darf, aus Sicht der Partei, die Verrohung nicht mehr aufhören, weil ohne diese Verrohung der AfD jegliche Existenzgrundlage entzogen wäre.

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Tingletangle 01.08.2019, 09:46
132. Eine Pathologisierung der Bürger

hilft niemandem weiter. Was die politisch Linke einfach nicht anerkennen will, ist dass die "Rechte" legitime Punkte versucht hat zu äußern, welche jedoch durch das aktuelle Meinungsklima pauschal niedergebügelt wurde. Diese Leute sehen sich durch Vorfälle wie in Frankfurt und viele weitere nun bestätigt und reagieren entsprechend mit einem "hab ich's euch doch gesagt". Statt mal genauer hinzuschauen und zu überprüfen ob eventuelle Korrekturen in der Politik notwendig sein könnten, werden diese nachvollziehbaren Reaktionen jedoch immer wieder aufs Neue delegitimiert. Dies verursacht genau die Radikalisierung die hier beschrieben wird. Die "Linke" schafft sich den politischen Gegner selbst und die Erfolge der "Rechten" sind ein Ergebnis linker Politik. Das wäre völlig vermeidbar gewesen und nun haben wir den Salat.

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fördeanwohnerin 01.08.2019, 10:07
133. -

Zitat von Tingletangle
hilft niemandem weiter. Was die politisch Linke einfach nicht anerkennen will, ist dass die "Rechte" legitime Punkte versucht hat zu äußern, welche jedoch durch das aktuelle Meinungsklima pauschal niedergebügelt wurde. Diese Leute sehen sich durch Vorfälle wie in Frankfurt und viele weitere nun bestätigt und reagieren entsprechend mit einem "hab ich's euch doch gesagt". Statt mal genauer hinzuschauen und zu überprüfen ob eventuelle Korrekturen in der Politik notwendig sein könnten, werden diese nachvollziehbaren Reaktionen jedoch immer wieder aufs Neue delegitimiert. Dies verursacht genau die Radikalisierung die hier beschrieben wird. Die "Linke" schafft sich den politischen Gegner selbst und die Erfolge der "Rechten" sind ein Ergebnis linker Politik. Das wäre völlig vermeidbar gewesen und nun haben wir den Salat.
Ganz ehrlich, ich finde das nicht nachvollziehbar. Welche konkreten Korrekturen hätten denn das Verbrechen in Frankfurt verhindert?
Und weiter: Diejenigen, die sich radikalisieren, sind nicht diejenigen, die ganz normal kritisch gegenüber Regierungsentscheidungen sind. Ansonsten würden sich bei der Politik der letzten 20 Jahre nämlich insbesondere linke Kräfte radikalisiert haben. Oder wollen Sie behaupten, wir hätten tatsächlich mal linke Bundesregierungen gehabt? Selbst die rot-grüne Koalition unter Schröder war nicht links.
Drittens: Wer sich aufgrund von Kritik und Widerspruch radikalisiert, braucht professionelle Hilfe. Das ist mitnichten eine normale Reaktion. Wir leben hier nicht in einem repressiven System, das Verzweiflungstaten hervorbringt.

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czery 01.08.2019, 10:25
134. Wie hochinteressant...

... die menschliche Psyche doch ist. Habe kürzlich eine Doku über die Beteiligung von Cambridge Analytica bei der Trump- und der Brexit-Kampagne gesehn. Eine interessante Erkenntnis daraus ist für mich, dass man nicht unbedingt seine eigenen politischen Positionen weiter verbreiten muss, um diese zu fördern. Es hilft auch, extreme Gegenpositionen zu schüren, welche dann wieder die angesprochene Empörung im eigene politischen Lager erzeugt.

Im Endeffekt führt das zu einer immer tiefer gespalteten Gesellschaft. Man siehts z.B. an den neusten Umfragen in Thüringen, bei denen Linke und AfD die größten politischen Lager stellen.

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Patrik74 01.08.2019, 10:31
135. @133 Weil es Schwachsinn ist

Zitat von
Diese Leute sehen sich durch Vorfälle wie in Frankfurt und viele weitere nun bestätigt und reagieren entsprechend mit einem "hab ich's euch doch gesagt". Statt mal genauer hinzuschauen und zu überprüfen ob eventuelle Korrekturen in der Politik notwendig sein könnten, werden diese nachvollziehbaren Reaktionen jedoch immer wieder aufs Neue delegitimiert.
Die Rechten delegitimieren sich selbst, weil sie einfach Unsinn rausposaunen, der mit der tatsächlich Sachlage nichts zu tun hat, aber als unumstößliche gefühlte Wahrheit faktenresistent dargestellt.

FAKT ist:

1. nach allem, was man weiß, hat der Mann psychische Probleme. Das erklärt seine Handlungsweise abschließend. Auf xenophobe, rassistische und kulturchauvinistische Erklärungen kann also verzichtet werden. Das hätte genauso gut ein biodeutscher Arier gewesen sein können, dessen Opa in der SS bei der Leibstandarte Adolf Hitler gedient hat

2. Der Mann kam aus der Schweiz, da hat Merkel nichts zu melden, und hat dort garantiert nicht "die Grenzen geöffnet" (genauso wenig, wie sie die deutschen geöffnet hat; dann man kann nichts öffnen, was zuvor nicht geschlossen war, ist einfach Logik)

3. Der Mann war offensichtlich auch kein radikaler frauenverachtender Moslem, sondern ein höchst angepasster gut integrierter Ausländer

Ich frage mich echt, worauf der Staat noch wartet, den grassierenden Trend zur Volksverhetzung nicht konsequent verfolgen und ahnden. Ich habe es satt, dass das den Idioten erlaubt wird, das gesellschaftliche Klima durch Fake News derart zu vergiften!

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PinPinguin 01.08.2019, 10:35
136. Wir brauchen mehr Empörung gegen Rassismus im realen Alltag

Offener und latenter Rassismus in Deutschland ist Realität, auch wenn er zumeist etwas abmildernd als Fremdenfeindlichkeit oder Kulturrassismus bezeichnet wird. Er äußert sich vor allem gegen Angehörige des Islams und Afrikaner, aber auch Antisemitismus ist immer noch weit verbreitet. Rassistisches Denken und rassistische Äußerungen beobachtet man nicht nur bei Rechtsextremen und Rechtspopulisten, sondern regelmäßig im ganz normalen Alltagsleben bei ganz normalen Mitmenschen und auch in öffentlichen Institutionen und großen Betrieben (z.B. Polizei und Ermittlungsbehörden, Bundeswehr, Schulen, Daimler). Das ist das für mich Unverständliche. Wären es nur die Rechtsextremen und Rechtspopulisten, könnte man das ganz einfach durch Dummheit, Verblendung und/oder mangelnde Bildung erklären. Aber das Problem sitzt offenbar viel tiefer. In Deutschland wird mit dem Problem zu lasch umgegangen. Man kann es sich hier halt erlauben, Rassist zu sein: Rassistische Äußerungen werden oft nicht als solche erkannt geschweige denn verurteilt. Mehr Empörung über rassistische Äußerungen würde ich begrüßen. Und zwar nicht in Foren, sondern im realen Alltag.

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DUWN01 01.08.2019, 10:35
137. gestörte Persönlichkeiten auf beiden Seiten

Ich finde den Kommentar durchaus aus einer interessanten Perspektive geschrieben. Ich kann mich aber gar nicht mit einer dieser genannten Gruppen identifizieren. In beiden Gruppen sind überwiegend Leute, die in erster Linie in Problem mit sich selbst haben und daher auch in der Wahrnehmung anderer. Wer den öffentlichen Beifall benötigt, um damit sein Selbstwertgefühl zu stärken, bedarf der Behandlung. Wer Menschen nur in Gruppen einteilt, um daraus ein Feindbild zu schaffen, gegen das es zu kämpfen gilt, welches, bei einem Sieg, Ruhm und Ehre unter Gleichgesinnten erzeugt, ist in jedem Falle, auch wenn nur verbal gekämpft wird, übergriffig und schadet dem friedlichen Zusammenleben der Menschen. Das Individuum sehen und ihm respektvoll begegnen, das ist wichtig. Dann wird es automatisch unwichtig, ob dieses Individuum eine andere Hautfarbe, andere Kultur, Sprache, Religion, andere sexuelle Orientierung oder einen anderen Fußballverein hat. Den Schritt zu dieser Erkenntnis schaffen natürlich die Extremisten nicht, denn es ist viel einfacher, sich gegen Gruppen zu verbünden. Da muss man nicht viel wissen, es reicht „wir“ gegen „die“ und wenn „die anderen draufhauen, haue ich mit“.
Hilflosigkeit hilft, im Sinne des Wortes, überhaupt nicht. Trauer, Schmerz und Selbstversunkenheit sind leider auch nur Ausdruck von Problemen mit der eigenen Persönlichkeit. Es gilt, klare Ansagen zu machen. Eine Empörungskultur haben wir schon lange, viel zu lange. Bei allen möglichen Nazivergleichen, egal wie gut oder schlecht sie bei nüchterner Betrachtung sein mögen, läuft reflexartig die Empörungsmaschinerie an. Das ist aber keine Diskussion und keine Aufklärung, hilft nur beim Festigen der Fronten. Die wirklichen Probleme müssen ausgesprochen werden, vielleicht auch mal überzeichnet, und sie müssen dann auch angegangen werden.
Ein großes Problem, das ich sehe, ist, dass wir, außer mit gestörten Persönlichkeiten, es mit Gleichgültigkeit auf der einen und Konformitätsbestreben auf der anderen Seite zu tun haben, ohne dass wir gemeinsam individuelle Freiheit und die damit verbundene Pluralität fordern, lehren (Zuwanderern und Einheimischen), erweitern, verteidigen. Nur dann kann auch Demokratie leben. Gruppendenken führt zu Apartheid und Diktatur.

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Little_Nemo 01.08.2019, 10:39
138. Es hilft aber auch nicht wenn Bürger sich selbst pathologisieren

Zitat von Tingletangle
Eine Pathologisierung der Bürger hilft niemandem weiter. Was die politisch Linke einfach nicht anerkennen will, ist dass die "Rechte" legitime Punkte versucht hat zu äußern, welche jedoch durch das aktuelle Meinungsklima pauschal niedergebügelt wurde. Diese Leute sehen sich durch Vorfälle wie in Frankfurt und viele weitere nun bestätigt und reagieren entsprechend mit einem "hab ich's euch doch gesagt". Statt mal genauer hinzuschauen und zu überprüfen ob eventuelle Korrekturen in der Politik notwendig sein könnten, werden diese nachvollziehbaren Reaktionen jedoch immer wieder aufs Neue delegitimiert. Dies verursacht genau die Radikalisierung die hier beschrieben wird. Die "Linke" schafft sich den politischen Gegner selbst und die Erfolge der "Rechten" sind ein Ergebnis linker Politik. Das wäre völlig vermeidbar gewesen und nun haben wir den Salat.
Wenn man ernsthaft "legitime Punkte" in eine Diskussion einbringen will, muss man auch zur Diskussion bereit sein und nicht bei jedem Hauch einer unwillkommenen Antwort anfangen zu brüllen "Haut ab!", "Volksverräter!", "Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen!" und dergleichen Sponti-Sprüche mehr. In einer Diskussion zählen Argumente und nicht Lautstärke und Drohgebärden. Wer sich schon an diese fundamentalen Grundsätze nicht hält, ist offensichtlich nicht an einer Diskussion interessiert.

Zudem hat sich mehrfach gezeigt, dass die Rechten gar keine faktischen Anlässe brauchen um ihre "Argumente" gegen Zuwanderung vorzubringen oder zu untermauern. Im Zweifel - und der besteht offenbar sehr oft - erfinden Rechte sich die einfach selbst.

Wer in der Mordtat von Frankfurt eine Bestätigung seiner Ressentiments sieht, belegt dadurch nur seine Undifferenziertheit und seinen Hang zum Rassismus. Was der Mann da gemacht hat war mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Amoktat. Das macht sie nicht besser, stellt aber keine faktische Bestätigung für rassistische oder ethnische Vorurteile dar, denn Amokläufe gab es schon einige in Deutschland, und die meisten mir bekannten wurden von Deutschen verübt. Hieraus können wir also nur schließen, dass das Phänomen "Amok" kein originär deutsches ist.

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ichliebeeuchdochalle 01.08.2019, 10:48
139.

1. Nehmen wir an, die These des Sascha Lobo, die der Kolumne zugrunde liegt, würde stimmen. Dann müßte die Schlußfolgerung sein, daß die Hälfte der Diskutanten in der Schule wesentliches nicht gelernt haben, nämlich: Wie lebt man auskömmlich mit seinen Mitmenschen zusammen. Die Schule als Ort der Erziehung versagt auf ganzer Linie.

2. Ein Forist meinte: Wenn man Ausländer nicht reinläßt, kann auch kein Ausländer morden. Das entspricht etwa der kognitiven Fähigkeit bis zum Eintritt der Pubertät. Im Laufe der Pubertät sollte man dann erlernen, die Fehlerhaftigkeit dieser Ansicht zu erkennen.

3. Ich nehme das Ereignis zum Anlaß, die geneigten Foristen wie den Kolumnisten auf folgenden Sachverhalt zu lenken: Opfer ... sofern überlebend ... und Angehörige werden finanziell dann auf Lebenszeit auf Sozialhilfe-Niveau gedrückt. Proteste gegen diese widerliche Behandlung der Opfer gab es in der Vergangenheit vereinzelt und kaum hörbar. Ein breiter Konsenz der Bürger, Opfer über Sozialhilfe-Niveau auszustatten, besteht nicht. Daraus ergibt sich, daß das Mitgefühl der Mitmenschen nur ein zeitlich kurzes und heuchlerisches ist.

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