Forum: Netzwelt
Soziale Medien: Wenn Empörung zur Lust wird
Frank Rumpenhorst / DPA

Nach der Tat am Frankfurter Hauptbahnhof teilt sich das Publikum in den sozialen Medien in zwei Lager: die Hilflosen und die Radikalen. Beide profitieren von der Empörung der anderen Seite.

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mimas101 31.07.2019, 16:29
20. Hmm Tja

Wenn die These stimmt sollte mal unsere Bundesregierung einen gescheiten Kommentar abgeben.

Fakt ist nämlich das es nichts gibt um als Aufhänger zu dienen. Ein nach schweizer Recht anerkannter Flüchtling hat, vermutlich im Wahn oder geistiger Umnachtung, Leute bedroht und weggedrückt wobei es zu einem entsetzlichen Ereignis kam (wie das die Gerichte qualifizieren ist derzeit unsicher). Es ist auch nicht anzunehmen das der Mann extra irgendwas hier rächen wollte denn er ist bereits ein paar Tage zuvor in der Schweiz überraschend als gewaltbereit auffällig geworden.
Wäre es ein eingeborener Original-Schweizer gewesen (oder ein ebensolcher Deutscher) wäre die Geschichte mit Sicherheit nicht mehr als ein Zweizeiler in örtlichen Kirchenblatt resp. Boulevard gewesen.
Also nix mit Weltverschwörung, Überfremdung, typisch für eine Volkszugehörigkeit und ähnlichem. Wer sowas behauptet dürfte durchaus den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllen.

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tobitibot 31.07.2019, 16:30
21. Gegenfrage

Warum muss man solche Tragödien überhaupt diskutieren?
Der Rechtsstaat hat schließlich seine Mechanismen, dem Bedürfnis der liberalen Gesellschaft nach einer gerechten Strafe nachzukommen.
Bestenfalls entsteht eine Diskussion ohne jeglichen Erkenntnisgewinn, die lediglich um des Diskutierens Willen geführt wird. Diese Ergebnislosigkeit muss allen Beteiligten bereits im Vorhinein bewusst sein. Daraus entsteht dann die Frustration, die durch eine Diskussion noch zusätzlich gesteigert wird.
Im Gegenzug sollte man innehalten, dem Opfer gedenken, und dessen Familie die Zurückhaltung erweisen, die ein solches Ereignis erfordert.
Rassistische Provokateure verdienen weder in einer liberalen Gesellschaft, noch in einer Diskussion mit dieser einen Platz. Lassen wir sie doch außen (vor); das wäre Widerspruch durch Ignoranz.

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shalma 31.07.2019, 16:36
22.

Stimmt, die Empörung über den Mord an einem Kind durch einen Flüchtling wird von den Rechten instrumentalisiert. Dabei schubsen doch nicht nur Flüchtlinge, sondern auch Deutsche Kinder vom Bahnsteig. Statistisch betrachtet, also anteilsmäßig an der Bevölkerung, schubsen Flüchtlinge und Deutsche in etwa gleich viele Kinder vor einen Zug.

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Actionscript 31.07.2019, 16:40
23. Wäre der Täter ein traumatisierter...

Zitat von Steueragenta
Ein gebürtiger Serbe, wenn ich richtig gelesen habe. Das soll nun aber kein Ausländerbashing werden. Ich möchte jedoch darauf hinweisen, das unter den Einwanderern vermutlich ein überdurchschnittlich hoher Anteil traumatische Ereignisse erlebt hat. Das wird so gut wie nie thematisiert, was ich für falsch halte.
...Bundeswehrsoldat gewesen, der in Afghanistan gedient hat, wäre die Empörung gegen die Politiker gegangen, die Soldaten nach Afghanistan schicken.

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nokaner 31.07.2019, 16:41
24. Die beste Waffe gegen Empöria!

Übrigens ein toller Begriff. Die Medien, das Fernsehen, die sozialen Medien... alle leben von der Empörung. Es wird sich über alles und jeden aufgeregt, kommentiert und empört. Dabei vergessen die Menschen, dass sie vor ihrer eigenen Tür genügend zu kehren hätten. Über andere sich aufregen ist einfacher.
Meine Tatik gegen Empöria lautet: TV aus, Zeitung beiseite, im Radio leichte Klassikmusik, Handy aus und ein gutes Buch lesen. Oder auf der Terasse sitzen, in eine Bar gehen oder an einen See. Sich einfach ausklinken aus diesem Empörungsgeschäft. Von dem ich mit knapp 40 Jahren die Schnauze voll habe.

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danmage 31.07.2019, 16:41
25. Ich sehe das anders als Lobo

Die "Hilflosen" sehe ich nicht als Hilflose sondern als wehrhafte, aufrechte Menschen an.
Denn zum Glück haben wir nach 1945 eine wehrhafte Demokratie entwickelt und aus der Geschichte gelernt.
Wir dürfen gegenüber Hetzerei, Rassismus, Demagogie, Verschwörungstheorien nicht schweigen, sondern ganz klar einen Standpunkt beziehen und auch Hetzerei als das bezeichen was es ist. Es kann natürlich sein, dass manche Kommentare der wehrhaften Menschen überspitzt formuliert werden und sich andere auf den Schlips getreten fühlen.
Doch die rechtsextremen Blasen, die sich weltweit bilden haben das Spiel des eigenen Opfermythos so weit perfektioniert, dass diese jegliche Art von Kritik dazu nutzen aufzuschreien, sich zu empören und sich als arme Opfer zu bezeichen. Dabei sind es diese, die ihre dunklen, egoistischen und oft unmenschlichen Gedanken und Weltbilder, die wie durch ein Gift unsere liberalen, offenen Gesellschaften zersetzt und in Teilen versucht unsere Demokratien von innen auszuhöhlen.
Manchmal muss man um Wahrheit, Freiheit, Humanität und Demokratie kämpfen, wie es unsere Vorfahren Jahrhunderte lang getan haben. Mit Worten und unserem Rechtssystem.

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Wahrheit2011 31.07.2019, 16:43
26. Lobo schreibt ziemlich gut

Zitat von zeichenkette
sieht man sehr gut daran, dass eine Woche vorher in Voerde jemand eine Frau vor einen Zug gestoßen hat und darüber redet keiner. War ja kein Ausländer und was will man schon machen? Unter 80 Millionen Leuten gibt es immer Irre, die irr handeln, auch schonmal mit tödlichem Ausgang. Das ist solange ganz normal, bis (wie in diesem Fall) irgendwo zwischen Empörung und Hetze die Welle nicht nach zwei Tagen ausläuft, sondern immer wieder hochgepeitscht wird. Auch von diesem Artikel hier natürlich, wie man wohl feststellen muss.
Nur ganz kurz vorweg: Es war auch in Voerde ein Ausländer (Medien sprachen von serbischem jungen Mann).

Aber das nur am Rande, denn so eine abscheuliche Tat ist immer gleich schlimm, egal ob durch einen Deutschen / eine Deutsche oder jemanden anderes verübt.

Ich finde an Sascha Lobos Beitrag gut, dass er sich nicht nur auf "rechts" einschießt, sondern auch die anderen Demonstranten oder halt nicht rechten Leute vor Augen hat. Darüberhinaus wünsche ich mir, dass unsere Gesellschaft insgesamt fair bleibt. Wenn aktuell angeprangert wird, ""die AfD solle den Fall nicht ausschlachten"", dann kann ich das verstehen. Nur fällt mir dann ein, wie nach dem Mord an Regierungspräsident Walter Lübcke, Kassel, sofort eine Instrumentalisierung einiger Politiker und auch mancher Medien (nicht aller, das muss ich betonen!) des furchtbaren Falles gegen die AfD gemacht wurde. "Die AfD hat eine Mitschuld daran"..........war eine der Schlagzeilen. Warum wurde das von links ausgeschlachtet?

Alle diese Instrumentalisierungen und Verallgemeinerungen - denn auch der Mörder des 8jährigen Jungen steht NICHT für "die" Ausländer - müssen aufhören. Wenn allerdings eine Sache in gewisser Weise sich häuft, und das gilt auch für alle Richtungen, dann darf man das ansprechen. Sachlich, informativ - ob von links oder von rechts. Das gehört zur Demokratie. Und dann sind auch Demonstrationen mit dem Titel "gegen Nazis" genauso erlaubt wie Demos wegen der überwiegend durch junge Männer gemachten Vorkommnisse in Freibädern oder wegen des Phänomens "Gewalt gegenüber Rettungskräften".

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Jöel L. 31.07.2019, 16:49
27.

Zitat von mimas101
... Wäre es ein eingeborener Original-Schweizer gewesen (oder ein ebensolcher Deutscher) wäre die Geschichte mit Sicherheit nicht mehr als ein Zweizeiler in örtlichen Kirchenblatt resp. Boulevard gewesen. Also nix mit Weltverschwörung, Überfremdung, typisch für eine Volkszugehörigkeit und ähnlichem. Wer sowas behauptet dürfte durchaus den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllen.
Mindestens bei uns in der Schweiz hätten alle Medien breit berichtet, auch wenn es ein Schweizer gewesen wäre. Dazu gibt es verschiedene Beispiele.

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G. Samsa 31.07.2019, 16:50
28.

Zusammenfassung des Artikels:

1. Ereignisse werden politisch instrumentalisiert.
2. Kritiker verbreiten die Aussagen, die sie kritisieren.
3. Es gibt eine Lust an der Empörung.
4. Das ist nicht gut.
5. Wer von dem Migrationshintergrund des Täters auf Migrationspolitik schließt, bedient sich eines rassistischen Ressentiments.
7. Radikale bedienen sich rassistischer Ressentiments.
8. Es kann keine Tat geben, durch die Rassismus plötzlich richtig ist.
9. Deshalb haben Radikale Unrecht.

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textfee 31.07.2019, 16:51
29. ...und Tschüss!

Mit großer Zustimmung habe ich soeben Ihren Beitrag gelesen. Und deshalb schreibe ich hier nun meine letzte Stellungnahme.
Ich bin über 25 Journalist und habe keine Lust mehr mich über Hetze, Beleidigungen und schlichte Dummheit der User bei Facebook, Twitter & Co. täglich aufzuregen. Bis gestern habe ich mich auch privat noch an öffentlichen Diskussionen höflich, sachlich und mit gebührendem Respekt beteiligt. Heute morgen habe ich bewusst meine Konsequenzen gezogen und meine sämtlichen Accounts deaktiviert. Denn für mich ist nun klar, falls Trump, Johnson oder sonst irgendwelche Irren in der digitalen Welt ihren geistigen Durchfall absondern, bin ich nicht mehr dabei, weder beruflich noch privat. Ich habe es satt und mache nicht mehr mit. Adieu und Tschüss, schöne neue Welt.

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