Forum: Netzwelt
SPD: Die Mit-uns-nicht-zu-machen-Partei
Alexander Prautzsch / DPA

Die ständig betonten roten Linien der SPD sind eine Selbstvergewisserung, an der Politik von gestern festzuhalten. Ihre Kommunikationsrituale des 20. Jahrhunderts zerschellen an der neuen Wirklichkeit.

Seite 10 von 14
greilmanuel 05.06.2019, 21:10
90.

Also in einer Sache ist die SPD sehr zuverlässig. Nämlich in der Demontage ihrer Parteichefs. Und laut Scholz sind die Chancen der SPD nach der nächsten Bundestagswahl den Kanzler oder die Kanzlerin zu stellen viel größer als in den Jahren zuvor. Ich frage mich ernsthaft auf welchem Planeten der unterwegs ist. Die SPD wird auf Jahre hin nur noch eine Randpartei sein. Und das hat sie selbst verschuldet. Was mit der SPD zu machen ist? Ich habe keine Ahnung. Ich weiß ja noch nicht mal mehr wofür diese Partei überhaupt steht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mueller1 05.06.2019, 21:48
91. Denke, das ist eindeutig

Zitat von ichliebeeuchdochalle
Es war schon immer richtig, daß es Fälle gibt, wo ein Apostroph korrekt ist. D16 deckt das Apostroph bei Lobo's?
In der Regel steht (u.a.):

"Der Apostroph wird gelegentlich zur Verdeutlichung der Grundform eines Personennamens gebraucht:
vor dem Genitiv-s;
Zum Beispiel
Andrea's Blumenecke (zur Unterscheidung vom männlichen Vornamen Andreas)
Willi's Würstchenbude

Da es auch Personen mit dem Namen Lobos gibt - siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Lobos_(Begriffsklärung) - kann noch nicht einmal eingewendet werden, dass der Personenname Lobo keine Vedeutlichung der Grundform benötigen würde.

Die Wikipedia erläutert dies unter https://de.wikipedia.org/wiki/Apostroph recht ausführlich. Seit der Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996 ist das Deppenapostroph wieder zulässig - imo eine hässliche Genetivschändung ;-).

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Aberlour A ' Bunadh 05.06.2019, 22:22
92. Es gibt keine "neuen Realitäten"

Die Probleme der SPD sind teils einem Strukturwandel geschuldet (den auch alte Bündnisgenossen wie die Gewerkschaften betreffen), teils selbstgemacht. Die SPD hat mit der Agenda 2010 Vertrauen verspielt. Und Vergrauen ist wie Zahnpasta. Ist es mal raus aus der Tube, kann man es schwer wieder reinkriegen. Wenn heute Konservative Parteien die Agenda mit Zähnen und Klauen verteidigen, dann weiß man, was schiefgelaufen ist. Die SPD hat sich viel zu spät von der Agenda gelöst. Und damit das nächste Glaubwürdigkeitsproblem geschaffen. Wenn man sich mal die Wahl-O-Mat-Positionen der SPD zu Gemüte führt, dann kann man sehr schnell erkennen, wo das eigentliche Problem für die heutigen Zeiten liegt. Die SPD hat zu keiner Frage eine eindeutige Position. Es gibt immer sowohl, als auch. Pragmatismus ist ja schön, aber in der Twittokratie sind nun mal eindeutige Botschaften angesagt. Und wenn dann noch das richtige Führungspersonal fehlt, um eindeutige Botschaften unter die Leute zubringen, dann landet man eben bei 15%.
Globalisierung hin - die ja nach Meinung eines maßgeblichen deutschen Ökonomen gerade "Erschöpfungszustände" zeigt - oder her. Und mit dem Universaljoker Digitalisierung hat das gar nichts zu tun.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
rocky_heike 05.06.2019, 22:56
93.

Dieser Standardsatz der SPD hat mich auch schon immer gestört. Vermutlich ist es tatsächlich eine Reminiszenz an alte Zeiten, als man zusammen mit den Gewerkschaften noch was bewegen konnte. Das ist lange her. Und in einer Koalition auch viel zu dick aufgetragen. Andererseits frage ich mich, wie man denn heute kommunizieren soll?Frau Klöckner ist ja voll im 21.Jahrhundert angekommen, als sie die Kritiker auf ihr Video mit Nestle "Hatespeaker" nannte. Aber das ist sicher nicht in Ihrem Sinne, Herr Lobo.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kestrel2 06.06.2019, 00:33
94. Paradoxie von fehlender Ablehnung und fehlender Wählbarkeit

Die SPD ist die Partei, gegen die Anhänger aller Parteien am relativ wenigsten haben. Im Grunde ist die SPD also nach wie vor am ehesten die "Konsenspartei". Das "Mit uns nicht zu machen" tut da wenig zur Sache. Im Grunde wissen alle, dass die SPD die allseitig koalitionsfähigste und mitmachendste Partei ist. Dass sie am wenigsten Abgrenzung in alle möglichen Richtungen hat. - Und genau DESWEGEN, weil sie alles mögliche mitmacht, hat die SPD das größte Problem, noch gewählt zu werden. Bei keiner anderen Partei ist die Krise und der Niedergang zu dauerhaft und kontinuierlich. Weil sie Konsens ist, ist sie überflüssig.

Grüne und AfD sind die beiden (größeren) Parteien, bei denen sich die relativ meisten Wahlberechtigten am wenigsten vorstellen können, sie doch irgendwann zu wählen. Die also am meisten polarisieren und von der Mehrheit am entschiedensten abgelehnt werden. Genau diese beiden Parteien prägen derzeit am stärksten die öffentliche politische Debatte.

Das ist im Grunde alles, was man über die Krise des derzeitigen Parteienwahlsystems wissen muss.

Parteien müssen heute extrem polarisieren, um noch gewählt zu werden. Aber genau durch diesen Zwang zu einem polarisierenden Auftreten verlieren sie zugleich für einen Großteil der Wählerschaft das Potential, jemals gewählt werden zu können - und das dauerhaft. Heißt: Die Zeit der Volksparteien ist definitiv vorbei. Wir werden uns an Minderheitsregierungen und Viel-Parteien-Koalitionen gewöhnen müssen, wie sie in anderen Ländern schon länger üblich sind.

Eine Alternative wäre: Eine grundlegende, demokratische Verfassungsreform, die über das Parteiprinzip hinausdenkt und zu anderen Formen demokratischer Repräsentation greift (Deliberative Formate, Losverfahren, Cititzens' Assemblies). Formen der demokratischen Partizipation, die am Ende Parteien vielleicht nicht überflüssig, aber doch deutlich weniger wichtig machen als derzeit.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Schartin Mulz 06.06.2019, 00:48
95. Warum sollte ich Ihnen glauben?

Zitat von sibbi78
Im Internet finden Sie die Antworten, Beispiele, Fakten, die Sie ständig einfordern. Thesen sind unbewiesene Vermutungen. Da das www voll von Belegen der hier gestellten Aussagen ist, und alle dies auch wissen, kann man davon ausgehen, dass hier nichts mehr zu beweisen, belegen oder sonst etwas ist. Außer bei Ihnen natürlich... Die Stammwähler der SPD haben die letzte Ölung bereits hinter sich. Dennoch bin ich mir sicher, dass die Partei auch im einstelligen Prozentbereich von einem Kanzlerkandidaten schwafelt. Alles Gestrige - das wir nichts mehr...
Wenn Sie die Antwort auf meine Frage wüssten, würden Sie sie schreiben.
Es gibt sie aber nicht.
Ich habe ein konkrete Frrge gestellt. Niemand gibt eine Antwort. Alle erzählen, dass das eben einfach so ist. So ungefähr wie früher in der kath. Kirche
Erzählen, es gäbe keine gemeinsame Gesprächsebene oder schwafeln, dass das Internet doch voll von den Beweisen wäre.
Ich habe gefragt, was denn diese Roten Linien der SPD, die Lobo nennt, mit Digitalisierung und Globalisierung zu tun haben.
Nichts.
Und deshalb kann man auch das Internet durchsuchen, solange man will, da wird man keine "Beweise" finden.
Unsinn lässt sich nicht beweisen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
#NieMehrCDUoderSPD 06.06.2019, 02:19
96. Die SPD gehört auf die Strafbank

Wie in der Kolumne beschrieben, hat die SPD ein schlimmes Kommunikationsproblem. Das ist vor allem Ausdruck einer absoluten Katastrophe von Politik. Um meine Stimme gegen den erneuten Eintritt in eine Groko in den Ring zu werfen, trat ich vor dem entspr. Mitgliedervotum in die Partei ein und beschäftigte mich als mittdreißer Freiberufler mit dem Programm und den unsäglich vielen Mails, die ich bis zu meinem wütenden Austritts-Rant im Zuge des schrecklichen Handelns in der Maaßen-Affaire auch brav las.
Mein Eindruck ist, dass die Partei nicht nur dabei versagt hoch angepriesene rote Linien zu halten, sondern jegliches Gespür für die Lebensrealität der Menschen abseits der gern vorgeschobenen Edge-Cases vermisst.
Sie beweist, dass sie mit ihrer auf eine sehr spitze Zielgruppe ausgerichteten Politik den Anspruch auf den Begriff "Volkspartei" komplett verloren hat. In der öffentlichen Wahrnehmung ist die SPD auf einem Tiefstand angekommen, von dem aus sie sich ohne eine echte Verjüngung nicht erholen kann. Die SPD dient den Grünen hoffentlich noch als Beispiel, wie man mit politischer Macht nicht umgehen sollte.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
fördeanwohner 06.06.2019, 05:43
97. -

Zitat von kestrel2
Die SPD ist die Partei, gegen die Anhänger aller Parteien am relativ wenigsten haben. Im Grunde ist die SPD also nach wie vor am ehesten die "Konsenspartei". Das "Mit uns nicht zu machen" tut da wenig zur Sache. Im Grunde wissen alle, dass die SPD die allseitig koalitionsfähigste und mitmachendste Partei ist. Dass sie am wenigsten Abgrenzung in alle möglichen Richtungen hat. - Und genau DESWEGEN, weil sie alles mögliche mitmacht, hat die SPD das größte Problem, noch gewählt zu werden. Bei keiner anderen Partei ist die Krise und der Niedergang zu dauerhaft und kontinuierlich. Weil sie Konsens ist, ist sie überflüssig. Grüne und AfD sind die beiden (größeren) Parteien, bei denen sich die relativ meisten Wahlberechtigten am wenigsten vorstellen können, sie doch irgendwann zu wählen. Die also am meisten polarisieren und von der Mehrheit am entschiedensten abgelehnt werden. Genau diese beiden Parteien prägen derzeit am stärksten die öffentliche politische Debatte. Das ist im Grunde alles, was man über die Krise des derzeitigen Parteienwahlsystems wissen muss. Parteien müssen heute extrem polarisieren, um noch gewählt zu werden. Aber genau durch diesen Zwang zu einem polarisierenden Auftreten verlieren sie zugleich für einen Großteil der Wählerschaft das Potential, jemals gewählt werden zu können - und das dauerhaft. Heißt: Die Zeit der Volksparteien ist definitiv vorbei. Wir werden uns an Minderheitsregierungen und Viel-Parteien-Koalitionen gewöhnen müssen, wie sie in anderen Ländern schon länger üblich sind. Eine Alternative wäre: Eine grundlegende, demokratische Verfassungsreform, die über das Parteiprinzip hinausdenkt und zu anderen Formen demokratischer Repräsentation greift (Deliberative Formate, Losverfahren, Cititzens' Assemblies). Formen der demokratischen Partizipation, die am Ende Parteien vielleicht nicht überflüssig, aber doch deutlich weniger wichtig machen als derzeit.
Auch das extreme Polarisieren hilft nicht wirklich in einer Gesellschaft, in der das "individuelle Glück" das höchste Gut ist. Es gibt nicht eine Partei, die tatsächlich genügend Menschen gleichzeitig zufriedenstellen könnte, um noch als sog. Volkspartei gelten zu können.
Ein Beispiel: Welche Partei soll jemand wählen, der für eine massive Ausweitung des Umweltschutzes, Verschärfung der Asylgesetze, die Verstaatlichung der Banken und für massive Steuersenkungen für alle ist? Der Witz ist nämlich, dass heutzutage die Mehrheit nur ihr eigenes Wohl im Blick hat UND keine Kompromisse eingehen möchte.
Daher halte ich eine Reform der demokratischen Präsentation für noch weniger sinnvoll.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
un.francais 06.06.2019, 08:14
98. SPD ist wie Yahoo und AOL, keine Tränen nachweinen!

SPD, die Partei des tarifgebundenen weißen Mannes über 50 JahreWar dies nicht die Definition einer Ihren Gästen beim Podcast für den Podcast?

Ein großer Teil der SPD ist irgendwie in einer Welt der 80er stecken geblieben, das andere versucht noch Agenda 2010 aufzuarbeiten und grün zu malen. Und die Wählerschaft stirbt weg oder läuft davon.

Wenn man ständig von Großen Werten spricht und dann jedesmal die rote Linie aus "Realismus", "Vernunft" überschreitet, dann ist man irgendwie nicht mehr glaubwürdig.

Das hängen an der Sozialen Marktwirtschaft gehört dazu. Diese funktioniert immer noch, wenn man bei Porsche, Bosch, Bayer, VW arbeitet. Aber sonst? Die Zulieferanten werden ausgequetscht: die Gehälter in den Werken stagnieren, die Abgabe gehen tendenziell hoch.
Ein paar Berater, Manager, ITler ziehen davon weg. Aber für die breite Masse gibt es kaum SPÜRBARE Verbesserungen. Es ist keine Frage des Niveaus (es ist hoch) oder der Richtung (es geht nach oben). Das Problem ist die Beschleunigung, die zweite Ableitung: sie wird negativ.
Und da kommt die SPD, die sagt, das soll wieder besser sein und knickt wegen der Regierungsverantwortung jedesmal wieder ein.

Schaut man den klugen Schachzug: die Übernahme vom Finanzministerium. Das war für die SPD notwendig. Und was macht die SPD? Sie stellt Scholz auf, der fast Schäuble sympatisch wirken lässt. Anstatt ein Modernisierer zu stellen, fördert die SPD ein Obervereinkassenwart.

Ist man noch zu retten? Glaube ich nicht mehr! Das ist wie AOL und Yahoo, wie Kobol und Basic... Ein Relikt, die noch ein kleine Marktnische haben werden. 1-3%

Beitrag melden Antworten / Zitieren
arvenfoerster 06.06.2019, 09:33
99. Lob der Langeweile

Die SPD ist eine Partei, deren Geschichte durch pragmatische Mässigung gekennzeichnet ist. Ihre Kultur ist geprägt durch den konstruktiven Umgang mit Bismarcks Zuckerbrot-und-Peitsche-Politik in ihrer Entstehungsphase. Das sozialistische Wertebild der Partei wird nicht durch den marxistischen Revolutionsgedanken, sondern, im Sinne Kautskys, durch allmähliche Reformen angestrebt. Dafür suchte die SPD immer den Kompromiss mit den Anderen. Sinnbildlich dafür stehen Namen wie Friedrich Ebert, Gustav Noske und Kurt Schumacher aber auch Gerd Schröder. Dadurch war die Partei sehr wirksam. Ob Demokratie, Sozialstaat oder Soziale Marktwirtschaft, die SPD hat unseren Staat nachhaltig mitgeprägt. Das ist Langweilig, weil es bewusst auf Radikalität und schrille Töne verzichtet. Leider passt das nicht in unsere Zeit. Soziale Medien fördern die Geschwindigkeit, das Schrille. Ich muss auffallen, um wahrgenommen zu werden. Ich muss schnell sein, um in der Diskussion teilzunehmen. Unsere Zeit lebt von der digitalen Kurzatmigkeit. Was zu kurz kommt, ist das Bewusstsein für Verantwortung. Die SPD droht das erste Opfer unserer Zeit zu werden. Ich wähle sie nicht, vermissen werde ich sie dennoch.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 10 von 14