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SPD und die Urheberrechtsreform: Die Alles-Mitmach-Partei
DPA

"Nie mehr CDU!", rufen die Gegner der geplanten EU-Urheberrechtsreform. Aber auch die SPD verbaut sich mit ihrer erbärmlichen Mutlosigkeit jede Chance auf die Stimmen der Generation YouTube.

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The Independent 09.03.2019, 19:29
350.

Zitat von compositeur
1) Der Artikel ist nicht nur sehr polemisch, er ist obsolet, nämlich von 2011 - inzwischen gibt es das genannte PRO-Verfahren gar nicht mehr, sondern ein komplett neues.
1) Der Artikel ist durchaus böse formuliert.
Aber nehmen wir mal den größten Gema-"Kundenkreis" (die besten "Kunden" sind die Radiostationen und Fernsehsender), die Clubs, Tanz- und Musikveranstaltungen aller Art, Internet-Radios, etc., also jede nur erdenkliche öffentliche Aufführung von Musik.
Wollen Sie mir sagen, dass ab 2013 deren Gema-Beträge strikt nur an die tatsächlich dort gespielten Künstler gehen?

Und INKA-Verfahren hin oder her, nur selbstaufführende Autoren haben die Möglichkeit durch selbst getätigte/kontrollierte akkurate Meldungen der Musikfolgen für eine höhere Ausschüttung zu sorgen, alle anderen oben genannten Aufführungsorte/-formen melden von akkurat bis ungenau und unregelmäßig (trotz Strafandrohung), da helfen auch nicht die in 100 Clubs installierten Meldesysteme, denn es gibt Abertausende Venues, wo Musik gespielt, aber auch (legal, aber abgabepflichtig) vervielfältigt (z.B. Internetradios, Bars, etc.) bzw. vorgehalten wird (für deren automatische Playlists) wird.
Mit Einführung des INKA-Verfahrens sind die Tantiemen-Einahmen bei manchen selbstauff. Künstlern sogar um bis zu 95% zurückgegangen. Für eine Newcomer-Band kommt Popkultur Bayern auf einen Rückgang um 23% gegenüber dem PRO-System, und bemängelt außerdem, dass es für eine solche Band zu schwierig ist in das Segment 3 aufzusteigen. Erst mit 20 Gigs mit jeweils 20 gespielten Titeln (welche Newcomer-Band schafft so viele Titel, z.B. als Vorband?) kann eine Band die Ausschüttung merklich steigern (um 500 EUR im Jahr).

Die GEMA selbst gibt an (Info von 2017), dass Bands inzwischen 30-50 Titel pro Gig (!) eintragen, also offensichtlich kreativer werden, damit sie überhaupt noch was verdienen, denn diesen Bands - wie auch den Spartenkünstlern deren unlizensierte Werke auf YT herumgeistern - hilft keine Einigung mit Youtube.
Inzwischen kann eine Direktabrechnung mit dem Veranstalter und der Austritt aus der GEMA lukrativer sein, wie Popkultur errechnet hat.

Ich bleibe bei meiner Meinung, die GEMA müsste eigentlich die nächste Reformbaustelle werden.

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The Independent 09.03.2019, 19:36
351.

Zitat von emil7685
Unsinn. Ich kann Ihnen aus dem Stegreif zehn aktuelle URLs von Suchmaschinen für Streams von Musik und Filmen hier hinschreiben. Da wird absolut überhaupt nichts "ausgehoben". Die einschlägigen Portale gibt es seit mehr als fünf Jahren. Da wird halt alle paar Wochen mal ein "x", eine "1" oder ein "z" zusätzlich eingefügt.
Sie müssen unterscheiden, ich habe nicht von Streamanbietern gesprochen.
Die Streamhoster sind schon wieder die nächste Stufe in der Entwicklung. Reine Filehoster haben es aber bereits zunehmend schwerer.
Streamhoster haben es aktuell noch vergleichsweise einfach. Die werden aber häufiger für Filme genutzt.
Wer seine Playlist auf YT zusammenstellen kann, braucht keine völlig illegalen Musikstreamanbieter, die im Zweifelsfall auch noch aus Hintertupfistan streamen und auch noch allerhand Viren verbreiten.

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durch blick 09.03.2019, 19:38
352. @emil7685

Das eissen diese Lobbyisten sehr wohl, zugeben nie. Es geht die großen Begehrlichkeiten und das neoliberale Versklavungsmodell umzusetzen. Diese Geister kapieren eines leider nicht, ihre Zeit ist bereits um, sie haben es nur noch nicht bemerkt.
Welche Umbrüche 7 Milliarden Hirne mit ihrer 24 Stunden weltweiten Kommunikation in kürzester Zeit aus dem Internethut zaubern kann keiner vorhersehen. Auch die beste Algorythmenkristallkugel wird das nicht schaffen.
Wieviel rechrlicher Vorlauf für zukünftige diktatorische Herrschaftsansprüche geschaffen werden ist Kapitalgeiern vollkommen schnurz. Sie bleiben ja auch unter solchen Bedingungen, wenn sie ihr Fähnchen nach dem Wind drehen, Kapitalbesitzer.
Habe die Ehre
DB

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The Independent 09.03.2019, 19:53
353.

Zitat von emil7685
Blogger ..... Und der 08/15-youtube-user dem die Videos geblockt werden.
Überlegen Sie mal warum ein eines Bloggers gefiltert werden könnte.
Und dann überlegen Sie mal, mit welch einfachen Maßnahmen der Blogger die Filterung verhindern könnte (wir gehen mal davon aus, dass es zunächst zu einem Mix aus manueller und maschineller Filterung kommen würde).
- Verzicht auf urheberrechtlich geschützter Hintergrundmusik
- alternativ Meldung der Song-Daten bei Upload und entsprechendes Abführen einer Gema-Pauschale (entweder seitens des Portals oder per Mitgliedsdaten des Portalnutzers)
= Annahme des Blogger-Beitrags

- wenn Portal sich weigert für die Nutzer zu zahlen, oder Abrechnungen an die Nutzer weiterzuleiten
- oder wenn sich der Blogger weigert zu zahlen bzw. die fragliche Musik aus dem Beitrag zu entfernen
= Blockieren des Beitrags

Rechtlich gesehen ziemlich einfach.

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compositeur 09.03.2019, 19:55
354. @349 und 347

Hm, das erinnert mich immer mehr an die Diskussion mit Impfgegnern - keine konkreten Beispiele? Nur Geschwurbel? Was wird denn nun warum und wann konkret von wem geblockt?

Vielleicht trifft den einen oder anderen Mitlesen ja die Erkenntnis, das der wilde Protest gegen die EU-Reform wohl doch mehr Kampagne als Wahrheit ist...?

@ Emil: die von Ihnen genannten und offensichtlich auch genutzten Plattformen sind letztlich kriminell. Wenn Sie das gut finden, kann ich Ihnen nicht helfen. Lesen Sie mal nach bei Kant über den "kategorischen Imperativ".

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compositeur 09.03.2019, 20:16
355. @350

Also, das ist mein letztes GEMA-posting, denn das ist hier wirklich OT, aber offensichtlich haben Sie ja echtes Interesse an der Thematik. Im einzelnen:
1) Radiostationen und Fernsehsender: es gehen 100% abzgl. Verwaltungskosten NUR an die beteiligten Urheber - sofern sich nicht Fehler in der Sendemeldung einschleichen. Das wird aber immer besser weil digitaler. Ist mein Gebiet, das funktioniert!
-Clubs / öffentlicher Raum, z.B. Supermarkt: nein, sicher nicht, das ist sehr viel komplizierter zu erfassen, was wann läuft. Aber das ist nicht mein Fachgebiet.
- Internet-Radios: generieren wohl kaum Einkommen an die GEMA, daher wird, wenn überhaupt, nur pauschal ausgeschüttet wegen Kosten/Nutzenverhältnis. Theoretisch wäre eine Einzelabrechnung aber kein Problem, lohnt nur (noch) nicht.
- öffentliche Aufführung von Musik: sofern ordentlich gemeldet gehen die Erlöse, nach Abzug der Verwaltungskosten, zu 100% an die Urheber.

"Inzwischen kann eine Direktabrechnung mit dem Veranstalter und der Austritt aus der GEMA lukrativer sein, wie Popkultur errechnet hat."

Ja, aber natürlich, und das schon immer! Je nachdem, wieviel Musik wo aufgeführt wird. Bei 100 Euro Erlös am Abend abzüglich Verwaltung und zwei Gigs im Monat wird man sicher mit der GEMA nicht reich, solange kein Broadcast stattfindet.

Und ab jetzt bitte wieder zur Urheberrechtsreform ;-)

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The Independent 09.03.2019, 20:29
356.

Zitat von emil7685
... da dieses Gesetz absolut überhaupt nichts gegen die WIRKLICHEN Urheberechtsverstoß-Gigantem a la Megaupload, Kinox und Bmoviez ausrichten kann. Die wird es alle weiterhin auf anonymen Servern mit alternativen Suchmaschinen geben und sämtliche aktuellen Kinofilme, Musikalben und Computerspiele werden dort auch weiterhin mit einem Zeitaufwand von wenigen Minuten aufruf/downloadbar sein.
Für die ist dieses Gesetz ja auch nicht gemacht. Bei diesen dreisten Formen der Urheberrechtsverletzungen greifen bereits die bestehenden Gesetze. Allerdings muss man auch an die Betreiber bzw. die Server herankommen, und das ist eben nicht immer so einfach.

Trotzdem: Aufgrund bestehender Gesetze (in NZ, den USA, etc.) wurde megaupload 2012 abgeschaltet.
Die Kinox-Seite gibt es zwar noch, aber 2 der 3 Hauptbetreiber mussten aus Deutschland fliehen, der 3. wanderte für 3 Jahre in den Bau. Vodafone muss nach einem Urteil alle Kinox-Angebote für seine Internetkunden sperren. Auch die Nutzung eines alternativen DNS-Servers bringt für diese keine Entsperrung.
Diese Portale sind nicht unverwundbar.

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The Independent 09.03.2019, 20:50
357.

Zitat von compositeur
- Internet-Radios: generieren wohl kaum Einkommen an die GEMA, daher wird, wenn überhaupt, nur pauschal ausgeschüttet wegen Kosten/Nutzenverhältnis. Theoretisch wäre eine Einzelabrechnung aber kein Problem, lohnt nur (noch) nicht.
Da irren Sie.
Die Pauschalen sind aber gerade für kleine Internetradios so hoch (inwischen müssen Musikfolgen gemeldet werden, die wurden zumindest bis mindestens Ende der 2000er aber nur insofern berücksichtigt, als dass sie von der GEMA zum Ermitteln der Gesamtzahl der Titel genutzt werden - die Info habe ich direkt aus einem Gespräch mit der Gema - da weiterhin pauschal abgerechnet wird), dass viele Radios aufgegeben haben. Ich war mal Mitbetreiber eines mittleren Radios. Nach der ersten Gebührenänderung (2003?) fiel die Zahl der Radios von 1200 auf ca 450 (2006), erst 2009 gab es dann wieder eine Erholung/Aufschwung mit dann bereits 1.914 Radios. Nach dem Boom 2011 (etwas über 3.000) sank die Zahl wegen gestiegenem Aufwand und gest. Gema-Kosten wieder auf 2.399.
Sehr große Radios zahlen recht hohe Pauschalen, rechnen m.W. nach teilweise sogar einzeln ab.

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anarchoninja 10.03.2019, 00:48
358. Kompromiss-Diktat

Frau Barley hatte vor gut einer Woche meine Universität besucht. Ihr großes Kredo des Abends zu allen Themen, die angesprochen wurden, war die absolute Kompromiss-Unterwürfigkeit. Ob Artikel 219 a, Leistungsschutzrecht oder Klimaschutz in der EU. Der Kompromiss als das beste Werkzeug einer Politikerin wurde von ihr ständig damit untermalt, dass man wissen müsse, dass ein Kompromiss leider auf allen Seiten nicht volle Zufriedenheit verursacht. Leider wussten bereits alle die im Hörsaal saßen, dass Komprimisse Teil des parlementarischen Gesetzgebungsverfahren sind. Das hätte man Frau Barley doch vorher sagen müssen! Wer in einem Saal mit 1500 jungen, interessierten, potentiellen Wähler*innen der SPD für die Europawahl kein gefundenes Fressen sieht, mal endlich die großen und mitreißenden Visionen zu formulieren und heimlich in einer Semi-Öffentlichkeit sich stark von den Konservativen abzugrenzen, wird die SPD untergehen lassen. Wenn Frau Barley neben der flauschigen Worthülse des "sozialen Europas" auf die Frage, wie man die Institutionen der EU demokratisieren kann, nur das Initiativrecht für das Europaparlament einfällt, wird klar, hier fehlt der Adressatenbezug in einem vollen Hörsaal europabegeisterter Studierender. Stattdessen, verfiel sie ganz automatisch in den Kompromiss-Modus: Jetzt wo Artikel 13 da ist, wird es auch schon irgendwo ein paar Künstler und Autorinnnen geben, die doch einigermaßen mit ihren Interesssen vertreten werden mussten. Hoffentlich gibt es dann noch irgendwo jemanden, der die SPD wählen wird!

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hahewo 10.03.2019, 10:49
359. Die Mitmach-Partei SPD?

Nein, das nicht. Die SPD ist in ihren politischen Zielen beliebig geworden. Nahe am Rand zum Populismus. Was einst diese Partei stark machte, wurde seit der Regierung Schröder bis heute systematisch verbrannt und das nur, weil kein Sozi, wie Schröder, mehr arm sein wollte. Nach 15 Jahren erkennen die jetzigen Parteigrößen, dass diese Politik, auch vertreten in Koalitionen mit der SPD, nur die Reichen immer reicher macht. Nur sinnloses Steuergeld hinauswerfen, hilft da nur wenig. Die eigentliche Klientel der SPD sollte der noch arbeitende Mittelstand sein aber den hat die Partei schon lange verloren.

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