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S.P.O.N. - Die Mensch-Maschine: Deutschland, eine Belehrtenrepublik
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Katzen, Pornos, Verschwörungstheorien - es gibt viele Thesen darüber, worum es im Internet wirklich geht. Die jüngsten Diskussionen im Netz belegen einen sehr deutschen Kommunikationsantrieb: die Belehrung.

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Olligigagags 05.03.2015, 14:47
90. Diskussion vs.Kultur

Das Problem ( meiner unerheblichen, subjektiven Meinung nach) bei der sogenannten Diskussionskultur im Internet ist, dass es sich dabei sehr oft weder um Diskussion noch um Kultur handelt. Die Ursachen liegen neben vielem anderen, meiner unerheblichen subjektiven Meinung nach, auch darin, dass die Kunst des richtigen Streitens hierzulande einfach nicht mehr beherrscht wird. Statt zu argumentieren, wird entweder beleidigt, oder man greift zum gerade verfügbarem Halbwissen oder verbreitet seine Lieblingsverschwörungstheorie, und schon ist man mitten drin im Belehren.
Das Belehren an sich finde ich im übrigen gar nicht so schlimm,ich lasse mich auch gerne belehren, wenn ich dadurch zu neuen Einsichten gelange ( was ja auch Sinn und Zweck einer echten Diskussionskultur sein sollte) und wenn die Belehrung einigermaßen fundiert ist( obwohl wir alle potentiell dem von Rolf Dobelli beschriebenen systematischem Selbstüberschätzungseffekt der overconfidence unterliegen,an der im übrigen Experten noch mehr leiden als Laien).
Das Schwer Erträgliche der Internetdebatten ist nicht das Belehren an sich, sondern ( neben des Volkssports des Dauerskandalisierens, den auch Hans Leyendecker zu Recht kritisiert) die infantile und krankhafte Manie vieler Foristen, unbedingt und absolut das letzte Wort behalten zu dürfen, statt auch nur mal die geringste Bereitschaft von Ergebnisoffenheit zuzulassen.

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ClausWunderlich 05.03.2015, 14:50
91.

Zitat von KV491
Danke. Bin vollkommen Ihrer Meinung. Über Moderation wird immer gestritten werden und SPON hat hier das Hausrecht - also sei's drum. Aber warum ist .....
Ich meine das die Foren so wie sie sind an ihre Grenzen stoßen.
Und zu der neuen Forensoftware hier beim spon weiss ich auch nichts mehr zu sagen. Man wollte wohl was aufpeppen was schon für sich nicht zu verbessern ist.

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Bondurant 05.03.2015, 14:54
92. Ich glaube

Zitat von wiseguyno1
aber dann ergibt das doch gar keinen Sinn: Denn warum äußern Sie sich ......
Sie wollen mich auf den Arm nehmen. Trotzdem: Sie sagen's doch. Ich habe geschrieben, weil mir diese Lobosche Überheblichkeit, die nicht untypisch für das "linksliberale" Milieu ist, auf die Nerven geht. Und das musste mal gesagt werden.

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Dr. Kilad 05.03.2015, 14:55
93. Sehr interessanter Beitrag, aber..

Worin besteht der Unterschied zwischen Lehren (positiv gefasst z.B. an der Uni) und Belehren (negativ gefasst als reine Selbstdarstellung)? Bei beiden geht es um Kommunikation bzw. Kommunikationsverweigerung, Nur warum? Ich würde zumindest sagen, dass das Internet nur etwas zum Ausdruck bringt, was auch ohne Internet ein gesellschaftliches (also kein individuelles) Problem ist. Und merke: Auch dieser Kommentar lässt sich als Belehrung im Sinne von reiner Selbstversicherung interpretieren. Allerdings auch als "Kommunikation" ohne realen (greifbaren) Diskussionspartner oder fehlender Möglichkeiten für Diskussion im demokratischen Sinne.

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Svenner80 05.03.2015, 15:24
94. Meiner unerheblichen Meinung nach

Zitat von Olligigagags
Das Problem ( meiner unerheblichen, subjektiven Meinung nach) bei der sogenannten Diskussionskultur im Internet ist, dass es sich dabei sehr oft weder um Diskussion noch um Kultur handelt.
Meiner unerheblichen Meinung nach sind jegliche Diskussionen darüber, ob früher alles anders und besser war eben so sinnlos und eine Zeitvergeudung wie Artikel #7834 darüber, dass wir Deutschen mal wieder irgendwas falscher, uncooler und unlockerer machen als andere.

Ignorieren. Locker bleiben. Schreiben was man will, nicht so viele Gedanken machen. Bei SPON respektiert man die Meinung der anderen überwiegend, auf YouTube geht's dagegen zu wie nach 10 Bier und 3 Sekunden vor der nächsten Kneipenschlägerei.
So what?!

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Kamillo 05.03.2015, 15:35
95.

Zitat von stickstoffgruppe
meint Hr. Lobo, er müsse sich zu jedem Thema äussern- auch wenn er davon gar keine Ahnung hat? Impfungen sind tatsächlich "weltrelevant". Nur weil er da nichts zu sagen kann, sind nicht alle doof, die sich besser damit auskennen.
Lobo stellt nicht die Impfung als Solche in Frage, sondern bewertet die Art und Weise wie u.a. über dieses Thema diskutiert, nein, geflamt wird. U.a. bei diesem Themen prallen Welten aufeinander, wissenschaftlich Fundiertes auf Esotherik, letzteres besonders belehrend und alle Fakten ignorierend.

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IB_31 05.03.2015, 15:51
96. Naja

wer wie Herr Lobo gerade erst die
"Nokianisierung" der deutschen Autoindustrie beschwor
( als klassische Retro-Zeigerfingerbelehrung)
regt sich setzt über anderer Belehrer auf.

Da fällt mir doch glatt die Titanic ein:


Die Ich-Maschine

von Sascha Lobo

Was in der Debatte über die Zukunft des Internet oft vergessen wird: Es sind Menschen, die dem Internet sein Gesicht – manche sagen auch: seine Hackfresse – geben. Es sind dies nicht irgendwelche banalen 9-to-5-Menschen, sondern schrille, unangenehme Aufsteigertypen mit enorm dickem Fell und der Fähigkeit zu polarisieren, kurzum: Menschen wie ich.

In aktuellen Marketingkonzepten steht der Mensch im Mittelpunkt – nicht das Tier, nicht die Maschine. Oder würden Sie diesen Text hier lesen wollen, wenn er von einer Maschine geschrieben worden wäre? Natürlich nicht! Piep tüüt krr-krr-krr! Sie lesen ihn, weil er von einem Menschen geschrieben wurde – einem Menschen mit Fehlern und Schwächen, zum Teil sogar erheblichen Schwächen, z.B. im Schreiben von Romanen. Aber auch sonst im Schreiben – krrrrkkk! Brizzel-brizzel!

Als Mensch habe ich Gefühle wie jeder andere Mensch auch: Selbstliebe, Gefallsucht, Haß. Knorz! Knirsch! Knatter! Denn unter meiner rauhen, stacheligen Schale bin ich verletzlich und sensibel, mag zum Beispiel gar nicht, wenn mein Marktwert, meine Marke, meine lukrative Stellung als Paradiesvogel der Bloggerszene beschädigt werden. Ratter ratter ratter! Von daher bin ich schon etwas beleidigt, wenn man mir draußen in den Blogs das Menschsein abspricht, mich als seelenlose Marketingmaschine mit Arschfrisur beschimpft. Quietsch jaul tüüüüüüt! Meinen Kritikern sage ich: Geht halt etwas heiterer, leichter, verspielter mit mir um, so wie ich selber auch! Es ist doch auf Erden sowieso alles ganz eitel (Prediger, 1.2), alles nur Twitter und Tand. Fiep-fiep surr! Ich meine es doch zum Teil auch alles gar nicht so, muß es bloß hinschreiben, weil man mich dafür bezahlt! Genau wie der rote Iro – ist doch nur ein postmoderner Witz bzw. geldwerter Markenkern!

Apropos: Kaufen Sie bitte schnell meinen im September erschienenen Debütroman. Denn jetzt ist er noch 18,95€ wert. Schon in wenigen Wochen aber wird er in großen Mengen auf die Grabbeltische der Republik geschüttet – ja, da hat der Verlag vielleicht meine Popularität ein bißchen überschätzt –, dann ist er nur noch 2,99€ wert. Danke. Ende. Krrrrk krrrk krrrk.

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praktisch 05.03.2015, 16:04
97. Belehrtenrepublik?

Ich lese gern gute Kommentare und freue mich, wenn ich im Netz auf Gleichgesinnte treffe. Manchem "Rededuell", dem ein Link beigefügt war, bin ich gefolgt und habe so auch Literatur-Tipps bekommen. Ätzend finde ich nur dümmliche Beiträge, über die nach meiner Einschätzung nur der Verfasser selbst gelacht hat.

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Reza Rosenbaum 05.03.2015, 16:19
98. Am Stammtisch nicht anders...

Wann gibt es denn ueberhaupt schon mal Diskussionen, in denen jemand von seinem Standpunkt abrueckt und irgendwas einsieht? Am Stammtisch gibt es das genausowenig wie im Netz. Nur sind die Leute dort gehemmter, ihren Hohn oder Spott zu artikulieren, denn die reale Faust kann durchaus weh tun, die virtuelle kann man abschalten oder wegklicken. Die Frage ist also eher, warum sind wir so verquast, so von unserem Weltbild ueberzeugt? Warum denkt jeder, dass wenn die Welt nur nach seinen Regeln tanzen wuerde, alles so viel besser waere, und versteht nicht, dass fast alle anderen genauso denken?
Ich glaube, es liegt darin, dass gerade die Deutschen eine grosse Ehrfurcht vor dem geschriebenen Wort haben. Frueher konnte man sich darauf verlassen, was in Buechern oder in der Presse stand, ein Verbotsschild hat in Deutschland wesentlich mehr Autoritaet als in anderen Laendern, usw. Seit jeder Seppel seinen Quark im Netz abladen kann finden sich dementsprechend auch genuegend Leute in D, die diesen Quark glauben, weil es ja "geschrieben" steht. Muss also was dran sein. Und weil man fuer die meisten Dinge im Leben weder am Stammtisch noch im Netz den Beweis erbringen kann, laesst sich dann herzhaft jahrelang streiten.

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Bundeskanzler20XX 05.03.2015, 16:33
99. Wo ist das Problem

Das Internet ist unpersönlich, dadurch fallen Hemmschwellen, der größte Feind einer sachlichen Diskussion.
Das Thema spielt allerdings auch eine Rolle, so sind ideologische Themen viel schwieriger als Themen der Mathematik oder Physik.

Solange jemand gut argumentiertes, richtiges Wissen verbreitet finde ich das nicht schlimm.
Schlimm ist es dagegen wenn man es mit Leuten zu tun hat die ihr Fehlwissen auf Gedei und Verderb verteidigen und sich selbst durch die besten Argumente nicht eines besseren belehren lassen.

Wichtig ist es grundsätzlich egal worum es geht fair zu bleiben, freundlich und ggf. auch einfach mal aufgeben wenn die Gegenseite auf ihrer Meinung beharrt.

Die Frage, die ich mir stelle ist allerdings, wer definiert einen Besserwisser? In der Regel doch immer von der Gegenseite, also den Unwissenden ;o) Ist es also Neid gegenüber eines gebildeten Menschen? Wollen die Dummen lieber dumm bleiben?
Wenn ich mit Freunden diskutiere, kommen wir oft zu dem Punkt, wo wir Fakten schaffen müssen. Wo ist das Problem? Gut ich sitze oft auf der Siegerseite was es wesendlich leichter macht, aber auch wenn ich im Unrecht bin, so habe ich doch dann die Möglichkeit mein Wissen zu korregieren.

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