Forum: Netzwelt
S.P.O.N. - Die Mensch-Maschine: Verzweiflung macht aggressiv

Im Ringen ums Urheberrecht kämpft die Unterhaltungsbranche zunehmend verzweifelt gegen das Netz selbst. Dabei wäre es in jedermanns Interesse, wenn online kräftig Geld verdient würde mit Filmen, Musik, Büchern.

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leserbriefschreiber 01.02.2012, 10:17
50. Schlecht? Nur für Verlage und Plattenfirmen...

Zitat von Oi!Olli
Die Enteignung der Kreativen fand dich schon vorher statt. Frag mal die kleineren Musiker die bei einem großen Label unter Vertrag sind was sie verdienen dann wirst weinen...
Das kann ich nur bestätigen. Ich erinnere mich mit Grausen an die Zeiten, in denen freien Journalisten von den Verlagen Verträge aufgezwungen wurden, die ohne jegliche Aufbesserung des sowieso schon mickrigen Honorars dem Verlag das Recht zubilligten, die Texte online nochmals zu verwerten und an andere Verlage weiterzuverkaufen. Natürlich ohne finanzielle Beteiligung des Freien.

Ähnlich sieht es bei Buchverträgen aus. Wer 10 Prozent (bei Taschenbüchern 6 Prozent) vom Ladenpreis als Autorenhonorar bekommt, ist schon privilegiert. Und der Verlag sichert sich den überwiegenden Anteil der Erträge aus Weiterverwertungen wie E-Book, Hörbuch etc. gleich mit. Auf der anderen Seite zahlt z.B. Amazon 70 Prozent für Kindle-Veröffentlichungen, und der Autor behält alle Rechte. Böses Internet?

Das für Verlage und Plattenfirmen wirklich Gefährliche am Internet ist, dass sie für Autoren und Musiker langfristig überflüssig werden. Was Autoren in Zeiten von Web 2.0 brauchen, ist kein Verlag oder Label mit Knebelverträgen, sondern effiziente Dienstleister für Vermarktung, Produktion, PR, Lektorat etc. – schließlich kaufe ich kein Album, weil es bei Sony veröffentlicht wurde, sondern weil mir die Musik gefällt.

Bezeichnend ist, dass die Angriffe auf das Internet nur selten von den Kreativen selbst kommen, sondern hauptsächlich von denen, die sich auf deren Kosten bislang die Taschen gefüllt haben.

Natürlich halte ich es für wichtig, dass die Urheberrechte respektiert werden. Aber ich halte die Chancen, die das Internet für Kreative mit sich bringt, für weitaus größer als das Risiko des Urheberrechtsdiebstahls.

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erwachsener 01.02.2012, 10:27
51. doch...

Zitat von Nibbla
aber der größe unterschied ist eben dass es keine Kosten verursacht zu kopieren. Darum regen sich viele auch um den Begriff RAUB-Kopie auf, weil niemand ausgeraubt worden ist.
Doch, es wurde jemand ausgeraubt. Nur auf andere Weise: jede Raubkopie ist geeignet, den Gewinn des Rechteinhabers zu schmälern. Zwar ist ein nicht gemachter Gewinn nicht das gleiche wie ein Verlust (weil spekulativ), und nicht jeder, der sich eine Raubkopie verschafft, würde auch Geld für eine legale Kopie ausgeben. Die Höhe des Schadens ist daher nicht einfach zu beziffern.

Aber wenn man hundert Millionen Dollar für die Produktion eines Blockbuster-Films ausgegeben hat, dann will man diese Investition schützen, damit man mit den Einnahmen legitimerweise seine Ausgaben kompensieren kann. Und damit man einen Gewinn macht, mit dem man all die kommerziellen Flops quersubventioniert, die man außerdem noch produziert hat. Wenn keine Eintrittskarten und keine DVDs mehr gekauft werden, funktioniert das nunmal nicht. Dann gibt es irgendwann nur noch olle Kamellen zum download. (Gibt es eigentlich statistike darüber, bei megaupload oder kino.to oder so am liebsten runtergeladen wurde? Blockbuster oder Kunstkino?)

Der begriff "Copyright" ist übrigens noch älter als alles, was hier bislang zitiert wurde. Er stammt aus der Zeit, als man bei der königlichen Zensurbehörde um Erlaubnis für das Erstellen von Kopien fragen mußte (hätte ja umstürzlerisch sein können). "Copyright" meint zunächst nur das: das Recht, eine Kopie zu machen.
Zu Shakespeares Zeiten funktionierte das so: wer sich ein Manuskript zuerst registrieren und ein copyright erteilen ließ, der durfte es - als einziger - kopieren und verkaufen. Unabhängig davon, ob er es geschrieben oder geklaut hatte. Deswegen bekamen die Schauspieler nur die Texte ausgehändigt, die sie selbst zu sprechen hatten - damit keiner das komplette Werk in Händen hatte.

Denn wenn man sich die Arbeit macht, ein Stück zu schreiben oder einen Film zu drehen oder eine Platte aufzunehmen, dann ist man zu recht sauer, wenn andere damit Geld verdienen und man selbst nicht. Ebenso wenn andere das Produkt überall verschenken, und es deswegen nicht mehr verkäuflich ist.

Am besten selber mal was schützenswertes schaffen und sich dann von anderen die Butter vom Brot nehmen lassen.

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mm71 01.02.2012, 10:50
52. titel

Zitat von leserbriefschreiber
Bezeichnend ist, dass die Angriffe auf das Internet nur selten von den Kreativen selbst kommen, sondern hauptsächlich von denen, die sich auf deren Kosten bislang die Taschen gefüllt haben.
Wer seine Kunst kostenlos verteilen möchte, kann das längst problemlos tun. Niemand hindert ihn daran. Wenn also ein Künstler den Weg über ein Label wählt, wird er dafür seine guten Gründe haben, ob Sie das nun nachvollziehen können oder nicht. Wer sind Sie, dass Sie anderen vorschreiben wollen, was sie tun sollen? Ihnen steht unendlich viel legal kostenfreie Musik, Filme und Bücher zur Verfügung. Warum reicht Ihnen das nicht? Warum verlangen Sie, dass andere unbezahlt für Sie arbeiten? Werden Sie heute nachmittag kostenlos ein wenig bei mir im Garten arbeiten? Verliert ja auch niemand etwas dabei, im Gegenteil, Sie sind an der frischen Luft im Grünen und ich kriege den Garten gemacht... also: Auf geht's!

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BkyThatcher 01.02.2012, 11:14
53. Umsonst ist nicht nur der Tod

Mir hat der Artikel von S.L. gut gefallen, weil er den Kapitalismus als janusköpfig beschreibt. Meine beruflichen Erfahrungen mit dem Internet reichen bis in die
frühen 80er Jahre zurück. Das Internet ist heute für viele Nutzer der Inbegriff von Freiheit, die es gilt gegen Kapitalinteressen, die das Internet in
seiner Offenheit beschränken wollen, zu verteidigen. An der Geschichte des Internets lässt sich m.E. sehr gut eine Entwicklung aufzeigen, die auch sehr viele
Parallelen zur Entwicklung ganzer Staaten aufweist. Vielleicht sollte man in dieser Richtung weiter schreiben, um das Internet so zu erhalten, wie viele Menschen
es haben wollen: ein freies, offenes Netz mit dem sich unter anderem auch Geld verdienen lässt. Denn würden plötzlich alle Entwickler, die Anwendungen für das Internet programmiert haben auf ihr Urheberrecht pochen, dann würde der Zugang so teuer werden, dass es sich nur wenige leisten könnten. Aber das machen diese guten Menschen zum Glück nicht.

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leserbriefschreiber 01.02.2012, 11:17
54.

Zitat von mm71
Wer seine Kunst kostenlos verteilen möchte, kann das längst problemlos tun...Warum verlangen Sie, dass andere unbezahlt für Sie arbeiten?
Na, da haben Sie mich aber gründlich missverstanden. Ich sehe das Internet als hervorragende Vermarktungsplattform für Kreative, wo sie mit ihren Werke Geld verdienen können. Ich zahle gerne für Musik, die mir gefällt. Und noch gerner zahle ich, wenn das Geld ungeschmälert beim Künstler ankommt und nicht von einem Plattenboss eingesteckt wird, der dann nach Gutdünken die Almosen an seine Musikschaffenden verteilt. Im übrigen zahle ich auch für E-Books und Filme, falls Sie diese Frage noch umtreiben sollte. Ich spende sogar an Wikipedia und an Anbieter von Open-Source-Software :-)

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c++ 01.02.2012, 11:45
55. .

Zitat von aintnostyle
das ist ja die krux. bei amazon (z.b.) wollte ich mir letztens ein ebook laden und habe festgestellt das die printversion um 5€ günstiger war.
Hinzu kommt, dass man ein ebook mit DRM Schutz nicht verkaufen kann, noch nicht einmal verschenken

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mr.ious 01.02.2012, 12:04
56.

Zitat von leserbriefschreiber
Na, da haben Sie mich aber gründlich missverstanden. Ich sehe das Internet als hervorragende Vermarktungsplattform für Kreative,.....
Für mich als Leser ihrer Diskssion sehe ich da kein Missverstehen sondern einen ünerklärlichen Gedankensprung in die unterbezahlte oder gar unbezahlte Gartenarbeit. Vermutlich ein Akt des schlechten Gewissens, dieser Gedankensprung.;)
Hat auf alle Fälle sehr, sehr wenig mit dem Thema zu tun.
Wieso ignorieren hier eigentlich so viele das Publikum als solches ?

Nimmt man einen echten Bootleg im klassischen Verständnis, ist damit alles wesentliche beschrieben. Das Internet ändert daran nicht irgendwas. Also, vervielfältigt jemand ein fremdes Stück, nutz das ja nicht irgendwas in Sachen Erfolg wenn es kein Nachfrage gibt.

Also erst mal muß sowieso über Rechteverwerter ein Erfolg da sein.
Ein völlig erfolgloses Stück unrechtmäßig zu vervielfältigen ist schlicht blöd und sowas praktisch via Internet zu ermöglichen, das ist ja an sich der einzige technische Unterschied diese "Fremdvervielfältigung" zu ermöglichen, erhöht oder befördert doch nicht die tasächliche Nachfrage. Vermutlich gibt es aus Neugier mehr Leute die etwas darüber erfahren oder sonstwie anklicken.
Fakt ist aber das erst mal der Kopierschutz ausgehebelt oder entfernt werden muß und das ist schlicht verboten.
Das sagt aber wiederum nichts über die Nachfrage aus. Die bestimmt der Geschmack und die Laune des Publikums.

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hannohonk 01.02.2012, 13:33
57. ...

Zitat von sysop
Denn es ist völlig legitim und wünschenswert, mit Inhalten Geld zu verdienen. Illegitim ist es nur, zu diesem Zweck die Abschaffung des freien und offenen Internet herbeiführen zu wollen./0,1518,812381,00.html[/url]
Scheint mir aber ein Widerspruch zu sein, solange sich die Rechteverwertungsindustrie weiterhin auf ihre analogen Geschäftsmodelle aus Zeiten von Büchern, Schallplatten, CD's oder DVD's stützt. Jeden Content nur personalisiert-exklusiv vermarkten zu wollen geht mit dem Internet eben nicht, das liegt in der Natur der Sache. Ging ja auch offline nicht, ich kenne noch Leute die ein riesiges, "raubkopiertes" Tonbandarchiv hatten. Habe selbst vor nicht allzu langer Zeit Säckeweise MC's weggeschmissen. Im Gegensatz zu den "offline-Raubkopien" bietet das ganze online wenigstens noch die Perspektive alternativ Geld damit zu verdienen, z.B. durch Werbung, etc.

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twellb 01.02.2012, 13:46
58. Still Going Strong...

Der Kolumnist ist in diesem Punkt einfach zu pessimistisch und zu sehr festgelegt auf seine Perspektiven.
Vollkommen egal, ob ein Geschäft gemacht wird, es ist der Verlust an Kontrolle über Information, der die Bedeutung eines Mediums beschreibt. Denn hier läßt sich das Rad nicht zurückdrehen: China ist mit seinem grossen Wall gescheitert, nur Nordkorea kann ohne das Netz leben, aber unter welchen Prämissen?

Die Strassen können, einmal gebaut, nicht mehr die Mobilität einschränken, Zollschranken können es - gleiches gilt bei Telefon, Telegraphen, Radio, TV und Internet.

Das Netz wird zum Allgemeingut gehören, weil es einen Wettbewerbsnachteil darstellt, wenn es abgeschaltet wird - aber solange es läuft, bietet es ununterdrückbare Vorteile.

Die derzeitigen Diskussionen um das Urheberrecht drehen sich um verlorene Tantiemen, nicht um die geistige Höhe der zu schützenden Leistungen - ein Massstab, so drollig, dass er auf Dauer nicht aufrecht zu halten ist. Die Forschung wird eingeschränkt, aber Madonna macht 50 Millionen mit tralala ? Ich vertraue auf den gleichen Fortschrittstrieb, der das Zunftwesen abschaffte und den Adel daran hinderte, zum gesellschaftlichen Klumpfuß zu werden.

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devilsown 01.02.2012, 14:15
59. Die Labels haben kaum Optionen im Netz

Wichtig ist zu wissen ist, dass es nur 4 große Major-Lables gibt, dass der starke Konkurenzkampf also nicht wirklich besteht.
Die Musikpromo der großen Künstler im Netz beschränkt sich fast ausschließlich auf Youtube, MySpace, Facebook und Twitter. Wenn man schaut, wer dort aktiv ist, dann sind es immer die Künstler selbst. Sogar die Videos auf Youtube sind nicht für diese Plattform gemacht, sondern in ihrer eigenlichen Verwendung für das TV (M-TV, VIVA) bestimmt.

Der Grund ist einfach:
Für die Plattenlables gibt es kein Geschäft im Netz, dafür aber die Option viel Konkurenz zu erhalten. Die Aufgaben, welche die großen Labels im RL erfüllen, lassen sich nicht ins Netz übertragen, zu viel ist schlicht überflüssig. Daraus folgt -> die Lables würden mit der Zeit überflüssig werden.
Warum geht man als Musiker zu Soni? Weil man darüber Zuganz zum großen Konsumentenmarkt erhält, weil man einen Werber bekommt.

Hätte Justin Bieber bereits in einer Zeit gelebt, in der die Musik hauptsächlich über das Netz verkauft worden wäre, hätte er beim 100.000 Youtube-Kick sicher die Idee bekommen, seine Musik auch bei Großer-MP3-Store.com für 0,59$ anzubieten (5 Cent für den Store, Rest für Justin, einfach hochladen). Bei 2 Millionen Video-Klicks und der Annahme, dass 10% kaufen, hätte er in wenigen Monaten über 100.000$ verdient.

...und dann kommt ein Label zu ihm: "Hey Justin, wir können dich berühmt und reich machen!"
Na? Fällt da jemandem was auf?

Im RL sind es die Labels, die entscheiden, welche Musik DU hörst, im Netz bist Du es, der entscheidet! Das ist der Unterschied!

Aus Sicht der Labels gibt es nur eine Möglichkeit (selbst dann wenn illegale Downloads nicht mehr möglich wären) für die Zukunft des Internets: Abschalten!

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