Forum: Netzwelt
S.P.O.N. - Die Mensch-Maschine: Wenn Surfer auf der Datenautobahn brausen

Wir surfen im Internet, weil es für diese*neue Technik keine besseren Begriffe gibt:*Metaphern erschließen uns die digitale Welt - doch die scheinbar*harmlosen Formulierungen suggerieren eine Wohlfühlwirklichkeit,* die es gar nicht gibt, warnt Sascha Lobo.

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hiredbrain@web.de 27.10.2011, 09:18
20. ...

vielleicht sollte herr lobo sich erst einmal mit den grundzügen der sprachwissenschaft befassen, bevor er einerseits in seinen kolumnen in die selben pseudo-wissenschaftlich-angehauchten phrasen verfällt, die er andererseits kritisiert. dann würde er beispielsweise merken, dass es sich bei seinen "begriffen" in wirklichkeit um "ausdrücke" handelt und dass - wie es die kognitive linguistik vor jahren bewiesen hat - metaphern eben gerade nicht nur sprachliche zierde sind, sondern dass sie gerade die sprachliche realisierung von kognitiven denkmodellen sind und wir mit ihnen versprachlichen, wie wir die welt wahrnehmen und kategorisieren.

egal ob wir zeit als strecke messen; eine beziehung/das leben als eine reise, in der man ab und zu getrennte wege geht; oder man vor wut kocht - alles ist metapher, die sprachliche umsetzung offenbart das gedankliche konzept, das dahinter steht und eben nicht nur ein sprachliches stilmittel.

lobos "warnung" im letzten satz, metaphern nicht als denkmodell zu nutzen, ist insofern unsinn, als genau das die hauptfunktion von konzeptuellen metaphern ist. und es schon immer gewesen ist.

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Erich91 27.10.2011, 09:26
21. Gott sei Dank, Sascha

das es dich gibt, sonst hätte ich womöglicherweise einen schweren Datenunfall auf deiner Datenautobahn gehabt.

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cmprima 27.10.2011, 10:34
22. "surfen" oder "schnorcheln und tauchen"?

Lieber Sascha Lobo,
"surfen" im Internet gefällt mir sehr gut als Begriff für die oberflächliche Nutzung des Netzes. Wirklich tief dringt da kaum jemand ein.
Für unseren Internetverein, der den Anspruch hat tiefer in die Materie einzudringen, haben wir vor Jahren einen neuen Slogan erfunden:

"Wir surfen nicht im Internet. Wir schnorcheln und tauchen!"
Da gibt es auch ein nettes Poster zu:
http://www.dialog.prima.de/werbung1.gif

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femtom1nd 27.10.2011, 15:07
23. ...

Wenn die Buchstabensuppe dem Meta-Programmierer den Iterator klaut.
Hat Logos, in den Tiefen fischend,
dabei sich selber zu erfrischen,
mit Elocutio, Sinn und Ethos fast verwischend,
um als Orator, Pathos aufzutischen,
dass dargeboten Fleisch erst halb verdaut.
Drum wieder über eigen Schulter er sich schaut.


femtom1nd, 27.10.2011

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Ganz Rom? 27.10.2011, 15:11
24. Herbstlegenden

Zitat von libertarian
Ich weiss nicht, wo ich mir da was anschauen soll. Normalerweise lohnt es sich nicht, sich die Quellen von solchen grammatikalsich verunglueckten Zitaten anzusehen, wenn man als "Faschist" bezeichnet wird. Aber vielleicht wissen Sie ja noch was, was ich nicht weiss, dann guck ich mir das fehlende Link gerne mal an. [exit]
Nein, über das missing link und Ostküstenslang im Allgemeinen möchte ich nicht mit ihnen diskutieren, auch nicht bei einer Tasse Tee. Das bringt ja nichts. Aber sie können sich eine Verknüpfung(hihi) zu den Großstadtlegenden gern mal anschauen und dann dorthin brausen: http://www.economist.com/blogs/daily...uality-america

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Mr.Hill 27.10.2011, 15:11
25. Unglaublich

Viel geredet und nix gesagt...
(und ja ich weiss, er hat eigentlich geschrieben)

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fraumüller 27.10.2011, 15:39
26. Metaphern sind geil!

Wie einer meiner Vorredner, von mir aus auch Vorschreiber, bereits verdeutlicht hat, ist ja das zur Metapher führende Gedankenbild zuerst da; dann erst die Verbreitung jener Metapher in die Öffentlichkeit. Und die erfolgreiche Verbreitung der Metapher kommt ja auch nur voran, wenn sie von möglichst vielen Menschen als stimmig empfunden wird.
KLar, wenn ich da also mit mit meinem Surf(Key)board zwischen den Wellen (links, URLs) treibe und mir die geeignetste Aussuche um eine Weile auf ihr zu surfen (lesen, gucken, spielen), dann drängt sich der Vergleich schon auf.

Da steckt keine große Politik hinter, auch keine Sozialkritik. Das ist praktische Benutzung von Sprache, um sinnliche Eindrücke kurz und bündig zu veranschaulichen.
So, die Welle dieses Forums ist am Strand gebrochen, deshalb jetzt schnell wieder rausgepaddelt und eine neue gesucht, um meine Surf Safari fortzusetzen.

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Bundeskanzler20XX 27.10.2011, 15:53
27. Das böse Internet

Toller Text.
Ja, das Internet ist böse, aber dank der Metaphern vergessen wir das ganz schnell und sehen nurnoch das gute.
Das Internet ist bislang das einzige Medium in dem jeder sprechen darf und keinem der Mund verboten wird.

Das es dabei auch zu einer großen Ansammlung von Metaphern
kommt ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Ohne große Reglementierung konnte sich der gemeine Bürger dank dem Internet frei entfalten.
Für den Machterhalt der "oberen 10%" kann das natürlich große Gefahr bedeuten.
Der arabische Frühling hat ihnen klar gemacht, das das Internet das Potential besitzt absolut alles zu verändern.

Das Gerade aus diesem Bereich eine stärkere Kontrolle verlangt wird ist nur verständlich.

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caecilia_metella 27.10.2011, 17:22
28. Sprache ist Macht

Ja, genau. Also... Ich gehöre nicht zu denen, die sich nicht darüber freuen können, wenn eine 2000 Jahre alte Erkenntnis wieder einmal neu erkannt wird. Nein, es vermittelt Hoffnung.

Johannes 1: "JM anfang war das Wort* / Vnd das wort war bey Gott** / vnd Gott war das Wort."

"Als Erstes war das Wort* da. Es war mit Gott** ganz eng verbunden, ja, es war sogar selbst Gott."

"Zu Anfang war das Wort*, und das Wort war zu Gott** [hingewandt], und [wie] Gott war das Wort."

"Am Anfang war die Weisheit* und die Weisheit war bei Gott** und die Weisheit war wie Gott."

* logos
** theos

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Kulturoptimist 27.10.2011, 17:45
29. Ei und Henne

Zitat von fraumüller
Wie einer meiner Vorredner, von mir aus auch Vorschreiber, bereits verdeutlicht hat, ist ja das zur Metapher führende Gedankenbild zuerst da;
Das weiß Lobo und das ist auch nicht sein Problem, wie er zum Schluss seines Textes auch ausführt!

Das Problem mit den Metaphern besteht darin, dass man Politikern, meist cholerische Menschen ohne viel Sinn für Detail aber gute Kommunizierer, diese Metaphern andient, um ihnen ein grobes, verkürztes Verständnis anzudienen.

Die Netzsperren sind ein exzellentes Beispiel! Der Wunsch, aktiv zu werden, ist bei fast allen da und groß, weil es ja um abscheuliche Verbrechen geht.
Die meisten Menschen benutzen im Internet nur Email und WWW.

Und so glauben sie, dass Pädophile auf www.wasschweinisches.de gehen und dort ihre Bilder herunterladen.

Es ist eingängig, einfach und gut präsentabel, mit der Metapher ein Stoppschild im Internet zu fordern.

Leider ist die tatsächliche Wahrheit, dass diese Sperren aus verschiedenen Gründen nichts taugen und zeitgleich ein gefährliches Instrument zur Zensur sind, nur mit etwas Verständnis zugänglich, komplizierter und nicht so gut vorstellbar wie das plumpe Stoppschild, was jeder kennt.

Das ist das Gefährliche an einer Metaphern.

Dass so etwas ständig passiert, kann man übrigens schön veranschaulicht bekommen, wenn man einmal den Namen "Axel E. Fischer" googelt.

Als er "Vermummungsverbot im Internet" für Blogger forderte, ähnlich unwissend angewandte Metapher, brach eine Flut aus Häme über ihn herein.

Erschreckt hat mich vor allem, dass man bei vielem davon mittlerweile sehen kann, dass so etwas tatsächlich gefordert wird!

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