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Rechte und Rechtsextreme schreiben mit Zorn und Eifer das Internet voll - doch ungeübten Lesern könnte es schwerfallen, sie auch zu verstehen. Kolumnist Sascha Lobo erklärt die wichtigsten Vokabeln.

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Benefranz2 01.08.2018, 22:59
180. @mucschwabe 175: guter Kommentar

Ich kenne eine ähnliche Geschichte, aber von der anderen Perspektive. Mein Großvater war zunächst im Arbeitslager und dann auf einem Bauernhof, wo er menschlich behandelt wurde, soweit man Zwangsarbeit menschlich nennen kann. Er hat uns zwei Sachen gelehrt: 1) Man sollte den deutschen keine Pauschalschuld geben. 2) Der Grund, wieso er aus dem Arbeitslager rauskam, war sein Aussehen (blond und blauäugig). Andere wie die Roma hatten aber nicht so viel Glück. Meine Lehre und Verantwortung daraus: in meiner alten Heimat spreche ich offen und ehrlich an, dass die Diskriminierung der Roma „menschenverachtender Rassismus“ ist. Das gefällt zwar nicht jedem, ist aber meine Pflicht, damit sich Geschichte nicht wiederholt. Auch nicht im Kleinen. Und ich bin Albaner und weit entfernt, Schuldkult zu betreiben.

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anark 01.08.2018, 23:03
181.

Wunderbar, bitte weitermachen. Vielleicht könnte daraus mal ein Nachfolgewerk der LTI von Victor Klemperer entstehen. Wie erwartet haben sich schon einige getroffene Hunde bellend gemeldet.

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jpphdec 01.08.2018, 23:32
182. Wo bleibt die Gegenkolummne?

Mit dem Linksglossar? Am liebsten mit den ganzen Begriffen auf -ende.
Ich dachte bisher auch immer, Herr Lobo sei so eine Art Netzbürger, kann also unterstellen, daß ihm die klassischen argumentativen Showstopper in Netzdiskussionen bekannt sind. Dennoch räumt er fröhlich so ziemlich jede dankbare Form der Fehlargumentation in seiner (im übrigen äußerst amüsant) zu lesenden Aufstellung ab, angefangen damit, daß politische Einordnungen in zweidimensionale Rechts-Links Schemata, schon zu Zeiten ihrer Entstehung vor über 200 Jahren, auch direkt schon wieder überholt waren. Das wäre absolut zulässig, oder sogar stilistisch erwünscht, wenn es sich denn um Satire handeln würde. Vielleicht hätte man diese mit einer Einleitung wie: "Rechts ist zunächst jeder, der nicht links des Großen Vorsitzenden Mao steht/sitzt. (Bei Volkskongressen wird doch immer viel gestanden und applaudiert?)" deutlicher kenntlich machen können.
Ach und bevor ich's vergesse, "Faschist" und "Nazi" sind zwar streckenweise deckungsgleich aber eben nur streckenweise. Ein Kennzeichen des Faschismus ist es übrigens, den politischen Gegner (mund-)tot zu machen in dem man ihm in ersten Schritten seine Diskursfähigkeit und ihm späteren Verlauf seine Menschlichkeit an sich abspricht. Zitate: "wer da wie[?]" - "Subkultur" - "Verschwörungstheorien" - "Denkuniversen".
Dazu sei noch gesagt, der intellektuelle Rechte von Welt ist mittlerweile weit vom Stammtischniveau von Begriffen wie "political correctness" entfernt, während die Linke Ihre "safe spaces" eskaliert spricht vorgenannter mittlerweile vornehm von "cultural marxism" was in etwa die begriffliche Zwischenstufe zum "Linksfaschismus" (womit sich der Kreis zurück an den Stammtisch schließt) sein dürfte.

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Jochen Kauz 02.08.2018, 00:07
183.

Zitat von mucschwabe
Aber Verantwortung, dass sowas wie im Dritten Reich in Deutschland, so lange ich lebe, nicht wieder passiert, empfinde ich sehr sehr stark!
Was soll man dazu sagen, außer
+1
Exakt das ist es um was es geht. Es ist egal wer hier eine Mehrheit ist, oder sich als Mehrheit fühlt.. immer und wirklich immer sollte die Stimme erhoben werden, wenn es um genau diese Verantwortung geht. Niemals wieder sollte es diese menschenverachtenden Taten geben, weder irgendwo in der Welt, noch hier, insbesondere hier.
Diese Verantwortung sollte Ansporn sein Rassismus, auch den unterschwelligen, zu benennen und offen zu legen. Nichts anderes hat Sascha Lobo getan und dafür gebührt ihm Respekt.
Wenn ich hier die Kommentare von so manchen Foristen lese, dann liegt er in seinen Analysen zu diesem Thema sehr richtig, Ablenkung gilt nicht, Ausweichen gilt nicht und Relativieren auch nicht, es muss benannt werden als das was es ist.
Was immer wieder vergessen wird, auch von Foristen, ist das Rassismus kein reines Thema nur von Rechts ist, auch Links kann das durchaus auftreten.
Das Eintreten für die ersten 10 Artikel des Grundgesetzes ist nicht Links, oder was auch immer, es ist eine humanistische Einstellung. Alleine das man dafür in eine Linke Ecke gestellt wird ist schon Aussage genug über denjenigen der das äußert.

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Meckerameise 02.08.2018, 00:13
184.

Zitat von manipulation43
Peinlich, wie SPON den Diskurs mit unzählichen Kommentaren ins lächerliche zieht und sich dann im nächsten Artikel wundert, dass die Gesellschaft zunehmend gespalten ist.
Lobo zieht das alles nicht ins Lächerliche, er enttarnt die Lächerlichkeit doch nur. Schonungslos und ehrlich erklärt, mit welchen Tarnbegriffen rechtes Gut heute versteckt wird. Wenn es so viele gibt, die sich diesem Gedankengut so bereitwillig unterwerfen, frage ich mich, ob es eine entsprechende Spaltung der Gesellschaft nicht längst schon gegeben hat und sich jetzt einfach immer offener zeigt.

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Jamesteakirk 02.08.2018, 00:24
185. Schuldkult

Sascha Lobo hat einmal mehr bewiesen, wie geistig schlicht er ist. Das ist Demagogie pur.

Beispiel "Schuldkult": Ohne Schuldkult keine Asylinflation. Wer diesen offensichtlichen Zusammenhang leugnet, dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Zum Schuldkult gehört die inflationäre Verwendung des Begriffes Nazi. Zum Schuldkult gehört bspw. auch die jahrzehntelange Selbstbezichtigung in bezug auf den Ersten Weltkrieg (Alleinschuld) oder in bezug auf den Krieg gegen die Herero in Deutsch-Südwest (genozidal, deutscher Sonderweg, Vorwegnahme des Holocaust).

Alles Bullshit, wie man heute weiß. Siehe hierzu einen guten Artikel von Bartholomäus Grill im "Spiegel" 2016, "Gewisse Ungewissheiten". Ein Artikel übrigens, den ich so im "Spiegel" nicht mehr für möglich gehalten hätte, da er gezielt linke Ideologie hinterfragt.

Nun ja. Mir ist eher bange um unser Land. Wenn die politische Linke weiter im Sandkasten spielt, verheißt das nichts Gutes. Werdet endlich erwachsen. Dann kriegt Ihr auch wieder meine und vieler anderer Stimme, um der Marktwirtschaft humane Grenzen aufzuerlegen. Dafür seid Ihr da. Nicht für Gender-Sternchen, nicht für imaginierte, kultisch angebetete "Frauenbenachteiligungen" oder die unmögliche "Integration" von Menschen aus vormodernen Kulturkreisen.

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Tante_Frieda 02.08.2018, 01:03
186. Wörterbuch

Ein interessanter Artikel,dieses "Wörtebuch".Mir fallen zu dem von Sascha Lobo erwähnten Satz vieler Rechter "Was hätte man mit den X Milliarden für Flüchtlinge alles für deutsche Obdachlose tun können?" die vielen Leserbriefe zum Thema in der "Frankfurter Allgemeinen",der "Welt" und anderen konservativen Blättern ein,die voll von verlogener Heuchelei sind.Ob deutsche Obdachlose oder deutsche Arme,die sich die Mieten nicht mehr leisten können - seit es eine größere Anzahl syrischer Flüchtlinge hierzulande gibt,entdecken FAZ-Leser plötzlich ihr Herz für die deutschen Unterprivilegierten.Vor 2015 wurde von diesen Lesern sozialer Wohnungsbau immer nur als "Sozialismus" gebrandmarkt,den es gefälligst zu bekämfen gelte.Was mit deutschen Armen und Obdachlosen passiert,war FAZ-Lesern schlicht gleichgültig oder allenfalls den Kommentar "Selber schuld" wert.Doch seit September 2015 kann man sie scheinheilig gegen Flüchtlinge ausspielen...

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Sueme 02.08.2018, 01:14
187.

Herr Lobo mit dem Großteil der Punkte haben Sie wohl durchaus recht.
Aber ich erinnere da kurz an Ihren Text vom 29.12.2016 https://saschalobo.com/2016/12/29/kann-die-realitat-rassistisch-sein/

Warum durften Sie was andere jetzt auch tun, nämlich das ganze nüchtern sachlich zu betrachten und auch durchaus Unterschiede im Grund der Flucht zu erkennen (Krieg, politische Verfolgung oder aus wirtschaftlichen Gründen) und sich auch je nach Grund einen jeweils angemessen Umgang mit der Person zu wünschen.
Ebenso halte ich es für vollkommen akzeptabel das man den Anspruch an die deutsche Rechtsprechung hat das Asylbetrug entsprechenden geahndet wird und nicht als Kavaliersdelikt einfach mal straflos bleibt. Ich halte es ebenso für akzeptabel das Asylsuchende ohne Ausweispapiere entsprechend erkennungsdienstlich behandelt werden so das man sie einwandfrei zuordnen und wieder erkennen kann. Und ich persönlich halte es immer noch für einen unverantwortlichen Fehler das eben dieses nicht schon 2015 durchgeführt wurde.

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aysnvaust 02.08.2018, 01:24
188. najaaa...

...also ehrlich gesagt, bevorzuge ich die Kolumnen von S Lobo, die sich mit "echten" Internet-themen befassen (Netzneutralität, um mal ein Beispiel zu nennen). Da kann Lobo mit fundiertem Fachwissen glänzen, und weiß auch einen Laien wie mich zu interessieren / informieren. Die Auflistung rechten Kampfvokabulars samt "Übersetzung" ist zwar billig und schmissig, aber erstens werden hier Eulen nach Athen getragen (der geneigte SPON-Leser weiß all diese Dinge bereits, Herr Lobo), und zweitens beschleicht mich beim Lesen der Kommentare (Grundtenor: Recht hatter, der Lobo, und ich trete auch nochmal nach) ein eher ungemütliches Gefühl. Ich hoffe, diese Art von Kolumne macht keine Schule, und ich hoffe, S Lobo besinnt sich wieder auf seine wahren Qualitäten. TL;DR : diese Kolumne war so unnötig wie ein Kropf.

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heinz51 02.08.2018, 02:18
189. Sascha Lobo,

danke für diesen geistigen Bauschaum um das Sommerloch zu stopfen. Ein Brockhaus der Weltenrettung. So, und nun schnell wieder absteigen von Ihrem "Moral-Riesen".

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