Forum: Netzwelt
Street View: Die Foto-Hysterie verdeckt echte Datenschutz-Probleme

Härtere Auflagen für Straßenatlanten wie Street View verlangen Politiker gerne - doch niemand geht das lasche Datenschutzabkommen mit den USA an, das die Verarbeitung brisanter Daten regelt. Der Widerspruch offenbart: Es zählt der Eindruck, man tue etwas, nicht der Datenschutz.

Seite 1 von 3
myoho 03.11.2010, 16:18
1. Die Probleme haben nur die lästigen Bürger

Warum sollten sich deutsche Politiker für einen Datenschutzabkommen mit den USA einsetzen? Sie betreiben doch selbst die Umgehung von Datenschutzrechten, sei es bei der Datensammelwut und Ausspähung von Erwerbslosen, der zentralen Schülerdatei, der Steueridentifikationsnummer oder dem neuen Personalausweis. Ihre Haltung verwundert nicht, sondern ist eher konsequent. So weiß man wenigstens, woran man ist.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ohne_sorge 03.11.2010, 16:39
2. Datenqualität

Im Moment ist bei Google & Co. noch heile Welt, da die Daten noch recht frisch erhoben sind. Richtig interessant wird es in einigen Jahren. Diese Daten permanent zu pflegen ist eine enorme Herausforderung und wird viel mehr Geld verschlingen als die Ersterhebung. Sollte man dann aber kein Geld mehr zur Verfügung zu stellen, um die Daten dauernd aktuell zu halten wird der "allgemeine Glauben", den die Daten von Google und generell dem Internet derzeit entgegengebracht wird, stark abnehmen.

Worst Case für das Internet wird dann folgender Status sein:
Wenn jeder mein Geburtsdatum kennt, jeder meine Adresse, jeder meine Steueridentifikationsnummer (Achtung Primärschlüssel!) usw. dann kann jeder in meinem Namen Verträge abschließen, PINs für die Kreditkarte anfordern usw.

Das klingt nach schwerem Schicksal für den Einzelnen. Wenn es aber einem signifikanten Anteil der Bevölkerung so geht, dann ist der eCommerce tot, denn keiner kann behaupten er hätte von mir ein eindeutiges Identifikationsmerkmal für einen gültigen Vertragsschluss erhalten. Deswegen sollte Datenschutz vor allem auch im Interesse der Internetfirmen sein!

Ich bin ja mal gespannt wie sich der E-Personalausweis schlagen wird und freue mich auf die Berichte der Betatester-Mitbürger. Sollte man den geknackt bekommen ist dann eh alles verloren...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Torfkopp 03.11.2010, 17:47
3. Datenschutz

Na ja - auf der einen Seite wird nach Datenschutz geschrien, auf der anderen Seite tummeln sich dieselben Schreihälse dann stundenlang in "sozialen Netzwerken" und geben dort ganz freiwillig und ohne Zwang ihre Personalien und Vorlieben preis.
Oder lassen sich mit interaktiven Handydiensten beim Shoppen begleiten, das nächste Lokal raussuchen etc. etc.

Das sie hierbei permanent per Handy geortet werden, sonst funktionierten diese Dienste nämlich gar nicht, scheinen viele nicht zu wissen oder es interessiert sie nicht.
Das sich aus den so stillschweigend einvernehmlich gesammelten Daten hernach herrliche Personenprofile erstellen lassen, wohl ebensowenig.

Aber dann lauthals brüllen, weil dat Häusken auf nem öffentlichen Photo erscheint - ja, das macht Sinn.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Ylex 03.11.2010, 17:50
4. Ist das hier nicht unser eigenes Land?

Natürlich liegt der Autor mit seiner Beurteilung richtig, natürlich. Nur wirkt sein Kommentar auf mich etwas zu verhalten, so als ob da jemand nicht über seinen eigenen Schatten springen mag. Die Amerikaner fotografieren die deutschen Häuser von außen, und drinnen kramen sie ungeniert in den Kontoauszügen, aber den Deutschen macht das offenbar nichts aus. Alle zurückliegenden Veränderungen der Datenschutz-Abkommen mit den USA bilden zusammen ein Armutszeugnis für unsere Politiker, sie haben die Interessen ihrer Bürger mit Füßen getreten und reden sich nun mit der EU heraus, jämmerlich ist das.

Google-Streetview wurde im SPON-Forum mehrmals durchgehechelt, trotzdem stellten nur wenige die entscheidende Frage – nämlich, warum man das den Amerikaner nicht schlicht und einfach verboten hat. Ist das hier nicht unser eigenes Land? Sollten wir, selbst wenn wir es wollten, nicht besser allein unsere Häuser und Straßen systematisch abfotografieren? In der Politik hat sich niemand solche naheliegenden Überlegungen gemacht. Das Sensorium für ein grundlegendes Schutzbedürfnis der Bevölkerung fehlt völlig, oder man ignoriert es.

Noch viel schlimmer sieht es beim transatlantischen Datenschutz aus. Deutschland wird immer mehr zum offenen Scheunentor für die USA, niemand weiß genau, was die Amerikaner alles ausspähen und speichern – der kaugummikauende große Bruder ist bei uns angekommen, und er mogelt sich tiefer in unsere Intimsphäre hinein, ohne dass es uns bewusst wird. Seit dem Aufkommen des Terrors ist Datenschutz perdue. Auch wenn der Terror wieder verschwinden sollte, wird sich daran nichts ändern. Hinter den politischen Interessen stehen mächtige wirtschaftliche, und denen kommt der gläserne Mensch entgegen. Ich glaube, Herr Lischka hat bei seinem Kommentar wieder einmal vergessen, dass Deutschland der 51. Bundesstaat der USA ist – doch man kann es ihm nicht vorwerfen, denn das geht den Deutschen ja regelmäßig so.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Hilfskraft 03.11.2010, 18:12
5. Foto-Hysterie verdeckt echte Datenschutz-Probleme

da wird überhaupt nichts "verdeckt"!
Seit der ominösen "Pannen" mit abgefischten mails und Passwörtern dürfte doch jedem klar sein, worum es Google eigentlich geht. Gewerbliche Spionage und ein wunderbarer Datenhandel, auch mit Feinden, Terrororganisationen ist nun ungehindert möglich.
Die Heerscharen von Einsprüchler haben noch das Ihrige dazu beigetragen und für zusätzliche wertvolle persönliche Daten, gezwungener Maßen freiwillig, gesorgt.
Unsere Krüppel-Regierung hat´s ja empfohlen und hätte dabei eigentlich diese Spionage überhaupt nicht zulassen dürfen.
Jetzt haben wir den "Salat".
H.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
multi_io 03.11.2010, 18:26
6. Panoramafreiheit

Zitat von Ylex
Google-Streetview wurde im SPON-Forum mehrmals durchgehechelt, trotzdem stellten nur wenige die entscheidende Frage – nämlich, warum man das den Amerikaner nicht schlicht und einfach verboten hat.
Weil Deutschland dann endgültig zur Bananenrepublik geworden wäre? In einem Rechtsstaat gibt's keine Verbote ohne Gesetz. Öffentlich einsehbare Häuserfassaden sind gemäß Panoramafreiheit frei fotografierbar für jeden -- egal ob das ein Tourist auf der Straße ist oder eben Google.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
der_durden 03.11.2010, 18:32
7. Ja, klar

Zitat von Hilfskraft
da wird überhaupt nichts "verdeckt"! Seit der ominösen "Pannen" mit abgefischten mails und Passwörtern dürfte doch jedem klar sein, worum es Google eigentlich geht. Gewerbliche Spionage und ein wunderbarer Datenhandel, auch mit Feinden, Terrororganisationen ist nun ungehindert möglich. Die Heerscharen von Einsprüchler haben noch das Ihrige dazu beigetragen und für zusätzliche wertvolle persönliche Daten, gezwungener Maßen freiwillig, gesorgt. Unsere Krüppel-Regierung hat´s ja empfohlen und hätte dabei eigentlich diese Spionage überhaupt nicht zulassen dürfen. Jetzt haben wir den "Salat". H.
Ja klar, google ist der Teufel.
Mensch welch eine Hysterie. Dabei sollten wir uns wirklich mehr um SWIFT und Co. kümmern. Auch die äußerst undemkratische EU mit ihren Lobbyisten macht mir weitaus mehr Sorgen als google es je tun könnte.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Torfkopp 03.11.2010, 18:32
8. Doppelmoral

Zitat von Ylex
Die Amerikaner fotografieren die deutschen Häuser von außen, und drinnen kramen sie ungeniert in den Kontoauszügen, aber den Deutschen macht das offenbar nichts aus.
GPRS-gestützte Dienste stören die meisten deutschen Handy- und Navynutzer doch auch nicht im Mindesten - der dabei anfallende verwertbare Datenberg ist um ein vielfaches größer.

Zitat von Ylex
...trotzdem stellten nur wenige die entscheidende Frage – nämlich, warum man das den Amerikaner nicht schlicht und einfach verboten hat.
Die entscheidendere Frage ist doch die nach der Doppelmoral : Wenn ich verhindern will, dass personenbezogene Daten zweckentfremdet werden, darf ich an der modernen Form gesellschaftlicher Interaktion schlicht und ergreifend nicht mehr teilnehmen.

Getreu dem Motto : Die einzig 100%ig sichere Verhütung ist, es nicht zu tun.

Keine Handydienste, kein Internet, kein Kreditkarten, überhaupt keine Form von bargeldlosem Zahlungsverkehr, keinerlei Form elektr. Datenübertragung (z.B. Steuererklärung ELSTER), kein Netzfernsehen usw. usw. .

Da kann sich jeder selber überlegen ob er das mag oder nicht.

Aber bitte nicht : Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass dabei.

Es gilt mit jedem neuen Jahr mehr, was schon seit Einzug der EDV galt :

"Biste drin in EDV, kennt Deine Daten jede Sau"

Wer und Wie sollte denn so etwas durchgreifend kontrollierbar sein ??
Denken Sie allein an die Datenflut die heutzutage durch die Leitungen rauscht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
pj-hh 03.11.2010, 18:45
9. nein, gebe ich nicht

Gerade unser toller Kuschel-Justizminister fordert dies.

Gleichzeitig verkauft die Stadt Hamburg ebenfalls Geodaten.

Das Grundbuch mit allem drum und dran ist im Internet.

Ich muß beim Grundstücks-/Hauskauf den Kaufpreis an einen Gutachterausschuß der Stadt melden, der die Daten auswertet und auf Wunsch, gegen Entgelt, Maklern und sonstigen "berechtigt Interessierten" zur Verfügung stellt.

Es werden Luftaufnahmen gemacht (einmal in zwei Jahren wird je der Nord- und Südteil Hamburgs überflogen und stereo-photografiert). Die Photos werden dann ausgewertet, um zu schauen, ob etwa jemand schwarz gebaut oder Bäume gefällt hat. Oder, demnächst ganz neu, wird versiegelte Fläche ermittelt um damit dann die Abwassergebühren für Regenwasser (sic!) zu berechnen.

Dagegen sollte der Steffens mal was machen. Aber halt, nein, daß ist ja die Stadt Hamburg, die da verdient. Bzw. in der irgendwelche Beamten irgendwelche Bürger drangsalieren können, zum Wohle aller ("also der Baum xy auf Ihrem Grundstück ist ökologisch besonders wertvoll..."), insbesondere aller grün-denkenden.

Bei Streetview ist es aber ein böser Konzern aus den imperialistischen USA. Da muß jeder aufrechte Bürger dagegen sein.

Steffens, bleib bei Deinen Aufgaben und sorge dafür, daß bei uns Straftäter wieder wie Straftäter behandelt und nicht weichgekuschelt werden. Das ist, was wir Hamburger wollen!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 3