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Streit über Artikel 13: Wer braucht schon Argumente?
Screenshot Twitter

Vor der finalen Abstimmung zur Urheberrechtsreform wird die allgemeine Tonlage schriller, als es einer politischen Debatte guttut. Bedauerlicherweise tragen EU-Institutionen und ihre Vertreter selbst dazu bei.

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Ayanami 28.02.2019, 16:19
1. Unsachlich

Unsachliche Beiträge sind in einer politischen Debatte niemals gut. Allerdings fühlt man sich als Bürger auch hilflos gegenüber soviel Starrhalsigkeit von verknöchterten Politmumien wie Herrn Voss (Metapher, keine persönliche Beleidigung). Kein Wunder, dass da so manchem Digital Native die Galle über die Zunge hochkommt.

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furanku 28.02.2019, 16:24
2. Auch die Gegner haben keine weiße Weste

Was der Spiegel hier einfach abtut, ist leider so auch nicht haltbar: Die vermeintliche Grasroots-Bewegung gegen die EU-Copyrightreform wird hinter den Kulissen doch von US-Konzernen wie Facebook, Amazon und allen voran Google orchestriert, deren Geschäftsmodell es eben ist, mit den Inhalten anderer Geld zu verdienen (und den Urhebern dabei natürlich möglichst wenig abzugeben). Das ist schon dokumentiert, aber dazu muss man sich durch schon durch diverse verschleierte Zusammenhänge hangeln:

Siehe https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/eu-urheberrechtsabstimmung-anatomie-eines-politik-hacks-15743044.html

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Moone 28.02.2019, 16:30
3. Das Urheberecht braucht neue Formen

Die Politiker haben vom Urheberrecht eine Vorstellung wie Anfang 1900.... Mit Filtern Strafen und Verfahren wird man dem ganzen nicht Herr werden. Die Musikindustrie ist das beste Beispiel, ihr ging es erst nach grundlegenden Reformen wieder besser.

Nicht mal Google mit den besten Algorithmikern der Welt hat es geschafft einen ordentlichen Upload Filter zu Programmieren, für viele kleine Seiten ist das schlichtweg das Ende, von einem freien Internet kann man nicht mehr Sprechen in dem sich nur die Reichen Internetauftritte leisten können.

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biesi61 28.02.2019, 16:32
4. Der Kommentator hat ganz bestimmt recht!

Die Frage ist nur, wie man auf die gezielten Unsachlichkeiten, die Halbwahrheiten und bösartigen Beleidigungen der Copyright-Reform-Betreiber und Uploadfilter-Befürworter ruhig, vernünftig und überzeugend reagieren soll. Wenn die Gegenseite fünf Millionen Unterschriften allein aus Deutschland dreist und komplett reaktionslos einfach vom Tisch wischt. Wenn seitenlange, sehr argumentationsstarke und überzeugende, sachliche Abhandlungen von Netzexperten keinerlei Beachtung finden und man es mit Leuten zu tun hat, die in ihrer Lobbyistenhörigkeit offensichtlich um jeden Preis mit dem Kopf durch die Wand wollen und die völlig blind sind für die sehr klar und eindeutig zu befürchtenden negativen Konsequenzen für die europäische Internetindustrie und deren Mitarbeiter sowie für die Freiheitsrechte der Internet-Nutzer, dann fehlt einem einfach langsam das Handwerkszeug für einen weitergehenden Protest. Es ist nichts neues, dass bereits gefühlte Hilflosigkeit Wut hervorbringt. Herr Voss und seine Helfer pokern extrem hoch und sie provozieren mit Vorsatz, dass die in dieser Auseinandersetzung eingesetzten Mittel noch drastischer werden!

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DougStamper 28.02.2019, 16:33
5. Da es ja anscheinend viele interessiert

Warum dann nicht eine Entscheidung nach der wahl. So könnte die Richtlinie Wahlkampfthema werden, die Jugend zur Wahl mobilisieren und eine Entscheidung tatsächlich Unterstützung finden. Wird aber die EVP nicht wollen weil man damit ja Wähler verlieren würde. Es ist ein Trauerspiel wenn Menschen über Dinge entscheiden von denen sie einfach keine Ahnung haben.

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SethSteiner 28.02.2019, 16:49
6. Skandalös

Der bisherige Umgang mit der Kritik ist ein Armutszeugnis für die europäische Demokratie. Das beginnt damit, dass diese ganze Reform von Axel Voss keinerlei Grundlage hat und allein auf der Behauptung basiere, es gäbe keine Regelungen und keine faire Vergütung. Aber das stimmt nicht. Es gibt Regeln, diese Regeln werden angewendet und bereits heute werden alle erdenklichen Menschen in den verschiedensten betreffenden Industrien vergütet. Es gibt keine Krise, die man auf mangelnde EU Regularien zurückführen könnte. Weder Musiker, noch Fotografen oder Autoren stehen vor irgendeinem Untergang, der anders nicht zu verhindern wäre. Tatsächlich stehen gerade die Künstler durch diese Reform in größter Gefahr und es geht nicht nur um Artikel 13, sondern auch Artikel 11 und 12. Sogar in der Wissenschaft hat man durch die Reform mit erheblichen Problemen zu bekämpfen. Die ganze Sache geht von Bertelsmann und Verwertugnsgesellschaften aus, die über die Reform ihre Machtstellung zu erhalten versuchen AUCH gegenüber den Künstlern und große Lizenzpakete verkaufen möchten, in dem eben alle Seitenbetreiber gezwungen werden, selbige zu kaufen, weil die Reform sie zwingt alles in iher Macht stehende zutun.

Fast 5 Millionen Menschen haben eine Petition dagegen unterschrieben, mehr als für irgendetwas sonst, Experten für Digitales, aus den Parteien selbst warnen eindringlich vor dieser Reform. Es gibt schlichtweg kein Mandat für diese Reform, weder macht es einen rationalen Sinn, weil es an einem grundsätzlichen Problem mangelt das die Institution hier beauftragt aktiv zu werden (Subsidiaritätsprinzip), noch ist es verhältnismäßig. Man verkehrt sogar den Rechtsstaat um, in dem man Seitenbetreiber dafür verantwortlich macht, das irgendjemand ja ein Urheberrecht möglicherweise verletzen könnte. Das ist auch insofern absurd, weil Urheberrechtsverletzungen in den meisten Fällen äußerst trivial sind, nicht umsonst haben wir bisher noch so ein wichtiges Wort wie "Schöpfungshöhe" und in den USA das Fair Use Prinzip. Die Bürgerrechte dermaßen stark zu beschneiden, steht in keinem Verhältnis zum eigentlichen Nutzen, der wiederum ausschließlich einer Clique aus Verwertungsgesellschaften zu gute kommt.

Dass dann Parteien wie die EVP/CDU/CSU bewusst lügen, dass das Parlement selbst vor der Abstimmung missbraucht wird zur Propaganda und hier auch noch der Koalitionsvertrag verletzt wird, ist eine absolute Katastrophe und gefundenes Fressen für die europakritischen und feindlichen Strömungen. Und man muss leider sagen, das auch einfach zu Recht. Wenn hier nichts passiert, dann ist das eine Gefahr für den Fortbestand der Europäische Union, denn ihre Gesetzgebung wäre zutiefst von Unrecht und Willkür geprägt.

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Th3_Jock3R 28.02.2019, 17:09
7.

Zitat von furanku
Was der Spiegel hier einfach abtut, ist leider so auch nicht haltbar: Die vermeintliche Grasroots-Bewegung gegen die EU-Copyrightreform wird hinter den Kulissen doch von US-Konzernen wie Facebook, Amazon und allen voran Google orchestriert, deren Geschäftsmodell es eben ist, mit den Inhalten anderer Geld zu verdienen (und den Urhebern dabei natürlich möglichst wenig abzugeben). Das ist schon dokumentiert, aber dazu muss man sich durch schon durch diverse verschleierte Zusammenhänge hangeln: Siehe https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/eu-urheberrechtsabstimmung-anatomie-eines-politik-hacks-15743044.html
das Google gegen Art.13 ist, stimmt an sich nicht ganz, denn sie würden massiv Gewinn an der Reform machen. Google, wie auch fb & amazon sind einige der wenigen Unternehmen, welches das technische Know-How und Geld haben, solche Uploadfilter zu implementieren. Die Anbieter verdienen mit Daten Geld. Muss nun jeder Upload, welcher in Europa ins Netz gestellt wird, über deren Server laufen, haben sie wesentlich mehr Daten und somit Geld. Sie erhalten Zugriff auf die Daten der kleinsten Foren, Fanpages etc. Davor warnte gestern bereits der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und Informationsfreiheit Ulrich Kelber:
https://www.bfdi.bund.de/DE/Infothek/Pressemitteilungen/2019/10_Uploadfilter.html

Auch würde YT etc. durch das verschwinden der ganzen kleinen Konkurrenz massiv profitieren.

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arr68 28.02.2019, 17:14
8. turanku

Sie haben die Gesetzesentwürfe und die Interviews von Axel Voss doch sicherlich detailliert verfolgt. Das Hauptproblem ist nicht das bisschen Geld, was YouTube dann doch nicht an Urheber weitergibt oder an anderer Stelle wieder einspart. Zwei Dinge haken ganz gewaltig und wollen nicht in die Gedankenwelt der Politiker. Zum Einen können die Mengen von Fotos, Audio und Videos nicht von Menschen geprüft werden, die Datenmengen sind zu groß. Also kommt ein Uploadfilter, der im Entwurf so ungeschickt umschrieben wird. Dieser Filter braucht aber eine riesige Datenbank, in der alle Urheber, alle Rechteinhaber, alle Freigaben und alle Verbote und Erlaubnisse verzeichnet sein muss. Wer glauben Sie, hat das Know-how für diese Datenmenge und kann und will diese Datenmengen verwalten? Na? Fängt mit Goo an und endet mit gle. Hier fehlen aber auch noch alle Materialien aus Russland und China, denn die wollen diese Daten gar nicht freigeben. Somit ist der Entwurf weder machbar noch von irgendeinem Vorteil für Urheber noch Nutzer, denn wie weist man sich den bei einem Foto als Urheber aus als Privatmensch, wie tritt den jemand an denn Urheber heran um zufällig geschossene gleichartige Motive zu legitimieren, wie erkennt man Zitate, Satire oder auch nur Verwendung als Vorlage? Sie können davon ausgehen, dass Artikel 13 höchstens ein Freudenfest für google-analytics und die großen YouTube, integral und Twitter wird und alle kleinen Anbieter sterben lässt. Schöne neue Welt.

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lapje 28.02.2019, 18:14
9.

Zitat von furanku
Was der Spiegel hier einfach abtut, ist leider so auch nicht haltbar: Die vermeintliche Grasroots-Bewegung gegen die EU-Copyrightreform wird hinter den Kulissen doch von US-Konzernen wie Facebook, Amazon und allen voran Google orchestriert, deren Geschäftsmodell es eben ist, mit den Inhalten anderer Geld zu verdienen (und den Urhebern dabei natürlich möglichst wenig abzugeben). Das ist schon dokumentiert, aber dazu muss man sich durch schon durch diverse verschleierte Zusammenhänge hangeln: Siehe https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/eu-urheberrechtsabstimmung-anatomie-eines-politik-hacks-15743044.html
Sorry wenn ich jetzt so direkt frage: War in Discounter wieder Alu-Folie im Angebot? Anders kann ich mir diesen Beitrag nicht erklären.

Es gibt zahlreiche Erklärungen von Experten, was besonders mit dem Artikel 13 auf uns zu kommt. Darunter IT-Experten, Anwälte udn Datenschützer. Alle von Google & Co "orchestriert"? All diese zeigen, dass besonders Artikel 13 so überhaupt nicht umsetzbar ist, weil die Unternehmen überhaupt nicht wissen, was sie überhaupt machen sollen. Und das betrifft eben nicht nur Google - auch viele andere kleine Portale. Zudem scheinen einige immer noch nicht den Unterschied zuwischen Urheber und Rechteverwerter zu kennen - denn vor allem letzte würden vom neuen Gesetz profizieren. Die Urheber werden vor allem schlechter gestellt, siehe die Wiedereinführung der Verlagsbeteiligung bei der Aussschüttung der VG-Wort.

Seltsam eben auch, dass viele Kreative gegen das neue Gesetz ist.

Sorry, aber genauso könnte ich sagen, dass Sie ganz schön der Content-Lobby auf dem Leim gegangen sind.

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