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Streit über das Urheberrecht: Viel Meinung, wenig Wissen
DPA

Was muss mit dem Urheberrecht passieren? Radikal reformieren, sagen die einen. Radikal gegen Raubkopierer vorgehen, sagen die anderen. Eine Meinung hat fast jeder, nur mit den Fakten nehmen es die meisten nicht so genau. Es wird Zeit, das Thema endlich systematisch zu erforschen.

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ringo74 21.09.2012, 00:19
180. Die Magie der Kopie

Zitat von Sique
Nein, es bleibt dabei: Das Urheberrecht lebt von den Kopien - ob nun identische Kopien, Bearbeitungen oder Aufführungen. Und meine Aussage ist, dass das Geschäft mit den Kopien tot ist, da jeder in der Lage ist, von den meistgehandelten urheberrechtlich geschützten Werken beliebig viele beliebig gute Kopien zu einem beliebig geringen Preis herzustellen, ob es sich nun um Literatur, Musik, Film oder Bild handelt. Anbieter, deren alleinige Dienstleistung für den Endkunden darauf beruht, noch eine weitere Kopie eines Werkes zu erstellen, haben kein selbsttragendes Geschäftsmodell mehr, da sie nichts anbieten, was der potenzielle Kunde nicht genauso gut selbst erledigen könnte.
Ich zitiere jetzt mal stellvertretend diesen (Teil) -Post für viele andere hier.
Die Bewertung einer Kopie als quasi wertlos ist ein fundamentaler Denkfehler. In einem anderen Thread zum selben Thema bei SPON schrieb ein Kommentator in etwa folgendes (ähnliches liest man auch in diesem Thread):
"Wenn ein Geigenbauer eine Geige baut kann er diese nur einmal verkaufen. Wenn ein Komponist ein Geigensolo komponiert unendlich oft."

Das ist prinzipiell richtig. Leider wird zusehends vergessen, dass das das Tolle an diesem System ist. Denken wir einen Schritt weiter - und nageln sie mich bitte nicht auf die Zahlen fest - es ist ein Beispiel:
Wenn der Geigenbauer 100 Stunden für das Erstellen der Geige benötigt und 10 Euro haben will so kostet die Geige 1000 Euro. Wenn der Komponist ebenfalls 100 Stunden benötigt und ebenfalls 10 Euro haben will kostet das Ergebnis 1 Euro bei iTunes!?

Erst die Möglichkeit Kopien einer Arbeit zu erstellen erlaubt es so vielen Menschen so viele Kulturgüter zu konsumieren.

Stellen sie sich eine Welt vor in der es keine Kopien gäbe. Ein durchschnittlicher Hollywood-Blockbuster kostet 100.000.000 Dollar. Welcher Nutzer hat so viel Geld um das zu bezahlen?

Das ist im Übrigen schon seit dem Beginn der Industrialisierung so. Letztlich trifft das, wenn auch in weniger starken Ausmaß, auch auf materielle Güter zu. Gegen die Entwicklungskosten zb eines neuen Autos (Entwicklung, Design, Tests (Elchen ausweichen in Finnland), Werbung, ...) sind die Kosten der tatsächlichen Produktion eines Fahrzeugs gering (Löhne/Gehälter, Materialien, ...). Wenn von einem Auto nur ein Exemplar gebaut werden könnte würde das signifikant teurer sein, da sie die Entwicklungskosten mit bezahlen müssten. Erst die Möglichkeit der (industriellen) Kopie erlaubt es eine Kopie zu einem entsprechend günstigeren Preis herzustellen. Dabei sollte man außerdem nicht vergessen, dass auch die digitale Kopie über das Netz nicht umsonst ist. Die Server, die Leitungen, der Strom, Die Administratoren und die Menschen die den Serverraum sauber machen kosten Geld. Das Internet kostet sogar jede Menge Geld. Es wird nur an anderer Stelle bezahlt.

Auch wenn die Kosten für eine Kopie im digitalen Zeitalter geringer sind entwertet das diese nicht.

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malte 21.09.2012, 12:11
181. Aua.

Dass Sie eine Begrenzung der "Abmahngebühr" für ein vernünftiges Projekt halten disqualifiziert Sie bereits als ernstzunehmenden Diskutanten in der sog. Urherberrechtsdiskussion. Sie beschweren sich, dass so viele Nichtwissende ihren Senf dazu geben, haben offenbar aber selbst wenig Ahnung. Das zeigt sich schon an dem Umstand, dass Sie meinen, das Problem der illegalen Verwertung an die strukturelle Problematik der (angeblich) schlechten Vergütung von Kreativen könne irgendwie in einen Topf geworfen werden. Kann es aber nicht. Illegale Verwertung muss mit allen zu Verfügung stehenden Mitteln wirksam unterbunden werden, sonst gibt es nämlich keine Einnahmen. Eine "gerechtere" Verteilung dieser Einnahmen kann bestenfalls die freie Wirtschaft und erforderlichenfalls eine sanfte Regulierung derselben herbeiführen. Warum faseln Sie also Unsinniges über Filesharing und kommen nachher mit der "man-muss-für-die-Kreativen-eintreten"-Keule. Filesharing und Kreative werden keine Freunde und sie vermengen aus Ahnungslosigkeit zwei grundverschiedene Debatten.

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Flinsenberger 21.09.2012, 14:10
182.

Zitat von malte
Illegale Verwertung muss mit allen zu Verfügung stehenden Mitteln wirksam unterbunden werden, sonst gibt es nämlich keine Einnahmen.
Das Problem hierbei ist nicht, dass sie Unrecht hätten. Prinzipiell haben Sie Recht. Die Probleme sind ja gerade die Mittel.
- Fiktive übertriebene Streitwerte, die Abmahnungen zu einem Geschäftsmodell werden lassen
- Anspruch der totalen Überwachung aller Kommunikation im Dienste der Urheberrechte
- Beförderung seiner Ziele mit rabulistischen Mitteln (Zensurmechanismen unter dem Vorwand der Pädophilie-Bekämpfung, Kampfbegriffe wie Raubkopierer und geistiges Eigentum, falsche Behauptungen wie Labelsterben etc.)

Dazu kommen:

- nicht nachvollziehbare Besserstellung (und immer weitere Verbesserung) von Urhebern aus Musik und Film ggÜ dem Patentrecht, Software, materiellen Gütern, anderer Erwerbs-Arbeit
- Eine deutsche Lobby und Verwertungsgesellschaft, die aktive Politik gegen Nutzer macht, egal ob via Youtube oder durch Clubgebühren
etc.

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Flinsenberger 21.09.2012, 14:16
183.

Zitat von
Sie meinen ernsthaft, ein Krebsmedikament sei NICHT geschützt?
20 Jahre. Nicht 70 Jahre bis nach dem Tod des Erfinders.

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Flinsenberger 21.09.2012, 14:21
184.

Zitat von Petra
Genau gegen solche illegale öffentliche Nutzung, die gegen den Willen des einzig und allein verwertungsberechtigten Urhebers erfolgt, gibt es Gesetze, die angesichts der im Internet vereinfachten Diebstahlsmöglichkeit dringend verschärft werden müssen.
Sie können die Nutzung nicht verhindern. Sie haben keine Möglichkeit, zu bestimmen, wer nutzt. Sie haben keine Möglichkeit, den Pianisten zu hindern, das Werk aus dem Gehör nachzuspielen. Sie haben keine Möglichkeit, das Nachpfeifen zu verhindern.

Sie möchten am liebsten eine umfassende Gestapo, die jedes Pfeifen, jede Aufführung, jede Kommunikation, jede Äußerung aufzeichnet und auf eine mögliche Urheberrechtsverletzung untersucht.

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Petra 22.09.2012, 00:26
185. Pfeifen

Zitat von Flinsenberger
Sie können die Nutzung nicht verhindern. Sie haben keine Möglichkeit, zu bestimmen, wer nutzt. Sie haben keine Möglichkeit, den Pianisten zu hindern, das Werk aus dem Gehör nachzuspielen. Sie haben keine Möglichkeit, das Nachpfeifen zu verhindern. Sie möchten am liebsten eine umfassende Gestapo, die jedes Pfeifen, jede Aufführung, jede Kommunikation, jede Äußerung aufzeichnet und auf eine mögliche Urheberrechtsverletzung untersucht.
"Das Nachpfeifen verhindern..." Das ist das übliche verschwurbelte und irreale Piratengewäsch, das eine Mischung aus stalinistischer Sowjetunion und Nordkoreanischer Hirnkontrolle als Drohkulisse an die Wand malt, wenn man es den Schmarotzern schwer machen will, sich auf Kosten anderer Leute zu bereichern.

Warum wollen Sie eigentlich nix zahlen für das, was Sie sich aus anderer Leute Arbeit aneigenen?

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Stefan Üblacker 05.07.2013, 08:54
186. Interessantes Interview

Folgendes Interview mit Micki Meuser (Mitglied im Vorstand des Deutschen Komponistenverbandes und ehemaliger Produzent von Die Ärzte, Ideal, Ina Deter) bringt viel Licht ins Dunkel um das Thema Urheberrecht und den Hintergrund dieser hitzig geführten Debatte (los geht's ab Seite 2):

INTERROBANGA - Das Interview-Portal: Interview mit Micki Meuser

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