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Streit um Arbeitsbedingungen: Die Gamesbranche und ihr Überstunden-Problem
ADAM S DAVIS/EPA-EFE/REX

Blockbuster wie "Red Dead Redemption", "Mortal Kombat" oder "Cyberpunk 2077" sind kulturelle Phänomene. Doch populäre Games entstehen oft unter unzumutbaren Arbeitsbedingungen.

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Meckerameise 15.06.2019, 16:59
1.

Ich kann es nur aus einem begrenzten Umfang heraus kommentieren. Ich bin nicht in der Entwicklungsbranche, habe in den letzten jahren beruflich aber zentral an einigen Projekten mitgearbeitet, in denen digitale Produkte zusammengebaut wurden. Bei den Spielen wird es wahrscheinlich eher die Deadline sein, ein Spiel noch in einem bestimmten Quartal/Geschäftsjahr zu veröffentlichen. Bei mir waren es Deadlines, nach denen die Ergebnisse gleich eingesetzt wurden. In beiden Fällen gibt es aber für gewöhnlich ein Basisproblem: Zeitmanagement. Es sind keine Pufferzeiten drin. Im regelrechten Just-in-Time muss das Ding bis Tag X fertig werden und wird sofort weitergegeben. Wenn also im Ablauf etwas nicht reibungslos funktioniert - und das passiert in einem Bereich, in dem geistige Arbeit gemacht wird, geradezu zwangsläufig, summiert sich sowas spätestens am Ende eines Projekts an und explodiert mit voller Wirkung. Dann geht der Crunch los. Bei mir waren es Inhalte, die von den entsprechenden Leuten nicht oder mit deutlichem Überschreiten ihrer Deadlines gekommen waren. Eigentlich müsste man dann sagen: dann werden die Inhalte einfach nicht eingebaut bzw. die Verantwortung an diese Person weitergereicht - das akzeptiert aber der Endkunde nicht bzw. er interessiert sich nicht dafür. Das bedeutet: persönliche Abstriche machen und im Zahnfleischmodus weitermachen. Und dieses Phänomen trat bei JEDER dieser Arbeiten auf. Solche Projekte waren für mich Garanten für Mehrstunden, die teilweise dazu geführt haben, dass ich danach mit Urlaub und anderen Mehrstunden bald ein Quartal frei machen konnte. Mein persönlicher Rekord war ein 16-Stunden-Tag mit einigen Kollegen am finalen Tag. Wenn wir am nächsten Tag nicht frei gehabt hätten, hätten wir gleich auf Arbeit übernachten können.

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rstevens 15.06.2019, 17:00
2. Und wie sind sie nun,

Die Arbeitsbedingungen?

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Stega 15.06.2019, 17:04
3. endloses Wachstum

Das ist die logische Folge von Schöner, Größer, Weiter: Was bloß normal ist, gilt schon als "fail".

Solange die Kundschaft, also wir alle, stets und immerfort nach Steigerung verlangt, wird sich daran nichts ändern.

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DrWaumiau 15.06.2019, 17:25
4. Kunst hin oder her,

Das würde ich nur mitmachen, wenn der (finanzielle) Gewinn aus so einer Ochsentour absolut gleich unter allen Beteiligten aufgeteilt wird. Kann mir schon vorstellen, dass so eine Arbeit Spass macht, vor allem wenn man das irgendwie als 'Kunst' begreift, fame bringt es ja sicher auch irgendwie - Aber finde es trotzdem nicht nachvollziehbar, wie man sich so einspannen / ausnutzen lassen kann, damit sich am Ende der Chef die Taschen schön voll macht.

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keksguru 15.06.2019, 17:25
5. bezahlte Überstunden mit Zuschlägen

das ist das was dem Entwickler oder Tester oder sonstwem der an der Entstehung eines Games mitwirkt, zusteht. Solange das gewährleistet ist sehe ich daran kein Problem... ich war früher selbst in so einer Situation, ich forderte 5000, der Chef sagte 6000, ich "nur wenn alle Überstunden bezahlt werden". Shaking hands und viel Geld verdient... meist jenseits der 8000er Marke denn es gab viel viel Überstunden. War keine Games Firma, sondern Ecommerce aber was solls... das Problem sind eher mal die Arbeitgeber die die Überstuden unfairerweise einsacken und am Ende nur 5 Buchstaben für das Team übrig haben - "Danke".

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HansPa 15.06.2019, 17:29
6. @3 Stega

Natürlich, ich, der Kunde ist schuld, wie immer. Ich will auch billiges Fleisch, billige Klamotten, billige Teppiche, billiges Öl, billigen Strom und billige Pelze. Eigentlich will ich Kinderarbeit, Umweltzerstörung, Autoabgase, etc. Was soll das eigentlich immer?

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Jlaa 15.06.2019, 17:56
7. Das ist doch wohl ein Witz...

Dass Herr Böhm vom Arbeitsmarkt jenseits des Atlantiks berichtet ist ja gut und schön. Vom Spiegel bzw. Spon würde ich mir allerdings eher einen Bericht vom hiesigen Arbeitsmarkt wünschen. Solche Arbeitsbedingungen und sogenannter 'Crunch' sind in der deutschen Gastronomie an der Tagesordnung. Und das trotz Personalmangel. Überstunden werden größtenteils als selbstverständlich angesehen - und das weit, weit über jedes Maß des deutschen Arbeitsrechts. Es muss ja nicht gleich Wallraff sein, doch ein wenig investigative Recherche würde hierzulande mit Sicherheit für große Augen sorgen!

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vaikl 15.06.2019, 18:59
8. "eine bestimmte Lebensentscheidung"

Und die heißt Selbstausbeutung bis zum Umfallen. Ein "genialer" Unternehmer, wer solche Puppen sein eigen nennt...

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elblette 15.06.2019, 19:07
9. Gender Gap

Tja, da müssen die Herren halt mal ein paar mehr Frauen einstellen, vor allem im Management. Sonst ändert sich die Schneller-Höher-Weiter-Kultur nicht in absehbarer Zeit.

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