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Streit um Facebook-Konto: Bundesgerichtshof steht vor Grundsatzurteil zum digitalen E
DPA

Der Bundesgerichtshof prüft, ob ein Facebook-Konto zum digitalen Erbe gehört. Sein Urteil zu einem Streitfall aus Berlin, das grundsätzliche Bedeutung haben dürfte, soll im Juli verkündet werden.

alternativlos 21.06.2018, 15:48
1. Unfassbare Richterschaft

Also mein Facebook und deren weltweite Verknüpfungen und Verkettungen mit den Ereignissen unserer Zeit soll jeder auf dem Planeten nach einem unfreiwilligen Tod lesen können.

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cededa 21.06.2018, 19:47
2. Cloud?

Warum sollte mit Daten in einer Cloud anders umgegangen werden als mit solchen auf der heimischen Festplatte? Sie gehören dem Benutzer, also können sie vererbt werden. Fertig.

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Manitou-01@gmx.de 22.06.2018, 00:53
3.

Der Account in einem "sozialem Netzwerk" ist einem Tagebuch bzw. Briefwechsel gleichzusetzen. Und selbst diese höchstpersönlichen Dinge gehen in das Eigentum der Erben über.

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frantonis 22.06.2018, 09:20
4. Merkwürdige Urteile in den Vorinstanzen

Erben dürfen schon heute auf Briefe oder Tagebücher von Verstorbenen zugreifen, Dies ist unbestritten. Plötzlich sollte dieses Recht aber nicht mehr für das Facebook-Konto gelten. In diesem Fall wollten die Eltern die Todesursache der Tochter ermitteln. Unverständlich, das ihnen das verwehrt wird.

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Grestorn 22.06.2018, 09:20
5.

Zitat von alternativlos
Also mein Facebook und deren weltweite Verknüpfungen und Verkettungen mit den Ereignissen unserer Zeit soll jeder auf dem Planeten nach einem unfreiwilligen Tod lesen können.
Das haben die Richter doch gar nicht gesagt. Es geht um die Erben und nicht "jeden auf dem Planeten".

Die Erben können nach Deinem Ableben üblicherweise Deine auf dem Speicher versteckten Liebesbriefe und Kreditkartenabrechnungen mit den Puffbesuchen auch lesen.

(nicht persönlich auf Dich bezogen, nur als Beispiel).

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hbb258 22.06.2018, 09:48
6. Es gibt ein Unterschied zum Brief

Viele argumentieren hier, dass ja auch Briefe vererbt und dementsprechend von anderen gelesen werden. Das ist korrekt. Daraus abzuleiten, dass nun komplette Chatinhalte gelesen werden dürfen halte ich aber trotzdem für schwierig. Das Kommunikationsverhalten in der digitalen Welt ist nicht vergleichbar mit einem Briefwechsel. Auch Briefe geben Einblick in persönliche Dinge, werden aber alle paar Wochen zugeschickt. Digitale PNs werden im Sekundentakt geschrieben. Chatverläufe ähneln daher viel eher kompletten Gesprächen. Werden diese Verläufe nun der Familie Verfügung gestellt erhält sie einen viel detaillierteren Blick in das Leben aller Freunde ihrer Tochter und das ist in meinen Augen schon ein sehr großer Eingriff in deren Privatsphäre. Hier zu sagen, dass ein Brief ja nichts anderes sei das greift viel zu kurz. Eine rechtlich sehr schwierige Frage..

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Immanuel K. 22.06.2018, 10:04
7. Das spielt m.E. keine...

Zitat von hbb258
Viele argumentieren hier, dass ja auch Briefe vererbt und dementsprechend von anderen gelesen werden. Das ist korrekt. Daraus abzuleiten, dass nun komplette Chatinhalte gelesen werden dürfen halte ich aber trotzdem für schwierig. Das Kommunikationsverhalten in der digitalen Welt ist nicht vergleichbar mit einem Briefwechsel. Auch Briefe geben Einblick in persönliche Dinge, werden aber alle paar Wochen zugeschickt. Digitale PNs werden im Sekundentakt geschrieben. Chatverläufe ähneln daher viel eher kompletten Gesprächen. Werden diese Verläufe nun der Familie Verfügung gestellt erhält sie einen viel detaillierteren Blick in das Leben aller Freunde ihrer Tochter und das ist in meinen Augen schon ein sehr großer Eingriff in deren Privatsphäre. Hier zu sagen, dass ein Brief ja nichts anderes sei das greift viel zu kurz. Eine rechtlich sehr schwierige Frage..
...Rolle, ich muss gar nicht das Hilfskonstrukt des "Briefes" benutzen, um zu einer Entscheidung gegen Facebook und für die Eltern zu kommen...
Wegen mir ist dann halt der Chatverlauf, wie eine Tonbandaufzeichnung zu werten, von der alle Beteiligten wissen, dass sie erfolgt. Auch so ein Tonband, wenn es eben nicht vom Erblasser gelöscht wurde, würde in die Erbmasse eingehen.

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hbb258 22.06.2018, 11:39
8.

Zitat von Immanuel K.
...Rolle, ich muss gar nicht das Hilfskonstrukt des "Briefes" benutzen, um zu einer Entscheidung gegen Facebook und für die Eltern zu kommen... Wegen mir ist dann halt der Chatverlauf, wie eine Tonbandaufzeichnung zu werten, von der alle Beteiligten wissen, dass sie erfolgt. Auch so ein Tonband, wenn es eben nicht vom Erblasser gelöscht wurde, würde in die Erbmasse eingehen.
..Sie sprechen von einer Tonbandaufzeichnung, von der alle Beteiligten wissen, dass sie aufgezeichnet wird. Und in dem Falle gebe ich Ihnen auch Recht, das würde der Erbmasse zugerechnet werden. Ich bin aber der Meinung, dass bei einem Chat (Private Nachrichten), von einem normalen Benutzer davon ausgegangen wird, dass dieser auch privat erfolgt und eben nicht aufgezeichnet wird, zumindest nicht der Art, dass es jeder einsehen könnte. Die Nutzer werden ja auch in diesem Glauben bestärkt, da die meisten Plattformen entsprechende Verschlüsselungstechniken anwenden und diese auch noch bewerben, so dass die Nachrichten auch wirklich als privat gelten und eben nur verschlüsselt auf den Servern liegen. Bei einem Tonband weiß ich, dass nur jemand auf Play drücken muss und daher jede Person das Gespräch anhören könnte. Bei einer verschlüsselten Chatnachricht gehe ich aber davon aus, dass nur ich und mein Gegenüber das Gespräch einsehen können, da der private key der zur Verschlüsselung angewendet wird nur bei diesen zwei Personen liegt und die Plattform zudem passwortgeschützt ist. Dementsprechend verhält man sich in diesen Nachrichten natürlich ganz anders als in einem aufgezeichneten Gespräch.

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Immanuel K. 22.06.2018, 14:31
9. Das ist in meinen Augen alles...

Zitat von hbb258
..Sie sprechen von einer Tonbandaufzeichnung, von der alle Beteiligten wissen, dass sie aufgezeichnet wird. Und in dem Falle gebe ich Ihnen auch Recht, das würde der Erbmasse zugerechnet werden. Ich bin aber der Meinung, dass bei einem Chat (Private Nachrichten), von einem normalen Benutzer davon ausgegangen wird, dass dieser auch privat erfolgt und eben nicht aufgezeichnet wird, zumindest nicht der Art, dass es jeder einsehen könnte. Die Nutzer werden ja auch in diesem Glauben bestärkt, da die meisten Plattformen entsprechende Verschlüsselungstechniken anwenden und diese auch noch bewerben, so dass die Nachrichten auch wirklich als privat gelten und eben nur verschlüsselt auf den Servern liegen. Bei einem Tonband weiß ich, dass nur jemand auf Play drücken muss und daher jede Person das Gespräch anhören könnte. Bei einer verschlüsselten Chatnachricht gehe ich aber davon aus, dass nur ich und mein Gegenüber das Gespräch einsehen können, da der private key der zur Verschlüsselung angewendet wird nur bei diesen zwei Personen liegt und die Plattform zudem passwortgeschützt ist. Dementsprechend verhält man sich in diesen Nachrichten natürlich ganz anders als in einem aufgezeichneten Gespräch.
...ein ziemlches Geschwurbel: technikbedingt, wird der Chat natürlich aufgezeichnet - und meines Wissens gibt es bei Facebook keine End-to-end-Verschlüsselung. ...und selbst wenn: ich weiß bei einem Chat doch nie, wer vorm Monitor des/der anderen Chatteilnehmer sitzt... Hier machen sich einige Foristen, die Argumentation von Facebook zu Eigen, Facebook würde die Privatheit seiner Nutzer schützen, dabei ist es das Geschäftsmodell von Facebook, genau das nicht zu tun. Um das zu verschleiern, führt Facebook solche Pseudokämpfe...

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