Forum: Netzwelt
Terror-Manifest zu El Paso: Immer wieder 8Chan
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Beim Terror in Texas spielt auch die Online-Plattform 8Chan eine Rolle - wie bereits im Fall Christchurch. Nun stoppt ein IT-Konzern seinen technischen Schutz für das umstrittene Forum. Was bedeutet das für 8Chan?

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theos001 05.08.2019, 14:34
1.

Das Internet ist nicht so radikal, wie oberflächlich informierte Politiker gerne behaupten. Es gibt einen Selbsterhaltungsdrang in Form von, sagen wir, Leuten im halbschatten, die selbst nicht zimperlich sind aber ein Gewissen u. Ethik besitzen. Der Verlust des Schutzschildes von 8chan, ist ein erfreuliches Startsignal um das Forum aus dem Netz zu tilgen.
Derartiges kam immer wieder vor.

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sozialismusfürreiche 05.08.2019, 14:42
2. mag sein, dass die Nutzer woanders hin ausweichen ...

Mag ja sein, dass die Nutzer dann woanders hin ausweichen aber immerhin ist dann für geraume Zeit ihre Organisation gestört / zerstört. Bis die wieder funktioniert vergehen Wochen und dann macht man die nächste Jauchegrube zu ...

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zeichenkette 05.08.2019, 14:50
3. Das ist wie Wasser

Das sucht sich seinen Weg, immer nach unten, ganz von allein und dann wird aus vielen Rinnsalen schonmal ein reißender Fluss. Das Wasser muss dafür gar nichts können, es muss immer nur dumm nach unten laufen. Was Kurt Schumacher mal bei den Nazis "die restlose Mobilisierung menschlicher Dummheit und Niedertracht" genannt hat, ist genau das. Schlichteste Vorurteile, Häme, Spott, Hass, Schadenfreude, Neid, Angst, Wut - das ist der kleinste gemeinsame Nenner, wie beim Wasser die Schwerkraft. Populisten können sich das sehr einfach zunutze machen, sie müssen nur zugreifen und dafür skrupellos genug sein. Das ist ein enormes Energiepotential, aber natürlich ein rein destruktives.

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kaltschale 05.08.2019, 14:54
4. Unmoderiert? Das geht ja gar nicht

Das User unmoderiert und ohne Zensur posten was sie wollen. Aber das sollte eigentlich der Normalfall sein. Man könnte ja meinen, bei der Berichterstattung, dass es irgendwie des Teufels Werk ist, wenn User schreiben können was sie wollen. Ja, auch dämliche Postings, damit muss man klar kommen. Das darüber vielleicht auch Gewalttaten angekündigt werden ist nicht zu verhindern, aber so haben die Ermittler wenigstens Anhaltspunkte. Man bekommt solche Seiten auch nicht weg, denn dann kommt 16chan oder was auch immer und das ist auch gut so.

Früher gab es das UseNet mit Newsgroups, das war meist ebenso unmoderiert und ein Tummelplatz für alle Spinner aber auch einen freien Meinungsaustausch. Das starb erst mit dem Aufkommen von Webforen, die ich technisch für die schlechtere Lösung halte.

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muellerthomas 05.08.2019, 15:06
5.

Zitat von kaltschale
Früher gab es das UseNet mit Newsgroups, das war meist ebenso unmoderiert und ein Tummelplatz für alle Spinner aber auch einen freien Meinungsaustausch.
Na ich weiß nicht, was Sie unter freiem Meinungsaustausch verstehen, aber üblicherweise gibt es genau das nicht mehr, wenn ein paar Pöbler, die anderen Teilnehmer beleidigen oder gar bedrohen.

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irobot 05.08.2019, 15:08
6.

Zitat von kaltschale
Ja, auch dämliche Postings, damit muss man klar kommen.
Nein, muss man nicht. Es gibt bei 8chan mittlerweile zig Einträge von Leuten, die behaupten, dass El Paso eine "false flag"-Aktion war, um 8chan zu schaden. Wer so strunzdämlich ist, sollte seine geistigen Blähungen nicht auch noch in der Öffentlich absondern. Dummheit ist ansteckend!

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zeichenkette 05.08.2019, 15:14
7.

Zitat von kaltschale
Das User unmoderiert und ohne Zensur posten was sie wollen. Aber das sollte eigentlich der Normalfall sein. Man könnte ja meinen, bei der Berichterstattung, dass es irgendwie des Teufels Werk ist, wenn User schreiben können was sie wollen. Ja, auch dämliche Postings, damit muss man klar kommen. Das darüber vielleicht auch Gewalttaten angekündigt werden ist nicht zu verhindern, aber so haben die Ermittler wenigstens Anhaltspunkte. Man bekommt solche Seiten auch nicht weg, denn dann kommt 16chan oder was auch immer und das ist auch gut so. Früher gab es das UseNet mit Newsgroups, das war meist ebenso unmoderiert und ein Tummelplatz für alle Spinner aber auch einen freien Meinungsaustausch. Das starb erst mit dem Aufkommen von Webforen, die ich technisch für die schlechtere Lösung halte.
Das Usenet hat solange funktioniert, wie die allermeisten Internetnutzer aus Universitäten und Firmen kamen, damals hat man auch noch selbstverständlich mit dem vollen Namen geschrieben. Das war eine sehr spezielle Selektion an Benutzern. Es war unmoderiert, aber es gab eine sehr klare Selbstmoderation. Als mit kommerziellen Internetanbietern plötzlich tatsächlich jeder schreiben konnte, war es damit vorbei und dann gab es haufenweise anonyme Trolle und das war der Anfang vom Ende des Usenet. Eine Zeitlang gab es noch engagierte Versuche, dem mit Moderation Herr zu werden (ich war eine Zeitlang auch Moderator einer Gruppe, mit anderen zusammen), aber das war völlig vergeblich, weil von den Vernünftigeren immer mehr wegblieben und die Idioten immer mehr wurden und einen Heidenspass daran hatten, alles zu zertrampeln. Da regelt sich nie etwas von allein, denn kaputtmachen ist immer einfacher als aufbauen. In unmoderierten Webforen sieht es übrigens ganz genau so aus.

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PinkiePie 05.08.2019, 15:21
8. Prozess der Radikalisierung

Die Aussage, dass keine Algorithmen an der Radikalisierung einzelner *n*chan-Nutzer beteiligt sind, stimmt nicht so ganz.

Ja, es gibt keine "KI", die Beiträge filtert/sortiert/hervorhebt, aber es landen immer die Themen ganz oben, zu denen zuletzt eine Antwort verfasst wurde.
Dies steht insofern zu einem krassen Gegensatz wie z.B. Reddit, dass es keine Rolle spielt, ob die Antworten das Thema gutheißen oder nicht.
Mit anderen Worten: Es gibt keine Likes oder Upvotes/Downvotes; Beiträge mit Zustimmung oder Ablehnung verhelfen einem Thema gleichermaßen zu mehr Aufmerksamkeit.
Auch Antworten innerhalb eines Themas werden hervorgehboben, wenn sie ihrerseits viele Antworten kriegen.
Man scrollt als Benutzer dann selber über so ein Thema und "filtert".

Ergo: Desto kontroverser ein Thema, desto besser wird ein Thema auf einem solchen Board präsentiert und desto mehr Leute sehen es.


Darauf basierend behaupte ich, dass auf *n*-Boards und Verwandten immer das Extreme nach oben "suppt".
Ob dieses Extrem dann verspottet wird oder lediglich die eigene Messlatte verschiebt (sprich radikalisiert) steht auf einem anderen Blatt.

Exakt diese Undifferenzierbarkeit begünstigt wiederum die Radikalisierung: 4chan war früher von einer konsequenten Ironie durchzogen und eher "links".
Es wurde sozusagen das parodiert, was Teile von 4chan/8chan heute sind und was die ganze GamerGate und Alt-Right-Bewegung so massiv begünstigt hat.
Nach und nach haben immer mehr Benutzer geglaubt, dass all diese Dinge ernst gemeint sind und das Verhältnis zwischen Ironie und Ernst ist in den letzten Jahren ganz klar zu letzterem hin gekippt.
Oder, wer es lieber andersrum lesen möchte: Ein kleiner Kern von Rassisten hat über die Jahre mehr Auftrieb von linken Trollen bekommen, die das alles nicht für echt gehalten haben.

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spon-facebook-1228080679 05.08.2019, 15:25
9. @kaltschale

sie meinen, unmoderierte Postings gehören zur Meinungsfreiheit?

Dann hier ein Spruch für Sie: "Meine Freiheit, mit den Fäusten zu schwingen, endet dort, wo die Nase meines Nächsten beginnt."

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