Forum: Netzwelt
Terroranschlag von Halle: Wie das Netz den Faschismus befeuert
RONALD WITTEK/EPA-EFE/REX

Das Internet ist gefährlich. Dann, wenn es als Radikalisierungmaschine wirkt. Das Fundament dafür liefert die Gesellschaft - im Fall Halle durch die Allgegenwart des Antisemitismus, rechts wie links.

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AbtrünnigerSozialdemokrat 16.10.2019, 15:27
10. Teile und hersche

Herr Lobo, Sie behen hier den strategischen Fehler, alle ihre Feinde über einen Kamm zu scheren. Das mag zwar in unserer emotionsverseuchten Zeit gut bei den eigenen Leuten ankommen, aber führt letztendlich zu Bündnissen ihrer Feinde. Viele Gruppen bestehen aus verschiedenen Fraktionen, die man gegeneinander Aufhetzen kann, um die Gruppe zu schwächen. Dafür muss man sich mit den geringeren Übeln verbünden. Wenn man wild mit der Nazikeule um sich schlägt macht man alle Getroffenen zu Nazis. Wenn man die Gegner der Asylpolitik (~50% der Wähler) oder politischen Korrektheit (fast Jeder) als rechtsextrem beschimpft, wird der eine oder der andere zu einem echten Rechtsextremen werden.
Man sollte die eigene Gruppe so homogen (bzw. Klassenlos) wie möglich halten, und bei seinen Feinden auf die kleinsten Unterschiede achten. Teile und hersche !

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qoderrat 16.10.2019, 15:30
11.

Zitat von jupiter_jones
Ich finde es bedauerlich dass die politik und auch die konzerne (google) dies problem immer noch nicht ernst nimmt?! Spaetens jetz wo menschen sterben sollte man doch mal aufwachen, oder nicht?
NPD und Republikaner und rechtsradikale Übergriffe hat es schon vor der grösseren Verbreitung des Internets gegeben, es kann also keineswegs die Ursache sein.

Und was erwarten Sie jetzt genau, was der Staat und Google macht? So ganz konkret? Internet wie in China komplett überwachen?

Das ist ein gesellschaftliches Problem, und das werden Sie nicht mit Technik lösen können. Aktuell haben wir das Problem, dass zu viele Menschen den Eindruck haben keine Perspektive zu haben, und die die sowieso schon labil sind werden unter diesen Rahmenbedingungen leichte Beute für Populisten, Extremisten und andere Spinner. An der Stelle muss man ansetzen, aber vermutlich wird das zu viel Geld kosten.

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Immanuel K. 16.10.2019, 15:33
12. Vor kurzer Zeit...

...gab es hier einen Bericht zu einer Untersuchung des des Pew Research Centers zum Verhältnis der Deutschen in Ost und West zu Minderheiten...:
"...So gaben 1991 in Ostdeutschland 59 Prozent der Befragten an, eine positive Haltung zu Juden zu haben, in Westdeutschland waren es nur 51 Prozent. Bei der aktuellen Umfrage äußerten 81 Prozent der Teilnehmer in Ostdeutschland eine positive Meinung über Juden, verglichen mit 88 Prozent in Westdeutschland.
Im Osten lag der Anteil derjenigen mit einer negativen Haltung zu Juden 1991 wie heute bei zwölf Prozent, im Westen sank er von 27 auf fünf Prozent. Gaben 1991 noch 29 Prozent im Osten und 23 Prozent im Westen an, sich dazu nicht äußern zu können oder zu wollen, sind es heute nur noch jeweils sieben Prozent..."
Jeder, der diese Fragen beantwortet hat, hat entweder nicht nachgedacht oder ist Rassist, auch wenn er die Fragen positiv beantwortet hat - denn die Beantwortung dieser Frage impliziert, dass Juden eine homogene Gruppe seien - und das ist der Beginn des Rassismus...
Was mir hier im Forum öfters ebenfalls auffällt, ist dass Kritik an der seit einigen Jahren herrschenden israelischen Politik in den gleichen Topf mit Antisemitismus geworfen wird - will man das differenzieren, werden diese Beiträge "wegmoderiert"

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aysnvaust 16.10.2019, 15:34
13. Jain.

Dass der Slogan (ich bin mal so salopp) "Nie wieder" so allgegenwärtig wie folgenlos ist, kann ich in dieser Form nicht unterschreiben. Ich versteh zwar, was Lobo uns damit sagen will (nämlich, dass mit dem lauten "Nie wieder" die Schuldigkeit getan ist, und man sich danach wieder den "wirklich wichtigen Dingen" zuwenden kann), muss aber anmerken, dass bei mir dieser Slogan zum eigenen Urverständnis, was mich als Deutschen ausmacht, dazugehört. Das hat mich in meiner Schulzeit schon nachhaltig geprägt (da gab es noch kein Internet, aber der unterschwellige Judenhass war auch seinerzeit nicht wegzuleugnen), und ist auch heute noch eine Präambel, wenn ich mit meiner Nichte kontrovers das Thema "Juden kontrollieren die Welt" dikustiere. Ist im Zeitalter der Filterblase nicht einfacher geworden, soviel kann ich sagen. Weiters will ich anmerken, dass die angesprochene Formel Diagnose / Prognose / Motivation eine Nichtformel ist. Die findet sich heutzutage in jedem Lebensratgeber, in der Berufsberatung, auch (abgesehen von der Motivation) in dieser Kolumne, ist also praktisch universell auf jeden Sachverhalt anwendbar (und sollte so auch angewendet werden, um überhaupt zu einem brauchbaren Ergebnis zu kommen) - und somit letztendlich so allgemeingültig wie das Gravitationsgesetz, und ergo nicht der Rede wert. Will sagen: Natürlich funtioniert auch die Radikalisierung so, wie auch sonst. Interessanter fand ich da schon den angesprochenen Aspekt der Selbstmotivation durch die Helmkamera / direkte Verbinndung zum imaginierten Publikum. Darüber habe ich auch schon nachgedacht und bin eigentlich erstaunt, dass dieser Punkt nicht mehr im Fokus der Berichterstattung fehlt. Bigt es keine politischen Redakteure / Journalisten mit online-Spielerfahrung, die sich in die Situation des Attentäters hineinversetzen können - oder wollen? Ich denke, ohne diesen Aspekt hätte zum Beispiel der Mörder von Halle schon viel eher aufgegeben, vielleicht wären uns sogar die Opfer erspart geblieben. Und zum Schluss: dass jetzt wieder "die gamer" in's Spiel gebracht werden, ist so billig wie vorhersehbar, darauf einzugehen, wurde diesen Schwachsinn nur unnötig adeln. Das Problem ist viel grösser: es ist das Internet. Prognose: das wird nicht einfach weggehen wie ein Schnupfen, das wird noch viel schlimmer - eine Entwicklung, an der kommende Generationen unvergleichlich mehr zu knabbern haben werden als wir. Motivation: Ein wichtiger erster Schritt aus meiner Sicht wäre: Bildung. Und Bildung. Und - Bildung. Insofern ist das Internet auch wieder eine Chance.

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oloh 16.10.2019, 15:41
14. Plasberg

Was Lobo über Plasberg kolportiert, ist unrichtig: Der Fakebook-Post wurde von Brigitte Büscher, der SM-Trulla, vorgelesen und eingeordnet als Beispiel für subkutanen Alltags-Antisemitismus.
Im Anschluss wurde auch die durchaus kritische Replik vorgetragen.
Also Lobo, machen Sie Plasberg nicht schlimmer als er ist.

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Margaretefan 16.10.2019, 15:41
15. Es hat Herrn...

... Lobo offensichtlich nicht gereicht, seinen Podcast nicht den Kopfhörern seiner letzten Kolumne zu widmen, sondern sich zum Thema Halle zu äußern. Jetzt konnte er auch schriftlich nicht widerstehen. Nun gut, das gefühlt millionste Statement zu Halle. Schadet ja nicht. Warum Herr Lobo Herrn Max Czollek gar zitiert, trotzdem nicht an sich halten kann in dem Zusammenhang Linksextremismus fast schon beißreflexartig zu erwähnen, muss ich nicht verstehen. Rechte und Konservative mögen Herrn Lobo dafür jetzt bestimmt wohlgesonnener sein, jetzt wo er erkannt hat, das die Link(sextrem)en im Zusammenhang mit allem Schlechten stets miterwähnt gehören.

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lalito 16.10.2019, 15:42
16. Guter Aspekt

Zitat von Actionscript
Herr Lobo hat sehr schön ausgelegt und zusammengefasst, was man in Diskussionen über rechten Terror liesst. Ein Argument, was auch immer wieder gebracht wird, um rechten Terror als etwas "verständnisvolles" zu verharmlosen, ist die Tatsache, dass es sich um Einzeltäter handelt, wobei die Opferrolle hier noch besser ins Spiel kommt aufgrund besonderer "Lebensumstände". In den USA kann mit dem Argument als Einzeltäter, der ein psychisches Problem haben soll, von rechter Seite Ansätze unterbunden werden, die Waffengesetze zu verschärfen. Trump selber, der dieses Argument immer wieder bringt, ist ein gutes Beispiel dafür. Der Einzeltäter gehört zu einer organisierten Gruppe und sind über soziale Medien vernetzt.. Zweitens ist es Strategie der rechten Terroristen als Einzeltäter aufzutreten. Denn ein Täter kann, wie die Vergangenheit gezeigt, grosses Leid verursachen. Und wenn der eine Täter gefasst oder getötet wird, dann fällt eben nur 1 Täter aber nicht wie bei einigen islamistischen Anschlägen eine ganze Gruppe von Terroristen aus. .
Strategie?

Dann die Strategen dingfest machen. Hetzen und die Verbrechen des dunkelsten Parts der deutschen Geschichte zu nihilieren, diese Freiheit nehmen sich bspw. die Anfänger mit dem roten Pfeil.

Das ist der Ofen, in dem dasTumbe zurecht gebacken wird. Solcherart Taten sind direkte Folge der Mausausrutscher oder "so nicht gesagt" bzw. "so nicht gemeint"-Sprachverweser

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n.werner 16.10.2019, 15:47
17. Zum Werdegang von Radikalisierungen...

...möchte ich anmerken, dass heutzutage gerne alle Meinungen als gleichwertig dargestellt werden - wie unsäglich sie auch sein mögen.
So wird dann eine Tatsache mit einer völlig gegenteiligen Behauptung auf gleicher Ebene und ohne Widerspruch dargestellt - oftmals von vielleicht auch gutmeinenden Medien.
Und das geneigte Publikum, ausgehend vom alten Prinzip, wenn es zwei gegensätzliche Darstellungen gibt, muss wahrscheinlich die Wahrheit in der Mitte zu suchen sein, nimmt dann den Mittelwert der Behauptungen als wahr an.
Lässt man nun die Aussagen immer unsäglicher und exzentrischer werden, verschiebt sich auch der jeweilige Mittelwert mit der Zeit.
Dieses Vorgehen kann man sehr gut bei populistischen Parteien und insbesondere bei der AfD sehen.
Absurditäten werden dann auch gerne mit eineme eingeschobenen "das wird man doch wohl noch sagen dürfen" gerechtfertigt.
Leider bietet das Internet für genau diese Technik die beste Form der Verbreitung, denn wo Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit und Eigen-Opfer-Darstellungen keine vehementen Einhalte mehr geboten werden können - z.B. weil man (nur noch) in den sog. Blasen unterwegs ist, erfolgen Radikalisierungen schneller als von den Behörden vermutet.
Das Internet still zu legen ist übrigens keine Lösung.

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isi-dor 16.10.2019, 15:50
18. Rechts oder Links?

Mich wundert da schon das angebliche Gegensatzpaar, wenn jemand fragt "Nazi oder Islamist?". Vielleicht sollte man doch mal betonen, dass absolut JEDER Islamist vordergründig ein Faschist ist und damit den Nazis ideologisch und systemisch deutlich näher steht, als der anti-rassistischen Linken. Dass ein Islamist irgendwie "links" sein könnte, halte ich für komplett ausgeschlossen, denn dafür fehlen sämtliche Schlüsselmerkmale. Der klassische Faschist legt seinem Hass typischerweise ausschließlich rassistische, sexistische, ethnische und religiöse Unterschiede zu Grunde, aber keine Klassenunterschiede. Da unterscheidet sich ein Neonazi kaum von einem Islamisten, oder besser gar nicht!
Ein klassischer Linker dagegen betont allenthalben Klassenunterschiede und legt in der radikalisierten Ausprägung den Kampf um die Aufhebung der Selben zugrunde. Gleichsam wendet er sich gegen imperialistische Außenpolitik und gegen die Unterdrückung und Diskriminierung ethnisch oder religiös definierter Gruppen. Genau deshalb ist Kritik an der aggressiven Außenpolitik Israels definitiv kein Antisemitismus, da er sich nicht gegen die Ethnie der Israelis, oder die Religion der Juden wendet, sondern gegen gewaltsame Eroberung und Unterdrückung. Das müsste eigentlich schon zu begreifen sein. Einen "linken Antisemitismus", also ein rassistisch definiertes Handeln, kann es faktisch nicht geben. Dies würde den Zielen des Klassenkampfes komplett widersprechen.

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isi-dor 16.10.2019, 15:53
19.

Zitat von peter-11
Hier muss jeder Mensch angstfrei leben können, aber eben auch schon mal anderer Meinung sein dürfen, als der linke Mainstream dies lautstark vorgibt ohne sofort in irgendeine Ecke geschoben zu werden.
Es gibt keinen "linken Mainstream" und Gewalt ist keine "andere Meinung"! Jeder darf seine eigene Meinung haben, aber dazu gehört nicht das Ermorden Menschen anderer Herkunft.

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