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Terrorist in Halle: Wir müssen über den Täter reden
Axel Schmidt/ AFP

Sollten wir weniger über den Attentäter reden, um ihm nicht die Aufmerksamkeit zu schenken, die er sucht? Klingt einleuchtend, kann aber ebenso gefährlich sein.

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iris b. 11.10.2019, 23:10
100. @Grummelchen321 /9

Zitat von Grummelchen321
erweiterter Suizid? Steile These die aufgrund des bisherigen Wissen über den Täter nicht haltbar ist.Ein Selbstmörder hätte sich von der Polzei erschießen lassen statt abzuhauen.Auch sein Voher verbreitetes M;anifest spricht gegen die Selbstmordthese.
Mir scheint, das Ziel solcher Äußerungen wie der von Beauregard (Nr.4) ist klar:
Man bezeichnet den Täter als "psychisch kranke, gescheiterte und unglückliche Person" bzw. "erbarmungswürdige Kreatur" und stiehlt sich damit aus der Verantwortung.
Da ist dann nicht Hass und Hetze, nicht Verharmlosung der NS-Zeit, nicht die Anlehnung an NS-Vokabular und NS-Methoden als Saat auf einen fruchtbaren Boden gefallen.
Nein, nein - ein krankes Hirn, ein wirrer, irgendwie aus dem Ruder gelaufener hat ganz und gar willkürlich Menschen in einer Synagoge angegriffen - fast schon ein Zufall, im Grunde wollte er einfach nur sterben.

Bleibt zu hoffen, dass Ablenkungsmanöver wie dieses nicht auch wieder auf fruchtbaren Boden fallen.

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Stäffelesrutscher 11.10.2019, 23:23
101.

Wir müssen auch darüber reden, warum die Synagoge keinen Polizeischutz hatte.
Warum die Polizei eine halbe Stunde brauchte, bis sie auftauchte.
Warum wegen versuchten Mordes in nur neun Fällen ermittelt wird und die Menschen in der Synagoge offenbar nicht mitzählten.

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iris b. 11.10.2019, 23:32
102. @ tanuu / 49

Zitat von taanuu
Höcke z.B hat sich sehr eindeutig geäußert. Aber davon will natürlich niemand etwas wissen, der ihn sowieso für einen Nazi hält. Oder man bezweifelt einfach, dass er das ehrlich meint.
So ist das: Es darf stark bezweifelt werden, dass Höcke das ehrlich meint.
Genauso wie man die Meuthen, v. Storch und wie sie alle heißen, nicht abnimmt, was sie sagen.
Erst hetzen, was das Zeug hält und dann heucheln, wenn jemand sie beim Wort nimmt (z.B. "Wir holen uns unser Land zurück" - wer von denen war das noch gleich?)

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r20110107 11.10.2019, 23:33
103. Eines muss man dem Täter lassen:

Er konnte der Polizei entkommen , obwohl er angeschossen war und allein im Fluchtwagen war?
Sein Qualmgewehr hat wohl die Polizisten masslos erschreckt!

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Periklas 11.10.2019, 23:34
104. ohne Titel

Eine analytische Betrachtung erscheint meiner Meinung nach sinnvoll. Das der Täter in ein mediales Gedächtnis eingreift indem er bewusst Fragmente sequentiell benutzt. Helmkamera und Livestream im Internet ist die Nachahmung des Attentäter in Neuseeland. In der Erweiterung seiner Einzeltäterschaft taucht ein Manifest auf ähnlich wie beim Täter aus Norwegen und in Neuseeland.
Es gibt genügend Hinweise darauf das die Taten eine lange Vorbereitungszeit bedurften um das Arsenal, das Manifest beziehungsweise den Anschlagort vorzubereiten. Auch wenn es als Einzeltat deklariert ist müssen daraus Konsequenzen folgen. Nur die Annahme, dass die Tat in ähnlicher Form sich in Monaten oder Jahren wiederholen wird ist nicht der Anspruch. Weil eben ohne Konsequenz, das Hintergrundrauschen im Internet nach wie vor geben wird.

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adal_ 11.10.2019, 23:42
105. Relativierungskünstler

Zitat von alkman
völlig richtig! Der Anschlag galt zwar der jüdischen Gemeinde, aber zum Glück ist keinem In der Synagoge ein Haar gekrümmt worden. Die Abwehrmaßnahmen waren wirksam. Wieso wird dann von mangelndem Polizeischutz schwadroniert?Von den beiden zufälligen Todesopfern, die nichts mit dem ursprünglichen Angriffsziel zu tun hatten, wird dagegen überhaupt nicht geredet. Sie sind die "vergessenen Opfer". Gibt es für die beiden nichtjüdischen Opfer auch so viel Menschenketten, Kerzen, Betroffenheit wie für die glücklicherweise Davongekommenen?
Was ist denn das für eine peinliche Aufrechnung?

Die sog. "Abwehrmaßnahme" verschlossene Tür war nur deshalb wirksam, weil der Attentäter gottlob nicht genügend Sprengstoff eingesetzt hatte, um sie zu öffnen. Polizeischutz: Null.

Ihre Behauptung, über die beiden zufälligen Todesopfer werde "überhaupt nicht geredet, sie seien die "vergessenen Opfer" ist völliger Quatsch. Lesen Sie keine Zeitung?

Ein Polizeiposten vor der Synagoge hätte vermutlich diese Mordtaten verhindern können. Denn das erste Opfr wurde vor der Synagoge ermordet, das zweite, nachdem der Attentäter mit dem Auto 500 Meter weitergefahren war.

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labuday 11.10.2019, 23:48
106. dann hätte ich gerne von Eco die US-amerikanischen Anschläge in den

Zitat von carahyba
Die Charakterisierung des Ur-Faschismus durch Umberto Eco sollte nach dieser Tat und des Polit-Blablas, "wir haben ja nichts gewusst", als Plakat an jeder Strassenecke aushängen: 1. Traditionenkult. Der Traditionalismus als Gegenbewegung zum Synkretismus (Vermischung verschiedener Religionen, Konfessionen, philosophischer Lehren) → „Es kann keinen Fortschritt der Erkenntnis geben, die Wahrheit ist ein für allemal verlautbart“. 2. Ablehnung der Moderne: Trotz Technikverehrung fußt die Ideologie auf Blut und Boden. Im Grunde werden die Aufklärung und die Werte von 1789 abgelehnt. 3. Irrationalismus: „Denken als Form der Kastration“. Kultur wird verdächtigt, sobald sie kritisch wird. Misstrauen gegenüber dem Intellekt. 4. Ablehnung der analytischen Kritik: Wenn die Wissenschaft mangelnde Übereinstimmung als nützlich ansieht, ist es für den Ur-Faschismus Verrat. 5. Ablehnung von Meinungsvielfalt und Pluralismus: Die natürliche Angst vor Unterschieden wird ausgebeutet und verschärft. Der erste Appell des Faschismus oder Vorfaschismus richtet sich gegen Eindringlinge. 6. Entstehen durch individuelle oder soziale Frustration: Der Appell an die frustrierte Mittelklasse in einer ökonomischen Krise oder bei politischer Demütigung. 7. Nationalismus: Menschen, die sich der sozialen Identität beraubt fühlen, wird ein einziges Privileg zugesprochen: In demselben Land geboren zu sein. Die Wurzel der urfaschistischen Psychologie ist Verschwörung. Die Anhänger müssen sich belagert fühlen, am besten durch Fremde. 8. Demütigung vom Reichtum und der Macht der Fremden: Damals: „Juden sind reich und haben ein geheimes Netz gegenseitiger Unterstützung“. Heute „Flüchtlinge kriegen alles, haben iPhones und haben sich zur „Invasion“ verschworen“. 9. „Das Leben ist nur um des Kampfes Willen da.“ „Pazifismus ist die Kollaboration mit dem Feind.“ 10 „Elitedenken“: Man gehört dem besten Volk, der besten Rasse an. Der Führer weiß, dass ihm die Macht nicht demokratisch übertragen werden kann, dass seine Kraft in der Schwäche der Masse wurzelt. Jeder Unterführer verachtet seine Untergebenen. Die Folge ist ein massenhaftes Elitebewußtsein. 11. Erziehung zum Heldentum: Ein Held ist in der Mythologie ein außergewöhnliches Wesen. Im Faschsimus ist der Held die Norm. Das Heldentum hängt eng mit einem Todeskult zusammen. ... 12. Übertragung des Willens zur Macht und des Heldentum auf die Sexualität: Das ist der Ursprung der Frauenverachtung... 13. Selektiver Populismus: Der individuelle Bürger wird durch den Volkskörper ersetzt. Das Nürnberger Reichstagsgelände wird zum Internetpopulismus. 14. Urfaschismus spricht „Neusprache“: Ein verarmtes Vokabular mit Framing und Deutungshoheit. Von „Lügenpresse“ bis „Umvolkung“ werden Begriffe neu etabliert. Etwas gekürzt.
Schulen und Hochschulen analysiert - da lassen sich die wenigsten mit Eco erklären. Dito Breivik.
Oder gilt Ecos Bewertung nur für die Deutschen ?
Ein Anschlag auf Menschen ist IMMER ein Anschlag - ob der terroristisch ist oder anders motiviert ist.

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tzoumaz 11.10.2019, 00:01
107. Es ist klar...

das man nicht vor jede Synagoge, Kirche, Moschee einen Polizisten stellen kann. Dann passieren solche Attentate eben im Bahnhof. Was mich aber schon wundert, ist der massive Polizeieinsatz bei jedem Bundesligaspiel. Hier ist ja wohl der Focus eindeutig und niemand argumentiert mit Personalmangel. Das Schema ist klar nach jedem Attentat: Wir brauchen mehr Polizisten, mehr Staatsanwälte und Richter, mehr Sozialarbeiter und Lehrer. Das sind alles nur Reparatur-Dienstleister für verkorkste Eltern, die ihre Kinder nicht mehr zu verantwortungsvollen, respektvollen und liebevollen Menschen erziehen können weil ihnen selbst diese Eigenschaften fehlen.

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iris b. 11.10.2019, 00:17
108. @ tobiaswerner / 74

Zitat von tobiaswerner
Habe soeben den Meinungsbeitrag von Mathias Döpfner in der "Welt" gelesen, wo er das Ganze - Staatsversagen - m. E. mal sehr gut auf den Punkt bringt, in all seinen Facetten, bzgl. hier (nur) der inneren Sicherheit. Weitere Bereiche könnte man z.T. ebenso beleuchten bzw. zusammenfassen. Das geht runter wie Öl!!! Welcher Beitrag hingegen ist z.B. dieser.
Der Beitrag v. Döpfner ist Whataboutism in Reinkultur.
Da will ein deutscher Rechtsextremist in Deutschland ein Massaker an deutschen Juden verüben und dem Mann fällt kaum etwas anderes dazu ein als der Verweis auf Ausländerkriminalität im Besonderen und im Allgemeinen, Kritik an der Flüchtlingskriminalität, Ausländerkriminialität im Allgemeinen.
Am Ende kriegt er die Kurve und schreibt: "Ich jedenfalls möchte nicht in einem Land leben, in dem Menschen ihre Nachbarn wegen mangelnder Mülltrennung maßregeln, aber wegsehen, wenn Mitbürger umgebracht werden. Nur weil sie eine dunkle Hautfarbe haben. Oder Juden sind."
Ich auch nicht.
Aber wenn wir das nicht wollen, müssen wir zuallererst den Blick nach innen schärfen und unser Land vor unseren eigenen Landsleuten schützen, vor jenen, die dabei sind, unser weltoffenes Deutschland mit Hass, Hetze, Mord und Terror in ein anderes Land zu verwandeln, in ein Land, in dem sich Menschen anderer Hautfarbe und anderer Religion ihres Lebens nicht mehr sicher fühlen.

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HorstOttokar 11.10.2019, 00:30
109.

Zitat von jrcom
Was ich n i c h t verstehe, ist, warum nicht ebenso auch von den Opfern gesprochen wird. Ein wirklich sehr junger Mann, der ermordet wurde, eine Frau, die sogar mit dem Täter sprach. Über diese beiden hat man zu spät und m . E. Viel zu wenig geredet. .... Die Frau und der Junge waren den Journalisten zunächst nichts wert.
DAs hat was mit Opferschutz zu tun und ist vollkommen ok so. Wenn die Opfer zu genau beschrieben werden, werden sie von ihrem Umfeld erkannt, und dann steht bei den Verwandten das Telefon nicht mehr still.

Aktuelles Negativeispiel: Das Opfer im Dönerladen wurde von Leuten, die sich das Helmvideo zeitnah reingezogen haben, erkannt. Die haben dann den Vater des Opfers angerufen. Der wusste zu dem zeitpunkt noch gar nichts.

Das muss man sich mal geben.

nachzulesen u.a. in der Märkischen Allgemeinen, die die Opfer mit einer gruseligen Mischung aus Mitleid und Sensationsgeilheit detailliert beschreibt.

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