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Trend zur Sofortpolitik: Hilfe, wir vertrumpen!
DPA

"Was kümmert mich mein Geschwätz oder Gesetz von vorhin oder nachher?" Nach diesem Motto wird heute debattiert und Politik gemacht: Sofortpolitik. Das ist eine denkbar schlechte Entwicklung.

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Leser161 04.01.2017, 16:29
1. Ja stimmt

Diese Hauruckpolitik sahnt immer nur kurzfristig populistisch Zustimmung hab, behebt Probleme aber nicht nachhaltig. Scheint ein Trend der zeit zu sein, so auch schon gesehen beim Atomausstieg ganz plötzlich nach Fukushima.

Anderseits ist es mir lieber, wenn man Probleme überhaupt angeht statt sie auszusitzen. Ich denke wir müssen einfach die Entwicklung abwarten. Irgendwann wird ein Politiker kommen, der durch langfristig durchdachte Politik glänzt und den sollten wir dann unterstützen.

Das dauert aber noch ein bisschen denke ich. Solange freue ich mich, dass sich überhaupt was bewegt.

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marty_gi 04.01.2017, 16:37
2. Es gibt keine Sofort-Politik

Es gibt nur Leute, die Zusammenhaenge nicht verstehen.
Das heutige Desaster resultiert noch aus Reagan/Thatcher/Kohl-Zeiten, ist also ein langer Weg, um Finanzkrise, FDP-Absturz, Trump-Wahl, Brexit, AfD und weiteren M*st zu verstehen.
The BIG PICTURE ist eigentlich gefragt, aber das wurde wahrscheinlich durch die dauerhafte Reduzierung der Aufmerksamkeitsspanne mittels des Fernsehens und der Werbebloecke fuer alle Zeiten ruiniert.

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philipkdi 04.01.2017, 16:38
3. Chapeau!

Bravo Sascha Lobo, Problem auf den Punkt gebracht. Wie aber wollen wir das Problem lösen? Wer nicht sofort irgendwie zu jedem Quark reagiert gilt als Penner. Na ja, vielleicht wird das ständige Hin- und Hergehetze irgendwann auch langweilig. Oder wir schreiben alle zusammen so viele Sofort News, dass die Leute irgendwann die Schnauze voll haben. Make rationality great again!!

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doctoronsen 04.01.2017, 16:56
4. Wenn man bedenkt, welche Hoffnungen mit dem Internet Mitte der 90er verbunden wurden...

Wenn man bedenkt, welche Hoffnungen mit dem Internet Mitte der 90er verbunden wurden, wird einem ganz anders. "Information wants to be free"? Von wegen. Information will gar nichts, Menschen wollen was - und nun sehen wir, was wir wollen: Manipulation, statt Information. Emotionale Reaktion, statt Denkanstößen.

Was helfen würde: wenn die derzeitigen Quasi-Monopolisten Facebook und Twitter etc. juristisch ebenso für sämtliche Inhalte haften müssten wie Presseerzeugnisse. Die Social Media Sites gerieren sich gern als neutrale Akteure, aber das sind sie keineswegs. Zeitungen entscheiden, was auf ihr Papier gedruckt wird. Sie sind verantwortlich dafür, einschließlich abgedruckter Leserbriefe! Nicht anders Facebook et al.: ihre Regeln und Algorithmen entscheiden, wie kommuniziert werden kann und wird. Für die Ergebnisse sind sie in die Verantwortung zu nehmen. Derzeit ist es hier wie so häufig: Gewinne werden internalisiert, Belastungen - z.B. ein massiv beschädigtes politisches Diskussionsklima - werden externalisiert.

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salomon17 04.01.2017, 16:57
5. Genau so ist es!

Die Besonnenheit, die jeder wichtigen Entscheidung zugrunde liegen sollte, ist den "sozialen" Medien geopfert worden. Meine Meinung passt nicht in 140 Zeichen!

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zoppotrump 04.01.2017, 16:57
6. Und SPON selbst?

Die Analyse ist ziemlich treffend und sollte Pflichtlektüre nicht zuletzt bei SPON selbst werden. Wenn die Kanzlerin nicht immer sofort reagiert (nein, ich wähle nicht CDU) wird ihr hier regelmäßig vorgeworfen, sie sitze Probleme aus. Als ARD und ZDF nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt nicht alle 5 Minuten irgendein sinnfreies News-Update sendeten, gabs vom Spiegel Schelte, das sei zu behäbig. Die alte Reihenfolge für Print-Journalisten, "Qualität vor Geschwindigkeit" gilt doch hier auch immer seltener.

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coyote38 04.01.2017, 16:57
7. Argumentativer Schuss ins Knie

Jetzt fehlt nur noch, dass Lobo ausgerechnet Deutschland als Gegenbeispiel anführt ...^^ Hier regiert doch schon seit Jahren nur noch die Wetterfahne: "Multikulti ist gescheitert", "Kein Cent für Griechenland", "die deutschen Kernkraftwerke sind sicher" ... alles Merkel-Zitate, die mir spontan einfallen. Wir "vertrumpen" nicht erst jetzt ... das haben wir nur noch nicht "gemerk(el)t".

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Havel Pavel 04.01.2017, 17:00
8.

Zitat von Leser161
Diese Hauruckpolitik sahnt immer nur kurzfristig populistisch Zustimmung hab, behebt Probleme aber nicht nachhaltig. Scheint ein Trend der zeit zu sein, so auch schon gesehen beim Atomausstieg ganz plötzlich nach Fukushima. Anderseits ist es mir lieber, wenn man Probleme überhaupt angeht statt sie auszusitzen. Ich denke wir müssen einfach die Entwicklung abwarten. Irgendwann wird ein Politiker kommen, der durch langfristig durchdachte Politik glänzt und den sollten wir dann unterstützen. Das dauert aber noch ein bisschen denke ich. Solange freue ich mich, dass sich überhaupt was bewegt.
Na ja Bewegung nur deshalb, dass sich etwas bewegt wird wohl auch keinen Sinn ergeben, solange diese nicht in positiver Richtung erfolgt.
In gar machen Fällen wäre dann schon Stillstand angebrachter. Sicher diese unüberlegte populistisch ausgerichtete Politik ist wohl kaum jemals sinnvoll und alles andere als wohlüberlegt ausgestaltet. Dies sieht man ja nun überdeutlich an der Flüchtlingspolitik, die man ursprünglich ja auch mal auszusitzen versuchte, bis dann die Flüchtlinge zu Hunderttausenden an der Grenze standen und man gar keine Wahl mehr, geschweige denn Zeit für ein überlegtes Handeln hatte. Zuvor hat man sich jahrelang seelenruhig mit angesehen unter welchen erbärmlichen Verhältnissen die Flüchtlinge in den Lagern campierten und wertvolle Zeit ungenutzt verstreichen lassen, bis die Lage schliesslich eskalierte. Ob die von Ihnen angesprochene langfristig ausgrichtete Politik in heutiger Zeit überhaupt noch gelingen kann erscheint sehr ungewiss, zu schnell ändern sich mittlerweile nun halt die Bedingungen. Aber dennoch lassen sich viele Situationn mit etwas Intelligenz gepaart mit Fantasie durchaus einschätzen.

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Lykanthrop_ 04.01.2017, 17:02
9.

Herr Lobo, ich kann ihren Beitrag nur unterstützen.
Wir brauchen analytisches, besonnenes und konsequtenes Handeln, keine überflüssigen Schnellschüsse.
Leider denke ich, müssen wir uns an Schnellschuß-Debatten gewöhnen, das schein die Konsequenz der Digitaliserung zu sein.

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