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Trend zur Sofortpolitik: Hilfe, wir vertrumpen!
DPA

"Was kümmert mich mein Geschwätz oder Gesetz von vorhin oder nachher?" Nach diesem Motto wird heute debattiert und Politik gemacht: Sofortpolitik. Das ist eine denkbar schlechte Entwicklung.

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GinaBe 04.01.2017, 19:00
30. Auch Ihnen alles Gute zum Jubiläum!

Vielen Dank, Sascha Lobo.
besonders zum heutigen 70. Spiegel- Geburtstag konnten Sie die veränderten politischen Aktionen und Reaktionen sehr gut als Sofort- Politik bezeichnen, wenn auch kritischer Journalismus eben nicht mehr das Zeitgeschehen zu beantworten scheint, sondern wilder Aktionismus schainbar vorherrschen muss, um den angeblichen Informationshunger der Bürger zu befriedigen.
Ist es wirklich so?
Weniger ist manchmal mehr, meine ich mit einem schiefen Blick auf die unlängst auch hier abgelieferte Berichterstattung zum Berliner Attentat bemerken zu dürfen, wo man zwar nichts wusste, darüber aber fleißig geschrieben hat.
Trump ist allerdings ein Anti- Politiker und Anti- Präsident, dessen Handlungsweisen ich ehrlich gesagt gar nicht wirklich beobachten will. Die Antwiort jedes seriösen Politikers auf ihn müsste sein, streng fakten udn Vorschläge oder entscheidungen einzufordern und sich auf unklare Ansagen gar nicht erst einzulassen.
Wir müssen tatsächlich ZURÜCK zu einer klaren Sprache, die weniger Schurbelei erlaubt. Gleichzeitig soll das schwarz- weiß- denken aufgebrochen werden durch wieder ergiebigere Hintergrundinformationen, die Themen zusammenhängend beleuchten. Anstatt neoliberale Sichtweisen oder linke? oder AfD- Phrasen aufzugreifen möge doch mal probiert werden, naturalistisch ohne Bewertungen Ereignisse wiederzugeben, sachlich und einfach. Ob das funktioniert?
Politische Gegner demaskieren und angreifen wollen ist das eine.
nur zu leicht entsteht dadurch jedoch ein einseitiges Abbild der Wirklichkeit. Niemand ist neutral und die Welt ist bunt.

Ich würde gerne weitere 38 Jahre den Spiegel oder eben SPon lesen, doch manchmal kommen mir Zweifel, ob meine Treue wirklich in jedem Fall gerechtfertigt ist.

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beina28 04.01.2017, 19:04
31. Sofort oder nicht

Es gibt viele Wege der Kommunikation. Wer versteht schon, wem das letztendlich hilft und wem nicht. Die Machtnetzwerke haben ganz sicher eine Kommunikationsform und Mechanismen die für nicht eingeweihte nicht verständlich sind. Es bleibt dann die Spekulationen in allen Medieneformen sich darüber auszulassen um zu signalisieren ob es stört oder nicht. Dann wird solange verwirrung gestiftet bis man das anvisierte Ziel erreicht hat. Junker hat das Geheimnis doch erklärt: man stellt etwas in den raum und warten was passiert.
Also ob schnell oder langsam im Ergebnis kommt höchstwahrscheinlich das gleiche heraus. Insgesamt werden alle Prozesse beschleunigt, natürlich auch die fehlerhaften oder nicht gewünschten. Wir nähern uns der totalen Unübersichtlichkeit und könnten alles nachlesen. Die armen Geschichtsschreiber und Archäologen. Sie werden sich möglicherweise fragen, vorausgesetzt es gibt noch welche die die derzeitige Kultur mal ausgraben: welche Irrlichter waren da am werk?

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ludna 04.01.2017, 19:08
32. Im Prinzip gebe ich Herrn Lobo Recht,

nur wäre es nicht Sascha Lobo, wenn er nicht implizit seine Botschaft suggeriert. Die da heisst, deutsche Polizisten sind Rassisten. Gegen diejenigen, die "vorschnell" die Polizei verteidigen, führt er an, jetzt sollen doch bitte Fakten und qualifizierte Argumente zählen. Seltsam, sonst weiss Herr Lobo auch immer alles ganz genau.

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Newspeak 04.01.2017, 19:12
33. ...

Ach, na ja, was soll das Gejammer? Einerseits wird Politik doch nie von denen gemacht, die sie mit viel Bohei inszenieren, die Gesetze schreiben andere. Andererseits beschwert sich wirklich Sascha Lobo über "Sofort" und fehlende Muße zur Diskussion. Wo er sonst hinter seine Kommentare "tl;dr" schreibt, also die Ultrakurzzusammenfassung für Doofe bzw. Denkfaule? Man muß schon auch mal den Balken im eigenen Auge sehen, Ihr "Digital Natives" befeuert doch jede noch so absurde Beschleunigung/Verkürzung von Inhalten. Das ist doch EUER Markenzeichen. Die Politiker, als Opportunisten, die sie nun mal mehrheitlich sind, springen doch nur auf den Wagen auf. Also, Sascha Lobo, die Entschleunigung vorleben, nicht mehr so oft kommentieren, keine Zusammenfassungen mehr, weniger eigener Beitrag zum medialen Grundrauschen.

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Bananenschale 04.01.2017, 19:36
34. Aussitzen, Internet

Zitat von Havel Pavel
Na ja Bewegung nur deshalb, dass sich etwas bewegt wird wohl auch keinen Sinn ergeben, solange diese nicht in positiver Richtung erfolgt. In gar machen Fällen wäre dann schon Stillstand angebrachter. Sicher diese unüberlegte populistisch ausgerichtete Politik ist wohl kaum jemals sinnvoll und alles andere als wohlüberlegt ausgestaltet. Dies sieht man ja nun überdeutlich an der Flüchtlingspolitik, die man ursprünglich ja auch mal auszusitzen versuchte, bis dann die Flüchtlinge zu Hunderttausenden an der Grenze standen und man gar keine Wahl mehr, geschweige denn Zeit für ein überlegtes Handeln hatte. Zuvor hat man sich jahrelang seelenruhig mit angesehen unter welchen erbärmlichen Verhältnissen die Flüchtlinge in den Lagern campierten und wertvolle Zeit ungenutzt verstreichen lassen, bis die Lage schliesslich eskalierte. Ob die von Ihnen angesprochene langfristig ausgrichtete Politik in heutiger Zeit überhaupt noch gelingen kann erscheint sehr ungewiss, zu schnell ändern sich mittlerweile nun halt die Bedingungen. Aber dennoch lassen sich viele Situationn mit etwas Intelligenz gepaart mit Fantasie durchaus einschätzen.
Sie haben schöne Beispiele für das Aussitzen gebracht!

Allerdings mußte ich einsehen, daß mit der Tatsache, daß Politik aussitzt, vorwiegend partikulare Interessen bedient und dabei die Begründungen für Entscheidungen nichts oder wenig mit den tatsächlichen Motiven zu tun haben, die aktuelle Entwicklung nicht erklärt. Selbst wenn die Politik in den vergangenen Jahrzehnten sich korrekt verhalten hätte, wäre die Lage, so fürchte ich, heute kaum eine andere. Daß Politik auch anders sein kann, hatte Willy Brandt mit seiner Ostpolitik bewiesen.

In Bezug auf das Internet stehe mit allen über Kreuz: Wer z.B. sich über die Überwachung / Profiling im Internet beschwert, sollte sich klarmachen, daß genau eine solche erst Überwachung / Profiling verhindern könnte. So geht es also nur darum wer mit welcher konkreten Absicht überwacht / Profile bildet. Und ebenso das Gebrabbel, daß das Internet (k)ein Rechts-freier Raum sei. Das Internet legt uns die Frage vor, was überhaupt noch Recht sein kann. Die Politik, auch die internationale Politik, hat das Problem ausgesessen. Aber selbst wenn sie zeitig aggiert hätte ( z.B. Bändigung von Google & Co. ), wäre die Situation auf Dauer kaum eine andere. Sascha Lobo will nichts von alledem (ein)sehen.

Eine Handgranate werfe ich darum noch: Es sind vor allem die veröffentlichenden Medien-Experten, die die Wucht und Konsequenzen des Internets nicht verstehen und / oder überblicken.

Der nächste Sonnensturm kommt bestimmt. Sitzen wir die Sache doch einfach aus, weil eh egal ...

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akohle 04.01.2017, 19:37
35. Wir sind die Gesellschaft

Wir alle bilden und formen die Gesellschaft. Viele von uns denken, sie wären überall Prime-Kunde und alles müsse sofort geschehen etc. Wenn die Politik nicht ständig so einen Druck erfahren würde, könnten wenigstens die "üblichen Anliegen" in Ruhe bearbeitet werden. Leider klappt nicht mal das. Daran ist mitunter auch die Presse schuld, die mit ihren Auflage-Problemen diesen angeblichen "Populismus" noch befeuert. Falls mein Kommentar nicht durchgeht, poste ich das direkt auf Facebook.

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noch_ein_forenposter 04.01.2017, 19:40
36. Ist doch gar nicht neu

Das ist doch auch nicht anders als das Geschrei nach mehr Gesetzen, mehr Überwachung, wenn mal wieder irgendetwas passiert - im Wissen, dass man es nicht umsetzt und es auch nichts bringen würde. Ob das nun über Twitter reinkommt oder über SPON oder Tagesschau.de ist doch kein großer Unterschied. Verkürzt ist es allemal.

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luny 04.01.2017, 19:53
37. Lagerkampf

Hallo Herr Lobo,

Sie schreiben:

"Und weil alles so schnell, so sofortpolitisch geschehen muss - kann es nur noch zwei Lager geben, Differenzierung braucht Ruhe. Auf diese Weise fördert Sofortpolitik, deren Teil wir alle sein können, die Schwarz-Weiß-Haltung, die Lagerbildung, die Abkehr von der Analyse und die Hinwendung zum faktenarmen, aber gefühlsintensiven "Wir gegen die".

Ich möchte ergänzen, daß es schon seit geraumer Zeit einen
parteipolitischen Lagerkampf gibt.

Als die LINKE den Gesetzesentwurf der SPD zum Mindestlohn
wortgleich einbrachte, wurde er von der SPD abgelehnt, weil er
ja vom politischen "Gegner" stammte. Dies als Beispiel.

Auf schnelle politische Lösungen ist unser parteipolitisches System
überhaupt nicht ausgelegt.

Die Zeit, nur noch zu REAGIEREN, anstatt zu AGIEREN, neigt sich
hoffentlich dem Ende zu.

LUNY

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luny 04.01.2017, 20:07
38. Keine Korrektur

Zitat von coyote38
Jetzt fehlt nur noch, dass Lobo ausgerechnet Deutschland als Gegenbeispiel anführt ...^^ Hier regiert doch schon seit Jahren nur noch die Wetterfahne: "Multikulti ist gescheitert", "Kein Cent für Griechenland", "die deutschen Kernkraftwerke sind sicher" ... alles Merkel-Zitate, die mir spontan einfallen. Wir "vertrumpen" nicht erst jetzt ... das haben wir nur noch nicht "gemerk(el)t".
Hallo Coyote38,

die selbsternannte politische "Elite" ist leider nicht in der Lage,
Fehler ZUZUGEBEN und diese zeitnah zu korrigieren.

Priorität haben Wahlen, bei denen die Parteien punkten möchten
und sich deshalb Lösungen entziehen, vor allem wenn der
Lösungsvorschlag vom politischen "Gegner" kommt.

Dieses ganze politische "Theater" ist ein Schmierentheater.

Die Bürger verlangen völlig zurecht Lösungen für die Themen
innere und äußere Sicherheit, Bildung, Gesundheitswesen,
Altersversorgung, Infrastruktur etc.

Steuern und Abgaben sollten Leistungen gegenüberstehen und
nicht der lapidare Satz: "Die KASSEN sind leer!"

LUNY

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luny 04.01.2017, 20:29
39. Druck

Zitat von akohle
Wir alle bilden und formen die Gesellschaft. Viele von uns denken, sie wären überall Prime-Kunde und alles müsse sofort geschehen etc. Wenn die Politik nicht ständig so einen Druck erfahren würde, könnten wenigstens die "üblichen Anliegen" in Ruhe bearbeitet werden. Leider klappt nicht mal das. Daran ist mitunter auch die Presse schuld, die mit ihren Auflage-Problemen diesen angeblichen "Populismus" noch befeuert. Falls mein Kommentar nicht durchgeht, poste ich das direkt auf Facebook.
Hallo Akohle,

den "Druck" gibt es nicht nur von extern, der Druck entsteht auch
intern, weil die selbsternannte politische "Elite" einfach die Arbeit
verweigert und bestimmte politische Betätigungsfelder nicht
"beackert".

Da wären Bildung, Alterssicherung, Infrastruktur etc. etc.

Das Thema innere und äußere Sicherheit kommt jetzt noch oben
drauf.

Die Verantwortung dafür, daß wenig bis nichts passierte, trägt die
selbsternannte politische "Elite". Wenn überhaupt etwas passierte,
war es zum Vorteil der "Eliten" aus der Industrie, der Wirtschaft,
kurzum zum Wohle der "Schönen und Reichen".

Das "gemeine Fußvolk" hat nun die Möglichkeit, aufzumucken und
macht das auch.

Die selbsternannte politische "Elite" ist schockiert. An ihrem
Machtgefüge wird gerüttelt. Ihre Macht wird in Frage gestellt.

Deshalb schlägt sie wohl gerade planlos um sich.

LUNY

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