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Trumps Ablenkungsmanöver: Wir verlieren den Kampf um unsere Köpfe
Andrew Harrer/ POOL/ EPA-EFE/ REX

Erst Kinder in Käfigen, dann Grönland: Donald Trump eskaliert immer weiter, bis die Menge der Monstrositäten nicht mehr zu bewältigen ist - und die mediale Mäßigung trägt zur Verwirrung bei.

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The Independent 22.08.2019, 11:57
110.

Zitat von clint east wood
Auch wenn in beiden Anschlägen keine Psychos sondern einfach rechtsradikale Terroristen die Täter waren. Und die öffentliche Diskussion sollte davon abgelenkt werden. Sogar Republikaner hatten sich für die checks abgesprochen - aber als Abhängiger von NRA-Unterstützung für seine Base musste Trump das stoppen. Und für sowas gibt's in den USA immer nur ein ganz enges Zeitfenster. Das hat Trump geschlossen. background checks sind "dead". Ein zweites unangenehmes Thema war das Urteil über die Behandlung, Versorgung von Kindern in den Flüchtlingslagern an der Grenze. Bei jedem aufregenden Tweet, der plötzlich ein völlig neues Thema aufmacht, ist es immer eine gute Idee, nachzuschauen: Wovon will er ablenken. Nichts an Trumps Kommunikation ist Zufall. Vieles mag sehr spontan passieren - aber es ist kein Zufall. Mir gruselt ein wenig bei dem Vergleich, aber es ist wie bei Picasso: Jeder Strich hat seine Bedeutung - aber sie kommen aus dem Gefühl, wie das Bild sein soll.
Der Attentäter von Dayton war laut Aussagen von Schulkameraden bereits in der Jugend verhaltensauffällig, allerdings verweigert die Schule aus Datenschutzgründen dazu nähere Angaben.
Der Täter hat nach Aussagen von Klassenkameraden "Rape"- und "Kill"-Listen geführt, 2012 wurden diese Listen entdeckt. Zwei Drittel der Schüler blieben nach der Entdeckung dem Unterricht aus Angst zunächst fern. Die Polizei ermittelte damals und kontaktierte auch mindestens eine Schülerin, die auf diesen Listen stand, wie sie nun selbst mitteilte. Der Attentäter bezeichnete sich selbst als Linken. Bisher hat die Polizei keine Hinweise auf eine politische oder rassistische Motivation finden können. Da er seine Schwester getötet hat, dürfte klar sein, dass er nicht ganz richtig getickt hat.

Ansonsten liegen Sie bzgl. Trumps Ablenkungstrategie sicher richtig.

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hinschauen 22.08.2019, 11:59
111.

Zitat von iasi
Grönland ist keine Erfolgsgeschichte für Dänemark. Warum also nicht einen Verkauf diskutieren? Keine 60.000 Einwohner, aber enorme soziale Probleme und soziale Ungerechtigkeit. Enormes Staatsdefizit. Schwache Wirtschaft. Zunehmender Tourismus und vor allem Rohstoffabbau, der von Naturschützern stark kritisiert wird. 1946 hatte Harry Truman den Kauf Grönlands schließlich auch erwogen. Warum also gleich jede Überlegung sofort vom Tisch fegen?
Berlin hat ja auch Schulden. Könnten wir dann ja gleich mit verkaufen, oder?

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Bernd Bär 22.08.2019, 12:10
112. die Wurzel des Übels

Obwohl Grönland und die Grenzkinder der Aufhänger sind, spricht Lobo hier ein allgemeines Phänomen der Trump-Ära an und benennt es auch so. Entsprechend auch die Kommentare: ein Teil geht Konkret auf diese armen Kinder und die seltsame Gebietserweiterung ein, ein Teil allgemeiner auf das Spektakuläre, das immer wieder vom Schlimmen ablenkt, und einige gehen noch weiter und betrachten Trump als Gesamtphänomen: Die Amerikaner haben ihn schließlich gewählt, und sie werden ihn aus den gleichen Gründen wieder wählen.
Und tatsächlich: Trump wird sich nicht ändern, wenn wir wirklich etwas unternehmen wollen gegen das Schlimme, dann müssen wir überlegen, wie wir verhindern können, daß er wiedergeählt wird, oder ein anderer seiner Art aus den gleichen Gründen. Besonders letzteres darf man nicht vergessen: Es gibt viele Grobiane, Rassisten und Egomanen auf der Welt, und es gibt Gründe, aus denen Trump gewählt wurde, und diese Gründe gibt es noch immer und sie sind noch genauso wirksam wie vor zweieinhalb Jahren.
Warum wurde Trump gewählt? vor allem aus Protest gegen das vermeintliche oder tatsächliche politische Establishment und dessen vermeintlichen oder tatsächlichen jounalistischen Speichellecker.
Trumpwähler leben nicht in New York oder San Franzisko, nicht in den Städten, sie sind nicht intellektuell oder proressiv. Sie leben in der Mitte des Kontinents, in den ländlichen Gebieten, den so genannten "Fly-over-states" - der Ausdruck zeigt die Verachtung, die der linksintellektuelle journalistische Mainstream für diese Mehrheit übrig hat. Sie sind Bauern, aber deswegen nicht dumm, sie sind konservativ, aber zum Großteil deswegen noch lange keine Rassisten. Aber durch das die sich - keineswegs immer ehrlich - linksintellektuell gebenden Medien und den Politikern, deren Bild sie ja ebenfalls nur durch eben diese Medien vermittelt bekommen, haben sie sich nicht mehr vertreten gefühlt. Es war nicht ds Problem, daß man diese Menschen mit ihren abweichenden, aber in der Regel noch nicht extremen, Meinungen nicht "abgeholt" hat. Sie sind erwachsen und brauchen das nicht. Das Problem war, daß man sie nicht respektiert hat. Wer mit seinen Werten über Jahre hinweg als dämlich hingestellt wird, bei dem staut sich eine enorme Wut auf. Und irgendwann wird er nicht mehr wählerisch sein in der Wahl seiner Waffen. Auch wenn sie Trump heißen.

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urbanism 22.08.2019, 12:16
113. Vielleicht liegt es auch an unserem Schubladen Denken

M.E. liegt das Deutsche Problem darin, dass man Donald Trump nicht so nimmt wie er ist, sondern ständig versucht ihn nach klassischen Muster in Schubladen zu stecken. Vielleicht habe wir einfach verlernt, Menschen unvoreingenommen zu beurteilen. Schon bei der Präsidentschaftswahl, hat man Donald Trump in die Schwachsinns Schublade gesteckt in der man ihn bis heute auch belässt. Wir geben uns liberal und weltoffen, dabei sind tief im Innern immer noch der Kleinbürgerlicher Spieser der alles Niedermacht was nicht seinem Weltbild entspricht.
Donald Trump, Wladimir Putin und Xi Jinping zeigen uns eins, wie unbedeutend und hilflos die restliche Welt ist.. Und unser Problem ist, dies anzuerkennen!

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joerg.noa 22.08.2019, 12:16
114.

Was genau ist am Grönlanddeal-Wunsch skandalös? Russland, China, Norwegen, alle strecken ihre Griffel gen Arktis aus - Stichwort: Klimawandel - und die USA haben da zurzeit einen eher schlechten Stand. Es geht nicht darum, GIs über Grönland abzusetzen, oder den paar tausend Menschen, die dort leben, ihren Grund und Boden streitig zu machen.

Bei den Zuständen in den Auffanglagern kann man sicher von skandalös sprechen. Aber welchen Anteil hat "Trump" daran, welchen andere, zum Beispiel seine Vorgänger? Dass "Trump" Seife und Betten für Kinder als überflüssig ansieht, ist Propaganda. Monat für Monat gehen 6000 Kinder aufenthaltsrechtlich illegal und unbegleitet über die Grenze. Es gibt Auffanglager mit Betten, Seife und allem anderen für 4000 Personen, in denen jetzt aber nolens volens drei oder vier mal so viel untergebracht sind, weil so viele Menschen illegal über die Grenze gehen und nicht schnell genug auf andere Unterbringungen verteilt werden. Es fehlt dort folglich an allem, auch Seife, Betten und Medikamente. Und es fehlt an Haushaltsmitteln, um alles zu beschaffen (wer ist dafür verantwortlich?) Ergo konzentriert man sich auf das wesentliche, wie Essen. Und wird jetzt wegen der verheerenden Zustände gerichtlich in Anspruch genommen. Anwälte, die diesen Prozess nicht verlieren möchten, bringen vor, dass die gesetzlichen Regelungen nicht vorschreiben, worauf im Lager genau Anspruch besteht. Das ist so in etwa der Sachverhalt.

Natürlich kann man "Trump" deshalb kritisieren. Natürlich ist er mit für diese Zustände verantwortlich. Aber man kann auch versuchen, Dinge einzuordnen. Mich interessiert nicht so sehr, wie man mit Trumps "Provokationen" umgehen sollte, sondern warum man auf Einordnungsversuche bei Trump konsequent verzichtet.

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Pragmatiker 307 22.08.2019, 12:18
115. Völlig richtig, aber ....

.... seine Wähler finden ihn klasse, und vielleicht wählt das amerikanische Volk auch bei der nächsten Wahl wieder diesen skrupel- und morallosen Schaumschläger. Und wenn sich die ganze restliche Welt darüber empört - wir können nur wenig machen.

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Pragmatiker 307 22.08.2019, 12:22
116.

Zitat von kuh
Wie gewinnen wir den Kampf um die Köpfe? Gar nicht mehr. Ich fürchte, mit dem Internet haben wir die Büchse der Pandora geöffnet. Ich weiß noch gut, als ich dachte, dass das Internet dafür sorgt, dass wir uns alle besser verstehen werden und wir auf ein Utopia zusteuern á la Star Trek, wo alle friedlich zusammenarbeiten. Das war zu Zeiten als man in rec.food.drink.coffee noch diskutiert hat, wo es guten Kaffee in Tokyo gibt oder wie man Bohnen röstet. Die Entwicklung lief anders. Heute gilt eher: Idioten aller Länder vereinigt euch. Das wirklich Schlimme ist: das Internet spiegelt vermutlich nur, wie wir Menschen wirklich im Inneren sind: nicht hilfreich, edel und gerecht, sondern egoistisch, neidisch, gierig und feindselig. Vielleicht wirds mit ein oder zwei Jahrtausenden Evolution irgendwann besser, wenn wir uns nicht vorher ausgelöscht haben. (Ja, ich habe gerade länger Twitter gelesen, was nicht gut für die Stimmung ist)
Danke, Sie beschreiben den Kern der Sache!
Es ist schlicht ein dramatischer Verfall aller Gesinnungen und guten Sitten, wenn derartige Personen die höchsten Staatsämter bekleiden können. So sieht es WIRKLICH im Inneren von Abermillionen Menschen aus! Sie finden es gut und wählen es.

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klichti 22.08.2019, 12:30
117.

Das Problem hier sind nicht Trump, Putin, Orban, Duterte und all die anderen, wie immer sie auch heißen. Das Problem ist der Umgang der nicht-trumpisierten Politikerkaste mit diesen Leuten und ihren Handlungen. Diese Typen "infantilisieren" das politische Leben und werden durch das scheinbar zurückhaltende Verhalten der anderen ohne jede Rechtfertigung aufgewertet zu "echten" Politikern. Es braucht tatsächlich eine mit Aspergersyndrom diagnostizierte Jugendliche, um zu zeigen, wie mit diesen Politik-Hanswursten umzugehen ist. Ihr von der journalistischen Front bedient einfach den Markt. Daß da zur Zeit vor allem Entrüstungspotential und Als-ob-Mentalität funktionieren, ist doof aber unvermeidlich. Wenn die Politik Gretas Vorbild folgen würde, wären die Politik-Vortäuscher aus dem Gruppendynamik-Sandkasten ganz schnell weg vom Fenster. Oder glauben Sie, Trump wäre noch Präsident, wenn sich der Wähler in den USA so in Grund und Boden für ihn schämen würde, wie er das eigentlich muß?

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klichti 22.08.2019, 12:42
118.

Jedem, der "The Big Bang Theory" gesehen hat, ist Ocam's Razor vertraut. Auf Ihre Frage angewandt, muß man schlußfolgern: wenn man sich zwischen planvoller und ausgeklügelter Menschenverachtung einerseits und bodenloser Dummheit andererseits als Grundantrieb entscheiden muß, was ergibt sich als einzig mögliche Antwort bei Trump? Wenn der Mann so intelligent wäre, wie es nötig wäre, um planvoll ein solches politisches Desaster anzurichten, dann hätte er nicht ein halbes Dutzend oder mehr Pleiten hinter sich, und man käme ihm auch nicht in jedem Einzelfall so schnell auf die Schliche. Was wir hier erleben, ist nicht etwa ein "evil genious", sondern das Totalversagen der politischen Kaste. Nach so vielen Einzelfällen darf sich keiner mehr darauf herausreden, Trump wäre unvorhersagbar. Trump lügt (plump), er eskaliert (plump) und er ignoriert jeden, der ihm aus seiner Sicht nicht dienlich sein kann (ebenfalls plump). Außerdem denkt er ausgesprochen linear, Alternativen kommen ihm, soweit ich das wahrnehmen kann, niemals je in den Sinn. Wer gut für ihn und sein Parteigänger ist, ist eine "wonderful person, one of the smartest people on earth" (kein Zitat, hoffe ich), und derselbe Mensch wird aus seiner Sicht zur Made, die man zerquetschen muß, sobald er seiner Trumpigkeit, dem GröPaZ, in die Quere kommt.

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medium07 22.08.2019, 12:50
119. Klingt auch nach "früher war alles besser"

Die Mehrzahl der Spiegelkolumnisten fällt leider allzu oft in das allgemeine Lamento ein, dass alles immer schlimmer würde, was einen zu dem sicherlich etwas überzogenen Eindruck bringen kann, auch diese eher links-orientierten Schreiber sehnten sich irgendwie zurück nach besseren Zeiten, wenngleich nicht ganz so weit (oder zuweilen auch viel weiter) zurück als die Rechten. Es sei im Zusammenhang mit der medialen sowie regierungsamtlichen Entwicklung zu Lüge und Rüpelhaftigkeit daran erinnert, dass bereits Gutenbergs Medienrevolution vergleichbare Phänomene zeitigte. Bei einem Blick auf die Pamphlete Luthers und die Flugblätter Cranachs wird schnell klar, in welchem Ausmaß bereits damals fake-news und hate-speech betrieben wurden, (was heutige Monströsitäten eher harmlos erscheinen lässt).- Folgt man dagegen den Ausführungen Steven Pinkers ("Aufklärung jetzt"), die natürlich auch manche Frage offen lassen, so stellt man fest, dass es mit dem Verlust der Köpfe und der Abwärtsdrift der Menschheit nicht annährend so übel aussieht, wie in den Kolumnen auf SPON oft suggeriert. Vielleicht sollten die Damen und Herren in dieser Abteilung hie und da die wunderbare Seite „our world in data“ konsultieren und auf dieser Grundlage gelegentlich ein ausgleichendes Wort in Richtung Pluspol finden.

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