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Umgang mit Gewalttaten: Ja zur privaten Social-Media-Notwehr!
DPA

Dürfen Privatperson Fotos oder Videos ins Netz stellen, die mutmaßliche Gewalttäter zeigen? Unser Kolumnist ist dafür. Er meint, dass in den Köpfen vieler Menschen ein Täterschutzreflex verankert ist.

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Leser161 06.02.2019, 15:08
1. Ja was denn nun?

Geht es um mutmaßliche Täter oder Täterschutzreflex? Ein mutmaßlicher Täter ist halt kein Täter. Wer etwas anderes will, will den Rechtsstaat abschaffen und durch sein eigenes Urteil ersetzen. Ich verstehe das man das attraktiv finden kann, ist halt einfacher, an sich selbst zweifelt man ja auch viel weniger als an entfernten komplizierten Entscheidungen, aber:

Ohne Rechtsstaat gewinnt einfach der, der den grössten Hammer hat. Jeder der also gegen den Rechtsstaat und seinen Schutz nur mutmaßlicher Täter ist sollte sich fragen: Habe ich wirklich den größten Hammer?

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VormSpiegel 06.02.2019, 15:15
2. Mob-Rule

Wenn überhaupt kann man seine Bilder an die Polizei schicken.
Jemanden schlecht zu reden und Bilder hochzuladen endet unter GARANTIE in einem Mob von gestörten Menschen die dann in Gewalt gipfelt.
Im Zweifel wird ein Mensch auch unschuldig einfach als schuldig erklärt, der Rufmord ist schlimm genug und das ist alles in keinem Verhältnis zu dem "vermeintlich" guten das dadurch erreicht werden soll.

Privatpersonen sollten die Urteilssprechung nicht selbst übernehmen, dafür sind Gerichte da und die Polizei.
Das alles zu erst an Twitter geschickt wird, anstatt der Polizei sollte an sich schon eine Straftat sein, als Verleumdung und Rufmord.
Das ist ein Unding der heutigen Zeit das mit "Gerechtigkeit" nichts aber auch gar nichts zu tun hat.

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orangeovl 06.02.2019, 15:20
3. Ich kann dem nicht zustimmen

Erstens ist es rechrlich klar, dass man keine Bilder von andern ohne deren Einverständnis einfach veröffentlichen darf, insofern sie nicht als Beiwerk dienen.

Zum anderen kann der Schuss ganz schnell nach hinten losgehen. Bei uns in der Umgebung wurde vor ein paar Jahren ein Ausländer gefilmt, wie er auf jemanden einprügelte. Das Video kursierte im Internet. Einige findige Personen passten den vermeindlichen Agressor ab und schlugen ihn Krankenhaus reif.
Es stellte sich herraus, dass der Typ geistig behindert war und von seinem Opfer jahrelang gemobbt wurde....

Wer ein sollches Video von einer vermeindlichen Strafttat macht, soll zur Polizei gehen und Anzeige erstatten. Ich kann den Wunsch nach Gerrechtigkeit gut verstehen, aber digitales anprangern ohne Kontext halte ich für höchst gefährlich. Ausserdem kann jeder dieses Mittel missbrauchen von links nach rechts. Ich seh schon den nächsten Trend, Leute provuzieren bis man eine geklatscht kriegt und der Freund filmen versteckt. Die Provukstion selbst wird natürlich nicht hochgeladen.

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ambulans 06.02.2019, 15:22
4. nee,

sascha, das is und wird nix, und deine argumentation mit der "unschuldsvermutung" ist zumindest unehrlich. weil: du vermengst eine schutzvorkehrung aus einem (noch nicht beendeten) strafprozess mit einem procedere, dass du pauschal verdächtigst, zu gunsten eines "täters" voreingenommen zu sein. einfach ausgedrückt: damit eine person zu einem "täter" wird, bedarf es zuvor eines ordentlichen prozesses (justizförmiges verfahren) vor einem ordentlichen gericht - und eines urteils aus diesem verfahren. sonst gilt, ohne wenn und aber: nulla poena sine crimen; auf deutsch: wennste nix gemacht hast, kriegte auch nix ab. alles andere muss dir eindeutig nachgewiesen werden ...

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tormos 06.02.2019, 15:22
5. Tja, kann man do machen...

Dann muss man sich halt statt Täterschutz mit Opferschutz auseinandersetzen. Denn dann wird jeder Hans und Franz irgendwen, irgendwo wiedererkennen, weil man irgendwas mitgekriegt hat. Der Mensch funktioniert leider nicht so klar strukturiert, wie manche Traumtänzer es gern hätten.
Und spätestens wenn S.L. Für einen Kifi gehalten wird, kommt das dann in die nöchste Kolumne.

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mephistofeles12 06.02.2019, 15:25
6. Wer zieht die Grenze?

Der Kommentator spricht von Täterschutz wo noch gar kein Täter feststeht. In der Geschichte geht es um einen Verdächtigen, der schützenswerte Rechte hat. Wo wäre sonst die Grenze zur Selbstjustiz? Zurecht steht vor der Strafe und vor der Verwandlung einer Person zum Täter ein Gerichtsverfahren. Der Richter entscheidet, sonst keiner. Ich beobachte schon lange - besonders in BILD - einen sehr laxen Umgang mit "mutmasslichen" Verdächtigen, deren Gesicht bedenkenlos abgedruckt wird. Und wenn er´s gar nicht war? Und falls er´s war: Ab welchem Vergehen ist eine öffentliche Ausstellung mit den entsprechenden Konsequenzen legitim? Bei jeder? Nur bei bestimmten? Wer bestimmt das?

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SasX 06.02.2019, 15:26
7. Bitte nicht

Aufzeichnen? Ja. Und anschließend damit zur Polizei.

Aber wer selbst veröffentlicht, dem muss klar sein, dass er die Behauptung, die er mit der Veröffentlichung aufstellt, im Zweifel auch beweisen muss. Und falls der Vorwurf für die Veröffentlichung falsch ist, hoffe ich auf saftige Strafen, weil man das eben nicht so einfach wieder rückgängig machen kann.

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antelatis 06.02.2019, 15:29
8. Reflex vs Vernunft

Na ja, diese Art von Täterschutzreflex ist doch ganz natürlich und kaum zu vermeiden. Wenn man persönlich involviert ist, kann man eine Sache halt nur noch schwer objektiv beurteilen, das weiß man doch. Dieses involviert-Sein kann auch schon dann bestehen, wenn man nur Ansichten des Täters teilt, auch wenn diese gar nichts mehr mit der Tat zu tun haben.

Aber wenn man diesen Täterschutzreflex jetzt als so große Gefahr ansieht, dass ein kontrollierter Umgang damit nicht mehr möglich scheint, sollte man dann nicht auch dasselbe mit dem Tätervorverurteilungsreflex tun, bzw. warum sollte der eine Reflex schlimmer sein als der andere?

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tucson58 06.02.2019, 15:31
9. Alles Unsinn

Wenn jemand ein "mutmaßlicher" Täter ist, dann ist er längst noch nicht erwiesen das er es auch wirklich war !

Mutmaßlich bedeutet nur ..... aufgrund bestimmter Tatsachen, Anzeichen möglich, wahrscheinlich ...... aber nicht erwiesen !

Dazu kommt bei solchen, wie im Artikel geschilderten Sachverhalten, das man als Leser nicht den kompletten Zusammenhang der "Tat" kennt und vieles Spekulation ist, die nicht so stimmen muss .

Deswegen gibt auch die Polizei erst Ermittlungsergebnisse bekannt , wenn es nachweisbare Fakten zu einem Tathergang gibt .

Was der Autor hier befürwortet ist lediglich die moderne Art eines Prangers ohne das überhaupt nachgewiesen wurde das die Person auch zu 100% Schuld hat und man die Zusammenhänge kennt.

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