Forum: Netzwelt
Umgang mit Gewalttaten: Ja zur privaten Social-Media-Notwehr!
DPA

Dürfen Privatperson Fotos oder Videos ins Netz stellen, die mutmaßliche Gewalttäter zeigen? Unser Kolumnist ist dafür. Er meint, dass in den Köpfen vieler Menschen ein Täterschutzreflex verankert ist.

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rwachsmu 07.02.2019, 11:44
140. Sehr geehrter Herr Spiegel SPON

Zitat von intercooler61
Tragendes Motiv der Unschuldsvermutung ist die Grundhaltung, dass die Bestrafung eines (möglicherweise) Unschuldigen verwerflicher ist als das Davonkommenlassen eines (möglicherweise) Schuldigen. Das ist des Pudels Kern. Allen, die sich mit dieser Haltung nicht anfreunden möchten, steht es frei, ihre Staatsbürgerschaft aufzugeben und den Geltungsbereich des Grundgesetzes zu verlassen, in welche Richtung auch immer: Fahrt nach Norden, Süden, Osten, Westen, zum Mars oder zur Hölle - und lasst uns unser zivilisiertes Gemeinwesen.
Das hat der Forist gut auf den Punkt gebracht.

Ich habe den Artikel und die Kommentare noch einmal gelesen und ich denke, dass wir hier härter reagieren müssen.

Das hier geht nicht nur an den Autor, der ja eigentlich einen guten Ruf hat, das geht an die SPON Redaktion und den Spiegel im Ganzen. Mal sehen ob ihr das veröffentlicht. Die Meinung, die Haltung des Autors ist unterirdisch und widerspricht allen zivilisierten Rechtsprinzipien, die eine freie und soziale Gesellschaft ausmachen. So etwas wird von euch veröffentlicht! Ist das auch eure Meinung? Habt ihr aus Pistorius nichts gelernt? Wird so ein gefährlicher Unsinn ungeprüft auf die Webseite geklatscht, vielleicht von einem Praktikanten? Ihr seid vermutlich schon betriebsblind und halte euch für die Größten, denn es ist ja nicht das erste Mal, dass man derartiges hier liest.

Eins solltet ihr wissen, werte SPON-Redaktion und Spiegelredaktion. Es kommt nicht von Nichts, dass euer Blättchen immer seltener gekauft wird. Auch ewige Spiegelleser lesen euch immer seltener und gehen immer seltener auf SPON. Das hat Gründe. Ein Grund ist beispielhaft dieser gefährliche Unsinn, der einem halbwegs Wachen aus diesem Artikel engegenblödet.

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großwolke 07.02.2019, 11:49
141. Möglichkeit zur Rehabilitation

Lobo konzentriert sich mit seiner Argumentation zu sehr auf das Hier und Jetzt. Täterschutz, so unangenehm das Wort zunächst auch klingen mag, ist wichtig, denn wir müssen Menschen, die zu Tätern geworden sind, den Rückweg in die Gesellschaft offenhalten. Also ja, selbst wenn es um einen richtigen Täter geht, nicht nur um einen mutmaßlichen, ist die Social-Media-Veröffentlichung falsch. Das Internet vergisst leider nicht so leicht, und wenn einer, nach erfolgter Verurteilung und Bestrafung, den Weg zurück in die Gesellschaft sucht, so soll ihm das nicht durch den Nachhall des Online-Prangers verunmöglicht werden. Nicht immer sind Täter abgrundtief böse Menschen. Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, in der man für den Rest seines Lebens verurteilt werden kann, egal unter welchen Umständen man vielleicht straffällig geworden ist.

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Derwatt 07.02.2019, 12:05
142. Im Ernst?

Mit diesem Zitat:
"Gesellschaft ist kein Strafverfahren, auch wenn einige Juristen außer Stande sein mögen, die Welt aus nicht juristischer Perspektive zu sehen. Und damit jede Debatte auf ihr rein juristisches Spielfeld ziehen wollen, obwohl gerade Rechtsstaatlichkeit nicht nur Gesetzessache ist."
hat sich Sascha Lobo endgültig aus dem Kreis ernstzunehmender Diskursteilnehmer verabschiedet. Was - bitte schön - ist denn Rechtsstaatlichkeit anderes als "Gesetzessache"? Das gesunde Volksempfinden oder die Meinung der versammelten Facebook- und Twitter-Nutzer?
Erst Margarete Stokowski und jetzt das. Es wird langsam unappetitlich auf Spiegel-Online.

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shrufu 07.02.2019, 12:30
143. @kleinsteminderheit

Ich lese Lobo jetzt noch nicht soo lange aber der erste Abschnitt zb kommt mir schon ziemlich untypisch vor.. überzeichnet, schwarz weiß und irgendwie wie ein framingversuch. Leicht unterstützend dann später der Diätsektkommentar der eig eine Art missglückten Humor ausschließt. Dann gibt es eigentlich nur zwei klare Aussagen wie er dazu steht, dennoch ist ja das unangenehme das er dahin argumentiert das zb Bildrecht privat ist und es so von den Konsequenzen ablõst. Das verwirrende ist eben das er dann nicht die "gewohnten Bahnen" nimmt indem er klar den Feminismus mit den halt typischen rechts Methoden und Zielen unterstützt. Dazu passt dann auch das immer wieder glättende von Beobachtung und Rechtsstaatlichkeit sowie juristische Begriffe, Relativierungen und hält mE jede Menge Argumente und Beschreibungen die man so mMn nicht ins Feld führen kann. Außerdem hat er in der Vergangenheit relativ oft erwähnt wie FB zu Lynchmorden beigetragen hat und es verurteilt.. also kann ich mir nicht vorstellen das er die Methode grundsätzlich in Ordnung findet. Es spricht also mMn einiges für ihren Gedanken dies kõnnte ein Experiment sein.

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Bondurant 07.02.2019, 12:32
144. Geschwister im Geiste

Zitat von Derwatt
Erst Margarete Stokowski und jetzt das.
Vereinfacht, aber nicht falsch, kann man der beiden Meinung so zusammenfassen: wenn Männer (bevorzugt alte weiße) in den Verdacht geraten, sie hätten etwas Frauenfeindliches und/oder Rassistisches getan, muss man sie erstens öffentlich stellen und namhaft machen und zweitens müssen die dann beweisen, dass sie zu Unrecht in Verdacht geraten sind. So eine Rechtslage wäre doch viel schöner, oder?

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hasselblad 07.02.2019, 12:34
145.

Social Media beweist, dass alle Hypothesen, die wir vor 25 Jahren über das Internet hatten, komplett falsch waren. Es hat die Menschen nicht klüger, empathischer, besser und sozialer gemacht, sondern fördert vor allem den rücksichtslosen, zornigen Asi zutage, der in der digitalen Anonymität seinen ganzen Kleinbürgerfrust, seine infantilen Hutbürger-Ängste vom dem Fremden und seinen Neid auf jeden, der ein Iota mehr besitzt, in verbalen und bildlichen Hass umwandeln und aus dem Schutz der klatschenden Echokammer heraus in die Welt rotzen kann, dabei alles und jeden beleidigt der nicht die eigene Meinung vertritt und, als Deutscher, zusätzlich noch permanent-penetrant mit maximaler Besserwisserei zu Tempolimit, minderjährigen Klimafreunden und Frauen glänzt. Daher teile ich Saschas Haltung hier ausnahmsweise ausdrücklich nicht, insbesondere der letzte Teil - können ja Gerichte entscheiden ob das nun Mobbing ist - ist eher fragwürdig. Wird der Prolet verurteilt ist der Schaden längst angerichtet, bestimmte Dinge sollten man den Menschen einfach schon im Vorfeld nicht gestatten. Wir brauchen einfach Regeln, wir sind als Menschen per se schlicht zu blöd und asozial um selbständig ein auskömmliches Miteinander zu organisieren. Was mir gut gefällt sind die Erläuterungen zu "Pranger" und "Zensur", diese begrifflichen Feinheiten kann man dem Pöbel nicht oft genug erklären.

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studios 07.02.2019, 12:37
146. Ist das Ihr Ernst?

Herr Lobo, dass mir ausgerechnet bei Ihrer Kolumne mal der Schweiß auf die Stirn tritt, hätte ich niemals geahnt. Sie rufen zur Abschaffung des Rechtsstaats auf und rechtfertigen Straftaten gegen die persönliche Integrität. Ich hoffe inständig, dass jemand von ganz rechts- oder evtl. auch linksaußen Ihren Account gehackt hat und wir bald eine Richtigstellung lesen vom klugen, besonnenen Sascha Lobo.

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sober 07.02.2019, 12:40
147. Ungewöhnlich flach

Eigentlich schätze ich die Kolumne von Lobo sehr, weil er, unabhängig davon ob ich inhaltlich mit ihm übereinstimme, sehr klug und tiefsinnig argumentiert (was nicht für alle anderen SPON-Kolumnisten in gleicher Weise gilt). Diesmal aber bin ich wirklich enttäuscht. Ich denke die große Empathie mit dem Opfer hat den Guten so sehr erfasst, dass die Klarheit seiner Argumentation Schaden nahm. Fahndungsaufrufe sind Sache der Polizei! Basta. Rechtsstaat und so. Lernt man schon im Oberstufenkurs Politik.

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The Independent 07.02.2019, 12:50
148.

Zitat von Matt_Alder
Man muss den Hallodris, die ihr Techtelmechtel mit Gina Lisa Lohfink gefilmt und - was ich absolut nicht in Ordnung finde(!) - danach ins Netz gestellt haben, dennoch dankbar sein. Denn ohne diesen Nachweis säßen die beiden für ein paar Jahre im Bau für eine Tat die sie nicht begangen haben. Und die damalige Justizministerin Schwesig hat diese Schmierenkomödie auch noch unterstützt.
Nachweis, na ja...
Der Gutachter hat ein toxikologisches Gutachten erstellt, dass nur auf den Augenschein aufbaute, also auf das, was der Gutachter auf dem Videomaterial sehen konnte bzw. was die Kamera zeigte, oder eben nicht zeigte, und was das Mikrofon der Kamera aufnahm. Eine Auswertung von Blutproben, um etwa Lohfinks Behauptung, dass ihr Drogen verabreicht wurden, zu widerlegen oder zu stützen gab es also nicht.
Der Gutachter war Toxikologe, nicht aber etwa Verhaltenswissenschaftler.
In den USA gibt es viele Fälle, in denen Jugendliche oder junge Erwachsene jungen Frauen/Mädchen Ecstacy-Pillen in Drinks mogelten, um sie "willig" zu machen. Es gab auch Fälle, in denen diese Pillen mit Tranquilizern kombiniert wurden und dann den Opfern untergeschoben wurden (z.B. im Drink aufgelöst, oder in einer mahzeit versteckt), um die Opfer dann wirklich gefügig zu machen.
Lohfinks Vermutung/Behauptung kann tatsächlich erfunden sein, aber gerade wegen der nicht verfügbaren toxikologischen Auswertung des Blutes, ist es auch nicht völlig ausgeschlossen, dass sie damit nicht daneben lag, auch wenn das Gericht (nur) anhand des Videomaterials anders entschieden hat.

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galyeftherios 07.02.2019, 12:53
149.

Das Problem ist doch, dass das ganze zu Selbstjustiz führen kann. Straftäter sind durch die Justiz zu bestrafen und basta. Da könnten wir ja direkt mit öffentlichen zugänglichen Listen von Sexualstraftätern weiter machen, wie in den USA - wo jeder sehen kann, wer wo wohnt - nachdem diese Menschen ihre Strafe abgesessen haben. Das ist unmenschlich und das Gegenteil von Rechtsstaatlichkeit.

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