Forum: Netzwelt
Umgang mit Gewalttaten: Ja zur privaten Social-Media-Notwehr!
DPA

Dürfen Privatperson Fotos oder Videos ins Netz stellen, die mutmaßliche Gewalttäter zeigen? Unser Kolumnist ist dafür. Er meint, dass in den Köpfen vieler Menschen ein Täterschutzreflex verankert ist.

Seite 2 von 24
bumbu 06.02.2019, 15:41
10. Das würde ich ja alles für eine gute Idee halten,

aber man muß sich dann auch die Frage stellen, was passieren soll, wenn sich die Verdächtigung als falsch erweist. Das wird oft genug passieren, denn die Leute posten ja gerne ohne Hirn.

Strafrecht ist da keine gute Antwort, denn das verlangt den Nachweis von Vorsatz, und der gelingt ja eh nie, und wenn doch, dann ist dieser „Nachweis“ keine stringente Beweisführung, sondern nur ein Postulat des Richters. Und außerdem hilft es dem Opfer der Fehlbeschuldigung nicht, dessen soziale Probleme ja auch unabhängig vom Vorsatz meist gravierend ausfallen.

Deshalb würde ich mir eine pauschale, ohne weitere Beweisführung beanspruchbare Entschädigung fürs Opfer wünschen: Wenn der behauptete Sachverhalt nicht stimmt, wenn trotz fehlender Straftat jemand diffamiert wurde, dann soll €€€ fließen, unabhängig davon, ob die Verwechslung vorsätzlich, fahrlässig oder „schicksalhaft“ (Richter-Sprech für: hätte mir auch passieren können) war. Und zwar ohne zivilrechtlichen Prozeß, einfach nur nach Klärung des Sachverhaltes.

Das ist aber mit unserem Rechtssystem kaum vereinbar. Und deshalb sehe ich die Notwehr im Internet recht skeptisch, und Beispiele aus jüngster Vergangenheit (der Syrer, der Schulkinder um ein Photo bat und von „besorgten Eltern“ als Pädophiler gebrandmarkt wurde) zeigen das Gefahrenpotential

Beitrag melden Antworten / Zitieren
klawitter16 06.02.2019, 15:41
11. In jedem Fall ein klares NEIN zur Social-Media-Notwehr

Das geht gar nicht - tut mir leid. Durch Social-Media werden schon heute ausreichend Menschen an den Pranger gestellt, wenn wir das auch noch als Notwehr bemänteln ist dem Unsinn Tür und Tor geöffnet. In Münster hat vor Kurzem ein Mann Kinder vor einer Schule angesprochen. Ob böse Absichten dahinter steckten oder nicht weiß ich nicht. Anstatt auf die Polizei zu warten haben alamierte Eltern den Mann fotografiert und die Bilder Online verbreitet. Das geht gar nicht. Wir können doch nicht jeden Verdacht erst einmal über soziale Netzwerke verteilen, wenn es sich dann als falsch erweist, hilft eine Entschuldigung auch nicht mehr. Bei allem Verständnis Herr Lobo, das geht deutlich zu weit.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seraphan 06.02.2019, 15:41
12. Diffuses, populistisches und unreflektiertes Gebrabbel

Social-Media-Notwehr. So einen Blödsinn geben im Artikel zitierte Rechte und Linke mit einer ebenso einseitigen Erklärung ab, wenn es um ihre Belange geht oder eine Gewalttat zu rechtfertigen ist. Und die Frage, wo jetzt der Unterschied zwischen der Taktik vorgenannter und der Verfasserin dieses Artikels liegt, wird genauso begründet - schließlich ist es ja ganz was anderes. Der Pranger wird genauso einseitig auseinandergenommen. Dieses Wort wird nicht genutzt, um zu definieren, wer diesen als Strafmaß festlegte, sondern wie. Nämlich mit der Öffentlichmachung eines - und das ist noch ein großer Unterschied zu den Plänen der Autorin, die es richtig findet, alle Rechtsstaatlichkeit abzuschaffen, so lange es ihrer Argumentation dient - verurteilten Täters. Tut mir leid, ich bin der letzte, der findert, dass rechtsstaatliche Methoden, Urteile und Gesetze gerecht sind, und dass ich mich vom Staat bevormunden lassen muss, aber mit Anarchie kommen wir im Netz nicht weiter.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
TLB 06.02.2019, 15:43
13.

Das Wort Unschuldsvermutung hat eine klare Bedeutung. Man vermutet Unschuld, solange keine Schuld bewiesen ist. Das ist also weder diffus noch undefiniert. Außer der Lesende möchte die Unschuldsvermutung nicht gelten lassen. Dann unterstelle ich ihm böse Absicht. Pranger wiederum hat nicht unbedingt etwas mit staatlicher Demütigung zu tun, sondern mit allgemeiner Verachtung. Sehr her, hier ist die Person, die das und das gemacht hat, alle dürfen auf sie herabschauen. Das habe ich in der Geolino gelesen, war also nicht schwer. Warum Herr Lobo hier zwei sehr klare Begriffe versucht zu verwässern, erscheint mir als, würde er für eine gute Absicht, Rechtsnormen und Respekt opfern wollen. Und Lobo legt fest, was gut ist und was nicht. Ich bin dagegen!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
vandertheken 06.02.2019, 15:46
14. Vorsicht,

Herr Lobo, nicht nur "Unschuldsvermutung" ist ein juristischer Fachbegriff, auch "falsche Verdächtigung" und "Rufschädigung" sind es. Viele der Beispiele sind moralisch keine kniffligen Fälle und die Definition von Opfer und Täter haben Sie bereits impliziert. Es gibt aber nicht nur arme Feministinnen (Opfer) und patriarchische Männer (Täter) in dieser Gesellschaft. In Münster wurde vor ein/zwei Wochen über FB und WA das Foto eines "Kinderschänders" verteilt mit einschlägigen Aufrufen an Polizei und Lynchmob. Die Polizei fand den Verdächtigen zuerst, und es stellte sich heraus, dass der Asylsuchende zuerst Erwachsene, dann Kinder angesprochen hatte, damit jemand ein Foto von ihm mit seinem ersten Schneefall macht.
In Ihrer Welt müssen Sie diesen Fall dann aber seeehr genau formulieren, um die Grenze zu strafrechtlich relevantem Verhalten nicht zu überschreiten. Einmal "mutmaßlich" vergessen, jamnd liest es und ergreift "Nothilfemassnahmen", und Sie könnten jemanden zu einer Straftat angestiftet haben, nur weil "man da doch was tun muss". TÄTER soll niemand schützen, egal auf welcher Seite da ein/e Feminist/in steht, aber *Verdächtige* sind was ganz anderes......oder fänden Sie's toll, erstmal öffentlich des (....) verdächtigt zu werden bis hin zu Jobverlust und zerrütteter Ehe, und dann kommt kleingedruckt bei Bild eine Richtigstellung auf Seite 16? Die Wirkungsweise von Fakes in Sozialen Medien sollten Ihnen doch bekannt sein. Der Schaden ist schnell da und das oft unwiderruflich.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
dasfred 06.02.2019, 15:49
15. Stuss!!

Selten hat Herr Lobo solch einen Schrott verzapft wie heute. Täterschutz, weil nicht jeder vermeintliche Täter mit Foto ins Netz gestellt werden darf? Wer entscheidet das. Soll das Opfer darüber frei entscheiden dürfen. Nehmen wir doch mal das Beispiel der Frau, die Kachelmann vor Gericht gebracht hat. Nach Lobos Logik wäre es OK wenn sie ihn als Vergewaltiger angeprangert hätte im Netz. Mit allen Folgen, die er dann zu tragen hat. Ohne zu erkennen, dass es nie eine Vergewaltigung gab. Lobo will hier Opferrechte durchsetzen, die es eventuell gar nicht gibt. Die nur einer kranken Phantasie entspringen. Die österreichische Politikerin, die hier in erster Instanz verloren hat, ist ja auch deshalb angeklagt worden, weil sie keine beweisbare Tatsache, sondern nur den eigenen Rückschluss aus Indizien angeprangert hat. Hätte sie nur gepostet, dass sie vom Anschluss des Wirtes beleidigt wurde, wäre ihr auch die Anklage erspart geblieben. Den Nachweis, das es der Wirt selbst war, ist sie schuldig geblieben. Ich kann mir vorstellen, Herr Fischer würde den Artikel in der Luft zerreißen. Irgendwie hat Herrn Lobos Kolumne heute schon das Fleischhauer Niveau unterschritten. Das ist allerdings auch eine Leistung.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Msc 06.02.2019, 15:52
16.

Wie kann man nach CovingtonGate noch so eine Kolumne schreiben? Da wurde ein Clip geteilt mit einer schlagkräftigen Überschrift und schon war der Rassist von der Schulbank geboren. Nur leider war alles komplett falsch und anders. Die großen amerikanischen Medien haben keine Fakten gecheckt (das volle Video anschauen hätte gereicht) und haben stattdessen jetzt das Leben eines unschuldigen Jugendlichen, der auf den Bus wartete maßgeblich zumindest beeinflusst. Und dafür werden sie Millionen zahlen müssen, wenn man Analysten glauben darf.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
advoc 06.02.2019, 16:00
17. Auch im Sozialen muss Unschuldsvermutung gelten

Ein einmal geäußertes Wort kann man nicht zurückholen, daher ist ein solches Anprangern nur vermutlich Schuldiger absolut abzulehnen.
Ein Beispiel bekamen wir vor kurzem zu sehen: Ein völlig unschuldiger Asylbewerber wurde angeprangert, ein "Kinderschänder" zu sein. Der Mob war kurz darauf schon auf dem Weg, die Richtigstellung dürfte bei weitem nicht alle erreicht haben. Wenn derjenige später eine Arbeit oder eine Wohnung sucht, kann dies noch Jahre später gravierende Folgen haben.
Es gibt auch Aufrufe gegen tatsächliche Straftäter nach Verbüßung ihrer Strafe. Auch hier mussten diese z.T. unter Personenschutz gestellt werden - Resozialisierung ist damit unmöglich.
Ähnliches gilt für zu Unrecht Beschuldigte, die im Kindergarten arbeiten, die von Frauen zu Unrecht beschuldigt wurden usw. - die Behauptung, die übers Internet weltweit in die welt gesetzt wird, ist durch kein Gerichtsverfahren wieder zurückzuholen, selbst wenn derjenige recht und Schadensersatz bekommt, steht die Behauptung samt Foto weiterhin unrückholbar im Netz. Und deshalb ist dies aufs Schärfste abzulehnen!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
manfred_klimek 06.02.2019, 16:01
18. Klenks Replik im Wortlaut

"Natürlich darf man als Privatperson Missetaten anderer gegen sich oder Menschen im persönlichen Umfeld in sozialen Medien veröffentlichen", sagt der von mir sehr geschätzte Spiegel-Kolumnist Sascha Lobo in seiner aktuellen Kolumne und fordert ein "Notwehrrecht" in sozialen Medien. Nämlich das Veröffentlichen von Fotos von Beschuldigten. Fotos, die freilich nie wieder verschwinden werden.
Lobo irrt. Er irrt gewaltig. Sein Vorschlag ist gefährlich, auch wenn er für viele verlockend klingen mag. Er ist brandgefährlich. Lobos Idee ist zudem geschichtsvergessen.
Wenn man seine Forderung zu Ende denkt, dann können ab sofort Pädophile (oder jene, die dafür gehalten werden) geoutet werden. Dann können die Kölner Flüchtlinge von ihren Opfern oder Opfer-Vertretern mit Fotos ins Netz gestellt werden. Dann darf jede Schülerin den gewalttägigen Mitschüler outen, um andere zu warnen. Dann können Banken mit Fotos von Bankräubern warnen.
Es ist völlig klar, was dann passiert: es werden sich in den sozialen Medien die Bilder jener, die verdächtigt werden, rasant verbreiten und es werden sich - wie oft schon geschehen - im schlimmsten Fall Hass- oder Hetzmeuten bilden. Das ist die digitale Selbstjustiz.
Nein! Es hat einen sehr guten Grund, dass wir im Mediengesetz den Anonymitäts-Schutz erfunden und weiter entwickelt haben. Der Anonymitäts-Schutz, der auch in sozialen Medien gilt, hat "Antwortcharakter". Er ist die Antwort auf Missbrauch. Antwort auf Hass. Antwort auf Selbstjustiz. Antwort auf Unberechenbarkeit. Er schützt den Menschen vor dem Menschen. Er schützt vor allem auch zu Unrecht Verdächtigte.
Gerade jetzt, wo wir uns zu einer "redaktionellen Gesellschaft" (Bernhard Pörksen) entwickeln, wo jeder mit einem Tweet oder Posting theoretisch Millionen erreichen kann, darf die Phrase "Datenschutz ist Täterschutz" nicht auch noch in aufgeklärten Kreisen anschlussfähig werden. Schon gar nicht mit dem verlockenden Argument des Feminismus.
Schon die Phrase vom "Täterschutz" führt ja in die Irre. Es gibt Beschuldigtenrechte, etwa das Recht auf ein faires Verfahren, das Recht auf Anhörung, das Recht, von einem unabhängigen Tribunal abgeurteilt zu werden. Und diese Schutzrechte gegenüber dem Staat (und anderen Bürgern) dürfen gegen Opferinteressen nie in Stellung gebracht werden. Doch das tut Lobo. Er spielt elementare Rechte aus. Aber das stärkt niemanden. Vor allem nicht die Opfer.
Ja. Man soll den Staat besser ausstatten. Ja, man muss Frauen mehr Opferschutz garantieren. Ja, man muss Polizei und Gerichte besser schulen. Man muss die patriarchalen Anwandlungen der Justiz bekämpfen. Man muss bessere Beweissicherungen durchführen.
Aber eine öffentliche Anprangerung durch Bilder ist eine rohe, soziale Strafe - verhängt vom Opfer oder seinen Vertrauten. Es ist oft eine härtere Strafe, als jene, die das Gericht ausspricht. Ächtung bedeutet die soziale Vernichtung eines Menschen. Wir strafen aber nicht, um zu vernichten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
rastlos2 06.02.2019, 16:13
19.

Zitat von VormSpiegel
Wenn überhaupt kann man seine Bilder an die Polizei schicken.
Das ist eben aber auch keine Garantie einer Täterverfolgung. Wer bekommt diese hochgeladenen Dateien?! Bsp. Mir ist ein Staatsbediensteter bekannt, der vor einigen Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt, dessen weitere Verwandte im europäischen Ausland leben, die eben hier in Deutschland nicht arbeiten dürfen. Nun weiß ich aber, dass eben ein Verwandter mit einem gefälschten Pass (Land, dessen Bürger hier durchaus arbeiten dürfen) regelmäßig hier arbeitet. Der Staatsbedienstete weiß von dem Umstand, verschließt aber die Augen, ganz nach dem Motto von Feldwebel Schulz aus der Serie "Ein Käfig voller Helden" …"Ich seh' nix, ich hör' nix". Blut ist eben dicker …

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 2 von 24