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Umgang mit Gewalttaten: Ja zur privaten Social-Media-Notwehr!
DPA

Dürfen Privatperson Fotos oder Videos ins Netz stellen, die mutmaßliche Gewalttäter zeigen? Unser Kolumnist ist dafür. Er meint, dass in den Köpfen vieler Menschen ein Täterschutzreflex verankert ist.

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salomon17 06.02.2019, 17:39
40. Wie so oft, Herr Lobo,

ein wirklich kluger Kommentar von Ihnen, der zum Nachdenken anregt. Auch wenn ich Ihre sehr pauschal klingenden Äußerungen zu unserem Nachbarland Österreich so nicht teile, auch wenn mir der heutige Feminismus in vielen seiner Spielarten zu rassistisch ist, gebe ich Ihnen in diesem Punkt vollkommen recht: Wenn ich beleidigt, gestalkt, mit gewalt bedroht oder sogar angegriffen wurde, habe ich, genau wie jede Frau, das Recht, den Angreifer zu benennen. Und warum bitte auch nicht? Wer sich nicht an Regeln hält, die eine Gemeinschaft sich gegeben hat, der muss die Konsequenzen tragen. Den Pranger empfinde ich in diesem Zusammenhang übrigens durchaus als faire Strafe: jeder weiß, was man getan hat, aber er nimmt einem weder die Chance der Reue noch die der Rechtfertigung.

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Raisti 06.02.2019, 17:43
41.

Die Frage ist doch was passiert mit den Fotos Online. Sobald die Fotos online sind bildet sich doch in der Regel immer ein Mob der Blut sehen will und es trifft dann auch oft genug die falschen.

Siehe aktuell die Covington Schüler. Da wurden die Fotos Online gestellt, von private Personen die Adressen ermittelt und die Schüler massiv belästigt, dabei würde aber mal wieder einer falsch identifiziert und ein unschuldiges Kind das nichts mit den Covington Schülern zu tun hatte, durfte sich mit einem wütenden Mob rumschlagen inkl. Morddrohungen. Ist das für Sie auch noch gerecht Herr Lobo ?

Bevor Sie solche Kolumnen Online stellen sollten sie mal probieren nicht nur über die positiven Aspekte nachzudenken, sondern sich auch mit den negativen außeinander zu setzen, was offensichtlich nicht geschehen ist.

Spannend finde ich auch das Sie mit dieser Kolumne unser Grundgesetz mit Füßen treten. Nach dem Grundgesetz hat jeder das recht auf eine faire Verhandlung.

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happyrocker 06.02.2019, 17:44
42. Besonders absurd wird es immer dann,

wenn zweifellos Geschädigte in den Medien als "mutmaßliches Opfer" bezeichnet werden. Besonders gerne wird das bei sexueller Gewalt so gemacht - da wird immer noch gerne unterstellt, der Frau wäre ja gar nichts passiert, selbst in Fällen, in denen es eindeutige Verletzungen oder sogar Videoaufnahmen gibt. Da ist es allenfalls zweifelhaft, wer der Täter ist, aber doch nicht dass an dem Opfer ein Verbrechen verübt wurde. Trotzdem will man sich anscheinend die Hintertür offenhalten, das es zu keiner Verurteilung kommt (was bei Vergewaltigungsprozessen in Deutschland die Regel ist) und man dann so tun kann, als hätte gar kein Verbrechen stattgefunden. Gut, dass jemand, der große Mengen Sprengstoff in der Etagenwohnung herstellt und Kontakte zu Extremisten hat, nur ein "mutmaßlicher" Terrorist ist, damit kann ich noch leben. Vielleicht wollte der ja nur für das Silvesterfeuerwerk vorarbeiten. Es stimmt, was den Täterschutz angeht, wird man nicht müde, auch die abwegigste Theorie zu bemühen, warum doch alles ganz harmlos gewesen sein könnte.

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krishhan 06.02.2019, 17:45
43. Etwas übersehen?

Was Herr Lobo bei dieser Frage scheinbar übersieht, ist die Tatsache, dass heute auch viele Privatpersonen eine Öffentlichkeitswirkung, also Reichweiten haben, die locker manche Medien oder staatliche Organe übertreffen und die Grenze zwischen Journalismus und privater öffentlicher Meinung mittlerweile fließend ist und ich wette, dass viele das eine von dem anderen nicht unterscheiden können. Was dem einen die private Meinung ist, ist für andere der öffentliche Pranger vor der erwiesenen Schuld. Wer so etwas zulässt, öffnet die Büchse der Pandora und wird sich in ein paar Jahren wünschen, das niemals erwähnt zu haben!

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intercooler61 06.02.2019, 17:50
44. SpOn, quo vadis?

Rechtsstaat und Gewaltmonopol des Staates sind unverzichtbare Bestandteile unserer freiheiltlich-demokratischen Grundordnung. Ob ihre Gegner braun oder lila lackiert sind, sollte für eine Bewertung ohne Belang sein.

Glücklicherweise verdeutlichen die ersten Leserreaktionen, dass Hopfen & Malz noch nicht an die Generation Twitter verloren gegeben wurden.

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xand0r 06.02.2019, 17:51
45. In sich nicht stimmig...

Da machen Sie sich, Herr Lobo, jetzt aber der Bigotterie schuldig. Einerseits weisen Sie darauf hin, dass juristische Kategorien wie der Pranger oder die Unschuldsvermutung hier keine Anwendung finden können, weil es sich um Äußerung von Privatpersonen handelt, nehmen gleichzeitig aber private Unternehmen, wie bspw. Medien, wieder davon aus, ohne es zu begründen, nur um dann die juristische Kategorie der Notwehr anzuführen. Aber die gilt dann hier ebensowenig. Notwehr dient der Abwehr einer akuten und konkreten Gefahrenlage, und das ist eben nicht gegeben, wenn man sich an den PC oder das Smartphone setzen kann, um in den sozialen Netzwerken etwas zu veröffentlichen. Dass Sie dann auch noch davon schreiben, dass man im "persönlichen Umfeld in sozialen Medien veröffentlicht" macht es nur noch schlimmer. Denn entweder ist es das persönliche Umfeld, also keine Öffentlichkeit, dann kann aber auch nicht veröffentlicht werden. Oder es ist die Öffentlichkeit und damit dann durchaus eine Art Pranger, wenngleich nicht der mittelalterliche, sondern der des normalen auch im Duden nachvollziehbaren Sprachgebrauchs (laut Duden: jemanden, etwas an den Pranger stellen (jemanden, etwas öffentlich bloßstellen, der allgemeinen Verachtung preisgeben)). Und dann bestreiten Sie noch die Gesetzeslage in Österreich, laut der eine nicht öffentlich geäußerte Beleidigung (nicht Belästigung) nicht strafbar ist. Das kann man natürlich kritisieren, aber so ist die Gesetzeslage nun einmal. Dies einfach mit einem "Nein." zu bestreiten zeugt für mich von Ignoranz.

Und zur Podcast-Frage: Nein. Es gibt in sozialen Medien schlicht und ergreifend keine akute und konkrete Gefahrensituation. Es sind Texte. Bilder. Videos. Nichts davon stellt eine Bedrohung von Leib und Leben dar und somit kann nichts davon Notwehr rechtfertigen. Wen es stört, der möge den Rechtsweg einschlagen. Dafür gibt es einen Rechtsstaat, der in Deutschland im Großen und Ganzen auch ganz gut funktioniert. Was Sie wollen, ist also keine Notwehr, sondern öffentliche Anschuldigung. Damit umgehen Sie die ordentliche Gerichtsbarkeit und lassen die Öffentlichkeit ihr Urteil fällen und gleichzeitig vollstrecken. Es gibt durchaus Gründe, warum selbst über verurteilte Straftäter nicht uneingeschränkt berichtet werden darf. Sie nähern sich hier gefährlich dem Niveau eines Julian Reichelt an.

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Herzog Igzorn 06.02.2019, 17:51
46. Riesenpotential zum Notwehr-Exzess

Was ich befürchte was bei dem Gedankengang zur Social-Media-Notwehr übersehen wurde, ist folgende Überlegung:
Wie Sascha ja schon richtig erkannt hat, ist es überaus problematisch wenn Medien, Parteien, Organisationen oder gar staatliche Institutionen sich solcher Methoden bedienten.
Denn sie haben die Mittel, die Macht und vor Allem die Reichweite um völlig unvorhersehbare Konsequenzen heraufzubeschwören, die nicht selten in Selbstjustiz oder wenigstens Rufmord des "Dissidenten" ausarten.

Wenn nun ein privater Bürger solche multimedialen Täter-Mitschnitte welcher Art auch immer in seine Social Media Plattform läd, könnte man meinen, das sei ja nur um sein direktes soziales Umfeld "warnen" zu wollen vor Täter X. Das Problem ist nur, dass um als Warnung effektiv zu sein, die Implikation ist, dass die Warnung geteilt wird. Das führt zwangsläufig dazu, dass solche Posts dann aber mehr oder weniger "viral gehen" und plötzlich eine Reichweite haben könnten von der manche der oben genannten Institutionen nur zu träumen wagen. In genau diesen Fällen sehe ich den Unterschied zwischen der Gefahr der unvorhersehbaren Konsequenz des Handelns dieser Institutionen und dem der Privatperson aber nicht mehr, da das Ergebnis im schlimmsten Fall identisch ist. (Man betrachte das Problem der weitergeleiteten WhatsApp "Warnungen" in Indien die zu diversen Lynchmobs führten.)
Und genau da sehe ich die Schwelle von "Notwehr" zu "Notwehr-Exzess" mehr als deutlich überschritten, allein schon wegen der Möglichkeit, was alles "nach hinten losgehen" könnte. Betonung auf "könnte". Es muss ja nicht passieren, aber alle Stellschrauben stehen auf Eskalation.
Dass dies natürlich auch Missbrauch geradezu einläd ist in dem Fall noch das Tüpferlchen auf dem i.
Es geht um Verantwortung, sowohl bei den Institutionen aber auch bei Jedem, der mit seinem Warnungspost nicht mehr vorhersehen kann was er oder sie auslöst.

Wer sein direktes privates Umfeld warnen will kann das auch ohne Social-Media-Risiken tun und zusätzlich sein multimediales Material der Polizei zur Verfügung stellen, die sicherlich (so hofft man zumindest), verantwortungsvoll und sachdienlich damit umzugehen versteht.

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ambulans 06.02.2019, 17:54
47. >shrufu (#39, oben),

Zitat von shrufu
Das Problem einer socialmedia-Notwehr ist das es vllt aus der Sicht des einzelnen absolut gerechtfertigt ist, wenn zb eine Frau vergewaltigt wird und die Staatsawaltschaft den Täter nicht überführen kann, aber in der Summe kann es Fälle geben die eine verzerrte Sicht darstellen oder die Konsequenz zu keinen Verhältnis zur Tat steht.. Mal ganz abzusehen das Selbstjustiz zurecht eine Strafe darstellen kann, ist es sehr fraglich ob eine Etablierung solcher Selbstjustiz nicht das gesamte Strafsystem in Frage stellt. Dann muss man bedenken das jede solche Aktion das Potential hat, den (selbst wenn man seine Schuld feststellt) Täter mehr als verhältnismäßig zu strafen und ihm mõhlicherweise auch kaum Raum für einen Wandel geboten wird. Nach diesem Prinzip ist mE grundsätzlich unser Justizsystem aufgebaut: eine Mischung aus Sanktion und Schutz der Gesellschaft die zeitlich befristet ist um eine mõglichkeit der Rehabilitation zu bieten. Diese Mechanismen werden über socialmedia-selbstjustiz ausgehebelt und fast der Willkür einzelner überlassen. Es gibt eine Situation in der übermäßige Konsequenzen für einen Schuldigen verhindert werden und das Opfer der neutralen Partei beweisen kann das es unrecht erlitten hat und das ist das Gericht. Und ja es gibt leider wirklich welche die keine Genugtuung erfahren werden und wahrscheinlich weniger die unschuldig oder übermäßig verurteilt werden, aber die Alternative ist wesentlich schlimmer.. denn dann haben wir am Ende das Recht des stärkeren. Das was vllt viele zZ nervt ist ein diskursives Problem. Viele nehmen Leute mit Bekundungen in Schutz bei denen es fragwürdig ist sie in dem Maß zu verteidigen. Und das ist mE schon immer eine offene Flanke gewesen. Es hat keine gesellschaftlichen Konsequenzen ein podex zu sein, weil sie sich mMn im Windschatten liberaler Werte verstecken ohne sie selbst zu vertreten. Und diese paradoxe Situation ist vllt schon das Ende vom Lied. Denn was soll man machen ohne illiberal zu werden oder grundlegend wichtiges zu zerstören?
da hier ja verschiedene begriffe wild durch die gegend fliegen, als erstes: "not-wehr" steht, wies der begriff schon zum ausdruck bringt, einem einzelnen zu, der rechtswidrig angegriffen wird. "not-hilfe" ists, wenn ich einem anderen (s.o.) da zur hilfe komme. "unschuldsvermutung" setzt zwingend un-schuld (als gegenteil von "schuld") voraus; wo anders als im strafrechtlichen sinn - taten, die rechtswidrig sind - ist sowas vorstellbar? "selbstjustiz" ist und bleibt (s. GG) schlicht und einfach verboten; punkt aus. ohne ein paar begriffe und den korrekten umgang damit gehts wirklich nicht; der obige artikel ist allerdings jenseits von gut und böse... dr. ambulans (alle kassen)

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hurted 06.02.2019, 17:54
48. War S. Lobo immer schon so krass in seiner Filterblase gefangen?

Ich meinte nicht nur im Spiegel, sondern im Speziellen bei Herrn Lobo intelligente Kommentare gelesen zu haben. Heute lese ich nur noch Patriarchat, White-Privilege, Mansplaining und ähnliche unwissenschaftliche Gender-Studies-Begriffe - kurzum ich lese "Virtue Signalling" oder "Haltungsjournalismus", also parteiisches, spalterisches Clickbait unreflektiert hinausposaunt. Kann man nach CovingtonGate, nach Tim Hunt usw. wirklich für Social-Media-Hexenjagden sein? Wie lange kann man beim Spiegel Fake-News schreiben und andere dafür anprangern? Wie lange kann Herr Lobo eigentlich beim Spiegel arbeiten und es nicht schaffen in eben diesen zu blicken? Wundert ihr Medienschaffenden euch eigentlich noch über den Vertrauensverlust bei der Bevölkerung, wenn ihr es nicht schafft eure Arbeit zu tun zu "sagen was IST", statt "Schreiben, was in meiner Filterblase gerade abgeht"? Der Spiegel ist wirklich zu einem Luftgewehr der Fantasie geworden.

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Strichnid 06.02.2019, 17:58
49.

Ich stimme meistens mit den Positionen dieses Autors überein. Hier aber gar nicht. Kein Stück. Völlig auf dem Holzweg.

Es gibt einfach zu viele Beispiele von Lynchjustiz, zerbrochenen Ehen, erzwungenen Wegzügen u.v.m., nur weil jemand meinte, einen vermeintlichen Täter öffentlich anprangern zu müssen.

Wie kann man pauschal fordern, dass dies erlaubt sein solle? Die wenigen Missbrauchsfälle dann im Nachhinein gerichtlich klären? Unglaublich naiv - wie ich das vom Autor sonst nicht kenne.

Ich bin sofort damit einverstanden, dass überführte Täter auch öffentlich geächtet werden - insbesondere würde ich mir das bei Steuerstrafbeständen wünschen. Aber vorher? Nope!

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