Forum: Netzwelt
Umstrittener MDR-Tweet: Diese Art der Empörung ist wichtig
DPA

Debatten in sozialen Netzen sind oft brutale Hetzjagden. Im Fall des MDR aber zeigen sie eine heilsame Wirkung als moralisches Immunsystem.

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Pieselsoft 18.04.2018, 18:28
60. Hakenkreuz

Lieber Herr Lobo,
So oft ich auch mit Ihnen einer Meinung bin, diesmal bin ich es entschieden nicht.
Um es ueberspitzt auf den Punkt zu bringen: Wie koennen sie es wagen das H-Wort in den Mund zu nehmen! Das ist ein Symbol nationalsozialistischen Gedankenguts. Und mit sowas machen Sie sich gemein? Im Ernst:
es ist absolut laecherlich, wie Sie jetzt das Wort vermeiden. Aber natuerlich koennen Sie nicht anders, weil ja Ihre Logik zusammenbraeche und Sie sich selbst angreifbar machen wuerden. Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich halte es fuer eine absolute Ungeheuerlichkeit, wenn ein Mensch als Neger bezeichnet wird. Aber das hat der MDR nicht getan. Ich lese es als den, im momentanen Klima unschlauen, Versuch, die Realitaet zu benennen, dass viele Menschen sich tatsaechlich so ausdruecken wuerden und auch tun.
Ich persoenlich fand es ein Unding, dass Pipi Langstrumpg umgeschrieben wurde. Darueber kann man diskutieren. Und Menschen duerfen sich davon beleidigt fuehlen. Aber ich moechte auch daran erinnern, dass es kein Grundrecht darauf gibt, sich nicht beleidigt fuehlen zu koennen. Und das sage ich im tiefsten Stolz auf unsere Verfassung und alle Errungenschaften der modernen Demokratie.
Dass die Gaesteliste auch nicht grade schlau war, ist eine andere Geschichte.

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auchdasnoch 18.04.2018, 18:29
61. Um zu widersprechen, muss man erst mal sprechen!

Ich schließe mich einigen Vorrednern an und finde auch, dass Lobos Kolumne - zumindest in Teilen - etwas verunglückt ist.

Sehr klug fand ich die Beobachtung, dass es neben einer "linken Sprachpolizei", die den Gebrauch diskriminierender Begriffe unterbinden möchte, auch eine "rechte Sprachpolizei" gibt, die einfordert, dass diskriminierende Wortwahl gefälligst unwidersprochen stehen gelassen werden muss. Ich glaube ebenfalls, dass soziale Medien einen wertvollen Beitrag leisten können, damit es dieses Widersprechen gibt, welches die Rechten so gerne unterbinden wollen.

Dies aber nun ausgerechnet an der MDR-Posse festzumachen, finde ich dann aber schon ganz schön schräg. Soweit ich das verstanden habe, ist die Sendung nicht abgesetzt worden, weil sich in sozialen Medien ein gerechtfertigter Sturm des Widerspruchs entfacht hatte. Tatsächlich war es doch wohl eher so, dass die Sendung abgesetzt wurde, weil zwei Diskutanden abgesagt hatten. Damit aber haben sie sich gerade die Möglichkeit verwehrt, Gestalten wie Frauke Petry zu widersprechen. Wer widersprechen will, muss auch erst einmal sprechen - da reicht ein kurzes Twitter-Statement meiner Meinung nach nicht aus.

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freekmason 18.04.2018, 18:31
62.

Zitat von riedlinger
Schade, dass der sonst so klug schreibende Sascha Lobo hier ausrutscht. Nicht bei der Frage, ob nun gerade Frauke Petry eine prima Diskussionspartnerin sei, aber zum N-Wort. Die Geschichte seiner systematischen Verteufelung durch eine selbsternannte Sprachpolizei ist ein exemplarisches Beispiel für einen niederträchtigen Sprachfaschismus, der mir meine Sprache Wort um Wort klaut im Stil von Neusprech in "1984". Vor 40 Jahren wurde das N-Wort völlig normal verwendet, ohne jeden Anflug von Verachtung. ERST kamen die Apostel, die unverschämt mit der moralischen Keule dauernd Wörter verbieten wie "Lehrling" und jetzt wohl auch "Führerschein" und viele mehr. DANN erst bemerkten rechtsradikale Spinner, dass sie mit dem N-Wort provozieren können - nachdem es in Ungnade der Sprachpolizei gefallen war! Das wäre alles nicht nötig gewesen.
vor 40 jahren wurde auch mit asbest isoliert und schwule wurden eingesperrt. man muss nur begreifen, dass es nicht mehr vor 40 oder 80 jahren ist.

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freekmason 18.04.2018, 18:33
63.

Zitat von wamserjens
Serdar Somuncu feiern, der als verbaler Presslufthammer Beleidigungen in jede Kamera bellt, Jan Böhmermann als Ikone der Meinungsfreiheit feiern, der Herrn Erdogan auf dem lingusitischen Niveau von 16jährigen satirisch bepöbelt, aber sich demonstrativ vor dem Wort "Neger" ekeln. Unglaubwürdigkeit war noch nie eindeutiger.
das wird sofort konsistent und glaubwürdig, wenn man den unterschied zwischen satire und rassismus versteht.

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loquimur 18.04.2018, 18:38
64. Der Hergang hat doch inzwischen laut und deutlich die Antwort gegeben!

Nein nein nein: Nicht nur darf man heute das Wort nicht sagen - es ist sogar verboten, überhaupt auch nur die Frage zu stellen, ob man es sagen darf. Dieses Wort bildet das ultimative Tabu: ein Tabu nämlich, bei dem sich jede Reflexion auf jeder Meta-Ebene gleich von vorne herein verbietet. Und wer das wiederum bestreiten sollte, verletzt ebenfalls das Tabu.

Sascha Lobo begeht schon einen schweren Fauxpas dadurch, es in seiner Kolumne in eckigen Klammern mit einer Umschreibung auch nur anzudeuten. Das sind nicht die Wörter, nach denen Sie suchen. Das sind nicht die Wörter, nach denen Sie suchen. Das darf nicht passieren. Das darf nicht passieren. Weitergehen! Weitergehen, weitergehen!

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schwaebischehausfrau 18.04.2018, 18:40
65. @DrSchlaumeierXY: Noch besser....

Zitat von Drschlaumeierxy
bei der reinen Ankündigung zu einem Thema andere so in die rechte Ecke drängt, hat schon geurteilt BEVOR eine eigentliche Aussage kommt. Man darf jetzt also nicht einmal mehr Fragen, welche Worte/Themen verboten sind, sondern muss es ohne Diskussion gleich wissen. Soso ....
Wie muss man drauf sein, wenn man den Begriff "Political Correctness" erst als Erfindung von "Rechten und Rechtsextremen" darstellt, sich dann aber darüber echauffiert, dass bei einer Diskussion darüber eine "Rechte" eingeladen wird. Da schmollt einer, weil er selbst wohl nicht mehr ausreichend berücksichtigt wird, nachdem die Veranstalter von solchen Sendungen + TV-Talkshows irgendwann realisiert haben, dass ein roter Irokesen-Schopf alleine doch ein bischen wenig ist und inbesondere fehlende Inhalte nicht wettmacht.

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Dokoqueen 18.04.2018, 18:47
66. Ich mag die Wörter "Moffe" oder "Piefke" genau so wenig wie "Neger"

Das alles sind bewusst beleidigend gemeinte Bezeichnungen für Menschen einer bestimmten Volksgruppe.
Und genau so wie es mich stört, wenn mich ein Holländer, nur, weil ich Deutsche bin, als "Moff" bezeichnet, oder ein Österreicher "Piefke" sagt, finde ich es widerlich, wenn ein dunkelhäutiger Mensch als "Neger" bezeichnet wird. Man kann doch auch ohne solche Ausdrücke auskommen.

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omasturm 18.04.2018, 18:49
67.

Zitat von cradaj
Müssen die Neger in Nigeria jetzt ihren Staat und den Fluss Niger umbenennen? Und die Schwaben den Neckar? Beides kommt von lateinisch "nicer", schwarz. Was ist daran diskriminierend? Meine dunkelhäutigen Freunde und Bekannten fanden diese ganze Diskussion schon immer eher lustig.
Der Ursprung des Wortes liegt bei dem Tamascheq-Ausdruck
„ghir n-igheren“ und bedeutet eher„Fluss der Flüsse“.

Erst mit Leo Africanus, irgendwann um 1500, wurde das lateinische Wort Niger eingebaut und somit die Bedeutung in Fluss der Schwarzen umgeändert.

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Pieselsoft 18.04.2018, 18:50
68. Kleine Korrektur

Um einen Satz in meinem vorherigen Beitrag etwas zu praezisieren: ich halte es fuer eine Ungeheuerlichkeit, wenn ein Mensch *abwertend* als Neger bezeichnet wird.

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maxxwellsmart 18.04.2018, 18:53
69.

Wenn man das Wort "Neger" benutzt ist man ein "Rassist". Diese Gleichung steht auch hier in den Kommentaren immer wieder. Das dies ebenfalls eine Beleidigung sein kann, im Falle des Nichtzutreffens, scheint aber eher folgenlos zu bleiben. So scheinen je nach Zeit- und Populär -Geist spezifische Beleidigungen mal zulässig, mal nicht zu sein.
Da fehlt mir die Erklärung.
Mir scheint, als wenn es noch nie soviele Schwarz-Weiss-Fronten gab wie jetzt. (Um thematisch anzudocken)
Und offensichtlich ist es so, daß sich jeder auf seiner Seite wohl gefällt.
Nach allem geschichtlichen Treiben dürfte man etwas mehr offene Diskussionskultur wohl erwarten.
Aber hier wird der steinzeitliche Knüppel in Form von Bezeichnungen und Schlagworten benutzt.

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