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Upload-Filter und Leistungsschutzrecht: Die dunkle Technikhörigkeit der Ahnungslosen
REUTERS

Das EU-Parlament stimmt am Donnerstag zum neuen Urheberrecht ab - und damit auch über die umstrittenen Upload-Filter. Diese Veränderung des Internets wirkt für viele noch abstrakt, doch später wird das Heulen groß.

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darksystem 06.07.2018, 13:59
90.

Zitat von schienbeinschoner
Ein laienhafter Versuch: Es gibt vielerlei Möglichkeiten Links zu setzen oder Infos zu teilen. Einige davon übermitteln den Browser nicht an die tatsächliche externe Webseite, sondern öffnen diese innerhalb der Plattform auf der der Link gesetzt ist (z.B. Facebook) –*somit wird ein Inhalt, z.B. ein Zeitungsartikel, Teil des Angebots dieser Plattform. Und die Summe der Angebote machen eine Plattform attraktiv und generieren z.B. Werbegeld (das an anderer Stelle wieder fehlt?)
Das ist schlicht falsch.

Wenn auf Facebook ein YouTube Video eingebettet wird, erfolgt durchaus vom Browser ein Zugriff auf die YouTube Server. Da viele Nutzer nicht wissen was ein Referer ist (und diesen somit nicht abschalten), liefert der Browser sogar die Aufrufquelle (Facebook), gleich mit.

Sie vergessen im übrigen dass die Einbettung auch Werbung für den Eingebetteten ist. Das deutsche Leistungsschutzrecht hat diese Wirkung bereits bewiesen und wunderbar demonstriert was passiert wenn ein Verlag komplett aus dem Google-Index fliegt.

Kleiner Tipp: Es ist genau das was vor der Einführung des Leistungsschutzrechts angemahnt wurde was passieren würde.

Damit ist Ihre Argumentation nicht nur theoretisch widerlegt, sondern bereits durch einen Praxislauf wiederlegt worden.

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xand0r 06.07.2018, 14:15
91. Nicht zu früh freuen...

Auch wenn gestern das EP den Vorschlag für die Richtlinie abgelehnt hat und nun neu verhandelt werden muss, darf man sich nicht zu früh freuen. Das BMJV hat nämlich ganz klar gesagt, warum zumindest Ministerin Barley gegen diese Ausarbeitung der Richtlinie ist: zum einen wegen der nicht geklärten Frage, wie ohne unverhältnismäßige Upload-Filter Artikel 13 umgesetzt werden könnte und viel wichtiger dass Artikel 11 (LSR) eben auch die qualitative Bewertung ermöglicht, d.h. die Kosten für solche News-Snippets nicht nur nach Menge errechnet werden können, sondern auch in welcher Qualität eine Seite diese Snippets anbietet, was natürlich nicht im Sinne des Federführenden Axel-Springer-Ministeriums sein kann [Quelle: RegPK von Mittwoch, 04.07.18]

Außerdem wird ja auch darüber beraten, dass es technische Filter gegen Hassrede, etc. geben soll, was wiederum letztlich auf Upload-Filter hinausläuft, die dann nicht nur nach Urheberrechtsverstößen filtert, sondern auch inhaltlich. Damit wäre die gefürchtete Zensur-Möglichkeit solcher Upload-Filter schon direkt verankert und gewollt. Schade, dass das hier nicht auch erläutert wurde.

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darksystem 06.07.2018, 14:20
92.

Zitat von schienbeinschoner
Ich denke nicht! Was allerdings sterben muss, ist die naive Annahme, dass Internet wäre insgesamt größer oder besser als die Summe seiner Nutzer und der Irrglaube, dass ausgerechnet dort menschliches Miteinander ohne Regeln/Gesetze funktionieren solle. Zudem bleibt jedem Internetznutzer und Urheber dieser Welt frei, seine Kreationen selbst ins Netz zu stellen. Ganz ohne Filter :-)
Diesen "Irrglauben" gibt es nicht. Sie verstehen aber offensichtlich die Tragweite der Digitalisierung in keinster Weiße.

Nehmen Sie als Beispiel ein Dorf mit tausend Einwohnern. Dort werden sich Meinungen auf Basis des mehrheitsfähigem Konsens bilden. D.h. sind 95% der Einwohner katholisch, haben Muslime dort nichts zu suchen und naturgemäß einen schweren Stand.

Das betrifft aber nur 1000 Menschen, lächerlich wenig und um so ein Dorf kann man gemütlich einen großen Bogen machen. Im Internet funktioniert das nicht. dort finden sich zehntausende oder sogar millionen Gleichgesinnte, und auf einmal habe alle Minderheiten welche eine verquere Meinung vertreten eine laute Stimme.

Die Lösung dafür kann nicht sein die technischen Möglichkeiten einzuschränken und diese unliebsamen Meinungen zu entfernen. Denn das ist die Definition von Zensur.

Zensur ist deshalb ein problematisches Mittel weil die Antwort auf die Frage danach "was" denn nun eine nicht öffentlich taugliche "Meinung" ist davon abhängt wen man fragt.

Deswegen kann kein Programm der Welt, und auch keine Masse an Angestellten welche jedes Posting von Hand prüfen, dieses Problem lösen.

Wir müssen uns sozial weiterentwickeln um damit umgehen zu können. Oder wir importieren den goldenen Schild aus China und ergeben uns unserer sozialen Inkompetenz.

Ihr letzter Satz ist im übrigen höchst amüsant. Natürlich kann ein Künstler eine eigene Webpräsenz erstellen und dort seine Inhalte veröffentlichen.

Dadurch dass es aber nur noch große Plattformen gibt da kleinere das Gesetz nicht rechtskonform umsetzen können ohne sich dem Risiko von Abmahnungen auszusetzen, und die großen Plattformen keinerlei Vorschau, Einbettung, oder Ähnliches anzeigen dürfen und ein Direktupload durch Filter verhindert wird, und Benutzer davor gewarnt werden auf Links mit unbekanntem Inhalt zu klicken, wird diese selbst eingestellten Inhalte niemals jemand finden.

Ganz tolles Konzept. Das wird wunderbar funktionieren (wird es nicht). Ihre Vorstellungen konsequent umgesetzt und zu Ende gedacht katapultiert uns zurück an den Anfang der Neunzigerjahre.

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1337h4x0r 07.07.2018, 10:27
93. Ach was! Alles nicht so schlimm!

"Ach was! Alles nicht so schlimm! Panikmache!" Hat man zur NSA-Überwachung gesagt... und jetzt hört diese Turbo-Stasi auf die Befehle von Donald J. Trump. "Fake News! Project Fear!" haben die britischen EU-Hasser zu den Brexit-Warnern gesagt, und jetzt wandern immer mehr Firmen in die EU27 ab. "Ach was, da wird doch nichts zensiert! Ausserdem sind Raubkopien viel schlimmer!!" - es ist absehbar, wie uns diese Lügen auf die Füße fallen werden...

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zocker21 05.03.2019, 16:01
94. Alle Werke auf einer Plattform veröffentlichen!

Baut eine Plattform, wo das gesamte urheberrechtlich geschützte Material für jeden abrufbar ist, wo jeder Film gestreamt werden kann, wo man jede Musik anhören und jedes Buch lesen kann, was urheberrechtlich geschützt ist. Irgendwo muss ich doch nachschauen und vergleichen können, damit ich nicht versehentlich geschützte Inhalte hochlade.

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