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Upload-Filter und Leistungsschutzrecht: Europa entkernt das Internet
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Das EU-Parlament hat die Weichen für ein restriktives Urheberrecht gestellt. Nun drohen der Aufbau einer gigantischen Filter-Infrastruktur und gravierende Beschränkungen des Internets.

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dr.m. 20.06.2018, 17:44
20. man stellt wieder fest, dass die digitale Kommunikation

nicht unbedingt eine Staerke Europas ist. Dazu denkt man hierzulande nicht nomadisch genug. Man fragt die Rechteinhaber nicht, ob ihnen der durch ihren Schutz hereinstehende Praesenzverlust so gut gefaellt wie der Politik...

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paulz+ 20.06.2018, 17:45
21. selfmade puzzle

Was wir hier bewundern dürfen, nennt man selbstorganisierendes System: Keiner hat die Absicht, einen Totalitarismus zu errichten. Und dennoch sind die Komponenten unabhängig voneinander entstanden, erstarken und driften aufeinander zu, um ein EU-weites Puzzle zu bilden. Nicht nur dieser Zensurmechanismus, der bereit steht, um missbraucht zu werden. Wir haben auch Verfassungen und ein Grundgesetz, die aus hochtrabenden Worthülsen bestehen, die nach Belieben ausgelegt werden können. Wir haben Menschenrechte und Freiheiten, bei denen Politik und Ideologie allein bestimmen, was genau sie bedeuten, und deine Rechte, deine Freiheit, deine Würde auch mit Gewalt gegen dich verteidigen dürfen. Wir haben eine Überproduktion von Bürokraten, die nach Aufgaben suchen. Die Tatsache, dass wirtschaftliche und politische Missstände mit Ideologie überspielt und Abweichler mit Zensur bekämpft werden. Wir haben eine kaputte Weltwirtschaft, die eine kaputte Weltordnung nach sich zieht, Angst, Krieg, und das Bedürfnis nach starken Führern und starken Staaten. Das ist die zwei Alternativen für die Zukunft Europas: Entweder Zerfall und Gemetzel. Oder pseudoliberaler Totalitarismus, mit von Putin angemieteten Menschenrechtslagern in Sibirien.

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Käptn Horn 20.06.2018, 17:47
22. So kann es ja nicht weiter gehen

Das Internet ist eine Technologie die alle unsere bisherigen Vorstellungen von, Politik und Gesellschaft , von Teilhabe und Kommunikation, geistigem Eigentum und der Möglichkeit, damit Gewinne zu machen über den Haufen geworfen hat. Dabei ist es aber keineswegs so, dass die Welt dadurch gerechter, die politischen Möglichkeiten vielfältiger und die Chancen für alle größer geworden wären, vom großen Kuchen ein Stück abzubekommen. Im Gegenteil: Wer davon profitiert, der besitzt auch die Produktionsmittel. Um das mal auf das alte Stichwort zu bringen. Bis auf die "YouTube Lotterie" oder ähnliche Plattformen, wo Musik für Schleuderpreise gestreamt wird, wo es ein paar Gewinner gibt, die für die Massen taugliche und kompatible Inhalte produzieren. Ausnahmen im Vergleich zu den Heerscharen, dere Inhalte Google, Facebook&Co. den Rohstoff für ihre Geschäftsmodelle liefern.
Sicher - unter den gegebenen Bedingungen werden die sich auch weiterhin nicht freiwillig an einer Ökonomie beteiligen, die allen Gewinne bringt.
Das Problem ist, dass unsere Kultur zwar diese Technologien aber keine adäquaten sozialen Modelle entwickelt hat, die den neuen politischen, kommunikativen und geschäftlichen Möglichkeiten etwas Ähnliches, Gleichwertiges entgegensetzen könnte. Wir sind mit einer technologischen Revolution konfrontiert, die alle Bereiche unseres Alltags verändert und trotzdem bestehen wir nach wie vor auf die gesellschaftliche, politische und sozioökonomische Ordnung, die sich in den Jahrzehnten der Industrialisierung als Status Quo entwickelt hat.
Ich behaupte: Innerhalb dieser Modelle gibt es keine Lösungen für das Urheberrechtsproblem Und es gibt auch keine für die Probleme, die sich in unserer Zivilisation an anderen Orten immer deutlicher und unausweichlicher zu Wort melden: Umwelt, Handels- oder neuer kalter Krieg. Flüchtlingsdramen, Unfähigkeit globaler Institutionen, wie UNO, oder Sicherheitsrat, solche Probleme wirklich effektiv lösen zu können. Hungerkatastrophen und was sonst noch alles zusammen kommt.
Die Reform des Urheberrechts scheitert nicht deswegen, weil es zu frei, oder zu restriktiv ist, sondern weil die Evolution unserer gesellschaftliche Realität der technologischen Entwicklung nicht nach gekommen ist. Und weil das Ganze natürlich eine Machtfrage ist, die jede Veränderung welche Eigentums- und Produktionsverhältnisse in Frage stellt blockiert, wird sich auch weiterhin nichts daran ändern.
So lange bis das Ganze aus sich heraus so viel Ungerechtigkeit produziert, dass sich entscheidende Veränderungen entweder nicht mehr aufhalten lassen oder so radikal von selbst einstellen, dass es drunter und drüber geht

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vanlent 20.06.2018, 17:47
23. Stimme zu!

Zitat von DanielHartmut
Der Spiegel schreibt "entkernt". Ich nenne es "durchgesetzt". Urheber können sich nun darauf verlassen, dass ihre Urheberrechte auch im Internet durchsetzbar sind. Die Zeiten der Kostenloskultur, in der anonyme Anbieter mit den Werken fremder Menschen illegal Geld verdienen konnten, sind seit heute vorbei. Wer hier etwas von Zensurmaßnahmen erkennt, sollte seinen moralischen Kompass überprüfen.
Für viele Kleinunternehmer und vor allem für Hobby-Fotografen, -Videofilmer, -Musiker oder sonstige Künstler, ist es seit Jahren ein riesiges Ärgernis, wie im Internet (und auch in Print-Medien!) das Urheberrecht ständig und bewusst verletzt wird. Wenn jede Webseite und jedes Magazin nach den derzeit geltenden Gesetzen angezeigt und verurteilt würde, hätten die Gerichte wohl nichts anderes mehr zu tun. Die meisten Geschädigten kriegen aber von der Verletzung oft gar nichts mit oder scheuen den teuren Rechtsweg. Insofern muss man klar sagen, dass viele User und Unternehmer es definitiv übertreiben und dass dem ein Riegel vorgeschoben werden muss. Die Gratis-Kultur im Netz ist vorbei und das muss gesetzlich geregelt werden.

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Spügelleser 20.06.2018, 17:47
24. Werbefinanzierung

Das Grundübel ist die Werbefinanzierung von Inhalten, die diese Gesetzgebung sicherstellen soll (Wer meine Inhalte konsumieren will, soll sich gefälligst auch meine Werbung um die Augen/Ohren klatschen lassen). Das Schlimme: Es gibt kein Entrinnen, keine sinnvolle Alternative, ausser vollständige Abstinenz. Für kein Geld der Welt kann man sich wirkliche Werbefreiheit kaufen. Selbst den gedruckten Spiegel bekommt man nicht, ohne die Verschmutzung des eigenen Gesichtssinns hinnehmen zu müssen. Eine Plage. Es ist nur konsequent, dass dieses Prinzip nun auch im Internet "wasserdicht" implementiert werden soll. Dass es vordergründig darum geht, das andere Anbieter fremde Inhalte nicht mit eigener Werbung verkleistern sollen - geschenkt. Als würde ein Zeltplatz darauf bestehen, dass die eigenen Mücken nur mit selbst verkauften Gegenmitteln bekämpft werden dürfen... Argh..!

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jkbremen 20.06.2018, 17:49
25. Hab schon Petition unterschrieben

und würde jede weitere veröffentlichte Petition gegen diesen Unfug unterschreiben.

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obersterhofnarr 20.06.2018, 17:51
26. Von bad to worse

Es ist wie immer nur viel schlimmer wenn die Politik das Internet regulieren will, sei es mit dem Thema Daten-, Urheber- und dem Verbraucherschutz. Man kippt vom Extrem des Unregulierten ins andere Extrem dem Überegulierten. Immer in der Hoffnung allen und allem gerecht zu werden und dazwischen entsteht eine profitable Spielwiese auf der sich die Abmahner tummeln. Toll, man könnte meinen, daß das Internet seinen Zenit überschritten hat und es zu einer Oligopolisierung und "Plattformisierung" kommen wird, wo alle Angebote nur noch unter der Ägide von einigen wenigen Akteuren komplett verkommerzialisiert stattfinden.
Parallel wird es einen Exodus auf Internet-Oasen analog zur Steuerflucht geben.
By the way: wie hat sich denn der Spiegel als Verlag dazu gestellt?

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lachina 20.06.2018, 17:54
27.

Zitat von vanlent
Für viele Kleinunternehmer und vor allem für Hobby-Fotografen, -Videofilmer, -Musiker oder sonstige Künstler, ist es seit Jahren ein riesiges Ärgernis, wie im Internet (und auch in Print-Medien!) das Urheberrecht ständig und bewusst verletzt wird. Wenn jede Webseite und jedes Magazin nach den derzeit geltenden Gesetzen angezeigt und verurteilt würde, hätten die Gerichte wohl nichts anderes mehr zu tun. Die meisten Geschädigten kriegen aber von der Verletzung oft gar nichts mit oder scheuen den teuren Rechtsweg. Insofern muss man klar sagen, dass viele User und Unternehmer es definitiv übertreiben und dass dem ein Riegel vorgeschoben werden muss. Die Gratis-Kultur im Netz ist vorbei und das muss gesetzlich geregelt werden.
Für die Hobbykünstler gibt es einen einfachen Weg: Nichts mehr ins Netz stellen oder ein Bezahlfenster plobbt auf...und...und....und...
das Internet lebt von der Gratis-Kultur, dass jeder mitmachen und mithalten kann, auch finanziell, das macht es gerade so universal und lebendig!

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knocker2 20.06.2018, 17:58
28. was nicht verstanden wird...

mit diesem Gesetz wird eine Filterifrastruktur geschaffen welche ich dazu einsetzen kann ganze Themen oder inhaltsgebiete aus dem Internet fernzuhalten. ob berechtigt oder nicht. Ich könnte durch entsprechenden Eintrag z.b. alles was mit einer bestimmten politischen Richtung in Zusammenhang steht von der Verbreitung im Internet verhindern. das ist eine automatische Zensurmögöichkeit welche mit Sicherheit durch die kontrollierenden genutzt wird!
Freiheit tschüss!

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theos001 20.06.2018, 17:59
29.

Sowas passiert wenn man Berufspolitiker über reale und technische Dinge abstimmen lässt. Es wird Murks und später will man es nicht gewesen sein...... Bravo. Noch mehr Zulauf für die Gruppe der Demokratie-enttäuschten.

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