Forum: Netzwelt
Urheberrechtsreform: Pyrrhus-Sieg heißt jetzt Voss-Sieg
Jean-Francois Badias/ AP

Die Reform des Urheberrechts ist der Versuch, eine nostalgische Wunschrealität zu erzwingen. Befürworter wie CDU-Mann Axel Voss hoffen, dass alles irgendwie gut wird. Dafür spricht: nichts.

Seite 1 von 48
senapis 27.03.2019, 15:48
1. Same procedure...

Wie bei so vielen Gesetzen, gut gemeint, aber schlecht gemacht.
Warum muss ein Uploader nicht rechtswirksam* bestätigen, dass er der Rechteinhaber ist? Dann könnte jeder Verstoß, so es gewünscht wird, auch verfolgt werden.
*Hier wird die handwerklich schlechte Arbeit am Gesetz deutlich, dies hätte vorher ausgearbeitet werden müssen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
andre_36 27.03.2019, 15:52
2. Fahrlässigkeit oder Absicht?

Fahrlässigkeit oder Absicht? Je mehr ich den ganzen Tanz beobachtet habe, desto stärker wird meine Vermutung, dass genau das, was Herr Lobo befürchtet, auch gewollt ist; die Stärkung der Marktmacht von Google. Vielleicht werden wir irgendwann später, wenn das neue System etabliert ist, erfahren, wer wirklich hinter dieser Reform stand. Es ist schon sehr verdächtig, dass die Proteste von Google und Facebook nur kurz und halbherzig kamen. Entweder hat man dort schnell erkannt, dass die Reform ihnen eigentlich unbeabsichtigt entgegen kommt, oder es war genau so geplant.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
urbanism 27.03.2019, 15:54
3. die Gefahr lauert ganz woanders

für mich ist es immer wieder erstaunlich, in welchen engen Gedankenkreisen Sie sich bewegen und dass Sie in der Politik die Wurzel an allen Übels sehen. Da sehen Sie die Meinungsfreiheit durch Artikel 13 eingeschränkt und halten Uploadfilter für ein Teufelswerk obwohl die Meinungsfreiheit schon lange gefiltert wird. Und zwar durch die großen Internetgiganten deren politische Gesinnung keiner von uns kennt oder kontrollieren kann.. Wer sagt mir denn ob Google und Microsoft mit ihren Browsern sowie Suchmaschinen mir abschließend alle Ergebnisse zu meinen Suchbegriffen anzeigen oder nicht sogar blockieren. Oder Facebook mir wirklich jeden Post anzeigt bzw. veröffentlicht. Mal ganz abgesehen von meinen Daten, die nach wie vor unkontrolliert weitergegeben werden. Wer sagt mir denn wo auf dieser Welt meine Daten tatsächlich überall gespeichert werden? Hier ist m.E: schon die DSGVO ein Witz. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass mir Urheberrechtsverletzungen im Bereich Musik im Detail angezeigt werden, aber es werden keine Details bei Verstößen gegen die Nutzungsrichtlinien mitgeteilt. Und hier ist m.E. die Gefahr; wenn man ohne Angaben von detaillierten Gründen Uploads sperrt nur mit einem pauschalen Hinweis auf den Verstoß gegen die Nutzungsrichtlinien, dann ist das m.E. Willkür, und somit der Tod jeder Meinungsfreiheit.. Die Zensur hat m.E. schon lange Einzug gehalten weil Google und Microsoft oder von mir aus auch Facebook, die Internetwelt alternativlos beherrschen. Meinungsfreiheit wird durch vielfältige Angebote gesichert, dies ist aber beim Internet überhaupt nicht gegeben, da alle Suchmaschinen entweder auf Google oder Bing Basis laufen. Dasselbe gilt für die großen Social Media Plattformen wo die vorgenannten Protagonisten zusammen mit Facebook die Alleinherrschaft haben.
Die Meinungsfreiheit wird nicht durch Urheberrechtsreformen eingeschränkt sondern durch die monopolistischen Internetgiganten, deren politische Gesinnung und Wirkungskreise wir nicht im entferntesten abschätzen können.

Die Urheberrechtsreform ist Google und Co völligsten egal, dafür ist die Macht zu groß und die Abhängigkeit der Nutzer zu groß. Wie bei Musik und Filmrechten wird man sich auf Brotkrumen einigen und fertig. Erheben einzelne Urheber Sperren wird man diese umsetzen, ansonsten freie Fahrt wie immer.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
jjcamera 27.03.2019, 15:55
4. Bürokratie, sonst nichts

Das Urheberrecht gibt es bei uns seit 1901, hauptsächlich auf Betreiben der Komponisten von "Tonwerken". Seither wurde es an jede neue technische Verbreitungsform angepasst, da jede Verbreitungsform neue Fragen der Wahrnehmungsmöglichkeit, der Erfassung von Aufführungen und der Verteilung der daraus resultierenden Erträge mit sich brachten.
Dass das Internet die weltweite Erfassung von Aufführungen, von Nutzung und Verbreitung von Werken und die Verteilung der Erträge in einem noch nie dagewesenen Maß verändert, und neue gesetzliche Regeln erfordert, werden auch Sie, Herr Lobo, wohl kaum bestreiten können.
Wozu die Aufregung? Das ist keine "politische" Reform, sondern eine Reform der Verwaltungsbürokratie. Der normale "User" wird davon überhaupt nichts mitbekommen, es sei denn, er ist Blogger und bedient sich eifrig fremden geistigen Eigentums.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
curiosus_ 27.03.2019, 16:03
5. Mathematische Naturgewalt?

Herr Lobo, es mag ja vieles geben, aber eine “mathematische Naturgewalt” gab es weder im letzten Jahrhundert noch gibt es die im “Digitalzeitalter”. Auch wenn mancher das gerne hätte.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
eckhardbremer 27.03.2019, 16:04
6. Die Praeterfaktizitaet von Lobos Argumenten

Die Kolumne von Herrn Lobo ist nicht postfaktisch, aber praeterfaktisch, weil er sich mit einem einzigen Argument beschäftigt, das für die Anpassung des Urherrechts spricht: Es geht schlicht um den Schutz des geistigen Eigentums der Kreativen, die darauf angewiesen sind, Geld mit dem zu erwerben, was sie produzieren, seien das Bücher, Musik, Filme und alles Mögliche, das Grundlage der menschlichen Kultur ist. Dass diese Profukte heute anders vertrieben werden als früher. Das Internet ist eine Komplexe Übermittlungsplattform, Ich kann nicht erkennen, weshalb eine Neuentwicklung der Übermittlungstevhnik dazu führen kann, dass die übermittelten Inhalte auf einmal kostenlos sein sollen.. - Wer wäre bei Ablösung des Tante-Emma-Ladens durch Supermärkte auf die Idee gekommen, dass die Waren dort für alle kostenlos sind? - ich möchte Herrn Lobo empfehlen, sich diese nackten ökonomischen Tatsachen einmal zur Kenntnis zu nehmen anstatt von deren Postfaktizität zu schwafeln. Die Relevanz ökonomischer Tatsacben wird Herr Lobo spätestens dann erkennen, wenn der SPIEGEL zum zweiten Mal hintereinander kein Autorenhonorar zahlt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
m.palmerhuke 27.03.2019, 16:04
7. Es sind ja trotzdem noch mehr Fragen offen als beantwortet ...

Erst einmal feiern sich die Befürworter selber. Es reicht ein Blick auf die Titelseite der BILD und den unreflektierten Artikel dort. Was mir aber z.B. nicht klar ist. Muss z.B. Spiegel.de mich demnächst warnen, dass meine Daten (also z.B. dieser Content) über einen Upload-Filter von Google geprüft wird und wie ist das überhaupt mit der DSGVO in Einklang zu bringen? Zustimmen oder nicht mehr Kommentieren? Und darf Google diese Daten dann weiterverarbeiten oder definiert man meine Beiträge+Metadaten als nicht personenbezogen? Und falls doch, hat Google dann eine Datenverarbeitungsvereinbarung mit dem Spiegel? Und haftet der Spiegel dann für Datenschutzverstöße von Google? Welches Recht (Urheberrecht oder DSGVO) ist eigentlich dominant? Die Gerichte wird es freuen ...

Aber zum eigentlichen Thema: ich glaube nicht, dass es ursächlich ein Generationenkonflikt ist. Ich selber bin ja auch schon lange keine 30 mehr ... persönlich denke ich läuft der Graben genau dort, wo er bei den aktuellen Debatten auch verläuft: quer durch die Gesellschaft - Stadt vs. Land, Menschen die von der Digitalisierung profitieren vs. Menschen die sie nicht verstehen etc. Und die Politik versucht einfach die Komplexität der Situation durch das Rückführen auf bekannte Muster zu bewältigen. Funktioniert ja auch super, denn so kann man es auch seinen Wählern erklären. Was mich zur Beantwortung der Podcast-Frage bringt: wir werden solche Politik nur vermeiden, wenn es bei der nächsten Europawahl meßbare bis deutliche Verschiebungen im Wahlverhalten auf Grund dieser Entscheidung gibt. Dann und NUR dann, wird sich vielleicht etwas ändern. Wenn das nicht passiert heisst es nur: Siehste, waren doch alles bots!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
njäh 27.03.2019, 16:05
8. Das Generationenproblem lösen

Man hört ja immer wieder den Vorschlag, bitte ausschließlich Experten an der Politik arbeiten zu lassen oder sogar Altersschranken zu errichten für Leute, die einfach zu alt sind, um die kopernikanische Wende, die die Digitalisierung mitgebracht hat, zu verstehen. Letztlich geht es aber darum, dass die politische Klasse zu alt ist und es nicht um deren kurze Zukunft geht. Ein Elmar Brok hat auch kein Problem damit, wenn kulturell in den nächsten 50 Jahren wenig Innovatives passiert - anders als ein Millenial.

Aber nein: man muss einfach maximal über den Tellerrand hinaus blicken und einen Interessenausgleich schaffen. Jeder Betroffene in der Kette muss berücksichtigt werden und es müssen probate Lösungen sein. Als Autolobbyist kämpfe ich nicht nur für meinen Hersteller, sondern auch für den Zulieferer, der Kupplungen herstellt - aber anstelle ihm zu helfen, auf Akkus umzurüsten, sehe ich nur zu, dass ich die Kuh Verbrenner lange melken kann.

Müsste jede politische Entscheidung die Frage beantworten, wie sie die Probleme der nächsten 100 Jahre löst, würde man ganz anders arbeiten. Ins Pflichtenheft für jedes Gesetz muss eine Folgeabschätzung rein. Eher so kommen wir daraus, dass immer nur am Status quo herumgeschnitzt wird. Gesetzen müssen handwerklich so gut gemacht werden, dass sie ewig und allgemeingültig sind sind - dann ist es auch egal, wer sie macht. Kant lässt grüßen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ThomasCW 27.03.2019, 16:05
9. Danke Sascha!

wie immer sehr schön auf den Punkt gebracht!

Mir ist von Julia Reda noch ein Zitat hängen geblieben: "Das Tragischste ist: Eine neue Generation, die dieses Mal zum ersten Mal zur Europawahl geht, lernt gleich ihre Lektion: Eure Proteste sind nichts wert, die Politik wird Lügen über euch auskippen und sich von Sachargumenten nicht beeindrucken lassen!". Echt traurig wenn jemand wie sie die Politik verlässt! Es bräuchte viel mehr so informierte und engagierte Leute dort.

Sieger sehe ich hier weit und breit nur einen: die AfD. Die wird wohl am meisten von dem Verhalten der Regierungsparteien profitieren können. Wird lustig, wenn von denen darüber geklagt werden wird ...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 48