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Urheberrechtsreform: Pyrrhus-Sieg heißt jetzt Voss-Sieg
Jean-Francois Badias/ AP

Die Reform des Urheberrechts ist der Versuch, eine nostalgische Wunschrealität zu erzwingen. Befürworter wie CDU-Mann Axel Voss hoffen, dass alles irgendwie gut wird. Dafür spricht: nichts.

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Bondurant 28.03.2019, 11:23
220.

Zitat von draco2007
Wenn ein Streamer/YouTuber in einem 15 minütigen vielleicht 3-4 10 sekündige Ausschnitte aus Musikstücken verwendet, ist das für sie ein Grund das Video zu blocken, aufgrund eines Urheberrechtsverstoßes? I
ja. es sei denn, er hätte nachweislich für die Nutzung der fremden Musik Lizenzabgaben bezahlt. Gegenfrage: warum sollte ihrer Meinung nach diese Nutzung fremder Musik kostenlos sein? Vor allem, wenn Der Nutzer selbst kommerzielle Zwecke verfolgt

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knuty 28.03.2019, 11:25
221.

Zitat von draco2007
Wieso sollte jeder Urheber 3.500 Euro im Monat verdienen? Ab wann denn? Reicht ein veröffentlichtes Lied (egal wie schlecht) um als Urheber zu gelten? Ich bin Softwareentwickler, bin ich damit auch Urheber? Bekomme ich das dann auch? Der Witz ist doch, dass die Urheber meinen, nur weil sie sich als "Künstler" bezeichnen hätten sie verdient davon leben zu können. So funktioniert die reale Welt aber nicht. Ich bin Urheber, wenn aber niemand meine Software kaufen will, kann ich davon nicht leben. Punkt. Die Kulturflat soll lediglich dafür sorgen, dass Plattformen wie YouTube einen FAIREN Anteil teilen, wie dieser unter den Urhebern aufgeteilt wird, ist deren Problem. Nur so als Zahl, Spotify nimmt 21%, 6% bekommen die Künstler und den größten Betrag bekommen die Verwerter, (73%). Ist das für sie Fair? Die 20% von Spotfy, ja die sind völlig fair. Den Rest würde ich zur Diskussion stellen... Bei YouTube kenne ich die Zahlen nicht, es sollte aber genauso angestrebt werden, also ~20% für YouTube, den Rest an die Urheber.
3.500 Euro Brutto ist der Durchschnittsverdienst in Deutschland. Dürfen Urheber nicht durchschnittlich verdienen?

Wenn niemand für die Werke der Urheber bezahlt, können sie auch nicht davon leben.
Sind Sie als Softwareentwickler dafür, dass jedwede Software frei verfügbar ist und Sie einen Teil einer Softwareflatrate bekommen?


Die Verwerter sind doch die Urheber.

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Hirndummy 28.03.2019, 11:27
222. Wider die kulturelle Hegemonie des verknöcherten Systems

Die innerparteilichen Auswahlverfahren, um Menschen in die politische Spitzenämter befördern, genügen nicht mehr, um solche auszuwählen, die die den fachlichen Anforderungen unserer hochkomplexen Gesellschaft genügen.

Das deutsche Parteiensystem sieht in seiner Tradition kaum den qualifizierten Seiteneinsteiger vor, sondern - der Name passt - die Ochenstour durch die Gremien.

Kompensieren könnte man dies durch das Nutzen von externem Wissen.
Die derzeitige Debatte um die Beraterfirmen weist darauf hin, dass Politik sich hier schon bedient. Nicht nur beim Erstellen von Gesetzen, sondern auch im Tagesgeschäft. Allerdings geht damit ein erheblicher Transparenzverlust von Politik einher.

Bliebe die Wissenenschaft. Aber vom Klimawandel über die Mobilität, die Jugendhilfe, Familien- und Sozialpolitik, den Wohnungsbau bis eben hin zur digitalen Transformation haben die Hearings und Gutachten oft nur dekorative Zwecke.

Es setzen sich antike Interessen durch.

80.000 Arbeitplätze in der Solarindustrie sind vernichtet worden durch Umsteuerung der Energiepolitik. Kein Aufschrei.
Wir reden stattdessen über Fantastilliarden für 20.000 Plätze in der Braunkohle, während in China über 1 Mio Arbeitsplätze in der Photovoltaik entstanden sind.

Politik sichert dem Diesel das Habitat. Hätten die Chinesen nicht die verbindliche E-Quote eingeführt, würde sich nur wenig bewegen. Jetzt droht den deutschen Autobauern der Markt wegzubrechen, wenn sie die Quote nicht erfüllen. Panik. Derweil bauen die Chinesen in Thüringen die größte E-Batterie Fabrik. Na, wen wollen die wohl mit der Kerntechnologie beliefern?

D war im Klima und der Umsetzung mit neuen Energietechniken führend. Ein Weltmarkt, den man bedienen könnte. Derweil sind wir auf Platz 27 abgerutscht und streiten uns über Nordstream II und wer die Infrastruktur für das gefrackte US-Flüssiggas bezahlt.

Ach ja, besondere Ironie. Nordstream II verdanken wir ja wohl auch den Deal mit Frankreich bezüglich der schärferen Umsetzung des Urheberrechtes.

Absehbar ist keine Heilung in Sicht, solange man die Störche weiterhin ungestört die Frösche hüten lässt.

Das System ist noch zu stabil und der archimedische Punkt kann nur außerhalb liegen. Als alter 68-er kann ich lediglich sagen, dass es möglich ist, die kulturelle Hegemonie eines verknöcherten Systems durch den Protest der Straße und in den Institutionen zu ändern.

Darauf wird es wohl hinauslaufen und da machen die Schülerproteste Hoffnung.

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knuty 28.03.2019, 11:28
223.

Zitat von Nergal
Man kann es zum Teil sicher durchsetzen, gänzlich wäre es aber aus meiner Sicht nicht möglich. Zum einen haben wir viele Länder mit verschiedenen Rechtssprechungen. Beispielsweise wurden bzw. werden einige Seiten über das Königreich Tonga angemeldet. Dort kann man das wohl ziemlich anonym und es interessiert dort wohl auch wenig, wenn jemand sich wegen Verstößen gegen das Urheberrecht meldet. Wie ich darauf komme? Wikipediaartikel zur Top-Level-Domain ".to" und die Tatsache, dass diverse Seiten, unter anderem bekannte, illegale Streamingseiten, darüber liefen. Man müsste quasi alle Länder dazu zwingen das Urheberrecht auf gleicher Ebene durchzuführen. Selbst wenn das gelingen würde, kann man den Privattausch schwer verhindern. Kleine Netzwerke aus Freunden, die sich zu einem privaten Peer-to-Peer-Netzwerk über das Internet verbinden und untereinander Daten austauschen sind quasi nicht auffindbar, außer man schafft es irgendwie diese zu infiltrieren. Da wären wir dann auf der Ebene der Onlineüberwachung für Urheberrechte. Und selbst dann bleibt noch der Tausch über physische Medien, wie etwa einem USB-Stick. Jetzt könnte man sagen, dass die Urheber einfach einen ordentlichen Kopierschutz entwickeln sollen. Allerdings wurde meines Wissens nach noch so ziemlich jeder Kopierschutz früher oder später geknackt. Man müsste also jeden Computer immer überwachen. Mein Fazit ist also: Man kann es eindämmen, aber nicht komplett verhindern.
Niemand hat behauptet, man könne sämtliche Urheberrechtsverletzungen verhindern.
Man kann auch nicht sämtliche Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung verhindern.

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knuty 28.03.2019, 11:29
224.

Zitat von robana
Selbst das Zitatrecht ist eingeschränkt. Sonst könnten die Verlage und Verwerter nichts für Links von reinen Titeln verlangen.
Ja, das Zitatrecht ist eingeschränkt.
Aber für Links wird von keinem etwas verlangt.

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rwachsmu 28.03.2019, 11:30
225. Was wollen sie sagen?

Zitat von Bondurant
wenn man über die Jahre zu der Erkenntnis gekommen ist, dass gewisse Unternehmen einen Haufen Geld damit verdienen, dass sie illegal beschaffte Inhalte veröffentlichen (ohne das natürlich zu wissen, versteht sich) und sich permanent damit verteidigen, sie können schließlich nicht kontrollieren, was auf ihre Server hochgeladen würde, dann haben sie es hier mit einem neuen Problem zu tun. Es gibt prinzipiell nur zwei Möglichkeiten: Entweder Sie folgen der Argumentation und sagen den Urheberrechtsverletzten: Pech gehabt. Kann man eben nicht kontrollieren. Oder sie sagen den Profiteuren des Systems: Pech gehabt. Auch wenn ihr nicht gewusst habt, dass die Veröffentlichung verboten war, ihr zahlt trotzdem. und wir finden das auch richtig, weil ihr über die Jahre eben nachweislich Kohle damit gemacht habt, illegal beschaffte Inhalte zu veröffentlichen. Das wisst ihr jedenfalls im Nachhinein, deswegen gilt für euch nicht mehr die Vermutung, Ihr wüsstet nicht was ihr tut.
Meiner Meinung nach sind diese Argument vorgeschützt. Natürlich verwertet Google fremde Inhalte. Natürlich zahlen die keine Lizenz. Natürlich ist es reine bauernschlaue Schutzbehauptung, dass etwaige Urheberrechtsverletzung ja von den Uploadern, also Nutzern, begangen werden und Google da nichts dafür kann. Goolge betreibt Trittbrettfahrerei auch auf Rechtsverletzungen. Sie haben doch schon erkannt, dass man kommerzielle Plattformen, die dreist an fremdem Content verdienen, zur Zahlung zwingen kann, wenn sich herausstellt, dass das rechtswidrig war.

Aber darum geht es hier nicht. Zum einen wird hier das Verlagswesen geschützt. Das sind keine Urheber, sondern nur Verwerter, die das Internet verpennt haben. Viel wichtiger ist der möglicherweise gewünschte Reflex dieser Regelung auf die Grundfreiheiten.

Es geht um die Vorabprüfung der Veröffentlichung von Werken, also geistigen Schöpfungen eines Urhebers. Das können und darum geht es hier, auch Werke sein, die Meinungsäußerungen darstellen, die Wirkungen auf die Meinungsbildung haben. Die vielleicht zusammengesetzte Werke waren, die lediglich in Teilen behauptete Urheberrechtsverletzungen fremder Werke beinhalteten, bzw. könnten. Bisher war es Prinzip, dass fremde Inhalte auf Plattformen, auch und gerade Meinungsplattformen, dann entfernt wurden, wenn dem Plattformbetreiber die Rechtswidrigkeit mitgeteilt wurde. Da waren sie aber zuerst einmal veröffentlicht. Jetzt wird diese Prüfung vor die Veröffentlichung verlagert und den Plattformbetreibern übertragen, mit entsprechendem Sanktionssystem, was dann auf diejenigen durchschlägt, die etwas auf einer Plattform veröffentlichen wollen. Dass das gefährlich für die Grundfreiheiten, wie Meinungsfreiheit und Kunstfreiheit und Informationsfreiheit und damit für die Demokratie ist, das sollte man diskutieren.

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VTFreak 28.03.2019, 11:32
226. Nebeneffekte

Ich hab vor vielen Jahren dank der "Killerspiel"-Debatte die Erfahrung gemacht, wie ahnungslos oder gar mit dreisten Lügen Teile der Politik und der Medien (ich hoffe bis heute inständig, dass es nur Teile und keine Mehrheit sind) an manche Themen rangehen. Es war das erste Mal und sicher für viele andere auch, dass mein Wissen auf einem Gebiet groß genug war, um zu erkennen, was da vor sich geht. Die betroffene Gamergemeinde war damals aber wohl zu klein, um sich effektiv wehren zu können und z.B. bei folgenden Wahlen klar ein Zeichen setzen zu können. Für mich persönlich hat es aber gebracht, dass ich seitdem sehr viel kritischer an Berichterstattungen und politische Aussagen rangehe. Ich reflektiere, nutze mehr Quellen und versuche Aussagen einzelner in einen größeren Kontext zu setzen. Wenn dies jetzt auch bei einen Teil der jungen Leute passiert, die sich "verarscht" fühlen, dann wäre das zumindest ein großartiger Nebeneffekt dieser demokratischen Katastrophe. Zudem scheint mir bei dem Thema das erste Mal, dass in einer großen Öffentlichkeit nicht die "böse EU" direkt für etwas verantworltich gemacht wird, sondern sehr konkret einzelne Parteien und Akteure. Wenn sich dies dann noch in den Ergebnissen der nächsten Wahlen niederschlägt, sehe ich optimistisch in die Zukunft. Ansonste gehe ich in die Ecke und weine... danach sehe ich dann weiter.

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touri 28.03.2019, 11:35
227.

Zitat von Magirus
Hallo, ich verfolge die Diskussion mit viel Interesse aber ich kann die "Panik" unter den IT Entusiasten nicht nachvollziehen. Wir habe in den letzten Jahren erleben dürfen, dass ohne Regulierung im Internet sehr "seltsame" Geschäftsmodelle auftreten. Ich spreche dabei von der Selbstdarstellung von "YouTubern" als Beispiel Hier wird die technische Möglichkeit einer Massenreichweite zur generierung von Interesse und damit Werbeeinnahmen geziehlt benutzt. So ein Lebensmodell / Beruf finde ich sehr zweifelhaft und die Möglichkeit mit Meinungsmache und Followern Geld zu verdienen sollte nach meiner Ansicht nicht als "technologische Innovation" befördert werden. Die Änderung am Urheberrecht ist - so zweifelhaft in vielerlei Hinsicht - ein Schritt in die Richtung einer "geregelten" Kommunikation. Die finde ich grundsätzlich positiv. Ob das Urheberrecht oder Datenschutz oder (was kommt als nächstes?) dabei auf der Agenda steht ist gar nicht so entscheident, sondern eher die Frage: Wer hat die Kontrolle über unsere gemeinsame Kommunikation im Digitalen Zeitalter. Sind es ausschließlich die technischen Möglichkeiten mit all ihren seltsamen ausufernden "Youtubern" oder sind des die demokratisch gewählten Institutionen? .... Gesetze werden sich durch Wahlen und Verständnis / Argumentation anpassen können. Wenn wir den gesetzgebenden Institutionen nicht gestatten im ersten Entwurft vielleicht nur 80% und nicht 100% des gewünschten Resultates abzuliefern, dann verstehen wir nicht wirklich den Entstehungsprozess eines Konsenz in einer Demokratie. Ich persönlich befürworte eine gesetzliche Rahmengebung , auch wenn es möglicherweise im Detail Diskussionsbedarf gibt
Gerade diese Berufsgruppe über die Sie herziehen macht massiv Werbung für die Produkte diverser Firmen und werden teilweise auch von diesen gesponsort. Nur mal so. ICh selbst habe z.B. schon aufgrund von Gaming Streams auf Twitch diverse Spiele erworben wie Frostpunk, XCom, They are billions, etc. von denen ich sonst nie gehört hätte. D.h. ohne diese von Ihnen verschmähte Berufsgruppe hätten die Entwickler WENIGER Einnahmen. Ist das so schwer zu verstehen?

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Raisti 28.03.2019, 11:36
228.

Zitat von knuty
Die GEMA gehört nicht zur Contentindustrie, sondern ist ein Verein von und für Urheber. Wenn Sie sagen, dass die GEMA von der EU-Urheberrechtsreform profitiert, profitieren die Urheber.
Das ist reines Wunschdenken von Ihnen.
Profitieren tun vorallem die Vorstandsmitglieder und großen Künstler in der Gema.

Gab über die Jahre genug Artikel darüber wie ungerecht die Gema die eingenommen Gelder verteilt.

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Pantre 28.03.2019, 11:37
229.

Zitat von Gerd@Bundestag.de
Es ist wohl auch ein Stück aus der kruden Welt der Blasenkinder. Nein Herr Lobo! Demokratie muß nicht effizient sein! Das ist neoliberales Gesülze. Demokratie muß, wenn überhaupt effektiv sein. Die Probleme müssen wirkungsvoll gelöst werden, nicht einfach nur billig. Soviel Demokratieverständnis hätte ich von jemanden, der sich zumindest durch die ersten fünf Artikel des Grundgesetzes gelesen hat, erwarten können. Aber wahrscheinlich haben Sie sich gleich nur auf Artikel fünf gestürzt, der Rest ist uninteressanter Schachkack - interessiert nicht. Das ist der Punkt, der ein Medium wie SPON VON JEDER BELIEBIGEN SCHÜLERZEITUNG unterscheiden sollte. "Ab der wievielten uninformierten, beleidigenden Lüge zur digitalen Welt glaubt man der Politik nicht mehr, dass sie in allen anderen Bereichen demokratisch effizient entscheidet?" Tsss, tsss, tsss: 'demokratisch effizient entscheidet'
Tja. Sie sagen es. Nur wir diese "demokratische" Entscheidung nicht effizient sein. Sie wird versagen. Und sie wird Verlage und Verwertern eher mehr Geld kosten als einbringen. Langwierige Lizenzverhandlungen kosten Geld. Referenz-Werke bereitstellen um etwaige Filter zu füllen, kostet Geld. Von einem Internetgiganten aus "Selbstschutz" dann einfach tot geschwiegen werden (rausgefiltert), kostet am Ende Geld. Und am Letztlich noch vielen kleinen Plattformen und freien Urhebern aus Europa die Existenz unmöglich gemacht haben, kosten den Ländern auf lange Sicht auch viel Geld und hat es der amerikanischen Konkurrenz extra leicht gemacht...

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