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Urteil gegen jungen Briten in Köln: Telekom-Hacker zu Bewährungsstrafe verurteilt
DPA

Vergangenes Jahr hatten mehr als eine Million Telekom-Kunden Probleme mit ihren Routern - jetzt ist ein Brite für seinen Online-Angriff in Köln verurteilt worden. In Großbritannien droht ihm weiterer Ärger.

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gelbesvomei 28.07.2017, 13:56
1. Auch hier verstehe ich den Sinn nicht.

Warum Bewährungsstrafe? An der Sozialprognose kann es nicht liegen, wenn GB bereits seine Auslieferung beantragt hat. Und selbst zugegeben hat er, als Auftragshacker -mit dem Ziel Schäden herbeizuführen- agiert zu haben. Er hat nicht aus "edlen Motiven" heraus gehandelt, nicht aus Versehen, sondern schlicht gegen Bezahlung. Er hat einen Millionenschaden verursacht. Also: Wieso keine echte Strafe sondern lediglich die Maßgabe, sich innerhalb der nächsten 20 Monate nichts strafrechtlich relevantes zuschulden kommen zu lassen (Genauer: Es darf in dieser Zeit zu keiner rechtskräftigen Verurteilung kommen. Man beachte den möglichen Instanzenweg ...). Zumal er die meiste Zeit wohl im Gewahrsam der britischen Strafverfolger verbringen wird und wenig Gelegenheit haben wird, gegen Bewährungsauflagen zu verstoßen. Also bleibt diese Tat eigentlich völlig ungesühnt. Selbst Wiedergutmachung wird wohl nur theoretisch erfolgen - Schadenersatzforderungen der Geschädigten sind regelmäßig sowieso nicht beizuteiben. Die Justiz macht sich so zum Gespött!

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ichwillauchpost 28.07.2017, 14:32
2. Was ist eigentlich mit der...

...Telekom? Wenn es ein Autodidakt schafft, in das Netzwerk eines Weltkonzerns reinzuspazieren, um es lahmzulegen, liegt mehr, als nur etwas, im argen! Vorallem ich mir vorstelle, an welchen Projekten die beteiligt sind (Maut etc.), wird mir ganz anders. Wer weiß, welche Profis erst dort schon unterwegs waren, um Daten abzuschnorcheln. Ist ja scheinbar alles offen, wie ein Scheunentor. Dass der Angreifer in diesem Fall aufgeflogen ist, war ja nur Zufall, weil er sich blöd angestellt hat. In jedem Fall wurde bei der Telekom massiv geschlampt. IMHO ist dies ebenfalls ein Fall für die Staatsanwaltschaft, um die Verantwortlichen seitens der Telekom zu Verantwortung zu ziehen und um festzustellen, was für eine WIRKLICHE Tragweite dieses Szenario hat. Man muss schon ziemlich naiv sein zu denken, dass dies der einzige Fall war, in dem jemand diese Lücken ausgenutzt hat...

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CancunMM 28.07.2017, 14:36
3.

wow, da begeht einer mit hoher krimineller Energie eine Straftat mit Millionenschaden und bekommt eine Bewährungsstrafe...
Unsere Justiz ist ein Witz.

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uk2011 28.07.2017, 14:52
4.

Zitat von gelbesvomei
Warum Bewährungsstrafe? An der Sozialprognose kann es nicht liegen, wenn GB bereits seine Auslieferung beantragt hat. Und selbst zugegeben hat er, als Auftragshacker -mit dem Ziel Schäden herbeizuführen- agiert zu haben. Er hat nicht aus "edlen Motiven" heraus gehandelt, nicht aus Versehen, sondern schlicht gegen Bezahlung. Er hat einen Millionenschaden verursacht. Also: Wieso keine echte Strafe sondern lediglich die Maßgabe, sich innerhalb der nächsten 20 Monate nichts strafrechtlich relevantes zuschulden kommen zu lassen (Genauer: Es darf in dieser Zeit zu keiner rechtskräftigen Verurteilung kommen. Man beachte den möglichen Instanzenweg ...). Zumal er die meiste Zeit wohl im Gewahrsam der britischen Strafverfolger verbringen wird und wenig Gelegenheit haben wird, gegen Bewährungsauflagen zu verstoßen. Also bleibt diese Tat eigentlich völlig ungesühnt. Selbst Wiedergutmachung wird wohl nur theoretisch erfolgen - Schadenersatzforderungen der Geschädigten sind regelmäßig sowieso nicht beizuteiben. Die Justiz macht sich so zum Gespött!
Wie ziemlich deutlich im Text steht, hat der Staatsanwalt die Bewährungsstrafe beantragt.
Das bedeutet, dass es sich hier um einen Strafprozess handelt.
Bei diesem gilt diese berühmten Worte "solange unschuldig, bis die Schuld zweifelsfrei nachgewiesen wird" und es geht darum, dass der STAAT geschädigt wird.
Und strafrechtlich gesehen ist das eben nichts richtig gravierendes.
Im Gegensatz zu Steuerhinterzug, der das Gemeinwesen schädigt.

Der Telekom steht es jetzt völlig frei, zivilrechtlich den Schadensersatz zu fordern, die sind nämlich geschädigt. Und im Zivilprozess gilt diese Unschuldsvermutung nicht. Wenn Sie Ihren Nachbarn verklagen, dass er Ihr Auto zerkratzt hat, dann interessiert das den Staatsanwalt auch nicht. Und vor Gericht kommt es darauf an, wem der Richter mehr glaubt.
Und ich vermute mal stark, dass die die Telekom das auch machen wird, vor allem, weil ja schon in einem Strafprozess die Schuld nachgewiesen wurde.

Bevor man sich über solche Urteile aufregt, sollte man wenigstens mal grob ein Verständnis für die (deutsche) Rechtsprechung haben.
Und nein, ich bin kein Jurist, aber selbst ich habe die Unterschiede kapiert.
Deswegen ist die obere Ausführung auch nur sehr rudimentär und bestimmt auch nicht ganz sauber!

Aber der Staat darf doch nicht jemanden verurteilen, weil er einem Privatunternehmen den möglichen Schadensersatz nicht leisten kann! Was ist denn das für eine Rechtsauffassung.

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absinthe 28.07.2017, 15:43
5. Auftraggeber?

Die Frage habe ich mir schon früher gestellt. Was ist mit dem Auftraggeber? Das liberianische Telekommunikationsunternehmen ist mindestens genau so schuldig. Aber weil es irgendwo in Afrika sitzt, beschäftigen deutsche und britische Gerichte nur mit dem einen Hacker?

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gelbesvomei 28.07.2017, 17:23
6. @uk2011 - Stimmt: Da liegt einiges im Argen!

Ich glaube Ihnen gerne, dass Sie kein Jurist sind. Was Sie schreiben ist in vieler Hinsicht schlicht falsch. Natürlich verfolgt der Staatsanwalt nicht nur Gesetzesverstöße, die den Staat schädigen. Von Diebstahl über Betrug , Körperverletzung und Mord klagt der Staatsanwalt Menschen an, deren Schuld er für erwiesen hält. Hier hat der Beschuldigte sogar gestanden. Deshalb hat die Unschuldsvermutung in Ihrer "Argumentation" auch so rein gar nichts verloren. Eine Bewährungsstrafe hat der Staatsanwalt selbstverständlich gefordert, weil er den Beschuldigten bei dieser Ausgangslage für schuldig hält. Andernfalls hätte er ihn GAR NICHT beschuldigt und schon gar keine Strafe gefordert ... Aber selbst der Staatsanwalt sieht dieses Delikt mit einer Bewährungsstrafe ausreichend "bestraft". Und das ist eben einfach ein Witz angesichts des Millionenschadens, der kriminellen Energie und der Verwicklung in andere IT-Straftaten in GB.

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horstu 28.07.2017, 17:46
7. Ein Urteil mit Maß

Hätte er on top zur kriminellen Attacke auf über eine Million Router auch noch einen Hasskommentar rausgehauen, säße er nun garantiert in Haft. So aber war es halt nur ein millionenfacher Angriff auf unsere möglicherweise sicherheitsrelevante Infrastruktur. Auch Krankenhäuser und Kraftwerke sind bei der Telekom.

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uk2011 28.07.2017, 18:46
8.

Zitat von gelbesvomei
Ich glaube Ihnen gerne, dass Sie kein Jurist sind. Was Sie schreiben ist in vieler Hinsicht schlicht falsch. Natürlich verfolgt der Staatsanwalt nicht nur Gesetzesverstöße, die den Staat schädigen. Von Diebstahl über Betrug , Körperverletzung und Mord klagt der Staatsanwalt Menschen an, deren Schuld er für erwiesen hält. Hier hat der Beschuldigte sogar gestanden. Deshalb hat die Unschuldsvermutung in Ihrer "Argumentation" auch so rein gar nichts verloren. Eine Bewährungsstrafe hat der Staatsanwalt selbstverständlich gefordert, weil er den Beschuldigten bei dieser Ausgangslage für schuldig hält. Andernfalls hätte er ihn GAR NICHT beschuldigt und schon gar keine Strafe gefordert ... Aber selbst der Staatsanwalt sieht dieses Delikt mit einer Bewährungsstrafe ausreichend "bestraft". Und das ist eben einfach ein Witz angesichts des Millionenschadens, der kriminellen Energie und der Verwicklung in andere IT-Straftaten in GB.
Sie haben selbstverständlich recht.
Ich habe mich ziemlich blöde ausgedrückt. Die Unschuldsvermutung war auch in dem Zusammenhang nicht ganz das, was ich meinte. Ich wollte eigentlich ausdrücken, dass im Strafrecht die Spielregeln ein wenig anders sind als im Zivilrecht (beispiel Unschuldsvermutung).

Was ich eigentlich sagen wollte, ist, dass von Staatesseite her der Fall mit einer Bewährungsstrafe eben bestraft ist, und die Schadenshöhe eben in erster Linie eine Sache des Unternehmens ist, und nicht ein Problem des Staates.

Und die anderen kriminiellen Straftaten in GB werden in GB verhandelt, das heißt ja nicht, das er da davonkommt.

Und nach wie vor steht der Telekom als geschädigtes Unternehmen eine Schadensersatzklage frei, nur dann eben im Zivilrecht und nicht im Strafrecht.

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robeuten 28.07.2017, 19:06
9.

Zitat von gelbesvomei
Warum Bewährungsstrafe? An der Sozialprognose kann es nicht liegen, wenn GB bereits seine Auslieferung beantragt hat. Und selbst zugegeben hat er, als Auftragshacker -mit dem Ziel Schäden herbeizuführen- agiert zu haben. Er hat nicht aus "edlen Motiven" heraus gehandelt, nicht aus Versehen, sondern schlicht gegen Bezahlung. Er hat einen Millionenschaden verursacht. Also: Wieso keine echte Strafe sondern lediglich die Maßgabe, sich innerhalb der nächsten 20 Monate nichts strafrechtlich relevantes zuschulden kommen zu lassen (Genauer: Es darf in dieser Zeit zu keiner rechtskräftigen Verurteilung kommen. Man beachte den möglichen Instanzenweg ...). Zumal er die meiste Zeit wohl im Gewahrsam der britischen Strafverfolger verbringen wird und wenig Gelegenheit haben wird, gegen Bewährungsauflagen zu verstoßen. Also bleibt diese Tat eigentlich völlig ungesühnt. Selbst Wiedergutmachung wird wohl nur theoretisch erfolgen - Schadenersatzforderungen der Geschädigten sind regelmäßig sowieso nicht beizuteiben. Die Justiz macht sich so zum Gespött!
Ich denke, hier haben die Richter ausnahmsweise einmal im Sinne Schlands entschieden - der wird als britischer Staatsbürger in UK noch einmal so richtig verknackt werden; wozu hier weiter in Haft behalten?

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