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US-Geheimdienst NSA: Radikal unfähig
AFP

Im Laufe der Überwachungsaffäre ist von den Geheimdiensten ein falsches Bild entstanden. Besonders die NSA wird als hochprofessionell, effizient, fast allmächtig wahrgenommen. Doch in Wahrheit versagen die Dienste ständig.

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AugustQ 16.07.2014, 12:14
1. Egon Bahr

hat seine Lebenserinnerungen veröffentlicht, ca. 1998. Darin findet sich ein Kapitel zum Thema Dienste.

Zusammenfassung des Kapitels: die Berichte des Nachrichtendienstes enthalten nichts, was auch nicht bereits in der Zeitung stand.

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captainpetrov 16.07.2014, 12:17
2. kleine Maßnahmen

Es würde schon helfen wenn man die kostenlose SMS app TextSecure nutzen würde. Leider noch nicht für iOS erhältlich.

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besorgte Oma und Mutter 16.07.2014, 12:39
3. Unfähigkeit darf kein Argument für eine umfassendere

personelle und technische Ausstattung sein. Einerseits bin ich froh über die Ahnungslosigkeit auch deutscher Dienste. Andererseits ist die Aufgabenstellung eben schon deutlich zu erfüllen.

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montezuma09 16.07.2014, 12:40
4.

"Nur zwei von drei Mitarbeitern des Verfassungsschutzes verfügen über einen Internetzugang am Arbeitsplatz."
Diese Drittel sind dann wahrscheinlich die V-Männer/V-Frauen bei der NPD und ähnlich intelligenten Gruppierungen. Die brauchen am "Arbeitsplatz" kein Internetz mit Zugang zum Neuland.

Abgesehen davon sehe ich die Gefahr auch, dass allein durch die scheinbare Allmacht der Geheimdienste die Verhaltenszensur im Kopf der Bürger etabliert und weiter gefestigt wird. Was ist denn im Alltag gefährlicher: Ein Geheimdienst der alles sieht und alles kann? Oder ein Geheimdienst von dem alle glauben dass er alles sieht und alles kann und keiner (nicht mal die kontrollierenden Politiker) weiß genau was er sieht und kann? Es kommt wohl auf das Gleiche raus. Ein (scheinbar) schusseliger unkontrollierter Big Brother ist am Ende genauso gefährlich und demokratiezerstörend wie ein (scheinbar) perfekter unkontrollierter Big Brother. Und solange die Politik und die Dienste den Nimbus der Unfehlbarkeit und Unverzichtbarkeit der Totalüberwachung feiern bleibt es wohl ein Kampf gegen Windmühlen.

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giespel 16.07.2014, 12:48
5. Lob an Lobo

Genau auf den Punkt gebracht, Sascha Lobo analysiert absolut logisch, was bisher zum Thema NSA gelaufen ist. Zu früheren Artikeln kann man schon fast von Weisheit sprechen.

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LarsLondon 16.07.2014, 12:51
6. Den Faden verloren?

Die 3 Punkte:
(1) Ungenauigkeit
(2) Technisches Versagen
(3) Menschliches Versagen
werden hier mit Beispielen untermalt, die komplett am Thema vorbeigehen.

Die (Un-)Zuverlaessigkeit von Drohnenangriffen hat mit der technischen Versiertheit der NSA (direkt) nichts zu tun.
Serverprobleme bei der NSA sind auch erstmal irrelevant bei der Frage, welche technischen Faehigkeiten bei der Ueberwachung die NSA hat.
Menschliches Versagen gibt es immer und ueberall - wo ist da die Relevanz fuer das generelle Potenzial der NSA?

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Dr_EBIL 16.07.2014, 13:18
7. Nicht unterschätzen!

Gestern habe ich mir ein Interview von Glenn Greenwald angehört:

Er sagte, die Geheimdienste sind unfähig unsere Privatsphäre zu schützen. Gesetz der großen Zahlen: Wenn mehr als 90.000 Mitarbeiter Zugriff haben auf viele sensible Daten, kein Wunder. Die NSA weiß nach seiner Aussagen nicht einmal gneau, was Edward Snowden gestohlen hat.
Leider haben viele Berufsgruppen ganz andere Absichten als sie ihren Kunden oder Überwachten erzählen. Jeder kennt das. Gerade Spionen sollte man kein Wort ungeprüft glauben.

Bspw. die Drohnenmorde:
Schaut man sich US-amerikanische Geschichte an, so hat die US-Regierung immer den Tod von Zivilisten billigend in Kauf genommen für ihre Kriege, und wichtiger - zur Erreichung ihrer Ziele.

Der Markt für Drohnentechnik wird in den nächsten Jahren hunderte Milliarden € schwer. Fast alles Geld kommt aus dem militärischen Sektor, sind Staatssubventionen. Die USA wollen praktisch ihre Luftwaffe mit Drohnen automatisieren, Piloten obsolet machen und als Endziel sogar autonome Drohnen mit künstlicher Intelligenz einsetzen (Terminator-Filme warnen davor, wieviele andere ScFI-Filme auch).

Diese Technik wollen sie auch in alle Welt verkaufen, aber natürlich nur in gedrosselten Versionen, wie das Eurohawk-Debakel klar macht.

Dass die CIA mit NSA-Technik in der dritten Welt Zivilisten ermordet, stört die überhaupt nicht. Sie haben sogar Regierungsstudien, die sagen, dass es dadurch mehr Terrorismus gibt statt weniger. Also die Maßnahmen sind kontraproduktiv, wenn man nach ihrer orwell'schen Rhetorik ginge. Aber die Logik ihrer Vordenker ist diese: Mehr Terroristen auf der kill list - mehr Drohnen werden gebraucht. Mehr Drohnen = mehr Arbeitsplätze und Profite. Alle sind glücklich: CIA, NSA, Luftwaffe, Rüstungsunternehmen, Banken, militärische Bündnisparter etc. und man erobert noch nebenbei die Welt.

So zynisch läuft das Geschäft. Natürlich gestehen sie sich das selbst nicht ein, dass ihre Aktionen unschuldige Zivilisten töten. Dafür suchen sie sich Schutzbehauptungen, dämonisieren 1,2 Mrd. Moslems (ihre Versuchskaninchen derzeit), bestellen zynische Justizstudien, z.B. wenn sie in Pakistan einen Menschen ermordet haben unter Missachtung jeglicher rechtlicher Prinzipien, wollen sie sich auch nicht verklagen lassen. Dann heißt es jeder männliche Pakistaner über 16 Jahre, der ermordet wurde, gilt automatisch als Terrorist. Es sei denn die Angehörigen können das Gegenteil vor US-Gerichten beweisen. ACLU oder andere Bürgerrechtsorganisationen haben einige Fälle nach USA gebracht, aber alleine können sich die Opfer nicht wehren.

Es geht um Profit, Resourcenplünderung und Kriegsgewinne.

Um noch einmal auf Greenwald zurückzukommen: Er sagte, dass wir noch nicht die schlimmsten Geschichten von den US-Geheimdiensten kennen und dass Snowden nur über zumeist technische Informationen von der NSA verfügt, keine Informationen aus dem innersten Kreis. Es gibt noch viele geheime Machenschaften, die der Öffentlichkeit völlig unbekannt sind. Snowden war nur die Spitze des Eisbergs.

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Robert_Rostock 16.07.2014, 13:19
8.

Zitat von montezuma09
"Nur zwei von drei Mitarbeitern des Verfassungsschutzes verfügen über einen Internetzugang am Arbeitsplatz." Diese Drittel sind dann wahrscheinlich die V-Männer/V-Frauen bei der NPD und ähnlich intelligenten Gruppierungen. Die brauchen am "Arbeitsplatz" kein Internetz mit Zugang zum Neuland. ...
V-Leute sind keine Mitarbeiter des Verfassungsschutzes. Sondern angeworbene, externe Informanten.

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activ8me 16.07.2014, 13:21
9. Qualität

Der Author, Herr Lobo, scheint sich doch einigermassen mit dem Thema auszukennen und hat einen guten Schreibstil. Es wäre zu wünschen, dass alle SPON Authoren seinen Qualitätsanspruch zur Basis nehmen. Auch hier ist das Thema gut getroffen.

Zur "menschlichen" Seite der Unfähigkeit des NSA gehört auch die psychologische. Es fällt mir schwer, mich in das Mindset der NSA hineinzudenken, gerade nach Snowden muss es doch eine Peinlichkeit sondergleichen sein, für den NSA zu arbeiten, genau wie gehabt und den Mund zu halten. Diese schon an geistige Debilität grenzende Negierung der Realität - auch Negierung der eigenen Verfassung, wie Snowden gut verdeutlicht hat - ist meiner Meinung Ausdruck einer tieferen geistigen Unfähigkeit der Geheim(ueberwachungs)dienstmonolite ala NSA überhaupt einen realen Bezug zu demokratischen Grundprinzipien zu entwickeln.

Die Frage müsste sich doch im Anno 1 nach Snowden jedem NSA Mitarbeiter stellen: Für wen/was arbeite ich eigentlich hier? Wen was verteidige ich, wen schütze ich vor wem?
Negierung dieser Fragen zeugt von radikaler Unfähigkeit, welche primär eine NSA so gefährlich macht...

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