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Verschenke es online, verkauf es offline - Strategie oder Sackgasse?

Kostenlose Online-Nutzung: Bücher und Musik findet man immer öfter online zur freien Nutzung, allerdings ohne Speicher- oder Ausdruckmöglichkeit. Schaden sich die Anbieter damit selbst, oder ist es das, was sie sich erhoffen: prächtige Werbung für Produkte, die man am Rechner gar nicht nutzen will?

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Carsten31 01.03.2007, 17:24
10.

Zitat von Axelino
Ein paar Sätze online lesen wäre ok, damit man ein Buch später kauft. Wer aber ein Buch komplett online liest wird sich das Werk nicht mehr kaufen. Der Vergleich zur Musik-CD hinkt schon alleine deswegen gewaltig, weil man ein Buch normalerweise ein bis zweimal liest, eine CD aber praktisch unbegrenzt hört. Wenn Bücher erstmal genauso raubkopiert werden wie CDs, dann werden voraussichtlich weniger Bücher gekauft. Dadurch sinkt natürlich die Qualität der Werke. Als Buchautor weiß ich, wieviele Jahre Arbeit in einem Buch stecken. Wer für sich in Anspruch nimmt, Bücher kostenlos kopieren zu wollen ist ein Dieb, weiter nichts.
Wobei ich persönlich lieber ein Buch in der Hand habe, als vor einem Bildschirm zu sitzen. Also, einen Leser/Käufer haben Sie schonmal sicher (naja, kommt auf Ihre Bücher an)! :o)

Andererseits (ver)leihe ich auch schonmal Bücher an/von Bekannten, Freunden etc., da ist ein Buch auch einfach praktischer, weil es da keinen Kopierschutz gibt! :o)

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Eiermann 01.03.2007, 17:56
11. Wer nicht wirbt stirbt

"Wer nicht wirbt stirbt", gilt ja schon längst auch im Internet. Eine bessere Verkaufshilfe als einige Ausschnitte an Text und Illustrationen (wohlgemerkt nicht alles), vor allem das Inhaltsverzeichnis sowie nähere Angaben zum Autor ins Netz zu stellen, gibt es ja garnicht. Das Internet erweitert die Werbemöglichkeiten von Verlagen beträchtlich, und ich denke, dass das die baldige normale Zukunft des Verlagswesens wie bei sämtlichen anderen Medien sein wird.

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Serenifly 01.03.2007, 18:49
12.

Der absolute Vorreiter was Online Distribution betrifft, ist Bean Books:
http://www.baen.com/

Dort gibt es eine ganze Bibliothek mit vollständigen Bücher kostenlos. Zum Teil die ersten Bände von Serien.
Neueren Hardcover Büchern liegen teilweise CDs mit allen vorherigen Veröffentlichungen.
Es gibt einen exklusiven (kostenpflichtigen) Service, bei dem man Vorab-Kopien von Büchern lesen kann.

Das ist ideal wenn man mal in eine Serie reinschnuppern will, um zu sehen ob es einem gefällt. Man liest ein, zwei Bücher, oder auch nur ein paar Kapitel und dann kann man sich den Rest als Buch kaufen. So habe ich z.B. mit "Honor Harrington" und dem "1632" Universum angefangen.

Der Verlag ist auch damit zufrieden und gibt an, dass sich die Verkäufe eher erhöht als erniedrigt haben. Aber das auf andere Märkte verallgemeinern kann, sei mal dahin gestellt, da sich Bean größtenteils auf Science Fiction konzentriert.

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Ahnungslos 30.03.2007, 15:37
13.

Ja, das Beispiel vom Baen-Verlag kenne ich auch. Und in Sachen Filmen gibt es noch das Beispiel von Fansubs, also Filmen und Serien, die von Privatleuten mit Untertiteln (also für Länder in denen es diese Serien noch nicht gibt) versehen werden und dann im Internet ausgestellt werden (früher, technisch aufwendiger, haben sie das mit VHS-Kassetten gemacht und diese dann kostenlos an interessierte Leute verteilt).

Hier ist der Effekt sehr klar. Diese Serien konnten dank der Werbung gut für ausländische Märkte lizensiert werden, in mindestens 2 Fällen konnten Serien verkauft werden, die vorher keine Abnehmer fanden. Im einzigen Fall, in dem gegen diese Fansubs vorgegangen wurde, wurden die Produktionen dieser Firma boykottiert, indem man sie komplett ignorierte. Sie kam in ziemliche finanzielle Schwierigkeiten, weil sie ihre Produktionen nicht mehr lizensieren konnte.

Auch das vielgerühmte Album von Gnarls Barkley, welches online gratis erhältlich war, eine ganze Weile lang bevor es die erste CD gab, wurde aus eben jenem Grund ein Bestseller, und ein offensichtliches Beispiel dafür, dass diese Methode funktioniert.

Genau genommen gibt es bei allen diesen Angeboten keinen einzigen Beleg dafür, dass Verkaufszahlen deswegen darunter gelitten hätten, selbst bei Musikdateien nicht, Spielereien wie (Abspiel-)Kopierschutz, Trojaner und das Behandeln der Kunden wie Kriminelle haben da den Musikverlagen weit eher geschadet. Dagegen gibt es durchaus einige Belege für einen steigernden Effekt auf die Verkaufzahlen mit dieser Methode.

Aber anscheinend haben die Content-Anbieter einige Probleme damit, von ihrer Vorstellung abzugehen, wo jede Nutzung eines solchen Angebotes gleichbedeutend ist mit einem Verkauf weniger. Die Realität ist weitaus komplexer, und nach allen vorliegenden Erfahrungen scheint es so auszusehen: Bekanntheitsgrad und Verbreitung -selbst wenn diese mit Gratisangeboten erreicht wird- sind ein weitaus wichtigerer Faktor für den Erfolg als den letzten Cent aus dem angebotenem Medieninhalt herauszuquetschen (dies ist sogar eher kontraproduktiv).

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Hagbard 30.03.2007, 16:51
14.

Zitat von talkabout
Dieser Vergleich ist reichlich an den Haaren herbeigezogen, denn CDs kann man fast ohne Qualitätsverlust zu einem Bruchteil der Kosten des Originals kopieren. Wie das bei Büchern möglich sein soll, musst du vielleicht erklären.
In - ich glaube - Indien werden Bücher im großen Stil illegal nachgedruckt und anschließend weltweit für einen Bruchteil des regulären Preises verkauft.

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Spiritogre 31.03.2007, 15:21
15.

Zitat von Hagbard
In - ich glaube - Indien werden Bücher im großen Stil illegal nachgedruckt und anschließend weltweit für einen Bruchteil des regulären Preises verkauft.
So etwas gibt es sicher, allerdings dürfte auch klar sein, dass solche Waren nicht legal eingeführt werden können und generell vom Zoll beschlagnahmt werden, wie alle Produktfälschungen.

Zum Thema lesen am Bildschirm, ich lese gerne mal eine Kurzgeschichte oder in Foren und ähnliches am Bildschirm, aber ein ganzes Buch, also einen richtigen Roman - nein, auf keinen Fall. Den würde ich eher ausdrucken (was natürlich quatsch da viel zu teuer dann kann man auch gleich das Buch kaufen) und solange E-Paper welches kein eigenes Licht abstrahlt sondern Umgebungslicht nur reflektiert nicht gang und gäbe ist, ist das lesen mit elektronischen Medien viel anstrengender für die Augen. Außerdem liest man am Bildschirm langsamer als bei gedrucktem Papier.

Sicher gibt es inzwischen einige Leute, die E-Books lesen - von einem riesigen Markt, insbesondere in D., zu sprechen ist aber albern, die drei E-Book Reader die es in Deutschland gibt liegen wie Blei in den Regalen und auch ein PDA ist mit seinem niedrig aufgelöstem Winzschirm nicht wirklich eine Alternative, es sei denn man will sich die Augen kaputt machen. Die Nutzer von E-Books im Verhältnis zu normalen Bücherlesern liegen nicht mal im Promillebereich. Da hilft es auch nichts wenn einige technikaffine Männer sich zu Wort melden und laut "aber ich..." schreien.

Im Gegensatz dazu stöbere ich z.B. gerne bei Amazon und Co. lese Leserkritiken und Lesebeispiele was um einiges angenehmer ist als in den Buchladen zu gehen, die übrigens auch am Aussterben sind (böses Internet und böse Internethändler!). Sage ich es mal so, wer nicht in der Lage ist sich den modernen Gegebenheiten anzupassen wird verlieren. Und das sage ich als jemand aus der schreibenden Zunft der allerdings aus Prinzip nicht einmal Mitglied der VG Word (Gegenstück der Gema) ist und auch keine "Alimente" für seine Werke bekommt sondern von jedem Verkauf einzeln lebt...

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MOW 03.04.2007, 06:42
16.

Zitat von Marlee
Das kann man u.a. auch in einem Artikel bei Spiegel-Online vom 28.9.06 lesen (inzw. kostenpflichtig): "Indische Raubkopie-Bücher : Piraten aus dem Keller In Indien, dem Gastland der Frankfurter Buchmesse, zählt das Urheberrecht wenig: Ob Kamasutra, Günter Grass oder billige Lonely Planets - raubkopierte Bücher gibt es an jeder Straßenecke zu kaufen. Die Regierung geht nur zögerlich gegen den Copyright-Klau vor."
Was ist denn das für ein Blödsinn? Wie alt ist das Kamasutra, und wie lange greift das Urheberrecht?

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