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Vertrauensverlust: Woran "die Medien" wirklich schuld sind
DPA

Für viele Menschen sind Medien unglaubwürdig, wenn nicht gar die Hauptschuldigen am Übel dieser Welt. Das stimmt zwar nicht, aber die Medienhäuser tragen eine Mitverantwortung - und müssen sich ändern.

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vantast64 18.10.2017, 16:13
1. Die sogenannte Staatsferne beim Rundfunk ist ein Märchen,

die meisten ihrer Gremienmitglieder sind irgendwie mit dem Staat verbunden, zeigt eine neue Untersuchung.
Aus Telepolis:
"Wichtige Entscheider, wie der Intendant Tom Buhrow und der Fernsehdirektor Jörg Schönenborn, beide aus dem WDR, werben intern offensiv für eine redaktionelle Linie, die sich darauf konzentriert, die "westlichen Positionen zu verteidigen", hieß es aus der ARD gegenüber Telepolis. Insbesondere Tom Buhrow soll in der Konferenz der Gremienvorsitzenden der ARD auf die kritischen Anmerkungen durch den Beirat "extrem aufgebracht und teilweise unsachlich" reagiert haben.”
Und T.Buhrow ist bei der "Atlantikbrücke", was seine Stellungnahme erklärt.

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ohnesorge 18.10.2017, 16:23
2. Zu Ihren drei Punkten...

1. Den Überbringer einer Botschaft verantwortlich für den Inhalt zu machen.
Nicht selten sehen sich die Medien nicht mehr als reiner Überbringer einer Botschaft, sondern im Prozess der Weitergabe der Botschaft verändern sie diese teilweise, indem sie einzelne Aspekte der Botschaft (die ihnen wichtiger erscheinen überbetonen und andere Aspekte weglassen. Dadurch verändert sich die Botschaft.
2. Sich einfache Erklärungen wünschen für komplexe Probleme
Mein Eindruck ist eher, dass gerade eine ganze Reihe durchaus eher anspruchsvoller Medien dazu übergegangen sind, einfache Erklärungen zu liefern, die der Komplexität der Probleme überhaupt nicht gerecht werden und den intelligenten Leser/Zuschauer frustriert zurücklassen.
3. Die Annahme oder der Wunsch, irgendjemand hätte die Kontrolle
Anstatt zuzugeben, dass eben niemand das Weltgeschehen im Griff hat, (Außer Gott, so man an IHN glaubt) suchen nicht wenige Medien den Eindruck zu vermitteln als würden sie das gesamte Weltgeschehen überblicken, einordnen und bewerten können; und dies teilweise auf einem solch einfachen Niveau, dass man den Eindruck erhält, wenn der betreffende Reporter/Journalist oder Fernsehmoderator die jeweiligen Entscheidungen selbst treffen könnte, ja dann würde es richtig laufen.

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StefanXX 18.10.2017, 16:25
3. Etwas mehr Ausgewogenheit in der Berichterstattung täte gut

Vorab eins: Ich denke mit dem Bereich Medien ist es wie in jedem anderem Bereich auch: Es gibt gute und gewissenhafte Mitarbeiter und Organisationen und es gibt weniger gute. Der Bereich Medien ist aber besonders sensibel, weil hierüber eine große Macht ausgeübt werden kann. Was mich generell etwas an "den Medien" stört ist dass meiner Meinung nach zu wenig Positives vermittelt wird. Und dadurch tragen auch die Medien einen Teil zur Politikverdrossenheit bei. Denn wenn ich den ganzen Tag immer nur lese und höre wer sich weswegen alles streitet und was alles schief läuft, dann baut sich bei mir ein Bild auf dass nichts in diesem Lande funktionieren würde. So ist es aber ja auch nicht. Wir leben seit vielen Jahrzehnten in Frieden, Freiheit und Wohlstand und das haben wir all den fleißigen und gewissenhaften Bürgern, aber auch "der Politik" und "den Medien" mitzuverdanken. Um das erreichen zu können, müssen neben all den Problemen und Fehlern, die es gibt, auch eine Menge richtige Entscheidungen und Maßnahmen getroffen worden sein. Kritisches Hinterfragen und das Aufzeigen von Missständen und Fehlern gehört nicht nur dazu, sondern ist sogar Hauptaufgabe eines guten Journalismus, keine Frage. Aber ich habe manchmal den Eindruck es geht um nichts anderes mehr. Hier würde ich mir manchmal ein bisschen mehr Ausgewogenheit in der Berichterstattung wünschen und vermisse manchmal auch die ein oder andere positive Meldung oder der wecken von Verständnis dass sich manche Dinge eben auch nicht so einfach lösen lassen.

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ra-live 18.10.2017, 16:30
4. Die Medien,

das ist genauso blöd pauschalisierend wie Die Flüchtlinge, Die Rechten oder Die Netzgemeinde.
In meiner Jugend hatten wir 3 Fernsehsender: Das Erste, das Zweite, das Dritte. man beachte die Namen. jetzt habe ich zu Hause etwa 200. Und dazu noch das Internet. Und zu fast jeder Fernsehsendung der öffentlich rechtlichen gibt es dann zusätzlich noch Hintergrundinformationen im Netz. Dazu kommt noch eine irrwitzige Zunahme von dem , was man früher Reklame nannte. Das wird m.E. nach viel zu wenig beachtet. Überall ballern diese Informationen auf einen ein, und es wird einem einsuggeriert, man könnte es ja viel besser haben als im Augenblick. Natürlich ist es dem Marketing wichtig, dass wir nie zufrieden sind. Und denken Konsum wäre die Lösung unserer Probleme. D.h. zur Lohnstagnation kommt noch die wachsende Sehnsucht nach noch viel mehr. Das ist doch klar, dass der Slogan "Wir haben die Schnauze voll" verfängt. Das ist doch klar, dass die Präsentation einer einfachen Lösung, die auch von mir selbst weg zeigt, indem den Flüchtlingen, den Medien, den reich etc. die schuld gegeben wird, vielen wie eine Erlösung vorkommt.
Als ich jung war, hatte jedes Gerät einen Ausschaltknopf und wenn man den betätigte, dann war es auch aus. heute ist das keinesfalls so. Da muss man über zahlreiche Klicks ein Gerät "runterfahren". Oder es sieht nur so aus, als wäre es ausgeschaltet. Nein die Mastgans Konsument ist einfach nur kurz vorm Kotzen und wir erleben die ersten Würgereize.

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pterodactylus 18.10.2017, 16:30
5. Mein zentrales Problem haben Sie nicht genannt

Die Aufgabe der Medien hat sich m.E. geändert: In einer Zeit, in der man alles irgendwo irgendwie lesen kann, ist es essentiell geworden, dass man eine (oder mehrere) Quelle(n) hat, an der bereits bekannte Fakten und resultierende Meinungen auseinander gehalten werden. In allen Artikeln über alle Zeitungen hinweg, die mich inzwischen alle auch erreichen, erfahre ich den selben Fakt in beliebig vielen Färbungen. Mit entsprechender Beeinflussung und der Unmöglichkeit, dieses anschließend noch zu bewerten, um meine eigene Meinung zu bilden.
Die Erfahrung zeigt, dass sich irgendwann dennoch ein Standpunkt findet, massiv beeinflusst durch die Auswahl, welches Medium man gerade nutzt - und der Standpunkt der Medien ist dann sofort immer falsch, verfärbt oder gar bis zur Unkenntlichkeit verbogen ist, bis man ein X zum U gemacht hat, um die Leserklientel zu befriedigen (oder die Autoren auch sich selbst bestätigen?).

Ich vergleiche gute Medien heute oft mit einer Wissenschaftszeitschrift, zunächst nüchtern, sachlich beschreibend, so exakt wie möglich was man weiß, ohne dieses zu bewerten, aber auch, was man nicht genau weiß. Und anschließend dann kann man loslegen, interpretieren, einen schön klingenden Text dazu verfassen, der interpretiert und vielleicht die Lücken füllt.
Aber der Teil, dass der Fakt so trocken und präzise wie möglich dargestellt ist, damit man sich seine Meinung selbst bilden kann, der fehlt einfach. Und das ist aber das, was ich zur Meinungsbildung benötige, um letztlich auch ein Vertrauen in die Aussage der Medien zu haben.

Die öffentlich rechtlichen sind dabei noch deutlich weniger gefärbt als die ganzen sonstigen Blätter, daher sind diese sogar für mich noch zu bevorzugen. Insofern: nicht abschaffen, ausbauen!

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KaWeGoe 18.10.2017, 16:33
6. Herr Lobo, Sie machen es sich zu leicht !

Ich bin sicher kein AfD-Fan (im Gegenteil). Sich aber hinzustellen und zu versuchen die Medien rein-zu-waschen mit der Behauptung, die Medien seien nur der Überbringer der schlechten Nachricht und würden dafür geprügelt. Das greift eindeutig zu kurz.

Fakt ist, die Medien machen Stimmung !

Beispiele:
1. Schummel-Software
In praktisch allen Medien (Funk, Presse, Internet) verwenden ausgewachsene Journalisten durchgängig den Begriff "Schummel-Software".
Dabei sollte Journalist der Unterschied zwischen Schummeln (2 Karten bei MauMau ablegen) und Betrügen geläufig sein. Insbesondere dann, wenn die Betrügereien pro Jahr mehrere 10.000 vorzeitige Todesfälle zur Folge haben.

2. Politiker-Demo bei Charlie Hebdo - Anschlag
Unvergessen die manipulierenden Bilder von Staatsmänner und -frauen an der Spitze der Proteste, die in der Tagesschau gezeigt wurden.
Für mich ist das der schlagende Beweis für Propaganda in der Tagesschau gewesen !

3. massenweise talk-runden zum Thema: Flüchtlingen
Die Häufigkeit dieser Runden zeigt mir, dass es offensichtlich interessierte Kreise gibt, die dieses Thema offensichtlich gerne bis zur Bundestagswahl am kochen halten wollten.

Andere - meiner Meinung nach viel wichtigere - Themen, z.B. der Klimawandel wurden totgeschwiegen.

Zum Glück gibt es die Möglichkeit sich unabhängig im Internet zu informieren und so aus der Propaganda-Blase der mainstream-Medien zu befreien.

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großwolke 18.10.2017, 16:34
7. Mangelnde Bildung von Journalisten

Wenn ich, gerade auf Online-Newsportalen, Artikel lese, dann bekomme ich aus den Artikeln so gut wie nie tiefe Informationen. Die finde ich, in mühsamer Kleinarbeit, in den Leserkommentaren. Was ich dagegen häufig finde, sind undifferenzierte Darstellungen. Beispiel Flüchtlingskrise: Zäune sind keine Lösung. Für mich ein sehr schöner Satz, gerade hier auf SPON so oder ähnlich oft genug gelesen. Aber Fakt ist: man kann Zäune bauen. Fakt ist auch: die Balkanstaaten haben es getan, und offenbar hält es die durchziehenden Menschen fern. Fakt ist aber auch: den Asylanten helfen Zäune tatsächlich nicht, und durch die Zäune auf dem Balkan gibt es jetzt ein fast unlösbares Problem in den griechischen Flüchtlingslagern. Ich, ganz persönlich und nur ich, wünsche mir, dass sich Journalisten wieder herablassen, auf dem Niveau des faktischen Klein-Klein über Dinge zu schreiben, so dass einem als Leser wieder Schritt für Schritt klar werden kann, warum Publikation X bestimmte Handlungsmöglichkeiten nicht als "Lösung" akzeptieren möchte. Auf diesem Niveau kann man dann nämlich auch wieder miteinander reden, kann darüber streiten, warum man welche Wege gehen möchte und welche nicht. Wenn man nur noch mit der fertigen Meinung konfrontiert wird, geht das nicht.

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gehmlich 18.10.2017, 16:35
8. Bei Wort “wirklich”

habe ich aufgehört weiterzulesen, da ich wusste dass sich jemand rechtfertigen will. Obwohl ich nicht zu den Medienkritikern zähle.

Allerdings stimme ich zu dass eine Debatte über die Rolle der Medien statt finden sollte. Man könnte beispielsweise hinterfragen, ob Medien über alles berichten müssen oder einige Stories weglässt, um Nachahmern nicht zu ermutigen.

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macpaint2 18.10.2017, 16:36
9. Nicht die ganze Medienwelt.

Ich denke die deutsche Medienwelt ist es nicht, die unglaubwürdig ist oder für eine Art von "Lügenpresse" steht. Vielmehr macht es mich wütend, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk behauptet unabhängige Inhalte zu verbreiten, obwohl sich dieser durch Zwanggebühren, Werbeeinnahmen, Productplacement und Online-Inhalten finanziert. Ich fordere eine Neuordnung der Medienlandschaft indem klar zwischen einer objektiven Berichterstattung und Einflussnahme durch Werbungtreibenden/Lobbisten/Politikern differenziert wird. Das haben wir in Deutschland ja auch mit der Trennung von Kirche und Staat hinbekommen...

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