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Völkerrecht: Ist Cyberkrieg ein Krieg?
DPA

Ist es Krieg, wenn Computerwürmer wie Stuxnet oder Flame Infrastruktur in Ländern wie Iran angreifen? Müssen dann also das Kriegsrecht und die Genfer Konventionen beachtet werden? Die Völkerrechtlerin Cordula Droege erklärt im Interview, wie schwierig es ist, Regeln für den Cyberschlacht festzulegen.

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kittekatz 02.07.2012, 13:01
1.

Eigenartige Frage.
Man muss sich die Konsequenzen und nicht die Durchführungsmittel anschauen. Und als Konsequenz ergibt sich durch Cyberkrieg mutwillig zerstörte Infrastruktur eines fremden, autonomen Landes. Natürlich ist das Krieg.

Das ist so als würde ich einen Auftragskiller dafür bezahlen jemanden umzubringen. Die Person ist tot, das ist die Konsequenz. Man nennt mich dann nicht Mörder, weil ich es per Definition nicht bin, aber dennoch bin ich Schuld für einen Mord und werde auch genau dafür bestraft.
So lange also das Ergebnis von Cyberkrieg Zerstörung in einem fremden Land zur Folge hat, sollten diese Taten auch dementsprechend gekennzeichnet und international verachtet/bestraft werden. Ob man das nun Krieg oder Gubbelwubbel nennt, ist nur eine Frage der Lexikalisierung.

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The Captain 02.07.2012, 13:02
2.

Zitat von sysop
Ist es Krieg, wenn Computerwürmer wie Stuxnet oder Flame Infrastruktur in Ländern wie Iran angreifen? Müssen dann also das Kriegsrecht und die Genfer Konventionen beachtet werden? Die Völkerrechtlerin Cordula Droege erklärt im Interview, wie schwierig es ist, Regeln für den Cyberschlacht festzulegen.
So rein vom "gesunden Menschenverstand" her: ja, es ist ein Krieg.
Warum?
Weil man mit Cyberwarfare durchaus sehr reale Schäden anrichten kann. Man kann nicht nur einzelne Industrieanlagen sabotieren, sondern sogar das Wirtschaftssystem eines Landes destabilisieren. Es ist möglich, ein Land wirtschaftlich schwer zu schädigen, die Moral der Bevölkerung des Landes anzugreifen usw usf. Nur weil niemand erschossen wird, heißt das nicht, es handelt sich nicht um kriegerische Handlungen!

Allein weil sehr reale Schäden angerichtet werden können, weil eine kriegerische Absicht dahinter steht, ein Land über's Internet anzugreifen, ist "Cyberwar" als Krieg einzustufen und die Combatanten sind die von der jeweiligen Regierung abgestellten Hacker.

Die Frage die da zu stellen wäre ist: sind dann "zivile" Hacker, die Rechner in einem anderen Staat angreifen, Kriegsverbrecher?

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Atermortuus 02.07.2012, 13:11
3. Spiel, Satz und Sieg USA

Ohne jetzt der große IT-Sachverständige zu sein - aber kommt nicht die gesamte Basis-Software dieser Welt aus den USA von solchen Unternehmen wie Microsoft, Cisco oder Apple? Es ist doch mehr als wahrscheinlich, dass auch die Computer vom Atombombenprogramm des Iran, die deutschen U-Boote der Israelis oder die Luftabwehr von Nord-Korea mit MS-Windows funktionieren. Und wenn das so ist - ist man denn gleich ein Verschwörungstheoretiker wenn man sagt, dass die NSA - oder irgendeine der anderen "Drei-Buchstaben-Behörden" der USA schon längst den Code für die Hintertür in diese Programmehaben - bzw. vom Hersteller direkt die Informationen erhalten haben, wo ihre Produkte anfällig sind?
So gesehen haben die USA den "Cyberwar" sowieso schon längst gewonnen - und daher werden die USA einen Teufel was tun, und eine Beschneidung Ihrer Macht in Kauf nehmen - und schon gar nicht vom "Roten Kreuz".

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dr. phibes 02.07.2012, 13:31
4.

Kurzfassung:

Wenn "WIR" angegriffen werden ist es ein Angriff, wenn "WIR" irgendwo nette Computerspielchen installieren dient es dem Friedenserhalt ist also kein Krieg/Angriff.

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BadTicket 02.07.2012, 13:52
5.

Zitat von The Captain
Es ist möglich [...]die Moral der Bevölkerung des Landes anzugreifen usw
Ui, dann haben gestern die Spanier ja Italien angegriffen...

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Dubbel 02.07.2012, 14:03
6.

Zitat von The Captain
Die Frage die da zu stellen wäre ist: sind dann "zivile" Hacker, die Rechner in einem anderen Staat angreifen, Kriegsverbrecher?
Nein. Denn: Was sind Kriegsverbrecher? Menschen (egal, ob Soldaten oder Zivilisten), die während eines Krieges gegen das Völkerrecht verstoßen.
Zivile Cracker, die "Rechner in einem anderen Staat angreifen", sind erstmal nur international agierende Kriminelle (wobei m.M.n. eine DDOS-Attacke nicht mit einer Datenbankkompromittierung vergleichbar ist).
Zivile Cracker, die "Recher eines anderen Staates" stark angreifen, könnte dieser als Terroristen bezeichnen.
Zivile oder militärische Cracker, die durch ihre Handlungen unverhältnismäßig viele Zivilisten verletzen/töten oder z.B. Kriegsgefangene töten, wären tatsächlich Kriegsverbrecher.

Viele angebliche Cyberwar-Attacken sind eher Cyberspoinage oder Cybersabotage, fallen also m.M.n. eher weniger unter das Völkerkriegsrecht, zumal man die wirklichen Täter kaum je zweifelsfrei identifizieren kann.
Sollte der Täter klar sein (z.B. da der bewaffnete Konflikt schon eingetreten ist und sich die Angreifer nicht viel Mühe gegeben haben ihre Herkunft zu verschleiern), dann muss man tatsächlich von den Auswirkungen der Attacke ausgehen. So sind Gewehre ja auch nicht nach dem Völkerkriegsrecht verboten, wenn sie gegen feindliche Soldaten eingesetzt werden, doch wenn man sie für Massenerschießungen von Zivilisten nutzt, dann verstößt das natürlich gegen das Völkerrecht

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vitalik 02.07.2012, 14:10
7. Völkerrecht

Zitat von BadTicket
Ui, dann haben gestern die Spanier ja Italien angegriffen...
Den Unterschied zwischen Hunger/Obdachlosigkeit und ein Fussballspiel verlieren , kennen Sie aber oder?

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jan-bernd meyer 02.07.2012, 14:11
8. In der Tat: Wirklich grotesk diese Definitionshuberei

Sorry, aber diese öffentliche Diskussion ist wirklich grotesk - und sie zeigt, wer hier was für Interessen verfolgt. Die USA und alle Nationen, die via Viren, Würmern, Cyberwar allgemein, versuchen, andere Nationen zu schädigen, begehen kriegerische Handlungen.
Hätten die USA im September 2010 die iranischen Atomanlagen angeflogen und via Bomben zu zerstören versucht, hätte man von einem kriegerischen Akt gesprochen. So haben die Experten mit dem RootkitTmphider genannten Wurm die Anlagen bzw. deren Funktionsweise zerstört.
Sicherheitsexperten gehen zudem davon aus, dass der flächendeckende Stromausfall im Nordosten der USA vor Jahren ein Cyber-Angriff war. Damit wird eine komplette Infrastruktur lahmgelegt. Wie kann man da noch über Begriffsdefinitionen streiten? Klar, Nationen wie die USA, die sich im Cyber-War befinden und dies auch mehr oder weniger unverhohlen ausdrücken, möchten natürlich nicht, dass diese Handlungen als Krieg bezeichnet werden. Es ist aber Krieg und sollte entsprechend gewürdigt, also geächtet werden.

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Josarian 02.07.2012, 14:13
9. Ich halte es da einfach, weil pragmatisch...denn

...selbst die Genfer Konventionen haben in den Kriegen der letzten 70 Jahre keinen Beteiligten davon abgehalten, Verbrechen zu begehen. Genau diese Verbrechen sind allerdings der springende Punkt. Krieg ist die Legitimation von Verbrechen. Ein Beispiel? In jedem Land ist Mord als Straftatsbestand gesetzlich definiert. Diese Gesetze werden ausgehebelt, wenn es um einen Krieg geht. Mit anderen Worten, grundsätzlich ist es mir nicht erlaubt, in Deutschland einen anderen Menschen zu töten. Tritt die BRD ein in einen Krieg und entsendet mich als Soldat mit Auftrag in das Kriegsgebiet, gilt dieses deutsche Gesetz in seiner ursprünglichen Fassung für mich nicht während einer Kampfhandlung. Ich darf also straffrei töten? Warum? Weil die Situation keine Normalsituation ist und als solche durch den Zustand Krieg beschrieben wird. Wie sieht das nun bei IT-Angriffen aus, zu denen zweifelsohne die Instrumente des Cyberwar zählen? Wenn ich in den USA einen solchen Virus/Wurm gezielt einsetze, mache ich mich strafbar. Wenn ich von den Vereinigten Staaten aus einen solchen Einsatz ausführe mit der Legitimation/Freigabe, nicht strafrechtlich verfolgt zu werden und somit Immunität meiner Handlung vorliegt, ist es nur durch einen Punkt zu rechtfertigen. Und dieser lautet...?
Richtig: Ich befinde mich im Krieg, eine Ausnahme liegt vor. Wofür es immer eine Gesetzgebung im Lande gibt, die bei gleicher Tat gegenüber einem Exterritorialen nicht geahndet wird, sollte man zwischen zwei Staaten vom Zustand des offziell herbeigeführten Krieges schreiben. Und daher sind diese Methoden der Einflussnahme - ob gerechtfertigt oder nicht - zunächst einmal Krieg. Ist doch einfach - oder?

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